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11. Asenaths Bekehrung
11. Kapitel: Asenaths Bekehrung
1 Am achten Tage, als das Frührot kam
und schon die Vögel sangen
und Hunde Wandernde anbellten,
erhob sich Asenath ein wenig von dem Boden
und aus dem Aschenstaub, worin sie saß;
sie war erschöpft
und ihrer Glieder nimmer mächtig ob des vielen Fastens;
denn Asenath war kraftlos und war schwach geworden
und ihre Kraft dahingeschwunden.
So lehnte sie sich an die Wand,
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indem sie unter dem der Fenster saß,
das da gen Osten sah.
2 Ihr Haupt lies; sie in ihren Busen sinken,
die Finger ihrer rechten Hand ums rechte Knie gelegt;
geschlossen war ihr Mund;
sie hatte ihn in sieben Tagen,
sowie in sieben Nächten ihres Fastens nimmer aufgetan.
3 Sie sprach in ihrem Herzen, ohne ihren Mund zu öffnen:
Was soll ich Arme tun?
Wo soll ich hingehen?
Zu wem mich flüchten?
Mit wem soll ich nur sprechen,
ich hilflose, vereinsamte,
von allen ganz verlassene, mißachtete Jungfrau?
4 Sie alle achten mich nunmehr gering,
mit ihnen auch der Vater und die Mutter,
weil ihre Götter ich verabscheute
und sie zerstörte
und sie den Armen gab, um sie durch Menschen zu vernichten.
5 Es sagten ja der Vater und die Mutter:
Daß ist nicht unsere Tochter Asenath;
auch alle die Verwandten hassen mich
und alle anderen Menschen;
denn ihre Götter habe ich vernichtet.
6 Hab ich doch gleichfalls jeden Mann gehaßt
und alle meine Freier;
so werd ich auch in dieser meiner Schwäche jetzt
von allen wohl mißachtet;
sie freuen sich an meiner Trübsal.
7 Der Herr und Gott des Helden Joseph aber
haßt all die Götzenbildanbeter,
ist er ja doch ein eifersüchtiger, fürchterlicher Gott,
wie ich gehört, für alle, die da fremde Gottheiten verehren.
8 So hat er denn auch mich gehaßt,
weil tote, stumme Götzenbilder ich verehrte und sie pries.
9 Nun aber meid ich ihre Opfer:
mein Mund ward ihrem Tisch entfremdet;
doch hab ich keinen Mut,
den Herrn, den Gott des Himmels, anzurufen,
den Höchsten und den Mächtigen des Helden Joseph;
es wurde ja mein Mund befleckt von Götzenopfern.
10 Ich habe aber viele sagen hören,
ein wahrer Gott sei der Hebräer Gott
und ein lebendiger Gott
und ein barmherziger Gott,
mitleidig, nachsichtig, erbarmungsvoll und milde,
der nicht die Sünde eines Armen anrechnet
der sich zumeist unwissentlich verging,
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und der nicht rechtet ob der Schuld
zur Zeit der Trübsal eines Menschen, der in Nöten.
11 Nun wag’s auch ich, ich Arme,
und kehr zu ihm zurück
und flüchte mich zu ihm,
bekenn ihm alle meine Sünden
und gieß mein Flehen vor ihm aus
und er wird meines Elends sich erbarmen.
12 Wer weiß, ob er nicht meiner sich erbarmt,
sieht er mich jetzt verdemütigt
und meine Seele so vereinsamt?
13 Und sieht er, wie ich, Jungfrau, bin in meiner Not verlassen,
dann schützt er mich,
weil, wie ich höre, er der Waisen Vater ist,
der Tröster der Betrübten,
der Helfer der Verfolgten.
14 So wag ich’s denn, ich Arme,
und ruf zu ihm.
15 Und Asenath erhob sich von der Wand, woran sie saß,
und richtete sich auf die Kniee gegen Osten
und schaut zum Himmel aus
und öffnet ihren Mund
und spricht zu Gott.
