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1. Asenath
1. Kapitel: Asenath
1 Am fünften Tag des zweiten Monats,
im ersten Jahr der sieben fetten Fahre
bestellte Pharao den Joseph
zu einem Rundgang durch Ägyptens Lande insgesamt.
2 So kam er denn am achtzehnten des vierten Mondes
des ersten Jahrs in das Gebiet von Heliopolis
und sammelte das Korn der Gegend ein,
dem Sand am Meere gleich.
3 Da war ein Mann in jener Stadt
mit Namen Pentephres;
der war ein Priester zu Heliopolis
und ein Satrap des Pharao
und Oberhaupt all der Satrapen und der Fürsten Pharaos.
Und dieser Mann war unermeßich reich,
klug, milde,
des Pharao Berater,
als Klügster aller Fürsten Pharaos.
4 Er hatte eine Tochter Asenath mit Namen,
Jungfrau von achtzehn Jahren,
schlank, blühend,
viel schöner als des Landes Jungfrauen all.
5 Ja, Asenath glich keinesfalls ägyptischen Jungfrauen;
sie glich vielmehr den Töchtern der Hebräer allenthalben;
sie war so schlank wie Sara,
so blüheud wie Rebekka,
so schön wie Rachel.
6 Und ihrer Schönheit Ruf erging ins ganze Land,
ja bis zum End der Welt;
der Großen und Satrapen Söhne alle
begehrten sie deshalb zu freien,
ja selbst die Königssöhne,
die jungen und die kräftigen,
und ihretwegen war ein großer Streit bei ihnen
und sie versuchten, gegenseitig sich schon zu bekämpfen.
7 Des Pharao Erstgeborener hörte auch von ihr.
er bat den Vater, diese ihm zum Weib zu geben.
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Er sprach zu ihm:
Mein Vater! Gib zum Weib mir Asenath,
die Tochter Pentephres,
des ersten Mannes zu Heliopolis!
8 Da sprach sein Vater Pharao zu ihm:
Warum suchst du ein Weib dir aus,
das tiefer steht als du,
zumal du König dieses ganzen Landes wirst?
9 Ist nicht des Moabkönigs Joakim Tochter dir verlobt?
Ja, die gibt eine Königin,
ist sie doch über alle Maßen schön.
Die nimm dir doch zum Weib!
2. Asenaths Schmuck und Wohnung
2. Kapitel: Asenaths Schmuck und Wohnung
1 Doch Asenath war jeder Mann zum Ekel und zuwider
in ihrem unnahbaren Stolz;
kein Mann bekam sie je zu sehen;
denn Pentephres besaß an seinem Hause einen Turm,
gar groß und hoch,
und oben auf dem Turme war ein Söller mit zehn Zimmern.
2 Das erste Zimmer war gar groß und prächtig,
mit Purpursteinen ausgelegt;
aus edlen, bunten Steinen waren seine Wände;
des Zimmers Decke war aus Gold.
3 Zahllose Götter der Ägypter, goldene und silberne,
befanden sich in diesem Zimmer
und Asenath verehrte diese alle voller Furcht
und brachte ihnen täglich Opfer dar.
4 Am zweiten Zimmer war der ganze Schmuck der Asenath
samt den Behältern;
drin war viel Gold und Silber,
unzählig goldgewirkte Kleider
und auserlesene, kostbare Steine
und feine leinene Gewänder;
auch aller andre Jungfrauenschmuck war hier.
5 Die Vorratskammer Asenaths war in dem dritten Zimmer,
das alle Güter dieser Welt enthielt.
6 und in den andern sieben Zimmern wohnten sieben Jungfrauen,
die Asenath bedienten,
und jede hatte ein besonderes Zimmer;
sie aber waren gleichen Alters,
mit Asenath in einer Nacht geboren;
sie liebte sie gar sehr;
sie waren wunderschön,
den Himmelssternen gleich;
nie sprach ein Mann mit ihnen, noch ein Knabe.
7 Drei Fenster waren in dem großen Zimmer Asenaths,
wo ihre Jungfrauschaft gehegt ward und gepflegt;
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das erste Fenster war sehr groß
und schaute auf den Hof nach Osten,
das zweite nach dem Süden,
das dritte auf die Straße.
8 Ein golden Bett stand in dem Zimmer gegen Osten;
das Lager war mit goldgewirktem Purpur ausgelegt,
und Scharlach und aus seinem Linnenstoff gewoben.
