Geschichte des Illuminaten-Ordens/Die Universität zu Ingolstadt

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« Einleitung Geschichte des Illuminaten-Ordens Weihaupts geistige Ausbildung und Chrakterentwicklung bis zur Ordensgründung »
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Die Universität zu Ingolstadt.

Von Ingolstadt ging die Begründung des Ordens aus, dort war Adam Weishaupt geboren, erzogen, Besucher der Universität und schliesslich Professor derselben geworden. Wir werden also, um die inneren Gründe der Ordensentstehung richtig würdigen zu können, bemüht sein müssen, auch den Grund und Boden genauer kennen zu lernen, auf dem die ganze Bewegung gewachsen und gediehen ist.

Bei Darstellung der Zustände der Universität Ingolstadt fussen wir auf die ausgezeichneten Studien des schon genannten Professor Kluckhohn, welcher mit rühmenswertem Eifer namentlich die Zeiten erforschte, in welcher der Freiherr von Ickstatt an der Universität wirkte und diese reorganisierte. Ickstatt war der Pate des jungen Weishaupt, und er war es namentlich, der dem jungen Gelehrten die Wege ebnete; seinem Einfluss muss man den bedeutendsten Anteil an der Entwicklung desselben einräumen, selbst in Anbetracht des Umstandes, dass diese später eine Richtung annahm, die jedenfalls von dem Paten weder gewollt noch gebilligt werden konnte. [17] Digitized by Google

Ingolstädter alte Universität. [18] Wir entnehmen dem Vortrage des damals Dr. Kluckhohn, den derselbe in der öffentlichen Sitzung der königlichen Akademie der Wissenschaften zu München am 25. Juli 1868 gehalten hat, folgende Angaben.

„Johann Adam Ickstatt ist am 6. Januar 1702 zu Vockenhausen als der Sohn eines Hammerschmieds geboren und sollte das Gewerbe seines Vaters fortsetzen. Er zeigte jedoch wenig Lust hierzu, sodass er dem Unwillen seines Vaters hierüber, der sich durch körperliche Züchtigungen oftmals aussprach, entfloh und in Mainz zu den gelehrten Schulen Zutritt suchte und erhielt. Er ging als Jüngling nach Paris und trat im 18. Jahre als Soldat zuerst in französische, dann in österreichische Dienste. Bald jedoch kehrte er zu den verlassenen Studien zurück und hielt sich in Holland, in London, dann in Irland und Schottland auf. Er kehrte nach Deutschland zurück, um eigentliche Fachstudien zu betreiben und widmete sich der Jurisprudenz mit solchem Erfolge, dass er in Mainz durch eine staatsrechtliche Abhandlung sich den juristischen Doktorgrad erwarb. Im Alter von 29 Jahren wurde er mit dem Titel eines Hofrates an die Universität Würzburg berufen, wo er das deutsche Staatsrecht, das Natur- und Völkerrecht öffentlich zu lehren übernahm. Aus dieser Periode seiner Wirksamkeit in Würzburg ist wichtig zu wissen, dass Ickstatt von dem Philosophen Brucker aus Augsburg als ein Mann gerühmt wird, den die göttliche Vorsehung ausersehen habe, die Wahrheit fortzupflanzen, das Studium in einen besseren Stand zu setzen, die Vorurteile zu bekriegen und den wahren Grund der Erkenntnis sowohl der gelehrten Welt als der studierenden Jugend aufzudecken. Damals hatte er jedoch erst die Hälfte seiner Laufbahn hinter sich und sollte den tatenreichsten und glänzendsten Teil derselben noch durchmessen. Er wurde 1741, 39 Jahre alt, nach München berufen als Instruktor des Prinzen Maximilian Joseph, des nachmaligen Kurfürsten, und es gelang ihm, trotz des gefährlichen Einflusses, den der Beichtvater des Kurfürsten und des Prinzen, der Pater Stadler ausübte, welcher bemüht war, den künftigen Herrscher nicht dem Kreise überlieferter Anschauungen zu entreissen, in Maximilian dennoch jene Neigung zu Reformen zu entwickeln, die dessen Regierung für Bayern so segensreich gemacht hat. — Als Maximilian zur Regierung gelangte, hinterliess der Vater ihm ein zerrüttetes, von Feindesmacht besetztes Land, er behielt seinen Lehrer als Ratgeber in der Nähe, erhob ihn in den Reichs- [19] freiherrnstand und überliess ihm die Ausarbeitung und Ausführung mancher inneren Reform. Vergeblich suchte man den bewährten Mann aus der Gunst des Kurfürsten zu verdrängen, es gelang nicht, vielmehr wurde er mit dem Range eines wirklichen Geheimen Rates und unter gleichzeitiger Beförderung zum Administrator des freien Landgerichtes Hirschberg und Vizepräsidenten des kurfürstlichen Rates zu Ingolstadt mit dem Amt eines Direktors der Universität und mit der Professur für deutsches Staatsrecht, für Natur- und Völkerrecht, sowie für Kameralwissenschaft betraut. Die alte bayrische Landesuniversität, welche im Zeitalter der Reformation als Pflanzstätte theologischer Gelehrsamkeit galt, entsprach schon lange nicht mehr ihrem alten Ruhme.— Während andere Hochschulen Deutschlands sich bei Eintritt des 18. Jahrhunderts aus der überlieferten Barbarei emporrangen, war Ingolstadt von keiner Neuerung berührt worden. Maximilian Joseph erkannte die Notwendigkeit an, die, wie er selbst sagte, »durch eingefallene schwere Kriegstrubel und andere Zufälle von ihrem ehemaligen Flor weit abgekommene Universität pro bono publico wieder empor zu bringen« und ernannte zu diesem Zweck im Sommer 1746 Ickstatt zum Direktor der Hochschule und zum ersten Professor in der juristischen Fakultät.

