Esdras fünftes Buch
Inhaltsverzeichnis |
Zur Textausgabe
Die hier dargebotene Textausgabe stammt aus dem von Paul Rießler herausgegebenen Werk Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel, Augsburg (Dr. B. Filser), 1928. Dort schreibt Rießler einleitend (S. 1285): »Dieses Buch wird teils als 1. und 2. Kapitel des 4. Esdrasbuchs, teils als 2., teils als 3. und als 5. Esdrasbuch überliefert. Das lateinisch erhaltene Buch geht auf eine griechische Übersetzung und diese auf eine hebräische Grundlage zurück. Das Buch zerfällt in zwei Teile. Der erste (1,5–2,9) enthält eine Drohrede gegen die Juden. Der zweite Teil (2,10–47) verheißt dem Gottesvolk das himmlische Reich. Das Buch ahmt den prophetischen Stil nach und erhält dadurch eine besonders kräftige, eindrucksvolle Sprache. Die Schrift stammt aus jüdischen, wahrscheinlich essenischen, Kreisen. Dafür spricht der ganze Inhalt. Es ist auch an sich unwahrscheinlich, daß ein Christ unter dem Namen eines alttestamentlichen Heiligen ein Buch verfaßt haben sollte. Später wurde sein zweiter Teil christlich überarbeitet und bildet nun ein Gegenstück zum Barnabasbrief. (E. Hennecke, Neutest. Apokryphen 1904, 305 ff, Libri apocryp. i. V. T. ed. O. F. Fritzsche 1871, 640 ff).«
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21. Esdras fünftes Buch
1. Kapitel: Bußrede
1
Das dritte Buch des Propheten Esdras, des Sohn des Sareus2
und Enkels des Azareus,des Sohns des Helchias und Enkels Salames, 3
des Aaronssohnes aus dem Stamme Levi,der in dem Mederland gefangen war, 4
Das Wort des Herrn erging an mich:5
Geh hin!Künd meinem Volke seine eigenen Missetaten 6
In ihnen wuchsen ihrer Eltern Sünden auf,vergaßen sie doch mich 7
Ja, hab ich sie nicht aus Ägypterland geführt,dem Haus der Sklaverei? 8
Du aber schüttle deines Hauptes Lockenund gib sie allen Übeln preis! [311]
9
Wie lang soll ich sie noch ertragen,sie, denen ich so große Wohltaten gespendet? 10
Ich stürzte ihretwegen Könige,schlug Pharao mit seinen Knechten, 11
Vor ihrem Angesicht vertilgt ich alle Völker,zerstreute in dem Morgenland 12
Du aber sprich zu ihnen also:So spricht der Herr: 13
Ich führte euch durchs Meerund gab auf unwegsamer Bahn euch sichre Pfade. 14
Zum Führer gab ich euch den Moses und den Priester Aaron;ich gab euch Licht durch eine Feuersäule 15
Doch ihr vergaßet mich.So spricht der Herr. – 16
Ihr brechet nicht in Jubel ausin meinem Namen wegen der Vernichtung eurer Gegner. 17
Wo sind die Wohltaten,die ich euch gab? 18
„Hast du in diese Wüstenei uns hergeführt,um uns zu töten? 19
Da tat mir euer Seufzen leid.Ich schenkte Manna euch zur Speise, 20
Und hab ich nicht den Felsen ausgehöhlt,als ihr so durstig waret? 21
und ich verteilte fette Ländereien an euch,vertrieb vor euch die Kanaaniter, 22
So spricht nun der allmächtige Herr:[312]
Ihr habt am Bitterwasser in der Wüste Durst gelitten 23
Da sandte ich zu euchkein Feuer wegen dieser Lästerungen; 24
Was soll ich dir noch, Jakob, tun?Du wolltest mir nicht folgen, Juda. 25
Verlassen habt ihr michund so verlaß ich euch. 26
Ruft ihr zu mir,ich hör euch nicht. 27
Doch eigentlich habt ihr nicht mich verlassen;Nein, nur euch selber, 28
So spricht nun der allmächtige Herr:Ja, hab nicht ich euch so gebeten, 29
auf daß ihr solltet mir zum Volke seinund ich für euch zum Gott 30
Ich hab euch so gesammelt,wie eine Henne ihre Küchlein unter ihre Flügel. 31
Bringt ihr mir Opfer dar,ich wend mein Antlitz von euch ab; 32
Ich send euch meine Diener, die Propheten.Ihr nehmet sie und bringet sie ums Leben 33
Der allmächtige Herr spricht so:Verheert wird euer Haus; [313]
34
Die Söhne pflanzen sich nicht fort,weil sie samt euch nicht meine Weisungen beachten 35