9 In diesem Bett schlief Asenath allein;
nie lag ein Mann darin,
noch je ein andres Weib,
als Asenath allein.
10 Ein großer Hof lief um das Haus herum
und um den Hof ging eine hohe Mauer,
erbaut aus großen Quadersteinen.
11 Vier Pforten waren in dem Hof,
mit Eisen wohl beschlagen;
an diesen wachten achtzehn junge, kräftige Bewaffnete
und in dem Hofe an der Mauer wuchsen Bäume,
kostbare aller Art
und alle früchtereich,
zur Erntezeit mit reifen Früchten.
12 Zur Rechten in dem Hof war eine reiche Wasserquelle
und unter diesem Quell war ein Behälter, gar nicht klein,
der dieser Quelle Wasser in sich nahm,
von wo er, einem Flusse gleich,
durch jenes Hofes Mitte floß
und jenes Hofes Früchte all bewässerte.
3. Josephs Ankunft
3. Kapitel: Josephs Ankunft
1 Am achtundzwanzigsten des vierten Mondes
im ersten Jahr der sieben fetten Jahre
kam Joseph ins Gebiet von Heliopolis
und sammelte das Korn der Gegend ein.
2 Als Joseph dieser Stadt sich näherte,
entsandte er zwölf Männer vor sich her
zu Pentephres, dem Priester von Heliopolis,
und lies ihm sagen:
Ich kehre heute bei dir ein,
dieweil es Mittag ist und Zeit zum Speisen;
auch ist die Sonnenhitze groß
drum möcht ich unter deines Hauses Dache mich erquicken.
3 Als Pentepheres dies hörte,
freut er sich sehr und spricht:
Gepriesen sei der Herr, der Gott des Joseph!
Mein Herr! Für würdig hält mich Joseph.
4 Und Pentephres berief den Aufseher des Hauses
und sprach zu ihm:
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Setz schnell mein Haus instand
und richt ein Gastmahl her,
weil Joseph, Gottes Held, heut zu uns kommt!
5 Als Asenath vernahm,
der Vater und die Mutter kämen von dem Erbgut heim,
sprach sie voll Freude:
Ich gehe
und will den Vater und die Mutter sehen,
weil sie von unserm Erbgut kommen;
es war zur Erntezeit.
6 Dann eilte Asenath ins Zimmer,
wo ihre Kleider lagen,
und zog ein feines Linnenkleid,
aus Scharlach und aus Gold gewirkt, sich an,
mit einem goldnen Gürtel,
und an den Armen trug sie Spangen,
und an den Beinen goldne Binden
und um den Hals wertvollen Schmuck und seltene Steine.
die allseitig geschliffen waren,
dazu die Namen der ägyptischen Götter trugen,
die allenthalben eingegraben waren
aus Spangen und aus Steinen.
Sie setzte einen Turban sich aufs Haupt,
band um die Schlafen sich ein Diadem,
verhüllte ihren Kopf mit einem Schleier.
4. Asenath und ihre Eltern
4. Kapitel: Asenath und ihre Eltern
1 So ging sie aus dem Söller auf der Treppe schnell hinab
und kam zu Vater und zu Mutter
und grüßte sie;
da freute Pentephres mit seinem Weibe
sich über ihre Tochter Asenath gar sehr,
weil sie sie sahen so geschmückt und so geziert,
wie eine Gottesbraut.
2 Da holten sie hervor,
was sie aus ihrem Erbgut Gutes eingeheimst,
und schenkten dieses ihrer Tochter,
und Asenath erfreute sich an all dem Guten,
am Obst, an Trauben, Datteln,
an Tauben, an Granaten und au Feigen;
sie waren alle reif und wohlschmeckend.
3 Alsdann sprach;Pentephres zu seiner Tochter Asenath:
„O Kind!“
Sie sprach: Ja, Herr!
4 Er sprach zu ihr:
Setz dich hier zwischen uns!
Ich will dir sagen, was ich denke.
5 Sie setzt sich zwischen ihren Vater und die Mutter;
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ihr Vater Pentephres ergreift mit seiner Rechten ihre Rechte,
küßt sie und spricht:
O liebes Kind!
6 Sie sprach zu ihm:
Ja, Herr und Vater!