Ickstatt hatte nicht nur die Aufgabe, mit Rektor und Senat auf die bestmöglichen Vorkehrungen zur Hebung der Universität bedacht zu sein, sondern auch den misslichen, bestimmt formulierten Auftrag, die Professoren zur genauen Befolgung der kurfürstlichen Verordnungen anzuhalten und nötigenfalls zur Verantwortung zu ziehen.

Mit seiner Lehrtätigkeit als Professor des Natur- und Völkerrechtes, der Polizei und Finanzwirtschaft betrat Ickstatt ein bisher in Ingolstadt gänzlich, unbebautes Feld, zu dessen Bearbeitung Ernennungen notwendig wurden. Infolgedessen wurde auch Weishaupts Vater als Professor der juristischen Fakultät aus Würzburg nach Ingolstadt berufen.

War durch diese Neuerungen die juristische Fakultät allerdings verjüngt, so blieb die Professur des kanonischen Rechtes jedoch in den alten Händen, die der landesherrlichen Einwirkung so ziemlich entzogen war. Diese, wie die ganze theologische und philosophische Fakultät befand sich im Alleinbesitz des Ordens, welcher seit zwei Jahrhunderten die Universität beherrschte. Neben den Mitgliedern der Gesellschaft Jesu konnten die paar unglücklichen Mediziner, welche, unbekannt [20] mit den Fortschritten ihrer Wissenschaft, als vierte Fakultät kläglich figurierten, ebensowenig in Betracht kommen, als vor Ickstatt die paar weltlichen Mitglieder der Juristenfakultät." —

Ickstatt hatte gründlichen Widerstand zu überwinden, Neid, Eifersucht, Unzufriedenheit über das bisher unbekannte Amt eines alles überwachenden Inspektors, der die altgewohnten und bequemen Zustände in energischer Weise störte, regten sich bald. Diese Erscheinung konnte nicht überraschen, sie findet sich überall ein, wo ähnliche Zustände herrschen. Hier aber kam ein Konflikt von ganz besonderer Bedeutung hinzu, den wir beleuchten müssen, um den Grund der späteren Entlassung Adam Weishaupts von der Universität verstehen zu können.

