Erinnerungen an Felix Mendelssohn-Bartholdy
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Erinnerungen an F. Mendelssohn
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Mendelssohn über s. eigenen Compositionen. Von s. Charakterstücken wollte er später nicht viel mehr wissen. Bach und Händel habe ihm da noch in den Gliedern gelegen [Seite 4]
[100] Von einzelnen „Liedern ohne Worte“
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Ueber das g-moll-Concert u. die Etüden von Moscheles „er hätte gedacht, Moscheles finge von da an erst zu componiren“. – An die Männergesanglieder ging er schwer. Ueber den beliebten Sextquartaccord. Ueber das Viereckige (bei Reißiger) Ueber Field, und wie es ihn nie unangenehm berührt, daß er auch als alter Mann die peinlichsten mechanischen Uebungen gemacht. – (In London) Daß er nie Gelegenheitsstücke, Fantasie-sur-motive-de etc., geschrieben – nur einmal wäre er in Gefahr gewesen, bei der Anwesenheit der Malibran in London, die auch ihn den Kopf verrückt, ein solches Stück zu schreiben. Er besitzt das Original der A dur Symphonie v. Beethoven
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Er mochte nicht leiden, wenn Jemand, vollends ein Musiker, in der Partitur nachlas. Der Musiker habe ja eben die Ohren. [101] Als er mir[WS 1] ein elendes Stück v. Czerny gespielt hatte (1836) u. ich mich darüber lustig machte, sagte er gutmüthig „ja, das war dumm von mir!“ – Spielte moderne Sachen nie öffentlich; nur einmal hatte er Lust, das F moll Concert v. Chopin zu spielen. Reformationsfest in W.– Gutenbergfest in L.– Denkmal f. Bach. – Ausgabe des Israel v. Händel u. sein Vorwort. Mein Ausspruch beim Erscheinen d. G-moll-Ballade v. Chopin: „wenn ihm (M.) gar nichts mehr gefiele, möchte er sich aufhängen lassen“ Rahel’s Ausspruch üb. e. Stück v. Mendelssohn: „eingebildeter Sturm“
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Seine Feinheit in Aufmerksamkeiten gegen die, die er gern hatte: so gern Klara (Hermann u. Dorothea) – besonders beim Geschenk v. Tristan u. Isolde von Imermann. Sein Bratschenspiel. Sein Zeichnen. Sein Briefstyl. Sein Orgelspiel Ueber Jean Paul u. das Verführerische/?/, ihn nachzuahmen. „Sage mir wo du wohnst – u. ich werde dir sagen, wie du componirst“ belustigte ihn sehr. Ueber Meyerbeer: Daß eine Composition eben ein Stück Leben des Künstlers sei, eine Nothwendigkeit – davon wisse er nichts. Tiefer Sinn in allem, was er that und sprach, vom Kleinsten bis zum Größesten; Ueber die 9te Symphonie u. ihre Kritiker; der wundervolle Schluß des 1sten Satzes, überhaupt das wundervolle des ganzen 1sten Satzes. Das Adagio insbesondere ein am höchsten von ihm gehaltenes Stück. – [Seite 8]
Bei dem Choralvorspiel v. Bach „Schmücke dich o liebe Seele“ (in Es dur) sagte er mit d. innigsten Ausdruck: „wenn mir das Leben alles genommen hätte, dies Stück würde mich wieder trösten“. Das Gedicht, was er Klara zum Componiren gab. Selbstkritik, die strengste, gewissenhafteste, die mir je an e. Künstler vorgekomen. Er änderte an einzelnen Stellen 5-6 mal. (Namentlich auch im Elias; sein schönes Wort darüber „er glaube, er könne eben manches noch besser machen“ Sein Todesantlitz. Wie ein Hierophant sah er, wie ein Gottesstreiter, der überwunden. – den 6ten November 1847. – [Seite 9]
Das Krüger’sche Bachianum und Mendelssohn’s Gesicht dazu. Über altitalienische Kirchenmusik „sie käme ihm vor wie Weihrauch“ – Als ich ihm mein Nervenleiden klagte (1845) „aber Himmel, was haben Sie auch aus sich in den letzten Jahren herausgegraben?“ – Seine Aufmerksamkeiten gegen Clara:
Das Denkmal für Bach. Glück- u. Segen verbreitend überall. Von „Lamery“ /?/ u. ähnlichen Menschen zog er sich zurück, wie er sagte, wie eine Schnecke in ihr Haus. [Seite 10]
Wenn uns auf der Künstlerbahn die alten Freunde zu verlassen anfangen, wenn sie von „falschen Richtungen“ sprechen – wie betrübt das wäre. Seine peinlichen Correcturen in d. gedruckten Correcturen – und die malitiöse Bemerkung d. Stechers „das ginge wie im Schachspiel“ und sein strenges Benehmen dabei. Hatte er Jemanden ungerechterweise beleidigt – gegen einen dritten sich mißbilligend ausgesprochen – so ließ es ihm keine Ruhe, sein Unrecht wieder gut zu machen (die Geschichte mit Hofmeister) Seine Widersacher – die künstlerischen u. persönlichen. – Sein Benehmen gegen Virtuosenanmaßung – so gegen O. Bull. Als ich ihm v. d. großen „Fernrohr“ mittheilte, und eine der Bemerkung, die ich wo gelesen, daß wir auf unsrer Erde den höheren Sonnenbewohnern, beobachteten sie uns durch ein Fernrohr, etwa [Seite 11]
Er hat sich nie „Tagebücher“ oder ähnliches gehalten, wie er mir sagte. Sein Lob galt mir immer das höchste – die höchste letzte Instanz war er. Sein Benehmen gegen andere lebende Componisten, ein gänzlich ungerechtes Urtheil, das er darüber oft erfahren mußte. Wo er nichts zu loben hatte, verhielt er sich ruhig; wo er aber unfehlbar /?/ Talent fand, war er der Erste es auszusprechen (Bennett, Gade, Rietz) Ueber Henselt’s Concert „er wäre sehr getäuscht – wäre überhaupt sauertöpfisch geworden“ – „Passagen mit oben angeklebter Melodie“ nannte er es. Sein Brief an s. Mutter, an Buxton in London über mich.
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Und nun erst die musikalische! Seine Sprachkenntniße. auf meine Frage „ob er nicht in s. Jugend irgend einmal daran gedacht, nicht Musiker zu werden“ – Ein einziges mal, antwortete er, an einem trüben regnerischen Tage – er habe da „Jurist“ werden wollen. Seine Voraussetzung des feinsten mus. Gehör’s, „daß man als Kind den Ton der Fensterscheibe errathen müsse“ – schien er bei allen vorauszusetzen. Sein Benehmen gegen das Orchester. Seine Proben. Dankbarkeit gegen Moscheles
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In s. letzten Briefen an Fanny Hensel schreibt er „er werde sie noch vor ihrem Geburtstag (den 14ten Nov.) sehen. (Prof. Hensel darüber zu befragen) Seine Gedanken über „Compositionslehre“ u. über Marx insbesondere. [Seite 14]
Fühlte er, daß seine Sendung erfüllt war? Ich glaube es. Seine Unterhaltung mit Kindern so lieb und sinnig. Strengste Erfüllung s. Pflichten gegen Gott u. Menschen. Rheinwein trank er vorzüglich gern obwohl immer mäßig. Als er einmal unwohl zu uns [Randnotiz rechts: an Kl’s Geburtstag 1842] kam u. deshalb von angebotenem Wein (einem sehr guten Rheinwein) nichts kosten wollte, zuletzt doch kostete u. sagte „wenig solcher Wein kann nichts schaden“ und trank tapfer – Mein Verhältniß als Componist zu ihm. Der Widerstand in Berlin spannte seinen künstlerischen Ehrgeiz auf das höchste. Dies eine Ursache s. frühen Hinscheidens. [Seite 15]
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Sein Umgang mit allem Hohen u. Ausgezeichneten der Erde. Sein unglaubliches Gedächtniß. Er empfing die Huldigungen aller Künstler; die bedeutensten Compositionen der jüngeren sind ihm zugeeignet: Gade (Symphonie), Bennett (Sonate), Verhulst ( ), Rietz ( ), Hiller (Zerstörung), Spohr (Sonate). Seine Sendung war erfüllt. Dies wußte er am besten „Herr, nun laß deinen Diener in Frieden fahren“!
Sein Leben ein Kunstwerk – vollendet. Seine Handschrift auch ein Bild seines harmonischen Inneren! Sein Verhalten zur italienischen Musik. Sein Urtheil über Rossini.
