Erster Bericht über die Tätigkeit des folkloristischen Forscherbundes „FF“

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Textdaten
Autor: Kaarle Krohn
Titel: Erster Bericht über die Tätigkeit des folkloristischen Forscherbundes „FF“
Untertitel:
aus: Folklore Fellows’ Communications No. 4
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1910
Verlag: Suomalaisen Tiedeakatemian Toimituksia
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Erscheinungsort: Helsinki
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Quelle: Michigan-USA*, Commons
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[1]
FF COMMUNICATIONS No. 4.


Erster bericht
über die tätigkeit
des folkloristischen forscherbundes „FF“.


In der ersten vorläufigen mitteilung des folkloristischen forscherbundes „FF“ vom J. 1907, welche dem ersten bande der „FF Communications“ beigefügt wird, soweit die nachstehende auflage reicht, ist von der entstehung des bundes berichtet und zugleich ein aufruf an alle, die auf dem volkskundlichen gebiete tätig sind, gerichtet worden. Der gedanke einer vereinigung zum gegenseitigen beistande hat in erfreulicher weise anklang gefunden. Der ermutigende anschluss von vielen seiten und die unterstützung der Finnischen wissenschaftsakademie hat endlich einen versuch zur verwirklichung dieses gedankens zu machen ermöglicht.

Inzwischen sind wohl die lokalverwaltungen der folkloristischen sammlungen in Dänemark, Schweden und Finnland in regem verkehr mit einander gewesen. Bedeutende bestellungen von abschriften sind unter ihnen wechselseitig geliefert worden. Gelegentlich sind auch von anderen orten eingegangene fragen von ihnen beantwortet worden. Es ist jedoch einleuchtend, dass ein geordneter austausch zwischen ferner liegenden ländern eine in den statuten vorausgesetzte periodische publikation erfordert. Die art dieser publikation ist im vorigen jahre der gegenstand einer eingehenden prüfung gewesen. Im februar 1909 machte Dr. Oskar Dähnhardt folgenden vorschlag.

[2] „Die künftige entwickelung der volkskunde ist, wie die begründung des FF bereits gezeigt hat, auf den zusammenschluss internationaler arbeit angewiesen. Denn wenn auch die rein nationalen sonderaufgaben vorerst noch im vordergrunde des wissenschaftlichen und praktischen interesses stehen, so ruht doch überall das besondere auf der breiteren basis des allgemeinen, zu dem die erkenntnis durchdringen muss. Aus der untersuchung jedes völkischen lebens folgt notwendig die völker und zeiten verbindende frage nach der äusseren oder inneren zusammengehörigkeit der einzelnen lebensäusserungen. Die volkskunde ist daher ebenso wie andere wissenschaften auf die vergleichende methode angewiesen.

Es erscheint mir nun aber bedenklich, diese methode nur dadurch fördern zu wollen, dass den mitgliedern des FF auf jeweiliges verlangen litterarische hilfe gewährt wird. Der praktische nutzen wird voraussichlich gering sein, da verhältnismässig wenige von diesen vorteilen des FF gebrauch machen werden.

Weltweite bestrebungen bedürfen, wie auf andern gebieten des internationalen lebens, so auch in der volkskunde eines straffen zusammenhaltes. Dazu dienen einmal kongresse, aber auch – und mit besserem erfolge – internationale zeitschriften.

Wenn die ethnologie sich schon jahre lang eines solchen hilfsmittels erfreut, so dürfte die anregung nahe liegen, auch für die volkskunde eine internationale zeitschrift zu schaffen. Und wenn das archiv für vergleichende religionswissenschaft schon jahre lang ausgezeichnete leistungen aufzuweisen hat, so ist nicht einzusehen, warum die vergleichende volkskunde nicht zu ähnlichem imstande sein sollte. Unsere wissenschaft ist jugendfrisch und kräftig; wie sie rasch aufgeblüht ist, so wird sie auch weiterhin kraft entfalten. Und dazu könnte eine internationale zeitschrift, die gleichzeitig organ des FF wäre, in dauernder förderung mithelfen.