Kluckhohn sagt hierüber wörtlich: »Es war ein seit lange geübtes Recht der theologischen Fakultät, durch strenge Handhabung der Zensur jedes akatholische Buch von Ingolstadt fern zu halten. Auch die Jurisprudenz, von der Philosophie verstand es sich von selbst, blieb in die engsten konfessionellen Schranken gebannt. Da zeigte plötzlich das von Ickstatt publizierte Programm der juristischen Vorlesungen, dass bei den meisten derselben Kompendien akatholischer Autoren zugrunde gelegt wurden. Bei Institutionen und Pandekten hätte das noch hingehen mögen, bei dem Staatsrecht, das nach Mascows principia juris publici angekündigt wurde, war es eine nicht zu duldende Neuerung. Und Ickstatt blieb auch dabei nicht stehen. Er wollte Mascows und, wie man sagte, sogar Ludwigs publizistische Arbeiten Studierenden in die Hände geben, und als der Nachdruck von Mascows deutschem Staatsrecht in Ingolstadt von der Zensur beanstandet wurde, bezog Ickstatt die nötigen Exemplare aus Leipzig.« --

Es entstand ein gewaltiger Streit, in dem namentlich Eckher, welcher an der Spitze der theologischen Fakultät stand, hervortrat. Dieser entdeckte als geistlicher Zensor, sogar in dem Heft über Naturrecht, das Ickstatt früher dem Kurprinzen vorgetragen und das derselbe für seine jetzigen Zuhörer drucken lassen wollte, eine Reihe verdächtiger Positionen, nötigte den Verfasser zu allerhand Korrekturen, bis Ickstatt im höchsten Zorne auf den Druck vorläufig verzichtete.

Vom Kurfürsten wurde verlangt, dass an der Universität nur katholische Autoren zugelassen würden, oder doch solche akatholische, von deren Ungefährlichkeit die theologische Fakultät sich vorher überzeugt habe. Eine solche begehrte Verordnung [21] wurde nicht bewilligt, nachdem Ickstatt am 22. Januar 1747 berichtigte, dass die beanstandeten Autoren an den Universitäten zu Mainz, Würzburg, Bamberg und Fulda, ohne jede Einsprache, gelesen würden. —

Selbstredend war damit der Frieden nicht hergestellt, sondern die Anfeindungen in Gestalt allerhand Klagen bestanden weiter. Namentlich waren es in späteren Jahren immer wieder die Anschuldigungen, dass verdächtige Druckwerke eingeschmuggelt und empfohlen wurden, die als kirchengefährlich zu bezeichnen wären. Schliesslich wurde behauptet, dass in der Umgebung des Direktors und in dem engsten Freundeskreise kirchengefährliche Tischgespräche gehalten würden.

Bezüglich dieser Tischgespräche ist darauf hinzuweisen, dass die Professoren, teils um ihre Einkünfte zu verbessern, teils wohl auch um einen Privateinfluss auszuüben, den Studierenden gegen Entgelt Mittagstisch boten, eine Sitte, die allgemein üblich war. Diese Tischgespräche im Hause des Professors sind gemeint, welche derartig verleumdet wurden, dass sogar 1752 Eckher auf der Kanzel in leidenschaftlicher Weise gegen die gelehrten Beförderer des Luthertums predigte. Zwei andere Pfarrer folgten diesem Beginnen, dadurch hiess es alsbald in Ingolstadt, dass die altkatholische Universität im Glauben wanke.

Ickstatt forderte Genugtuung, der Inhalt der Predigt Eckhers wurde protokollarisch festgestellt, die theologische Fakultät dagegen richtete an den Kurfürsten eine Vorstellung, die alle Beschwerden gegen die verdächtigen Juristen zusammenfasste. — Letztere siegte anscheinend anfangs, indem Ickstatt aufgefordert wurde, sich zu verantworten und die Entfernung protestantischer Bücher, sowie strengere Handhabung der Zensur gewährt werden sollte. Nachdem jedoch Ickstatt am 9. August 1752 eine umfangreiche Denkschrift eingereicht hatte, in der er mit kräftigen Worten unverblümt alle Anklagen niederschlug, sowie persönlich in München seine Sache führte, entschied der Kurfürst den Streit endgültig im liberalen Sinne. Eckher musste vor versammeltem Senat Abbitte leisten, der Gebrauch akatholischer Bücher über Jurisprudenz und Staatswissenschaften wurde, so lange die Professoren nicht eigene Kompendien verfasst hätten, gestattet, die Ausübung der Zensur in der herkömmlichen rigorosen Weise als nicht mehr zeitgemäss bezeichnet. — [22] Damit war der Streit beigelegt und Ickstatt setzte noch dreizehn Jahre seine Lehrtätigkeit fort, bis jüngere Kräfte, die zum Teil unter seiner Führung herangewachsen waren, darunter später auch Adam Weishaupt, an seine Stelle treten konnten. Ickstatt war dann nicht immer in Ingolstadt anwesend, oft nur vorübergehend, behielt jedoch das Direktorium der Universität nach wie vor in der Hand, auch als der Kurfürst ihn wegen staatsmännischer Geschäfte in seine Nähe berief.