12. Asenaths Gebet
12. Kapitel: Asenaths Gebet
1 — Gebet und Bekenntnis der Asenath: —
O Herr, Gott der Gerechten,
der du die Welten schufst
und allem Leben gabst,
der du den Geist des Lebens jeglichem Geschöpf verliehest,
der du das Unsichtbare in das Licht gebracht,
2 der du das All geschaffen,
das Unsichtbare sichtbar hast gemacht,
der du den hohen Himmel schufest,
die Erde auf die Wasser gründetest,
der du die großen Steine auf der Wassertiefe festigtest,
die nicht versinken können,
die vielmehr bis zum Ende deinen Willen tun,
weil du, o Herr, befahlst und alles ward.
Dein Wort, o Herr, ist Leben ja für alle deine Schöpfungen
3 Zu dir nun flieh ich, Herr, mein Gott:
von jetzt an ruf ich, Herr, zu dir
und dir bekenn ich meine Sünden;
vor dir schütt ich mein Flehen aus, o Herr;
vor dir enthüll ich meine Sündenschulden.
4 Schon meiner, Herr! Verschone!
Denn viel hab ich an dir gesündigt und gefrevelt,
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gottlos gehandelt,
Abscheuliches, was schlecht in deinen Augen, ausgesprochen.
5 Befleckt ist, Herr, mein Mund
von Götzenopfern der Ägypter,
von ihren Göttermahlen.
Ich hab gesündigt, Herr,
ich hab vor dir gesündigt;
ich habe wissentlich wie auch unwissentlich gottlos gehandelt;
ich hab ja tote, stumme Götzenbilder angebetet.
Ich bin nicht würdig, meinen Mund, o Herr, zu dir zu öffnen,
ich arme Asenath,
die Tochter Penteshres, des Priesters,
Jungfrau und Königin,
ich, die ich einstmalig stolz und übermütig,
durch meinen elterlichen Reichtum glücklicher als alle Menschen war,
ich, die ich nunmehr einsam und verwaist,
von allen Menschen ganz verlasen bin.
6 Zu dir, Herr, fliehe ich;
dir trag ich meine Bitte vor;
ich ruf zu dir:
7 Errette mich von den Verfolgern, Herr,
eh' ich von ihnen werd ergriffen!
8 So wie ein kleines Kind, das jemand fürchtet,
zum Vater und zur Mutter flieht,
der Vater aber seine Hand ausstreckt
und es an seiner Brust hinreißt,
so streck auch du, mein Herr,
die reinen und die furchtbaren Hände nach mir aus,
gleichwie ein Vater, der die Kinder liebt,
und reiß mich aus der Hand des geistigen Feindes!
9 Denn sieh: der alte, wilde, rohe Löwe
verfolgt mich,
weil er der Vater der ägyptischen Götter ist,
und seine Kinder sind die Götter der vom Götzendienst Besessenen;
ich aber haste und zerstörte sie,
weil sie des Löwen Kinder sind.
So warf ich alle Götter der Ägypter von mir fort,
zerstörte sie.
10 Der Löwe aber,
der Teufel ist's, ihr Vater,
versucht, voll Wut auf mich, mich zu verschlingen.
11 Du aber, Herr, befreie mich aus seinen Händen,
dann bleib ich seinem Mund entrissen,
daß er mich nicht zerfleische,
nicht in die Feuerglut mich werfe
und dann das Feuer mich dem Sturme überlasse
und mich der Sturm in Finsternis versenke
und mich gar in des Meeres Tiefe schleudre
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und mich das große, alte Ungeheuer hier verschlinge
und ich für alle Zeit verloren sei!
12 Errett mich, Herr, ehe mich dies alles trifft!
Errette, Herr, die Einsame und Schutzlose,
weil mich der Vater und die Mutter schon verleugneten:
Sie sprachen:
„Das ist nicht unsere Tochter Asenath“,
dieweil ich ihre Götter hab zerbrochen und vernichtet,
da ich sie gänzlich haßte.
13 Nun bin ich ganz verwaist und einsam:
ich habe keine andere Hoffnung mehr als dich, mein Herr,
und keine andere Zuflucht mehr als dein Erbarmen,
du Menschenfreund.
Nur, du bist ja der Waisen Vater,
der Schützer der Verfolgten,
der Helfer der Bedrückten.
14 Erbarm dich meiner, Herr!
Schütz mich, die reine Jungfrau,
die so verwaist, verlassen ist!
Nur du, Herr, bist ein süßer, guter, milder Vater.
15 Wer wäre sonst ein Vater, Herr, so süß und gut, wie du?
Sieh: alle die Geschenke meines Vaters Pentephres,
die er mir zum Besitze gab,
sind zeitlich und vergänglich;
doch deines Erbes Gaben, Herr,
sind unvergänglich, ewiglich.