So geb ich eure Häuser einem Volk, das kommtund das den Glauben hat, 36
Sie schauten keinerlei Prophetenund doch erinnern sie sich ihrer alten Reden. 37
Und ich bezeug das Wohlgefallen an dem Volk, das kommtund dessen Kinder voller Freude jubeln, 38
Nun, Bruder, schau im Glaubenund sieh das Volk von Osten kommen! 39
Ich gebe ihnen zum Geleite Abraham, Isaak, Jakob,sowie Osee, Amos und Michaeas, 40
und Nahum, Habakukund Sophonias und Aggaeus, Zacharias 2. Kapitel: Trostworte
1
So spricht der Herr:Ich führte dieses Volk aus Sklaverei; 2
Die Mutter, die sie einst gebar,sie sprach zu ihnen: 3
Ich zog euch auf mit Freuden,verlor euch mit Betrübnis und mit Trauer, 4
Was soll ich euch noch tun,bin ich doch Witwe und verlassen? 5
Ich aber ruf dich, Vater, anzum Zeugen über diese Kindesmutter, 6
daß du Verwirrung über sie verhängst[314]
und die Verschleppung ihrer Mutter, 7
Sie sollen zu den Völkern in Zerstreuung kommen,und ihre Namen sollen aus der Welt verschwinden, 8
Weh, Assur, dir,der du bei dir die Gottlosen verbirgst! 9
Du schlimmes Volk!Gedenke, was ich Sodom und Gomorrha angetan! 10
So spricht der Herr zu Esdras:Künd meinem Volk, 11
Ich mach mir ihren Ruhm zu eigen,geb ihnen ewige Zelte, 12
Zum Wohlgeruch besitzen sie den Lebensbaum;sie mühen sich nicht ab, 13
So bittet doch für euch,daß sich die wenigen Tage noch verkürzen! 14
Ruf jetzt zu Zeugen Erd und Himmel an!Ich ließ das Böse 15
Umschlinge, Mutter, deine Kinder!Zieh sie mit Freuden auf, wie eine Taube! 16
Und ich erweck aus ihren Stätten wiederum die Totenund führ sie aus den Grabmälern heraus; 17
O Kindesmutter, fürcht dich nicht!Denn ich erwählte dich. 18
Ich sende dir zu Hilfe meine Diener,Isaias sowie Jeremias; 19
Und ebensoviel Quellen, die von Milch und Honig fließen,[315]
und sieben ungeheure Berge, 20
Verhilf zum Recht der Witwe!Führ der Verwaisten Sache! 21
Sorg um den Schwachen und Zerbrochenen!Spott nicht dem Lahmen! 22
Beschütz in deinen Mauern alt und jung!23
Und wo du Tote findest,bestatte sie im Grade! 24
Rast und ruh, mein Volk!Deine Ruhe kommt. 25
Gute Nährmutter!Nähr deine Kinder! 26
Und keiner von den Knechten geht dir ab,die ich dir gab; 27
Hab keine Angst,kommt auch der Tag der Not und der Drangsal! 28
Und mögen auch die Völker eifern,dir tun sie nichts. 29
Dann decken meine Hände dich,daß deine Kinder nicht die Hölle schauen. 30
Ergötz dich samt den Kindern, Mutter!Denn ich befreie dich. 31
Gedenke deiner Kinder, die im Schlafe liegen!Ich führ sie aus der Erde Schlupfwinkeln heraus 32
Heg deine Kinder, bis ich komme,und künd Erbarmen ihnen an, 33
Vom Herrn bekam ich, Esdras,am Berge Horeb den Befehl, [316]
ich solle mich zu Israel begeben. 34
Deswegen sag ich’s euch, ihr Völker,euch, die ihr höret und verstehet: 35
So seid bereit für königlichen Lohn!Es leuchtet durch die Ewigkeit der Zeit 36
So flieht den Schatten dieser Welt!Empfanget eurer Glorie Herrlichkeit! 37
Nehmt den vom Herrn Empfohlenen auf!Bringt jubelnd Dank ihm dar, 38
Auf! Stellt euch hinund schaut die Zahl der für das Mahl des Herrn Bestimmten! 39
Sie, die den Schatten dieser Welt verließen,erhielten von dem Herrn kostbare Kleider. 40
Nimm, Sion, deine Zahl entgegenund schließ die Liste der Bewerber ab, 41
Voll ist die Zahl der Kinder,die du dir selbst gewünscht. 42
Ich, Esdras, schaute auf dem Sionsberge eine große Schar;sie konnte niemand zählen, 43
In ihrer Mitte stand ein Jüngling, schlank gewachsen,und ragte über alle sie empor 44
Ich fragte einen Engel:Herr! Wer sind diese? 45
Er sprach zu mir:Die sind es, die das sterbliche Gewand schon abgestreift 46
Ich frug den Engel:[317]
Wer ist dann jener Jüngling, 47
Er sprach zu mir:Das ist der Gottesohn, 48
Dann sprach zu mir der Engel:Geh, künde meinem Volk, |