[3] Da es mir nun zwecklos erschien, dem plan näher zu treten, ohne dass zuvor ein verlag dafür interessiert war, so habe ich mich in einer unverbindlichen besprechung mit der firma B. G. Teubner von der prinzipiellen geneigtheit dieses ausserordentlich leistungsfähigen verlages überzeugt. Teubner glaubt, dass das unternehmen bestehen könne. Als zulässige sprachen würden deutsch, englisch und französisch zu gelten haben“.


An der beratung über diesen vorschlag nahmen ausser den gründern des bundes prof. J. Bolte und prof. M. Roediger in Berlin teil.

Prof. Bolte schrieb: „An sich finde ich den plan, eine internationale zeitschrift für volkskunde zu begründen angesichts des archivs für religionsgeschichte und des niederländischen archivs für ethnographie wohl begreiflich und wünschenswert; bei näherem zusehen aber überwiegen bei mir nahezu die bedenken. Der stoff ist allerdings überreich, aber werden der ober- und die unterredakteure rasch genug und einig genug in der ausscheidung des längst bekannten und gedruckten sein? Nach meiner eigenen redakteurarbeit halte ich diese aufgabe für ziemlich schwierig. Ist es überhaupt schon jetzt an der zeit, eine vergleichung vorzunehmen, wo jedes land noch soviel mit der ordnung und übersicht über den eignen besitz an volksüberlieferungen zu tun hat? Natürlich würde mir eine intensive durchmusterung des märchenschatzes aller völker, wie ihn da verschiedene kundige forscher auf anregung der redaktion vornehmen könnten, höchst willkommen sein. Und eine hauptaufgabe könnte so erledigt werden, nämlich eine bibliographische übersicht über die immer stärker anwachsende literatur. Dr. Lauffer in Hamburg, der die notwendigkeit dieser leistung ebenfalls klar erkennt, würde hier vielleicht hilfreich eintreten können“.


Prof. Roediger antwortete:

„Je mehr redacteure die zeitschrift hat, desto schwieriger [4] und zeitraubender gestaltet sich die aufgabe des ausgleichenden und vermittelnden hauptredacteurs. – – Der zersplitterung des stoffes wird aber auch die neue zeitschrift kein ende machen. Keine bestehende zeitschrift wird um ihretwillen eingehen, zumal da es unmöglich ist, dass sie alles material und alle forschungen – auch nur die allgemein interessierenden und fördernden aller länder – in sich aufnehme. Sie wird nur eine zeitschrift mehr neben den andern sein. Und damit wären wir denn bei einer bibliographie angelangt, die alle länder umfasst und die nicht bloss titel und zahlen gibt, sondern den inhalt skizziert, auch vereinzelte bemerkungen in andersartigem inhalt an den rechten platz stellt und so den weg zu den originalarbeiten weist“.

Aus beiden antworten geht hervor, dass eine internationale verständigung zunächst auf bibliographischem gebiete erreicht werden könnte. Eine hauptsächlich bibliographische publikation hatten die gründer des bundes „FF“ prof. Axel Olrik, dr. C. W. von Sydow und unterzeichneter, von anfang an geplant und es galt zu entscheiden, ob und wie es möglich wäre diesen plan mit dem vorschlage dr. Dähnhardts zu vereinigen. Bei einer genauen erwägung erwiesen sich jedoch die praktischen schwierigkeiten allzu gross. Die bibliographische arbeit, welche vorläufig die unbedingt wichtigste ist, erfordert von allen vorhandenen arbeitskräften wenigstens eine zeit lang ungeteilte aufmerksamkeit und anstrengung. Diese arbeit könnte leicht leiden bei der bemühung, den leserkreis möglichst schnell und regelmässig mit den neuesten erscheinungen auf dem folkloristischen gebiete bekannt zu machen. Auch hat sich dieses gebiet dermassen erweitert, dass eine internationale zeitschrift schwerlich alle teile desselben gleichmässig behandeln könnte. Wenn dieselbe nicht national beschränkt werden soll, müsste sie sich stofflich einschränken z. b. zur speziellen erforschung der märchen. In dieser form wird wohl dr. Dähnhardts anerkennungswerter und anziehender vorschlag in der zukunft wieder aufgenommen [5] werden. Jedenfalls kann der von ihm mit recht hervorgehobene bedarf methodologischer anleitung neben der bibliographischen orientierung von anfang an beachtet werden.