13. Asenaths Gebet
13. Kapitel: Asenaths Gebet
1 Sieh, Herr, mein Elend an!
Erbarm dich meiner, der Verwaisten!
Hab Mitleid doch mit mir, der Tiefgebeugten!
Sieh, Herr, ich floh vor allen
und flüchtete zu dir, dem einzigen Menschenfreund.
2 Die Erde Güter all hab ich verlasen
und bin zu dir geflüchtet, Herr,
in Sack und Asche, nackt und bloß.
3 Ich hab mein königlich Gewand
aus feinstem Linnen und aus Scharlach, goldgewirkt,
von mir getan
und hab ein schwarzes Trauerkleid mir angelegt.
4 Ich löste meinen goldenen Gürtel, warf ihn weg
und nahm zum Gürtel einen Strick, ein Bußgewand.
5 Mein Diadem und meinen Turban riß ich mir vom Haupt,
bestreute mich mit Asche.
6 Der Boden meines Zimmers,
mit bunten und mit Purpursteinen ausgelegt,
der einst mit Ölen war befeuchtet,
mit feinen Linnen abgerieben,
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ist feucht von meinen Tränen,
mit Asche überstreut, befleckt.
7 Mein Herr!
Aus Asche und aus meinen Tränen
entstand ein großer Schmutz in meinem Zimmer,
gleichwie auf breiter Straße.
8 Mein Herr!
Mein königliches Mahl und die Gerichte
gab ich den Hunden.
9 O Herr!
Ich bin setzt sieben Tag und sieben Nächte nüchtern;
ich aß kein Brot und trank kein Wasser;
mein Mund ist trocken so wie eine Trommel,
und meine Zunge wie ein Horn
und meine Lippen gleichen einer Scherbe;
mein Antlitz ist ganz eingefallen
und meine Augen konnten nimmer weinen.
10 Du, Herr, mein Gott,
erlöse mich von meinen vielen Schulden!
Verzeih mir unerfahrnen Jungfrau, daß ich so geirrt!
11 Nun habe ich erkannt, daß alle diese Götter,
die ich unwissend ehedem verehrte,
nur stumme, tote Götzenbilder waren.
So schlug ich sie zusammen
und ließ sie von der Menschen Fuß zertreten;
es konnten Diebe sie ja stehlen,
sie, die aus Silber und aus Gold bestanden.
12 Zu dir, Herr Gott, bin ich geflohen,
dem einzigen, mitleidsvollen Menschenfreund.
13 Verzeih mir, Herr,
das ich unwissentlich an dir soviel gesündigt
und Frevelhaftes gegen Joseph, meinen Herrn, geredet!
Ich Arme wußte nicht,
das er dein Sohn, Herr, ist;
denn schlechte Menschen sagten mir in ihrem Neid,
ein Hirtensohn aus Kanaan sei Joseph.
Ich Arme glaubt es ihnen:
ich ließ mich täuschen;
ich schätzte ihn gering,
und sprach von ihm gar schlecht,
wußte ich doch nicht, das; er dein Sohn.
14 Wer von den Menschen brachte solche Schönheit je zur Welt?
Wer könnte sie je bringen?
Wer sonst ist also weise und so mächtig,
wie dieser wunderschöne Joseph?
15 Doch dir, mein Herr, vertrau ich’s an,
daß ich ihn mehr als meine Seele liebe.
Erhalte ihn in deiner Gnade Weisheit
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und gib mich ihm zur Dienerin und Sklavin,
damit ich seine Füße wasche
und ihm sein Lager richte
und ihn bediene und ihm Sklavendienste tue
und so ihm Sklavin alle Tage meines Lebens sei!
14. Des Erzengels Michael Besuch
14. Kapitel: Des Erzengels Michael Besuch
1 Als Asenath mit ihrer Beichte vor dem Herrn zu Ende war,
ging auch der Morgenstern am Himmel gegen Osten auf;
es sah ihn Asenath und freute sich und sprach:
Hat wohl mein Flehen Gott, der Herr, erhört,
weil dieser Stern ein Bote und ein Herold
des Lichts des großen Tages ist?
2 So spaltete sich bei dem Morgenstern der Himmel,
und es erschien ein unaussprechlich großes Licht.
