Eine Rose auf Fritz Reuter’s Grab

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Autor: unbekannt
Titel: Eine Rose auf Fritz Reuter’s Grab
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1875
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[747] Eine Rose auf Fritz Reuter’s Grab. Mit wie inniger Verehrung das deutsche Herz, auch in der fernsten Fremde, an dem Dichter der „Ollen Kamellen“ hängt, das beweist neben anderen das folgende Beispiel.

Die Kunstgärtnerei und Samenhandlung von Ch. Lorenz in Erfurt theilt uns mit, daß ihr ein Brief aus Chotin in Bessarabien von dem dortigen deutschen Consul mit der Bitte zugegangen sei, einen Rosenstock für das Grab Fritz Reuter’s nach Eisenach zu liefern und für dessen Anpflanzung daselbst Sorge zu tragen. Dem Schreiben dieses fernen Reuter-Verehrers war ein kleines Gedicht beigegeben, das wir uns nicht versagen können in seiner ansprechenden Einfachheit hier wiederzugeben. Es ist an den Inhaber der oben genannten Kunst- und Handelsgärtnerei gerichtet und lautet:

Sucht, Meister, aus den Rosenstrauch,
Des Gartens schönste Gab’!
Gen Eisenach, gen Eisenach
Tragt ihn auf Reuter’s Grab!

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Ein Monument, das ewig währt,

Ein Monument von Stein,
Das setze Deutschland stolzgemuth
Dem edlen Dichter sein!

Ich bin nur arm, bin nur gering,

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und doch, wie arm ich bin,

Ich schmücke seine Ruhestatt
Nach meines Herzens Sinn.

Hat doch an manchem düstern Tag,
In mancher dunkeln Nacht

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Sein lichtes, helles Dichterwort

Den Frieden mir gebracht.

Nun kommt zum fernen Grab mein Dank
Im Blumenhauch daher,
Gen Eisenach, gen Eisenach,

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Wohl über Land und Meer.


– Ihr seht mich, Meister, fragend an
Und wißt nicht, wie zu thun.
„Wo schon so viele Blumen sind,
Wie pflanz’ ich diese nun?“

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O, pflanzt auf’s Grab sie, wär’ es auch

In einem Winkel still,
Und glaubt, der dort im Schlummer liegt,
Weiß doch, was Liebe will!

Diese Worte von den Ufern des Dnjestr und Pruth zu uns herübertönend, sind in ihrer schlichten Natürlichkeit ein herzerhebendes Zeugniß für die allwache Liebe, die dem Echten und Wahren in Kunst und Poesie auch heute noch zu Theil wird. Der einsame Mann, der in den weltfernen Steppen Rußlands so treu des Dichters heimathlichen Still- und Kleinlebens gedenkt und eine Rose auf sein Grab pflanzen läßt, er ist der Typus der deutschen Gemüthsinnigkeit, die auch in den fernsten Himmelsstrichen nicht stirbt und erlischt, wohl aber bei tiefer angelegten Naturen wächst und erstarkt, je ferner ihr das Bild der Heimath entrückt wird. Die Rose, mit welcher der Deutsche von Bessarabien das Grab von Eisenach schmückt, ist ein redendes Bild deutscher Pietät und treuer Heimathsliebe und unter den Spenden für Reuter’s Gruft sicherlich nicht die werthloseste.