Die „FF Communications“ erscheinen vorläufig in zwangloser folge. Jedes schriftstück bildet eine nummer für sich mit eigener paginierung. Eine passende anzahl von nummern wird zu einem bande geheftet. Soweit möglich, wird jeder band eine nummer mit mitteilungen über die tätigkeit des „FF“ bundes enthalten. In erster linie werden allgemeine übersichten über den qualitativen und quantitativen inhalt der folkloristischen sammlungen an den verschiedenen orten gegeben, wie in FFC nr. 1. In zweiter linie folgen die speziellen kataloge, mit dem endzwecke, dem forscher zu ermöglichen, die gesamten varianten einer und derselben volkstradition aus den sowohl gedruckten als ungedruckten materialien in den verschiedenen sammlungen zusammenzubringen. In dritter linie käme die publikation zusammengebrachter varianten in möglichst gedrängter form. Schliesslich können auch abhandlungen über die vergleichende methode oder methodisch durchgeführte untersuchungen der internationalen themata in den „FF Communications“ platz finden.

Die in internationaler hinsicht interessantesten traditionen sind unzweifelhaft die volksmärchen. Das bestreben, ihre grundtypen zu bestimmen und die varianten eines bestimmten typus aufzuspüren, ist eine selbstverständliche voraussetzung des märchenstudiums. J. G. v. Hahns versuch zu einer einteilung der märchentypen ist jedem forscher wohl bekannt. FFC no. 2 zeigt uns das typenverzeichnis des berühmten dänischen folkloristen Svend Grundtvig. Die grundlage zu einem allgemein anwendbaren typenverzeichnis giebt uns in FFC no. 3 dr. Antti Aarnes arbeit. Bei der beurteilung dieses schwierigen versuches fällt das hauptgewicht auf den praktischen nutzen, welchen es augenscheinlich bietet. In diesem verzeichnis erhält ein jeder märchentypus seine feste nummer [6] und behält dieselbe, ungeachtet der später ins system eingefügten typen, für welche die lücken in der nummerfolge reserviert sind. Der vorteil einer nummerbezeichnung im vergleich zu einem titel, welcher nicht immer in einer inhaltlich leicht begreiflich und formell in verschiedene sprachen übersetzbaren form erfunden werden kann, liegt nicht nur in ihrer kürze und internationalen verständlichkeit. Wie schwierig die anwendung der bisherigen variantenkataloge, auch der besten, ist, weiss ein jeder forscher; sucht er nach den varianten eines märchentypus, so ist er genötigt, den ganzen katalog durchzusehen, da er nicht voraus weiss, ob und an welcher stelle der betreffende nachweis anzutreffen ist. Wenn aber zukünftig alle kataloge sich an dieselbe nummerfolge halten, so kann die gewünschte nummer aus einer jeden derselben gleich gefunden werden.