3 Wie Asenath dies sah,
fiel sie aufs Antlitz in die Asche;
da kam zu ihr gar schnell ein Mensch vom Himmel,
der Lichtstrahlen entsandte,
und stellte sich zu ihren Häupten.
4 Da sie noch auf dem Antlitz lag,
sprach sie der Gottesbote an:
Erheb dich, Asenath!
5 Sie aber sprach:
Wer ist es, der mir ruft,
ist meines Zimmers Tür doch fest verschlossen,
der Turm so hoch?
Wie kann man in mein Zimmer kommen?
6 Er rief zum andern Mal ihr zu:
Asenath, Asenath!
7 Sie sprach:
Ja, Herr, vermeld mir, wer du bist!
8 Er sprach: .
Ich bin des Herr-Gotts Oberführer,
des Heers des Höchsten Führer.
Steh auf! Stell dich auf deine Füße,
damit ich meine Worte an dich richten kann!
9 Sie hob darauf ihr Angesicht empor und schaute;
da stand ein Mann, in allem Joseph ähnlich
an Tracht und Kranz und königlichem Stab;
nur glich sein Antlitz einem Blitz
und seine Augen waren wie der Sonnenglanz,
sein Haupthaar wie ein Fackelfeuerbrand
und seine Hände samt den Füßen glichen glühendem Eisen,
wie denn auch Funken von den Händen und den Füßen fuhren.
10 Als Asenath dies sah,
fiel sie voll Furcht auf das Gesicht,
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sie konnte nimmer auf den Füßen stehen;
denn all ihre Glieder zitierten vor übergroßer Angst.
11 Da sprach zu ihr der Mann:
Sei guten Mutes, Asenath, hab keine Angst!
Steh auf! Stell dich auf deine Füße,
damit ich meine Worte an dich richten kann!
12 Darauf erhob sich Asenath
und stellte sich auf ihre Füße;
dann sprach zu ihr der Engel:
Geh in dein zweites Zimmer ungesäumt!
Leg ab das schwarze Kleid, worin du dich gehüllt,
und tu das Bußgewand von deiner Hüfte!
Entfern von deinem Haupt die Asche!
Wasch dir die Hände und das Angesicht mit reinem Wasser
und leg ein weißes, unberührtes Kleid dir an!
Gürt deine Hüfte mit dem reinen Gürtel der Jungfräulichkeit,
dem doppelten!
13 Alsdann komm wiederum zu mir,
damit ich meinen Auftrag dir ausrichte,
weswegen mich zu dir der Herr gesandt!
14 Darauf ging Asenath voll Eile in ihr zweites Zimmer,
worin sich die Behälter ihres Schmucks befanden.
Sie öffnet ihre Truhe,
entnimmt ein weißes, feines, unberührtes Kleid
und zieht es an;
zuvor zieht sie das schwarze Kleid sich aus,
nimmt auch den Strick
sowie das Bußgewand von ihrer Hüfte
und gürtet sich mit feinem Doppelgürtel der Jungfräulichkeit;
den einen legt sie an die Hüfte,
den anderen an die Brust.
15 Alsdann entfernt sie von dem Haupt die Asche, .
wäscht ihre Hände und das Angesicht mit reinem Wasser,
sie nimmt auch einen feinen, äußerst schönen Schleier,
ihr Haupt damit verhüllend.
15. Michaels Aussprache
15. Kapitel: Michaels Aussprache
1 Dann geht sie zu dem Gottesführer, vor ihn tretend.
Da spricht zu ihr des Herren Engel:
Entfern von deinem Haupt den Schleier,
weil eine reine Jungfrau du heut bist;
es gleicht dein Haupt dem eines Jünglings.
2 Da nahm ihn Asenath von ihrem Haupt
und wieder spricht zu ihr der Gottesbote:
Sei guten Mutes, reine Jungfrau Asenath!
Es hat ja Gott der Herr vernommen,
was du bekannt, was du erfleht.
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3 Er sah auch die Erniedrigung und Not der sieben Tage deines Fastens,
dieweil durch deine Tränen hier auf dieser Asche
ein großer Schmutz vor dir entstand.
4 Hab nunmehr guten Mut,
du reine Jungfrau Asenath!
