Fritz Reuter (Die Gartenlaube 1874/30)

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Autor:
Titel: Fritz Reuter
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aus: Die Gartenlaube, Heft 30, S. 490
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Todesnachricht
Blätter und Blüthen
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[490] Fritz Reuter. Der größte unter den deutschen Humoristen der Gegenwart, Fritz Reuter, ist am Sonntag, den 12. Juli, Nachmittags, in seiner Villa am Eingange des herrlichen Marienthales bei Eisenach verschieden. Ein Schlagfluß war die Ursache seines plötzlichen Todes.

In der Literatur wird Fritz Reuter fortleben als ein Urbild norddeutscher Gemüthsinnigkeit und Herzensfrische, aber auch als ein Typus der gesunden Derbheit, welche die Bewohner der Ostseeküsten kennzeichnet, speciell als ein würdiger Repräsentant des kernhaften mecklenburgischen Volksstammes, in dessen Geist und Sprache seine unvergleichlichen Werke sämmtlich abgefaßt sind. Reuter’sche Gestalten, wie Onkel Bräsig, Fritz Trittelfritz, Havermann und Andere haben einen unvergänglichen Werth und werden, was ihre schlichte Lebens- und Naturwahrheit, ihren volksthümlichen und echt realistischen Humor betrifft, gewiß noch lange als unübertroffen in der deutschen Dichtung dastehen und von Jahr zu Jahr der Muse des verewigten Poeten immer größere Kreise erobern. Denn der Dialekt Reuter’s, welcher dem mittel- und süddeutschen Leser gegenüber so oft als hemmende Schranke des Verständnisses der Schöpfungen unseres Dichters empfunden wird, verliert bei der wachsenden Beschäftigung der Mittel- und Süddeutschen mit der norddeutschen Mundart immer mehr seine trennende Kraft, und wer sich erst eingelebt hat in diese herzenswarme und markige Sprache des Mecklenburgers – welch eine Fülle naturwüchsigen Lebens und strotzender Gesundheit findet er hinter diesem anheimelnden Jargon! Es kann nicht die Aufgabe einer Cultur-Literatur, wie der heutigen, sein, den Dialekt wieder in den Vordergrund der literarischen Production zu stellen, aber gerade in einer Zeit der gesellschaftlichen Verflachung, wo die schnörkelhafte Sprache des Salons so viel des Verschrobenen auch in unsere Literatur gebracht hat, ist die Dialektdichtung, zumal wenn sie von einem Berufenen, wie Reuter, gehandhabt wird, ein unschätzbarer Quell der Erfrischung und Verjüngung unseres Schriftthums. Ludwig Walesrode hat diese und die andern Missionen der Reuter’schen Poesie, wie auch den äußern Lebensgang des Dichters bereits in Nr. 36 und 37 des Jahrgangs 1864 der Gartenlaube einer eingehenden Würdigung unterzogen. Wir beschränken uns daher heute darauf, kurz und schlicht auszusprechen, wie auch wir zu dem allzu früh Dahingegangenen – er starb im vierundsechszigsten Lebensjahre – einen wahrhaft volksthümlichen und somit den Bestrebungen unseres Blattes innig verwandten Dichter beklagen. In der nächsten Nummer werden wir einen eingehenden Artikel über Reuter’s Leben, seine letzten Tage und seinen Tod aus der Feder eines seiner Freunde folgen lassen.