Im plane des FF bundes liegt es, ein vollständiges variantenverzeichnis aller märchentypen mit der zeit zu stande zu bringen. Da die anzahl der kataloge im verhältnis zu der bequemlichkeit der festen nummerfolge von geringerer bedeutung ist, kann die katalogisierungsarbeit nach den verschiedenen sprachlichen und geographischen gebieten geteilt werden. Dadurch wird auch die kontrolle der richtigkeit und besonders der vollständigkeit eines kataloges erleichtert. In jedem kataloge werden erst die gedruckten und handschriftlichen sammlungen, aus denen die varianten exzerpiert sind, angegeben; dann werden unter den typennummern die hingehörigen varianten aufgezählt, jede mit einer nummer versehen. Dass auch die varianten eines typus mit einer nummer bezeichnet werden, ist für ein bequemes zitieren unbedingt notwendig. Ein jeder forscher, welcher märchenzüge analysiert hat, ist genötigt gewesen, entweder zu nummerbezeichnungen oder buchstabenverkürzungen seine zuflucht zu nehmen. Selbstverständlich für einen jeden leser und forscher ist wiederum der vorteil einer allgemein angenommenen bezeichnung vor einer gelegentlich konstruierten. Es wäre jedoch unpraktisch, [7] die varianten eines märchentypus in den verschiedenen katalogen, die oft gleichzeitig redigiert werden, in einer fortsetzung zu nummerieren. Es genügt, dass jeder hauptkatalog nebst seinen zukünftigen beilagen in einer gewissen nummerfolge die zusammengehörenden varianten liefert. Jeder variantennummer muss in folge dessen eine ethnographische, resp. geographische bezeichnung vorangehen, und es gilt hier mit buchstaben und möglichst wenigen auszukommen. Schon im J. 1887 machte ich in meinen tiermärchenforschungen den versuch, mit einem grossen und einem kleinen buchstaben alle mit varianten vertretenen völker zu bezeichnen. Aber die anwendung der buchstaben war eine rein willkürliche und mit den finnischen varianten als ausgangs- und schwerpunkt meines studiums wurde die ethnographische einteilung aus praktischen rücksichten eine sehr ungleichmässige.

Eine allgemein verständliche und anwendbare buchstabenbezeichnung müsste ausgearbeitet werden. Den ersten entwurf zu einer solchen lege ich im anhange dieser mitteilungen zur prüfung vor.

Die nächsten nummern der FFC werden verzeichnisse der bei den Finnen und bei den Schweden in Finnland aufgezeichneten varianten bringen. Diesen werden unmittelbar kataloge der märchen anderer finnisch-ugrischer und germanischer völker folgen. Die arbeit wird hoffentlich ununterbrochen fortgesetzt, bis alle europäischen und natürlich auch aussereuropäische sammlungen in dieselbe ordnung gebracht sind.

Im september dieses jahres waren die gründer des bundes in Kopenhagen bei prof. Axel Olrik versammelt, um einige praktische änderungen in den statuten vorzunehmen.

Das vorgeschlagene eintrittsgeld (10 frcs) beim beitritt zum bunde hat anlass zu missverständnissen gegeben. Dasselbe sollte der eigenen lokalverwaltung einbezahlt werden. Einige lokalvereine haben aber diese summe als eintrittsgeld der lokalverwaltung selbst dem redaktionsausschusse [8] gesandt und natürlich wieder zurück gesandt erhalten. Da manche lokalvereine diese steuer unzweckmässig und die verwaltung derselben unbequem finden können, muss ihnen überlassen werden, selbst zu bestimmen, ob sie zur bestreitung ihrer laufenden ausgaben und zur deckung des risikos, das sie bei bestellungen übernehmen, eine abgabe von ihren mitgliedern für nötig halten.

Trotz der verbindung vieler und weitläufiger kataloge mit den mitteilungen des bundes können dieselben, nachdem die Finnische wissenschaftsakademie den verlag übernommen hat, allen lokalverwaltungen, die im bunde durch mitglieder vertreten sind, derart zugestellt werden, dass die lokalverwaltung selbst ein exemplar der vom bunde nach ihrem anschluss veröffentlichten FFC unentgeltlich und jedes mitglied bei vorausbestellung durch die lokalverwaltung für den halben ladenpreis erhält. Auch sonstige vom bunde herausgegebenen oder empfohlenen publikationen werden, so weit möglich, den mitgliedern für einen gemässigten preis verschafft.

Im § 5: „Für jedes land, das im bund durch mitglieder vertreten ist, soll eine lokalverwaltung oder ein vertreter eingesetzt werden, der die bestellungen des materials vermittelt“, wurde das wort land in ortschaft geändert. Es wäre wohl zu wünschen, dass jedes land bloss einen verwahrungsort folkloristischer aufzeichnungen hätte, aber faktisch sind diese oft nicht nur provinzial geteilt, sondern auch durch die tätigkeit einer bedeutenden persönlichkeit an eine ortschaft gebunden. An orten mit verschiedenen nationalitäten und nationalen sammlungen können sogar zwei lokalvereine mit ihren verwaltungen gegründet werden. Jedenfalls muss diese frage noch näher erörtert werden.