Dein Name ward ja in das Buch des Lebens eingetragen
und wird in Ewigkeit nicht mehr daraus getilgt.
5 Von heut an wirst du neu geschaffen und gebildet
und neu belebt;
du issest ein gesegnet Brot des Lebens
und trinkst den Becher, mit Unsterblichkeit gefüllt,
wirst mit geweihtem Salböle der Unverweslichkeit gesalbt.
6 Sei guten Muts,
du reine Jungfrau Asenath!
Heut gab dich Gott der Herr zur Braut dem Joseph;
er wird dein Bräutigam für ewig sein.
7 Auch heißt du nicht mehr Asenath von heute ab;
dein Name ist jetzt Zufluchtsstadt;
denn viele Völker fliehen zu dir
und rasten unter deinen Flügeln,
und viele Völker finden durch dich Schutz.
In deinen Mauern fühlen sich gesichert,
die sich dem höchsten Gott in Reue hingegeben;
denn Reue ist des Höchsten Tochter,
und sie erweicht den höchsten Gott
zu jeder Zeit für dich und alle anderen Bereuenden,
ist er ja doch der Reue Vater
und sie der Schlußstein und der Hort der Jungfrauen allen.
Sie liebt euch recht
und bittet stets für euch den Höchsten
und allen den Bereuenden
gewährt sie einen Ruhort in den Himmeln,
und sie erneuert jeglichen Bereuenden.
8 Es ist die Reue wunderschön,
jungfräulich, rein und milde, sanft;
drum liebt sie auch der höchste Gott,
und alle Engel ehren sie.
Auch ich lieb sie gar sehr,
dieweil sie meine Schwester ist,
und wie sie euch, die Jungfrauen, liebt,
so lieb ich euch.
9 Ich gehe jetzt zu Joseph
und sage über dich ihm alles das.
Er kommt noch heut zu dir
und freut sich über deinen Anblick
und wird von Lieb zu dir erfüllt.
Er wird dein Bräutigam
und du wirst seine liebe Braut für alle Zeiten.
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10 Nun hör mich, Asenath, an!
Bekleide dich mit deinem Hochzeitskleid,
dem ältesten und ersten,
das schon seit langer Zeit in deiner Kammer liegt!
Leg allen deinen auserlesnen Schmuck dir an!
Schmück dich wie eine rechte Braut
und sei bereit, ihm zu begegnen!
Er kommt ja selber heut zu dir
und wird sich über deinen Anblick freuen.
11 Wie nun des Herren Engel in der menschlichen Gestalt
bei Asenath mit diesen Reden fertig war,
wird sie voll Freude über alle seine Worte
und fällt zur Erde auf ihr Angesicht,
küßt seine Füße mit den Worten:
12 Gepriesen sei der Herr, dein Gott,
der dich gesandt, mich aus der Finsternis zu retten
und mich aus tiefstem Abgrund an das Licht zu führen!
Dein Name auch sei ewiglich gepriesen!
13 Fand ich, mein Herr, vor deinem Antlitz Gnade,
soll ich erfahren,
daß all deine Worte wirklich sich erfüllten,
von denen du vor mir gesprochen,
sie würden in Erfüllung gehen,
dann möchte deine Sklavin mit dir sprechen.
14 Der Engel sprach zu ihr:
So sprich!
Sie sprach:
Ich bitte, Herr.
Setz dich ein wenig hier auf dieses Lager!
Es ist dies Lager rein und unbefleckt,
dieweil noch nie ein andrer Mann,
noch eine andre Frau darauf gesessen.
Ich setz dir einen Tisch mit Broten vor;
dann magst du essen,
Ich bring dir alten guten Wein,
des Duft zum Himmel steigt.
Trink auch davon!
Hernach zieh deines Wegs!
15 Er sprach zu ihr:
Mach schnell
und bring es unverweilt!
16. Die wunderbare Speise
16. Kapitel: Die wunderbare Speise
1 Da stellte Asenath schnell einen leeren Tisch vor ihn;
doch wie sie ging, das Brot zu holen,
da sprach zu ihr der Gottesengel:
Bring mir auch eine Honigwabe!
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2 Da stand sie still
und ward verlegen und betrübt,
weil sie in ihrer Vorratskammer keine Honigwabe hatte.
3 Da sprach zu ihr der Gottesengel:
Was stehst du still?