7 Darauf sprach Pentephres zu ihr:
Sieh, Joseph, Gottes Held, kommt heut zu uns;
er ist der Herrscher über ganz Ägyptenland.
Der König Pharao bestellte ihn zum Herrscher über unser ganzes Land
und diesem ganzen Lande gibt er Nahrung
und rettet dieses vor der künftigen Hungersnot.
Ein gottesfürchtiger Mann ist Joseph,
jungfräulich, wie du’s heute bist, und klug,
ein Mann, an Weisheit und an Wissen stark;
in ihm ist Gottes Geist;
des Herren Gnade ist in ihm.
8 Komm, teures Kind!
Ich geb dich ihm zum Weib
und du wirst seine Braut;
für alle Zeit wird er dein Bräutigam.
9 Als Asenath von ihrem Vater diese Worte hörte,
bedeckte sich ihr Angesicht mit vielem Schweiß;
und sie geriet in großen Zorn,
schaut von der Seite hin zu ihrem Vater
und spricht:
Was redest du, mein Herr und Vater, solche Dinge?
Willst du mich einem fremden Mann gefangen übergeben,
der flüchtig war
und den man gar verkaufte?
10 Ist er nicht eines Hirten Sohn aus Kanaan?
Ist er denn nicht von ihm verlasen worden?
Ist er nicht der, der bei der Herrin ruhte
und den sein Herr in dunklen Kerker werfen lief;
und den aus seinem Kerker Pharao entließ,
weil er ihm seinen Traum erklärte,
so wie's die alten Weiber der Ägypter machen?
11 Nein! Lieber heirat ich den erstgeborenen Sohn des Königs,
weil dieser König in dem ganzen Lande wird.
12 Als dieses Pentephres vernahm,
verging ihm alle Lust,
mit seiner Tochter Asenath
noch weiter über Joseph sich zu unterhalten,
weil sie mit stolzem Zorne ihm erwidert hatte.
5. Josephs Besuch
5. Kapitel: Josephs Besuch
1 Da sprang ein Jüngling aus der Dienerschaft des Pentephres herbei
und sprach zu ihm:
Schon steht vor unseres Hofes Pforten Joseph.
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2 Als Asenath dies hörte,
floh sie von ihrem Vater und der Mutter weg,
stieg auf den Söller,
betrat ihr Zimmer,
stellt sich ans große Fenster,
das gegen Morgen schaut,
um Joseph sehen zu können,
wenn er das väterliche Hand beträte.
3 Da gingen Pentephres und seine Frau hinaus,
um Joseph zu begrüßen,
mit allen den Verwandten und der Dienerschaft.
4 Wie sich des Hofes Pforten, die gen Osten schauten, öffneten,
fuhr Joseph auf des Pharao zweiten Wagen ein:
es zogen ihn vier Pferde, weiß wie Schnee,
mit goldnen Zügeln;
der Wagen aber war aus reinem Gold gefertigt.
5 Und Joseph war mit einem weißen, seltnen Rock bekleidet
und seines Umhangs Kleid war purpurn,
aus feinem golddurchwirktem Linnen.
Auf seinem Haupt ein goldner Kranz,
zwölf auserlesene Steine um den Kranz
und goldne Strahlen auf den Steinen;
in seiner Rechten trug er einen Königsstab
und einen Ölweig, der viel Früchte trug.
6 Als Joseph in den Hof getreten
und sich die Pforten schlossen,
da mußte jeder Mann
und alle fremden Weiber außerhalb des Hofes bleiben;
der Pforten Wächter schlossen diese ab.
7 Da kamen Pentephres und seine Frau
und die Verwandten alle,
nur Asenath, die Tochter, nicht,
und warfen sich vor Joseph auf die Erde nieder.
Und Joseph stieg von seinem Wagen;
mit Handschlag grüßt er sie.
6. Josephs Eindruck auf Asenath
6. Kapitel: Josephs Eindruck auf Asenath
1 Wie Asenath den Joseph sah,
ward sie in ihrer Seele stark bewegt;
es ward ihr Herz erschüttert
und ihre Kniee wankten;
sie zitterte am ganzen Leib
und hatte große Angst,
2 Sie seufzt und spricht in ihrem Herzen:
Weh mir Unseligen!
Wohin soll ich, Unglückliche, jetzt fliehen?
Wo mich vor seinem Angesicht verbergen?