So lagen die Verhältnisse in Ingolstadt, als Adam Weishaupt den ersten Schulunterricht erhielt und als Jüngling die Universität bezog.


Weishaupts geistige Ausbildung und Charakter-
entwicklung bis zur Ordensbegründung.

Weishaupts Vater, Johann Georg Weishaupt, ist geboren 1717 zu Brilon im preussischen Regierungsbezirk Arnsberg in Westfalen. Er wurde durch Dekret vom 14. Oktober 1746 als Professor der kaiserlichen Institutionen und des Kriminalrechtes durch Ickstatt nach Ingolstadt berufen, und ebendaselbst wurde Adam Weishaupt am 6. Februar 1748 geboren und von Adam Ickstatt über dem Taufbecken gehalten. Der Knabe verlor seinen Vater sehr bald, bereits 1758 im September starb derselbe während eines Ferienaufenthaltes in Heiligenthal bei Würzburg im Alter von 36 Jahren.

Wie bereits gesagt, war das gesamte Gymnasialwesen in Bayern seit zwei Jahrhunderten in den Händen der Jesuiten, welche die Jugenderziehung völlig nach ihren Grundsätzen leiteten. Diese konnten jedoch dem aufgeweckten Knaben, dem es selbstredend nicht möglich war, sich diesem Einflüsse zu entziehen, wenig zusagen. — Widerstrebend muss der Knabe ihrem Lehrgange gefolgt sein und sicherlich ist die Abneigung gegen diese Art der Belehrung, der später der heftige Drang nach Beseitigung solcher Uebelstände folgte, schon sehr früh dem Gemüte desselben eingepflanzt worden.

Weishaupt schreibt über diese Jugendzeit im Nachtrag zur »Rechtfertigung meiner Absichten«: [23] »Ich kam als ein Knab von achthalb Jahren das erstemal in die Schule. Es ist wahr, wir mussten unaufhörlich beichten und dem äusserlichen Gottesdienste beiwohnen und vorzüglich die Andachten zu ihren (der Jesuiten) Heiligen verrichten. Aber dies war auch alles: Sie wollten sich auf diese Art, nicht durch Gründe, sondern durch den äusserlichen Glanz, durch Gewohnheit und Fertigkeiten des jungen Kopfes so sehr bemeistern, dass er dereinst bei reiferen Jahren gar kein Bedürfnis nach höheren Gründen haben sollte. Unser einziger Unterricht war jeden Freitag, wo wir ein Stück aus unserm Canisius auswendig daherplappern mussten.*) Wenn gegen Ende des Jahres die Prämien verteilt wurden, so ward eine dergleichen Belohnung auch demjenigen zugedacht, welcher bei der vorgenommenen Prüfung die besten Beweise seines Unterrichtes im Christentum gegeben hatte. Und nun höre die Welt diese Beweise und sie sage, ob ich unrecht habe? — Wir mussten der Reihe nach, meistens nach alphabetischer Ordnung, an der Tür des Zimmers, in welchem sich drei von unseren Glaubens-Richtern versammelt hatten, warten, der erste nach gegebenem Zeichen eintreten und nicht eine Glaubensfrage, sondern ein Rätsel aus dem Canisius auflösen, z. B. wir sollten das Vaterunser rückwärts ohne Anstand auswendig hersagen. Wir sollten sagen, wie oft et, in oder cum in dem ersten Hauptstück stehen, oder es wurden uns zwei oder drei Worte aufgegeben, wo wir sogleich fortfahren mussten und dies so oft, als diese Worte in diesem Hauptstücke enthalten waren. Wenn einer nach dem andern diese Fragen vor diesem geheimen Religionsgericht be- antwortet hatte, so kam der Präfekt an die Türe und verlas die