Andere kleinere änderungen nebst einer umstellung der § sind aus den im anhange neugedruckten statuten ersichtlich.

Auch diese umgeänderten statuten bedürfen natürlich weiterer entwickelung, um den fortschritten und der verbreitung [9] des bundes genüge zu leisten. Eine der nächsten fragen ist die der gruppierung der lokalvereine um eine kleinere anzahl zentralstellen. Mit den leitern des Verbandes deutscher vereine für volkskunde, prof. E. Mogk und prof. O. Lauffer, ist darüber verhandelt worden und es kann hoffentlich im nächsten bande von einem erfreulichen resultate berichtet werden. Einzelne deutsche forscher und lokalvereine haben zwar bereits ihren anschluss zum bunde angemeldet. Der ausschuss für deutschböhmische volkskunde hat auf den vorschlag des prof. A. Hauffen beschlossen eine deutsche lokalverwaltung in Prag zu errichten. Prof. R. Wossidlo in Waren ist der erste gewesen, mit welchem die gründung des FF bundes besprochen worden ist. Prof. J. Bolte und prof. M. Roediger haben die gründung einer lokalverwaltung in Berlin übernommen, und dr. A. Wrede in Köln hat sich gütig erboten, für den bund zu wirken. Es ist jedoch einleuchtend, welchen gewinn und welche garantie für das gedeihen des FF bundes der beitritt des Verbandes aller deutscher vereine bedeutet. Ausserdem wird das beispiel ihrer organisation eine gruppierung der lokalvereine in anderen ländern mit sich führen und den bezweckten internationalen austausch von materialien dadurch erleichtern, dass dieselben durch die vermittelung einer beschränkten anzahl zentralstellen erhalten werden können.

Im norden sind ausser den von den gründern des bundes in Kopenhagen, Helsinki (Helsingfors) und Lund organisierten lokalvereinen noch mehrere in aussicht gestellt, deren errichtung besprochen worden ist: mit dr. H. F. Feilberg in Askov, dr. H. Schetelig in Bergen, prof. Moltke Moe und dr. Knut Liestøl in Christiania, prof. J. A. Lundell und dr. Sven Lampa in Upsala, dr. E. Hammarstedt in Stockholm, und dr. A. D. Rudnev in Petersburg. In Kronstadt ist pastor M. I. Eisen mit seiner grossen privatsamlung dem bunde beigetreten und in Dorpat hat die Estnische litteraturgesellschaft auf den vorschlag des dr. O. Kallas eine lokalverwaltung[1] gebildet. Behufs organisation littauischer [10] und lettischer lokalvereine hat sich dr. E. Wolter in Petersburg angemeldet. Aus Moskau hat prof. W. Gordlewsky seine hülfe angeboten. In Lemberg (Galizien) hat die Ševčenko-gesellschaft der wissenschaften durch ihren sekretär dr. W. Hnatjuk ihren beitritt angezeigt. In Budapest hat sich die Ethnographische gesellschaft durch den verstorbenen, hochgeschätzten und betrauerten prof. L. Katona dem bunde angeschlossen. Und wieder in Prag hat auch die tschechische volkskunde einen bedeutenden vertreter in prof. G. Polivka, welcher von anfang an ein verständnisvoller freund des bundes gewesen ist. Sogar in Amerika sind bereits einige lehrer an der University of Illinois und an der Harward University in verbindung mit dem bunde getreten.

Mitteilungen über organisierte lokalverwaltungen ersuchen wir in ähnlicher form wie die folgenden abgefasst an die redaktion zu senden.

1. København, Kopenhagen, Dänemark.

Adresse: Dansk Folkemindesamling, Kgl. Bibliothek, København, Danmark.