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Wie wird doch Joseph, dieser Gottessohn, mich anschauen,
da ich so schlimm von ihm gesprochen?
3 Weh mir Unseligen!
Wo soll ich hingehen und mich bergen?
Er sieht ja jegliches Versteck,
weiß alles
und nichts Verborgenes entgehet ihm
des großen Lichtes wegen, das er in sich trägt.
4 Nun sei des Joseph Gott mir gnädig,
das ich unwissentlich so Schlimmes wider ihn geredet!
Was soll ich tun, ich Elende?
5 Hab ich denn nicht gesagt,
daß Joseph, eines Hirten Sohn, aus Kanaan gekommen sei?
Nun kommt er gleich der Himmelssonne
zu uns auf seinem Wagen
und heut betritt er unser Hans,
erhellt es, wie das Licht die Erde.
6 Ich aber war so töricht und so dreist,
das ich ihn so verachtete
und Schlimmes von ihm sprach
und wußte nicht,
das Joseph ist ein Gottessohn.
7 Denn welcher Mensch auf Erden zeugt je solche Schönheit
und welches Weibes Schoß gebiert ein solches Licht?
Ich war so unselig und töricht,
daß ich so schlimme Worte meinem Vater gab.
8 Gib mich zur Magd dem Joseph, Vater,
zur Sklavin noch viel lieber!
Ich will ihm ewig Sklavin sein.
7. Josephs Eintritt ins Haus ihrer Eltern
7. Kapitel: Josephs Eintritt ins Haus ihrer Eltern
1 Und Joseph ging ins Haus des Pentephres
und setzte sich auf einen Thron;
sie wuschen ihm die Füße,
bereiteten ihm eine eigene Tafel,
weil Joseph nicht zusammen mit Ägyptern speiste;
denn dies war ihm ein Greuel.
2 Da blickte Joseph auf
und sah die Asenath,
wie sie verstohlen blickte,
und sprach zu Pentephres:
Wer ist dies Weib,
das an des Söllers Fenster steht?
Sie geh aus diesem Hause fort!
Denn Joseph dachte voller Furcht:
Sie möchte mich behelligen!
3 Denn alle Weiber und die Töchter
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von den ägyptischen Fürsten und Satrapen
behelligten ihn mit dem Wunsche des Zusammenseins;
jedoch auch viele andere Weiber der Ägypter
und deren Töchter,
die Joseph sahen, litten schwer durch seine Schönheit.
4 Die Boten aber, die die Weiber zu ihm sandten
mit Gold und Silber, wertvollen Geschenken,
versagte Joseph voller Zorn mit Drohungen,
indem er sprach:
Ich werde nimmer sündigen vor Gott dem Herrn
und vor dem Angesichte meines Vaters Israel.
5 Es hatte nämlich Joseph immerdar vor Augen Gott
und dachte immerfort an seines Vaters Mahnungen;
es hatte Jakob oft gesagt
und seinem Sohne Joseph
und allen seinen anderen Söhnen es ans Herz gelegt:
Kinder! Hütet euch vor fremden Weibern!
Laßt euch doch nicht mit ihnen ein!
Ihr Umgang ist Verderben und Vernichtung.
6 Deshalb sprach Joseph:
Es geh doch jenes Weib aus diesem Hause fort!
7 Darauf erwiderte ihm Pentephres:
Mein Herr!
Die dort, die du im Söller stehen siehst,
ist keine Fremde;
es ist dies unsere Tochter,
die jeden Mann verschmäht;
sie hat kein anderer Mann,
als du allein, bis heut gesehen;
doch willst du, Herr,
wird sie erscheinen und dich anreden;
denn unsere Tochter ist wie deine Schwester.
8 Da freute Joseph sich gar herzlich,
weil Pentephres gesagt,
sie sei ja eine Jungfrau,
die jeden Mann verschmäht,
und Joseph sprach zu Pentephres und seinem Weib:
Wenn diese eure Tochter ist und Jungfrau,
dann soll sie kommen!
Dann ist sie meine Schwester;
ich liebe sie von heute an als meine Schwester.
8. Josephs Begegnung mit Asenath
8. Kapitel: Josephs Begegnung mit Asenath
1 Darauf stieg ihre Mutter in den Söller
und führte Asenath zu Joseph,
und Pentephres sprach dann zu ihr:
Begrüße deinen Bruder!