  • ) Die Studienordnung der Gesellschaft Jesu von 1599 schrieb den Professoren der niederen Klassen vor: »Die Jünglinge, die man der Gesellschaft Jesu zur Erziehung anvertraut hat, unterrichte der Lehrer so, dass sie zugleich mit den Wissenschaften besonders die eines Christen würdigen Sitten gewinnen. Er wache darüber, dass alle der Messe und Predigt beiwohnen; und zwar der Messe täglich, der Predigt aber an den Festtagen.... Der christliche Unterricht soll besonders in den Klassen der Grammatik und, wennnötig, auch in andern Freitags und Sonnabends auswendig gelernt und hergesagt werden.... Er halte auch Freitags oder Sonnabends eine halbstündige fromme Exhorte oder Erklärung des Katechismus; er dringe vorzüglich auf tägliches Gebet, besonders auch zur täglichen Abbetung des Rosenkranzes oder der Tagzeiten Maria. ... Er empfehle sehr die geistige Lesung, besonders aus dem Leben der Heiligen, er bemühe sich, dass niemand die monatliche Beichte unterlasse.« Pachtler I c. II, 379—381.

[24] Namen derjenigen, welche die Frage erraten hatten. Diese blieben sodann und fingen unter sich ihren Wettstreit aus der Religion auf das neue an, bis ein einziger Sieger blieb, und dieser allein wurde gekrönt. — Nun sage alle Welt, was sie von diesem Religionsunterricht hält? Diesen und keinen andern Unterricht (denn ihre Predigten waren nicht viel besser) erhielt ich bis in das 15. Jahr meines Lebens, wo ich das Gymnasium verliess und mit dem akademischen Kursus den Anfang machte. Ich bin auf diese Art, ich darf sagen, 20 Jahre alt geworden, ohne dass ich für die Wahrheit meiner Religion einen andern Beweis anführen konnte, als: so bin ich gelehrt worden; so sagt die Kirche; dieses Recht der Kirche ist in der heiligen Schrift gegründet, und die Kirche hat das Recht, den zweifelhaften Sinn der Schrift zu bestimmen.

Was soll aus einem solchen Menschen werden, wenn er hinter andere Bücher gerät, wenn er mit Vernünftigen einen Umgang pflegt, wenn er aus der Schule mit einer so schwachen Gegenwehr und Vorbereitung in die Welt tritt?« —

Ickstatt soll nach der bisherigen Auffassung sich der Sorge für den verwaisten Knaben ganz besonders angenommen haben. Ist es auch zweifellos, dass in späteren Jahren Ickstatt Weishaupt protegierte, so dürfte jedoch seine Unterstützung zu Weishaupts letzten Studienjahren sehr überschätzt worden sein, andernfalls ist ein Brief von Weishaupts Mutter vom 12. Dezember 1766 nicht erklärbar. Diese schreibt unter angegebenem Datum an den Geheimrat Lippert:*)

Wohlgeborener Hochzufererenter Herr Geheimraht.

Euer wohlgeboren nemen mier nicht für ungnad, dass ich inen schreiwe und meine not Klage, es ist mier von der Hofkammer, dass stibendium das mein sohn von der Universitet gehabt genomen worden, nun weiss ich mier nicht zu helfen was ich anfangen sohl damit er doch seine Studien absolvieren und Jura docentihren Könnte, wir seint von der gansen wehlt (ganzen Welt) verlassen, Kein Mensch will sich unser annemen, so bitte Euer wohlgeboren sie mögten ihm doch mit einen rath oder recommantation an die Hant gehen, er wirdt gewislich gutt belonen, ich bin ja schon 14 Jahre wüttib (Witwe)

  • ) Original im Archiv des Historischen Vereins zu München, unter den

Lippertschen Akten. [25] und muss mit 300 fl. lewen, ich Kan im weder bücher noch anderes schaffen und er hat doch ein Talent, dass man ihn gewieslich brauchen Könte, es dut mir das Herz wehe das ich im nicht helfen kann -- usw.

Dieser Hilferuf aus mütterlichem Herzen ist jedenfalls von Erfolg gewesen, denn der junge Weishaupt wurde in den Stand gesetzt, seine Studien zu vollenden und zwei Jahre spater sein

Weishaupts Doctordiplom.