4 Sie sprach: Mein Herr!
Ich will ein Mädchen in die Vorstadt schicken:
mein Erbgrundstück ist in der Nähe.
Sie kommt damit schnell wieder her;
dann setz ich dir es vor.
5 Da sprach zu ihr der Gottesengel:
Geh nur in deine Vorratskammer!
Du findest auf dem Tisch dort eine Honigwabe.
Die nimm und bring sie her!
6 Sie sprach:
In meiner Vorratskammer gibt es keine Honigwaben, Herr!
7 Er sprach:
Geh nur!
Du findest schon.
8 Und Asenath ging in die Vorratskammer
und fand hier auf dem Tische eine Honigwabe:
die Wabe aber war groß
und weiß wie Schnee,
voll Honig,
und dieser Honig war wie Himmelstau,
sein Duft wie Lebensduft.
9 Darauf sprach Asenath erstaunt bei sich:
Stammt diese Wabe aus dem Munde dieses Mannes selbst?
10 Und Asenath nimmt diese Wabe mit
und legt sie auf den Tisch.
Da sprach zu ihr der Engel:
Was sagtest du:
In meinem Hans gibt’s keine Honigwaben?
Du bringst mir hier ja eine solche.
11 Sie sprach:
Herr! Niemals hab ich eine Honigwabe in mein Haus gebracht;
doch wie du davon sprachst, ist sie entstanden.
Ging sie denn nicht aus deinem Mund hervor,
dieweil ihr Duft dem Duft des Balsams gleicht?
12 Da lächelte der Mann ob des Verstands des Weibes.
13 Er rief sie zu sich her
und streckte, als sie kam, die Rechte aus,
erfaßte sie am Haupt,
bewegte mit der Rechten ihren Kopf.
Doch vor der Hand des Engels fürchtete sich Asenath;
denn Strahlen gingen von den Händen aus
wie von geschmolznem Eisen.
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So schaute sie die ganze Zeit mit vieler Angst
und zitternd auf die Engelshand.
14 Er aber lächelte und sprach:
O selig bist du, Asenath.
Denn Gottes unaussprechliche Geheimnisse sind dir enthüllt.
Und selig sind,
die Gott dem Herrn in Reue anhängen,
weil sie von dieser Wabe essen werden!
Denn diese Wabe ist der Geist des Lebens,
und diese fertigten des Wonneparadieses Bienen
und Tau der Lebensrosen in dem Paradiese Gottes
und jeder andern Blüte.
Von ihr genießen auch die Engel
und all die Auserwählten Gottes,
sowie des Höchsten Söhne all.
Wer davon ist,
stirbt nicht in Ewigkeit.
15 Der Gottesengel streckte seine Rechte aus,
nahm von der Wabe einen kleinen Teil und aß.
Dann legte er der Asenath mit eigner Hand
das andere in den Mund
und sprach zu ihr:
So iß!
Sie aß.
16 Da spricht zu ihr der Engel:
Jetzt hast du Lebensbrot gegessen,
sowie den Becher der Unsterblichkeit getrunken,
bist auch mit Öl der Unverweslichkeit gesalbt.
Dein Fleisch läßt aus des Höchsten Born
jetzt Lebensblumen sprießen
und dein Gebein gedeiht den Zedern
im Wonneparadiese Gottes gleich
und frische Kräfte werden dich erfüllen.
Alsdann wird deine Jugend nimmermehr das Alter schauen
und deine Schönheit nie erlöschen.
Du wirst für alle eine Stadt, gar wohlbefestigt.
17 Da rieb der Engel an der Wabe,
und viele Bienen kamen aus den Zellen dieser Wabe;
die Zellen aber waren ohne Zahl,
zehntausende und hunderttausende.
18 Die Bienen waren weiß wie Schnee
und ihre Flügel purpurfarbig, Scharlach,
wie Karmesin;
sie hatten scharfe Stacheln;
doch taten sie kein Leid.
19 Die Bienen setzten alle sich an Asenath,
vom Kopf bis zu den Füßen
und andere große Bienen, ihren Königinnen gleich,
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erschienen aus den Waben
und setzten ihr sich ins Gesicht
und auf die Lippen
und fertigten in ihrem Munde eine Wabe,
auch auf den Lippen eine solche,
die jener Wabe glich, die vor dem Engel lag.