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Er ist jungfräulich wie auch du bis heute,
und er verschmäht ein jedes fremde Weib,
wie du die fremden Männer all.
2 Darauf sprach Asenath zu Joseph:
Willkommen, Herr, Gesegneter des höchsten Gottes!
3 sind Joseph sprach zu ihr:
Jungfrau! Dich segne Gott,
der alles in das Leben ruft!
4 Darauf sprach Pentephres zu seiner eignen Tochter Asenath:
Komm! Küsse deinen Bruder!
5 Als Asenath den Joseph küssen wollte,
legt Joseph seine rechte Hand auf ihre Brust
und Joseph spricht:
Nicht ziemt ea sich für einen gottesfürchtigen Mann,
der mit dem Munde den lebendigen Gott verherrlicht
und der geweihtes Lebensbrot genießt
und der Unsterblichkeit geweihten Trank einnimmt
und mit der Unverweslichkeit geweihtem Salböl wird gesalbt,
das; einen Kuß er einem fremden Weide gebe,
das mit dem Munde tote, stumme Götzen preist,
von ihrem Tisch erwürgte Speis geniest,
von ihrem Opfertrank den Kelch des Truges nimmt
und sich mit des Verderbens Salbe salbt.
6 Der gottesfürchtige Mann vielmehr
küßt seine Mutter
und seine Schwester, seiner Mutter Kind,
und seine Schwester aus dem gleichen Stamm
und seine Gattin, die sein Lager teilt,
die mit dem Munde den lebendigen Gott verherrlichen.
7 Dergleichen ziemt es einem gottesfürchtigen Weibe nicht,
dem fremden Manne einen Kuß zu gehen;
denn dieses ist vor Gott, dem Herrn, ein Greuel.
8 Als Asenath von Joseph solche Worte hörte,
ward sie gar sehr betrübt und seufzte,
und wie sie offnen Auges Joseph fest betrachtet,
füllt sich ihr Aug mit Tränen.
Als Joseph sie so weinen sah,
bedauert er sie sehr,
weil sie so sanft und gütig
und gottesfürchtig war.
9 Er legte seine Rechte ihr aufs Haupt und sprach:
Herr, Gott des Vaters Israel!
Du höchster, starker Gott,
der du das All belebst
und aus dem Dunkel es ins Licht berufst
und aus dem Irrtum zu der Wahrheit
und aus dem Tod zum Leben,
ach, segne du auch diese Jungfrau!
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Belebe sie;
erneure sie durch deinen heiligen Geist;
laß sie dein Lebensbrot genießen
und trinken aus dem Kelche deiner Segnung
und zähl sie deinem Volke bei,
das du erwählt, bevor das All geworden!
Führ sie zu deiner Ruhestatt,
die deinen Auserwählten du bereitet!
Laß sie in deinem ewigen Leben ewig leben!
9. Josephs Abreise
9. Kapitel: Josephs Abreise
1 Da ward durch Josephs Segen Asenath gar hoch erfreut
und eilends geht sie in den Söller
und fällt hier kraftlos auf ihr Lager nieder;
denn in ihr herrschten Freude, Trauer und viel Angst.
Viel Schweiß ergoß sich über sie,
als sie von Joseph diese Worte hörte
und wie er in des höchsten Gottes Namen zu ihr sprach.
2 Dann brach sie in ein lautes, bitterliches Weinen und
und wandte sich voll Reue
von ihren Göttern ab, die sie verehrte,
und von den Götzenbildern, die sie schmähte,
und blieb dort, bis es Abend ward.
3 Und Joseph aß und trank;
dann hieß er seine Knechte ihre Pferde an die Wagen spannen,
die ganze Gegend zu befahren.
4 Da sprach zu Joseph Pentephres:
Mein Herr, bleib heute hier!
Zieh morgen deines Weges weiter!
5 Doch Joseph sprach:
Nein, heute will ich gehen;
denn dieses ist der Tag,
an dem mit der Erschaffung aller Dinge Gott begonnen.
Am achten Tag kehr ich zu euch zurück
und bleib dann hier.
10. Asenaths Reue
10. Kapitel: Asenaths Reue
1 Wie Joseph nun das Haus verließ,
ging Pentephres mit allen den Verwandten in ihr Erbgut.