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[Am rechten Rand, 90° gegen den Uhrzeigersinn gestürzt:]
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[Zentrum, horizontal:] Er blieb nichts schuldig. Sagte man ihm etwas Gutes, Bedeutendes, so konnte man versichert sein, daß man es doppelt, dreifach zurückerhielt. –
Orden trug er nie. Sein Zurückschicken des Belgischen (?) Wie Berlioz mit dem „rothen Bändchen“ in L. erschien – und Mendelssohns Bemerkung. Frei von allen Schwächen der Eitelkeit war er. Seine Reisen (Harz – als Knabe) Der „Elias“ wurde gerade Abends den 4ten Nov. 47 in seiner Vaterstadt Hamburg gegeben. – Die Aufführung in Wien d. 15ten Nov. – Das Octett schrieb er im 15ten Jahre. Mehr Vollendung in so jungen Jahren kann sich kein Meister der älteren noch der neueren Zeit rühmen. Als ich ihm sagte, wie viel ich ihm schuldig wäre, da er mir immer Geschenke mache: „aber, Sch., die Quartette“ – [Blatt 1]
Im August 1835 erstes Sehen im Gewandhaussaal. Die Musiker spielten ihm s. Ouvertüre „Meeresstille“ vor. Ich sagte ihm, daß ich alle s. Compositionen gut kenne; er antwortete etwas sehr Bescheidenes darauf. Der erste Eindruck der eines unvergeßlichen Menschen. Zu Ende September kam er ganz nach L. [Blatt 2 (Vorderseite)]
1835. 1836. 1837. Am 15/3 37.
Am 14ten März 37. Früh 91/2 zu ihm. Tags vorher die 9te Symphonie v. Beethoven. Den ersten Satz nahm M. unbegreiflich rasch, für mich so beleidigend, daß ich geradezu fortging. Ich sagte es ihm auch, sogar etwas grob u. geradezu. Er war frappirt „er hätte sich ihn nie anders gedacht“. Dann „die drei ersten Sätze wären übertrieben schön“ Schon früher meinte er: „an Schwung käme am 1sten Satz nichts in der Musik gleich, von ferne etwa der Schluß des ersten Satzes des D-Moll Concerts von Bach“ „Einige kleine Instrumentirungen wünsche er vielleicht anders, im Scherzo (ich weiß die Stelle), dann im Adagio eine (wo die Violinen den starken Mittelgedanken beantworten): an der ersten höre man das Thema nicht, an der zweiten wären die Violinen zu schwach“. „Den letzten Satz verstünde er nicht“ Damit sagte er: „er gefiele ihm am wenigsten“. In vierzehn Tagen heirathet er. „Ob es nicht schauerlich wäre von ihm: er stünde so nah am Ziel seines Glücks u. dennoch beleidige ihn eine falsche Note wie vorher, wäre er bei seiner Braut, wäre freilich alles vergessen“. Sie wäre ein Kind. Vor wenigen Tagen sagte er recht wehmüthig „Schumann, wie traurig, wenn ich an diesem Hause vorübergegangen wäre“. Als wir über die Symphonie fertig waren, faßte er meine Hand: Sch, nehmen Sie mir jetzt etwas nicht übel; ich befinde mich bei Ihnen so behaglich; hab’ aber so traurige Erfahrungen gemacht namentlich bei denen, die etwas mit einem öffentlichen Organ zu thun haben, daß eine Scheu übrig geblieben ist, selbst gegen die, wo er doch wüßte, daß es nicht nöthig wäre, sie zu fürchten. Er wünsche mir gern zu schreiben, u. recht offen, was er auf dem Herzen habe. Ob ich ihm verspräche auch discret damit umzugehen“ Dies war der Sinn; ich etwas verlegen; es glich sich aber rasch aus. [Blatt 2 (Rückseite)]
[Blatt 3 (Vorderseite)]