Doktorexamen abzulegen. Es geht aber auch aus diesem Briefe hervor, dass Mutter und Sohn, die von der ganzen Welt verlassen waren, und deren sich kein Mensch annehmen wollte, also auch nicht Ickstatt, gegen diesen keine besonders tiefe Ursache der Dankbarkeit haben konnten, wie bisher behauptet wurde.

Dass Weishaupt entschieden ein sehr befähigter Kopf gewesen ist und sich bemühte, das damalige Wissen für seinen späteren Beruf gründlichst in sich aufzunehmen, bezeugt der Wortlaut seines Doktordiploms vom Jahre 1768. [26] Dasselbe wurde auf Veranlassung des Neffen Adam von Ickstatts, Peter von Ickstatt, ausgefertigt, welcher, nachdem er in Mainz und Jena die Rechtswissenschaft studiert hatte und in Ingolstadt mit ausserordentlichem Beifall promoviert worden war, im Jahre 1764 auf Ickstatts Wunsch zuerst zum Extraordinarius ernannt wurde, um an Stelle des Direktors die Vortrage über deutsches Staatsrecht zu übernehmen. 1765, als Adam von Ickstatt sich ganz zurückzog, wurde der Neffe zum ordentlichen Professor und später zum Hofrat befördert, kränkelte jedoch früh und starb schon im Jahre 1771.

Das in lateinischer Sprache abgefasste umfangreiche, höchst interessante Dokument auf Pergament geschrieben, welches im Archiv des Illuminatenordens zu Dresden jetzt bewahrt wird, lautet in der Übersetzung:

Im Namen der heiligen und persönlichen Dreieinigkeit, Amen.

Wir Peter von Ickstatt, Doctor der Rechte, des gnädigsten und mächtigsten Churfürsten, Herzogs von Ober- und Niederbayern etc. etc. wirklicher Hofrath, an der ehrwürdigen, catholischen und churfürstlichen Universität Ingolstadt, Professor Ordinarius des Naturrechts und des öffentlichen gemeinen Rechtes, auch der kaiserlichen Institutionen, auch zur Zeit der berühmten juristischen Facultät Decanus: auch die übrigen Doctoren derselben Facultät, die actuellen churfürstlichen Hofräthe und Professoren entbieten allen, welche diese Urkunde anschauen werden, ihren Gruss und Frieden in dem Herrn.

Recht und pflichtgemäss glauben wir zu handeln, wenn wir nicht unwürdige, sondern durch Gelehrsamkeit ausgezeichnete und erprobte Männer zu den höchsten Ehren und Würden zulassen. Denn wie wir es für ungerecht, inhuman und jeder Gleichheit der verteilenden Gerechtigkeit fremd halten, jene zuzulassen, diese aber abzuweisen und um die schuldigen Ehrentitel und Prämien zu bringen, so ist der auserlesenen und berühmtesten Zahl, wegen der empfehlendsten und ausgezeichnetsten Verdienste, einzureihen, der sehr berühmte Herr Adam Weishaubt von Ingolstadt (Bayern), bis jetzt öffentlicher Repetitor der Rechte an unsrer Hochschule, welcher unserem Athenaeum drei Jahre hindurch nicht allein unermüdlichen Fleiss durch vortreffliche Proben bekundet, sondern auch zwei Jahre hindurch die Collegia über die Institutionen Julians, das Natur- und öffentliche gemeine Recht sowie das Privatrecht ein Jahr lang mit dem Lobe ausdauernden Fleisses gehört hat und sich durch die hier erworbenen Früchte auszeichnend, hat er sich alle diese Jahre hindurch durch eminente und männliche Bescheidenheit bei vielen Gelegenheiten, vornemlich bei privaten Anreden als einen in der ganzen Literatur und den humanioren Studien, besonders auch verschiedener Sprachen höchst bewanderter Mann bewährt. Und wie er an dieser unsrer Universität ausser dem Feudal-, Natur-, allgemeinen und Völkerrecht, desgleichen das öffentliche deutsche Recht in Privatcollegien in ununterbrochener Reihenfolge wiederholt gehört hat und mit ganzer Seele dabei (ganz Ohr) war, so zeigte er sich, nachdem er Früchte hieraus geschöpft und eminente Fortschritte gemacht, als einen

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