Nur Asenath blieb ganz allein
mit sieben Jungfrauen zurück,
ganz teilnahmslos, in Tränen aufgelöst,
bis zu der Sonne Untergang.
Sie aß kein Brot und trank kein Wasser,
und während alles schlief, blieb sie allein noch wach
und schlug in Tränen häufig ihre Brust.
2 Hernach erhob sich Asenath von ihrem Lager
und stieg die Treppe von dem Söller ganz gefaßt hinunter,
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und wie sie zu der Pforte kam,
traf sie die Hüterin mit ihren Kindern schlafend an;
Da nimmt sie von der Türe schnell das Vorhangsfell,
füllt es mit Asche,
trägt diese in den Söller
und streut sie auf den Boden.
3 Dann schloß sie fest die Türe ab
und schob den Eisenriegel von der Seite her
und seufzte unter vielem Stöhnen,
mit vielen starken Tränengüssen.
4 Die Jungfrau, die da Asenath vor allen anderen Jungfrauen liebte,
vernahm ihr Seufzen.
Schnell steht sie auf und geht zur Türe,
nachdem sie auch die anderen Jungfrauen geweckt;
sie fand sie fest verschlossen.
5 Sie hört das Seufzen Asenaths und ihren Jammer;
da sagte sie, die außen stand, zu ihr:
Was gibt es, meine Herrin?
Was macht dich so betrübt?
Was ist, das dich bedrückt?
Schließ auf, das wir dich sehen!
6 Darauf sprach Asenath, die innen eingeschlossen war:
Gar großes, schweres Leid ist auf mein Haupt gekommen:
ich ruhe nun auf meinem Lager;
doch kann ich nimmer mich erheben und euch öffnen,
weil ich an allen meinen Gliedern leide.
7 Geht nun, in ihre Kammer jegliche von euch, und ruhet;
mich aber laßt allein!
8 Wie nun die Jungfrauen in ihre Kammern gingen,
erhob sich Asenath
und öffnete die Türe ihres Schlafgemachs ganz ruhig,
ging in ihr zweites Zimmer,
wo die Behälter ihres Schmuckes waren,
und öffnete die Truhe.
Und sie entnahm ein Kleid, ganz schwarz und düster,
worin sie sich gekleidet, als ihr erstgeborener Bruder starb.
9 Sie nimmt dies Unterkleid,
trägt's auf ihr Zimmer,
verschließt dann wieder fest die Türe
und schiebt den Riegel von der Seite vor.
10 Dann legte Asenath die königlichen Kleider ab
und zog das Trauerkleid sich an,
löst ihren goldnen Gürtel,
mit einem Stricke sich umgürtend,
legt ihren Turban oder ihre Mütze ab,
sowie das Diadem;
die Spangen von den Armen und den Füßen,
all das wird auf den Boden hingelegt.
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11 Dann nimmt sie ihr erlesen Kleid,
den goldnen Gürtel,
den Turban und ihr Diadem
und wirft sie durch das Fenster, das gen Norden sah,
den Armen zu.
12 Dann nimmt sie alle ihre Götter,
die sich in ihrem Zimmer fanden,
die goldenen und silbernen, gar nicht zu zählen,
zerbricht in kleine Stücke sie
und wirft sie durch das Fenster
den Bettlern und Bedürftigen zu.
13 Alsdann nimmt Asenath ihr königliches Mahl,
gemästet Fleisch und Fisch und Kälberbraten
und alle Opfer ihrer Götter,
sowie die Sachen für die Weintrankspende
und wirft dies alles durch das Fenster, das gen Norden sah
zum Fraß den Hunden vor.
14 Hernach nahm sie das Fell mit Asche
und schüttete sie auf den Boden aus;
alsdann nahm sie ein Bußgewand
und gürtete es um die Hüften;
sie löste auch ihr Haargeflecht
und streute Asche auf ihr Haupt.
15 Sie streut auch Asche auf den Boden,
setzt sich so in die Asche
und schlägt sich häufig ihre Brust mit Fäusten,
weint bitterlich die ganze Nacht
mit Seufzen bis zum Morgen.
16 Als Asenath am Morgen sich erhob,
da sah sie, daß die Asche unter ihr
von ihren Tränen war zu Schmutz geworden;
da fiel sie wiederum mit ihrem Antlitz in die Asche,
bis daß die Sonne unterging.
17 So tat nun sieben Tage Asenath
und aß nicht das Geringste.
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