Sekretär: H. Grüner-Nielsen, archivar der dänischen folkloresammlung (dänische volkskunde, bes. volkslieder).

Präses: Axel Olrik, e. o. professor der nordischen volkskunde.

Sigfús Blöndal, unterbibliothekar in der Kgl. Bibl. (isländische volkskunde).

Georg Christensen, mag. art. (märchen).

Hans Ellekilde, stud. mag. (märchen).

Jakob Jakobsen, dr. privatdozent (färöische volkskunde).

Astrid Lunding, frau (märchen), Grubberholm, Vallö.

K. Steensby, professor der geographie (ethnographie).

William Thalbitzer, cand. mag. (eskimoische volkskunde), Birkerød.

Hjalmar Thuren, sekretär im vereine „Danmarks folkeminder“ (volksmelodien).

[11] Die königliche bibliothek.

Das philologische laboratorium an der universität.

2. Helsinki, Helsingfors, Finland.

Adresse: Archiv der Finnischen litteraturgesellschaft (Suomalaisen kirjallisuuden seuran arkisto Hallituskatu 1) oder Folkloresammlung der Schwedischen litteraturgesellschaft in Finland (Svenska litteratursällskapets folkloristiska samling Kaserngatan 24).

Sekretäre: Väinö Salminen, fil. kand., archivar der Finnischen litteraturgesellschaft, und Väinö Solstrand, amanuens der Schwedischen litteraturgesellschaft in Finland.

Praeses: Kaarle Krohn, professor der finnischen und vergleichenden volksdichtungsforschung.

Vizepraeses: Ernst Lagus, dr., rektor (schwedische volksmelodien).

Kassierer: Oskar Hackman, dr. (märchen).

Antti Aarne, dr. (märchen).

Otto Andersson, musiker (schwedische folksmelodien).

Hugo Bergroth, lektor der schwedischen sprache an der universität.

O. J. Brummer, dr., lektor, Joensuu.

K. R. Donner, fil. mag. (samojedische volkskunde).

H. J. Ekholm, fil. mag. (ortsnamen).

K. A. Franssila, dr., seminardirektor, Rauma.

O. F. Hultman, e. o. professor der schwedischen sprache und litteratur.

F. A. Hästesko, dr., lektor, Jyväskylä.

J. W. Juvelius, dr., lektor, Turku (Åbo).

J. A. Kannisto, finnischer sprachlehrer an der universität (wogulische volkskunde).

K. F. Karjalainen, dr., dozent der finnisch-ugrischen sprachwissenschaft (ostjakische volkskunde).

U. Karttunen, dr., lektor, Sortavala.

Anshelm Koskenjaakko, fil. mag. (sprichwörter).

Ilmari Krohn, dr., dozent der theorie und geschichte der musik.

[12] Kaarlo Levón, dr., schulinspektor, Tampere.

V. J. Mansikka, dr., dozent der slavischen und vergleichenden volksdichtungsforschung.

A. R. Niemi, dr., dozent der finnischen volksdichtung und litteratur (finnische und lettisch-litauische volkskunde).

Gabriel Nikander, fil. mag., lehrer an der schwedischen volksakademie, Malm (volkssitten und gebräuche).

Heikki Paasonen, professor der finnisch-ugrischen sprachforschung (mordwinische volkskunde).

Vilho Rantasalo, fil. mag. (abergläubische gebräuche beim ackerbau), Turku (Åbo).

O. Relander, dr., seminardirektor, Sortavala.

Ralf Saxén, dr., oberlehrer (ortsnamen).

E. N. Setälä, professor der finnischen sprache und litteratur.

A. P. Svensson, hausbesitzer.

Eemil Tunkelo, dr., dozent der finnischen sprache (dialektwörtersammlung).

Yrjö Wichmann, e. o. professor der finnisch-ugrischen sprachwissenschaft (syrjänische und tscheremissische volkskunde).

Hella Vuolijoki, fil. mag., frau (estnische volkskunde).

Fr. Äimä, fil. mag. (lappische volkskunde).