Ueber Meyerbeer (1842) [Auf dem Kopf stehend:] d. englische Chorgesang, namentlich Händels, das Plärrende ist eigenthümlich – weniger gut der steinerne [?] Vortrag – [Am rechten Rand, 90° im Uhrzeigersinn:] „Ob wir uns je zanken könnten“ – [Am rechten Rand, 90° gegen den Uhrzeigersinn:] Auf meine Frage „wer wohl die beste Fuge schriebe unter den Lebenden“ antwortete M. unbedenklich „Spohr“. An Cherubini, der noch lebte (1836) hatte er nicht gedacht. – Das Concert-Concert, das er im Sinn gehabt. – Von Hauptmann’s Musik „fein wie Schießpulver“ [Zentrum, horizontal:] Ueber Chopin (vor 1840). „Er ist ein entschiedenes Talent. – Seine zweiten Erfindungen, (seine 2ten Thema’s) sind immer schwächer als die ersten. – Er hätte ihm ein Stück vorgespielt (das Notturno in G Dur vor dem Andante spianato), das M. sehr poetisch beschrieb: man sähe wie in einen Garten mit stumm wandelnden Menschen, Springbrunnen dazwischen und seltsamen Vögeln, ein eigenes Zauberleben der Musik wollte M. damit schildern. – [110] [Zentrum, 90° im Uhrzeigersinn:] „Die Anerkennung käme meistens, wenn man ihrer nicht mehr bedürfe“ (Kalkbrenner)
(Das H. d. m. auf alten M’scripten)
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[Auf dem Kopf stehend:] (Daß er seine Arbeiten in Gesellschaft bald vergesse.) [Zentral, horizontal:] Ueber Gade (1843). M. hielt sehr viel von seiner 1sten Symphonie, von seiner 2ten weniger; aber es wäre doch immer etwas anderes damit, als mit so einer Arbeit wie von Lindpaintner, es kämen doch manchmal 4-8 Tacte, wie sie einem wie L. niemals in s. Leben einfallen könnten. – Gade wäre einer, den er gern hätte, wenn er spräche ebenso wie wenn er schwiege. – Bennett nannte er eine schöne Natur, seine 3 Wasserstücke (The Millstream, the Fountain, Lake) spiele er unnachahmlich. – Ueber Klara. Das Schlüpfende ihres Spieles. Er hielt sie immer sehr hoch. „Die versteht Clavier zu spielen“. Es machte ihm immer Vergnügen, recht lebhafte Tempis mit ihr zu nehmen, bei vierhändigen Sachen, namentlich beim Vistaspiel. – Von Bach, Gluck, Händel, Mozart, Haydn u. Beethoven sprach er stets mit der tiefsten Verehrung. An Mozart tadelte er einmal den Chor (in Davide penitente) seine Art für die Singstimme zu schreiben; der einzige Vorwurf, den ich je von ihm gehört. Ueber die Sontag, Garcia – über verschiedene seiner eigenen Compositionen – das 1ste Lied ohne Worte – d. Octett – [Am rechten Rand:] Die glücklichen Strömungen an manchen Tagen [112][Blatt 4]
Urtheile über Delphine Schauroth, Dehn in Berlin, Raumer, Clara, Chopin, Hiller, Meyerbeer, über mich, Bennett, über Berlioz, über Liszt, über Fr. Schneider, über Banck, über Verkenius in Cöln, Jean Paul, Rückert, über alte Kirchenmusik, üb. Rellstab, üb. Henselt, üb. Thalberg, über Moscheles, über Rahel, über seine Schwester, seinen Vater, seine Erziehung. Vieles über Bach. Über Einzelne Compositionen v. Beethoven (A Moll Quartett). Ueber Lipinsky. Ueber Fink, Molique. Die Carl. Ueber Homer. Die Nibelungen. Nicht ein Fünftel s. Compositionen wäre gedruckt. Merkwürdige Aufschlüße über die Bachschen Manuscripte, die sich jetzt noch in der Singakademie befinden [Blatt 5 (Vorderseite)]
Was ein Traum sei? „Wenn man schläft und es fällt einem etwas ein.” – Ueber G. W. Fink u. die Bachschen Passionen Ueber Jean Paul, die Flegeljahre bes. – Materialien:
Ed. Devrient, Bendemann, Hübner Kern- u. Schlagworte von ihm. Ueber Johann Schneider u. sein Orgelspiel.
[Blatt 5 (Rückseite)]
Die letzten Wochen seines Lebens. Seine letzten Compositionen. Daß er England noch einmal sah. „Herr, nun laß deinen Diener in Frieden fahren” Das Erhebende seines Umganges. Höchste sittliche und künstlerische Maxime; daher unerbittlich, scheinbar manchmal schroff u. inhuman Anmerkungen (Wikisource)
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Lieder v. Eichendorff.