20 Und alle jene Bienen zehrten von der Wabe,
die sich im Munde Asenaths befand.
Dann sprach der Engel zu den Bienen:
Geht jetzt an euren Platz!
21 Alsdann erhoben sich die Bienen alle
und flogen fort
und gingen in den Himmel.
22 Die aber Asenath gar wehtun wollten,
sie fielen alle leblos auf den Boden.
Der Engel streckte über diese toten Bienen seinen Stab
und sprach zu ihnen:
Erhebet euch und geht auch ihr an euren Platz!
23 Da standen alle toten Bienen auf
und flogen in den Hof am Haus der Asenath
und blieben in den Fruchtbäumen.
24 Dann streckt der Engel seine Hand mit seinem Zeigefinger aus,
rührt damit an der Wabe Ecke gegen Osten;
da wird des Fingers Bahn zu Blut.
25 Er streckt die Hand zum zweiten Male aus,
rührt an der Wabe Ecke gegen Norden;
da wird des Fingers Bahn zu Blut.
Und Asenath stand da zu seiner Linken,
sah alles, was der Engel tat.
17. Michaels Segen
17. Kapitel: Michaels Segen
1 Dann sprach zu Asenath der Engel:
Hast du dies jetzt gesehen?
Sie sagte: Ja, mein Herr.
Ich hab all gut gesehen.
2 Da spricht zu ihr der Gottesengel:
So wird’s mit allen meinen Reden sein,
die ich an dich schon heut gerichtet habe.
3 Zum dritten Male streckt des Herren Engel seine Rechte aus,
rührt an der Wabe eine Ecke an.
Da flammte aus dem Tisch geschwind ein Feuer auf
und dieses fraß die Wabe auf;
dem Tische aber tat es nichts.
4 Dem Wabenbrand entstieg ein süßer Wohlgeruch,
erfüllte ganz das Zimmer.
Da sprach zum Gottesengel Asenath:
Ich habe sieben Jungfrauen, Herr,
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mit mir von meiner Kindheit an gemeinsam aufgezogen,
in Einer Nacht mit mir geboren,
die mich bedienen
und die ich alle lieb wie meine Schwestern.
Ich möchte sie jetzt rufen,
damit du diese segnest,
so, wie du mich gesegnet hast.
5 Da sprach zu ihr der Engel:
Ja, rufe sie!
6 Und Asenath rief diese sieben Jungfrauen
und stellte sie dem Engel vor;
der Engel sprach zu ihnen:
Es segne euch der Herr, der höchste Gott,
und ihr sollt sieben Zufluchtssäulen sein in sieben Städten
und die in jener Stadt der Auserlesenen zusammenwohnen,
sie sollen auf euch ruhen in alle Ewigkeit!
7 Der Gottesengel sprach hiernach zu Asenath:
Nimm diesen Tisch hinweg!
8 Und wie sich Asenath umwandte,
den Tisch hinwegzunehmen,
verschwand er schnell aus ihren Augen.
Und Asenath bemerkte,
daß etwas wie ein Wagen mit vier Pferden gegen Himmel fuhr;
der Wagen aber war wie eine Feuerflamme,
die Pferde glichen einem Blitz;
der Engel aber stand auf jenem Wagen.
9 Das sagte Asenath:
Wie töricht und wie albern bin ich Arme,
daß ich geredet,
als etwas wie ein Mensch vom Himmel in mein Zimmer kam.
Ich wußte nicht,
daß hier ein göttlich Wesen kam.
Nun geht es in den Himmel wiederum an seinen Ort.
10 Sie sprach bei sich:
Sei deiner Sklavin gnädig, Herr!
Schone deiner Dienerin,
daß ich vor dir unwissentlich Vermessenes gesprochen!
18. Josephs und Asenaths Verlobung
18. Kapitel: Josephs und Asenaths Verlobung
1 Als solches Asenath bei sich bedachte,
kommt schon ein Jüngling von der Dienerschaft des Joseph
und meldete:
Zu euch kommt heute Joseph, Gottes Held.
2 Und Asenath rief schnell den Hausverwalter
und sprach zu ihm:
Schmück schnell mein Haus
und richt ein schönes Gastmahl her!
Denn Joseph, Gottes Held, kommt heut zu uns
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3 Da sah sie der Verwalter an —
ihr Angesicht war nämlich eingefallen
vor Not und Weinen und dem siebentägigen Fasten. —
Da seufzte er betrübt,
nahm ihre rechte Hand
und küßte sie und sprach:
Was ist dir, meine Herrin?
