Erinnerungen aus meinem Leben/Einführung
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Einführung
Als der Bischof diese Erinnerungen niederschrieb, lag es ihm ferne, ein Werk der Nachwelt zu hinterlassen, das auch literarisch höher eingestellten Anforderungen entsprechen könnte. Was ihm einzig dabei als Ziel vor Augen schwebte, war, seine Leser zu erbauen. Er wollte mit diesen Erzählungen aus seinem Leben gleichsam zum letztenmale seines Hirtenamtes walten. So einfach und schmucklos auch die Darstellung ist, zwei Gedanken drängen sich dem Leser auf: Gottes heilige Vorsehung lenkte in besonders liebevoller Weise seine Schicksale und er überließ sich in selbstloser Weise, ohne eigene Wünsche und Strebungen aufkommen zu lassen, dieser Führung. An einigen Stellen seiner Erinnerungen, z.B. S. 47f. und 56 lüftet er, ohne es beabsichtigt zu haben, selbst den Schleier und läßt uns eine bewundernswerte Höhe der Tugend erblicken. Im Lichte solcher ungewollter Selbstbekenntnisse wird uns die Seelengröße leichter verständlich, die er vor allem am Ende seines Lebens bekundete. An den Aufzeichnungen des Bischofs brauchten nur wenige Änderungen vorgenommen zu werden, vor allem wurden die Reiseberichte, die für weitere Kreise weniger Interesse boten, gekürzt. Was der Bischof über sein Wirken in Metz mitteilt, ist so dürftig und spärlich, daß es kein entsprechendes Bild seiner umfassenden Tätigkeit ergibt. Es schien deshalb geboten, diese von seiner Bescheidenheit verschuldeten Lücken auszufüllen. Deshalb wurde in einem eigenem Nachtrag seine bischöfliche Wirksamkeit und seine letzte Lebenszeit ausführlicher geschildert [IV] auf Grund von amtlichen Urkunden, von Briefen und privaten Mitteilungen. Um nicht aus dem Rahmen der »Erinnerungen« herauszufallen, mußte auch dieser Nachtrag den volkstümlichen Ton und den erbaulichen Charakter der Schrift des Bischofs beibehalten. So will in diesem Nachtrage das Bild des seeleneifrigen Bischofs, der in edler Hirtenliebe, im Geiste der Versöhnung allen alles werden wollte und auch tatsächlich wurde, in kräftigen, lebenswarmen Zügen vor den Leser treten. Ein allen geschichtlichen Anforderungen entsprechendes Lebensbild des Bischofs dürfen wir wohl später von berufener Feder erwarten. Jetzt stehen wir ja auch manchen Ereignissen noch zu nahe, als daß man schon offen darüber reden könnte und dürfte. Der Leser möge die »Berichtigungen« S.240 beachten. Beuron, am 21. September 1922. P. Pius Bihlmeyer |