Suomalaisen kirjallisuuden seura (Finnische litteraturgesellschaft).

Svenska litteratursällskapet i Finland (Schwedische litteraturgesellschaft in F.).

Folkloristisches seminar an der universität.


Die signatur des bundes in der nordischen serie (FF publications Northern series) haben bis jetzt folgende publikationen erhalten (preis für mitglieder inklusive postporto):

1) Jacobus Hurt, Monumenta Estoniae antiquae I 1–3 (die lieder der Setukesen enthaltend) Helsingforsiae [13] 1904–7. 2400 pag. Für 30 (anstatt 42) francs durch die finnische lokalverwaltung.

2) Hjalmar Thuren, Folkesangen paa Faerøerne, København 1908, 340 pag. Für 7,50 (anstatt 10) francs durch die dänische lokalverwaltung.

3) Armas Launis, Lappische Juoigosmelodien. Helsingfors 1908, 273 pag. Für 7½ (anstatt 10) francs.

Schliesslich sagen die gründer des bundes allen geehrten fachgenossen, die mit ermunterndem interesse und wohlwollendem beistand dies unternehmen gestützt haben, herzlichen dank. Besonderen dank schuldigen sie herrn prof. J. Bolte, welcher gütigst eingewilligt hat als mitglied des vorläufigen redaktionsausschusses mit seiner erfahrung und sachkentnis uns zu helfen.

Im auftrage des redaktionsausschusses     
Kaarle Krohn.     


Vorschlag
zu einer buchstabenbezeichnung bei der analyse
der varianten eines märchentypus.


Die verschiedenen weltteile werden in fetter oder kursivschrift durch die bezeichnungen Eu, As, Af, Am, Au geschieden. Wenn die europäischen varianten immer voran gestellt werden, kann die bezeichnung für Europa wegfallen.

Ein grosser buchstabe hat regelmässig eine initiale bedeutung. Ein einzelner kleiner buchstabe wird zu beliebiger bezeichnung angewandt. Infolgedessen müssen gewöhnliche verkürzungen mindestens zwei kleine buchstaben enthalten z. b. Ital. = Italiener (nicht It.).

Von zwei oder mehreren grossen buchstaben bedeutet der erste eine weitere, der zweite eine engere sprachgemeinschaft. Ein dritter grosser buchstabe kann auch gelegentlich als ortsbezeichnung angewandt werden. Im allgemeinen [14] sind aber die beliebig bestimmten kleinen buchstaben bei ortsbezeichnungen, deren initialen das gedächtnis jedenfalls belästigen würden, vorzuziehen.

Vorläufig den europäischen märchenvarianten angepasst könnte dies system folgendermassen aufgestellt werden.

Erster grosser buchstabe:

C = Celten, F = Finnougrier, G = Germanen, R = Romanen, S = Slaven, T = Türken.

Erster und zweiter grosser buchstabe:

CB = Bretonen, CI = Irländer, CS = Schottländer, CW = Waliser.

FE = Esten, FF = Finnen, FL = Lappen, FM = Magyaren, FP = Permische völker (syrjänen, wotjaken), FU = Ugrische völker am Ural (ostjaken, wogulen), FW = Wolga-völker (mordwinen, tscheremissen).

GD = Dänen, GE = Engländer, GG = Germanen in engerem sinne, Deutsche, GH = Holländer, GI = Isländer, GN = Norweger, GS = Schweden, GSF oder bloss GF = Schweden in Finland, germanische Finländer, GV = Vlämen.

RE = Spanier, RF = Franzosen, RI = Italiener, RL = Ladiner, Friauler und Rhäto-Romanen, RP = Portugiesen, RR = Rumänen.

SB = Bulgaren, SČ = Čechen und Slovaken, SP = Polen, SR = (Gross-)Russen, SS = Serben, Kroaten und Slovenen, SU = Ukrainier (Kleinrussen) und Ruthenen, SW = Wenden.

TČ = Čuwaschen, TK = Kirgisen, TO = Osmanen, TT = Tataren.

Einzelstehende völker Europas werden nur mit drei initialbuchstaben, einem grossen und zwei kleinen, bezeichnet:

Alb = Albanesen, Bas = Basken, Gre = Griechen, Let = Letten, Lit = Litauer, Sam = Samojeden.

Anmerkungen und neue vorschläge werden mit dankbarkeit angenommen.

Kaarle Krohn.     


[15]
Statuten des bundes „FF“.


§ 1. Der name des bundes wird bezeichnet durch „FF“ (Folklore Fellows, Folkeminde-Forskere, Fédération des Folkloristes, Folkloristischer Forscherbund).

§ 2. Der bund verfolgt den zweck:

a) den forschern volkskundliches (folkloristisches) material aus den verschiedenen ländern zugänglich zu machen und kataloge derartiger sammlungen herauszugeben;

b) die herausgabe wissenschaftlich befriedigender publikationen volkskundlicher materialien in einer leicht zugänglichen sprache oder mit referaten in einer solchen zu fördern.

§ 3. Ein redaktionsausschuss veröffentlicht mitteilungen über die volkskundlichen materialien in handschriftlichen und gedruckten samlungen: „FF Communications“.

§ 4. Dieser ausschuss ist befugt publikationen, die dem zwecke des bundes entsprechen, die signatur des bundes zu erteilen. Fürs erste werden „International series“ und „Northern series“ der „FF publications“ herausgegeben, letztere serie umfasst das skandinavische und finnisch-baltische material. Neue serien können vom redaktionsausschuss veranstaltet werden.

§ 5. Für jede ortschaft, die im bunde durch mitglieder vertreten ist, soll eine lokalverwaltung oder ein vertreter eingesetzt werden. Die lokalverwaltungen erhalten unentgeltlich ein exemplar der vom bunde nach ihrem anschluss veröffentlichten mitteilungen.

§ 6. Ein jedes mitglied des bundes erhält bei vorausbestellung durch eine lokalverwaltung dieselben mitteilungen [16] für den halben ladenpreis. Sonstige vom bunde herausgegebene oder empfohlene publikationen werden, so weit möglich, den mitgliedern für einen gemässigten preis gesandt.

§ 7. Durch vermittelung der lokalverwaltungen können abschriften, auszüge und übersetzungen von handschriften und schwer zugänglichen druckwerken aus öffentlichen und, so weit wie möglich, auch aus privaten sammlungen beschafft werden. Das von dem bunde besorgte material darf ohne besondere erlaubnis nicht zu anderen zwecken als wissenschaftlicher forschung benutzt werden (NB. nicht für gesamtpublikationen). Wird material verlangt, das gelegentlich zu einer wissenschaftlichen arbeit im eigenen lande verwendet werden soll, ist der vermittler berechtigt dasselbe während einer bestimmten zeit zurückzuhalten.

§ 8. Bei abschrift leicht leserlicher originale wird für 1000 buchstaben ca. 0,35 frc. oder ca. 1 frc. für die arbeitstunde bezahlt. Das kollationieren und aufsuchen wird mit höchstens 1½ frcs. für die stunde honoriert. Dasselbe gilt von kopien schwer lesbarer originale und übersetzungen (NB. litterarisch verwendbare übersetzungen nach übereinkunft). In grösseren städten kann bei weiter entfernung und beschränkter zugänglichkeit der abschreibestellen eine entsprechende vergütung des zeitverlusts festgesetzt werden.

§ 9. Die lokalvereine bestimmen selbst, ob sie zur bestreitung der laufenden ausgaben und zur deckung des risikos, das sie bei bestellungen übernehmen, eine abgabe von ihren mitgliedern für nötig halten.

§ 10. Der redaktionsausschuss wird alle drei jahre auf einem allgemeinen kongress oder durch schriftliche abstimmung mit einer stimme für jede lokalverwaltung bezw. jeden vertreter gewählt. Auf ähnliche weise wird über änderung der satzungen des bundes abgestimmt, zu welcher stets eine mehrheit von zwei dritteln der stimmen erforderlich ist.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: lokalvervaltung