Dein Antlitz ist so eingefallen.
4 Sie sprach:
Es kam viel Kummer auf mein Haupt
und meine Augen floh der Schlaf.
5 Darauf entfernte sich der Hausverwalter
und schmückte Haus und Tafel.
Doch Asenath denkt an des Engels Worte
und seine Weisungen,
geht eilends in ihr zweites Zimmer,
worin sich die Behälter ihres Schmucks befanden,
und macht die große Truhe auf.
Daraus nahm sie ihr erstes Kleid, das einem Blitze glich,
und zog es an.
6 Sie legte einen reinen, königlichen Gürtel um;
der war aus Gold und Edelsteinen.
Und goldne Spangen legte sie an ihre Arme
und an die Beine goldne Binden,
an ihren Hals wertvollen Schmuck
und setzte einen goldnen Kranz sich auf das Haupt.
Und in dem Kranze über ihrer Stirne war ein großer Sapphir,
rund um den großen Stein sechs seltne Steine;
ihr Haupt verhüllte sie mit einem wunderbaren Schleier.
7 Dann dachte Asenath an des Verwalters Worte,
daß er gesagt,
ihr Angesicht sei eingefallen.
Da seufzte sie betrübt und sprach:
O weh mir Armen, daß mein Angesicht so eingefallen!
Sieht mich so Joseph,
werd ich von ihm verschmäht.
8 Sie sprach zu ihrer Dienerin:
Bring reines Wasser aus dem Brunnen!
9 Sie brachte es.
Sie gießt es in ein Becken
und beugt sich drüber, um ihr Angesicht zu waschen.
Da sah sie sonnengleich ihr eigen Antlitz leuchten
und ihre Augen wie den Morgenstern bei seinem Aufgang
und ihre Wangen wie des Himmels Sterne.
Und ihre Lippen glichen roten Rosen;
ihr Haupthaar glich dem Weinstock,
der in dem Paradiese Gottes reich an Früchten wuchs;
ihr Hals glich einer wohlbehauenen Zypresse.
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10 Wie Asenath das sieht,
erstaunt sie bei sich selber über die Erscheinung
und wird von großer Freud erfüllt,
Sie wusch nicht mehr ihr Angesicht;
sie sagte:
Ich könnte sonst die große, blühende Schönheit abwaschen.
11 Da kommt der Hausverwalter wieder, ihr zu sagen:
Wie du befohlen, ist geschehen.
Als er sie sah, ward er von großer Furcht erfüllt
und zitterte gar heftig
und fiel zu ihren Füßen nieder mit den Worten:
Was ist dies, meine Herrin?
Was ist das doch für eine Schönheit,
die dich umfängt, so groß und wunderbar?
Hat dich der Herr, der Gott des Himmels,
für Joseph, seinen Sohn, zur Braut gar auserwählt?
19. Josephs zweiter Besuch
19. Kapitel: Josephs zweiter Besuch
1 Als sie noch drüber sprachen,
kam schon ein Knabe,
der Asenath vermeldete:
„Sieh, Joseph steht schon vor den Pforten unsres Hofes!“
2 Darauf stieg Asenath die Treppe von dem Söller
mit ihren sieben Jungfrauen hinab,
um Joseph zu begegnen,
und stellte sich in ihres Hauses Halle auf.
3 Als Joseph in den Hof getreten,
schloß man die Tore ab
und alle Fremden mußten draußen bleiben.
4 Und Asenath ging Joseph aus der Halle entgegen;
er staunt bei ihrem Anblick ob der Schönheit
und spricht zu ihr:
Wer bist du, Jungfrau? Sags mir schnell!
5 Sie sprach zu ihm:
Ich bin, Herr, deine Sklavin Asenath;
die Götzenbilder all hab ich von mir entfernt:
sie sind nicht mehr.
Da kam vom Himmel heut zu mir ein Mensch
und reichte mir das Lebensbrot;
ich aß und trank auch den geweihten Kelch.
Er sprach zu mir:
Ich habe Joseph dich zur Braut gegeben:
er wird dein Bräutigam für alle Zeiten sein.
Auch heißt du nicht mehr Asenath,
vielmehr „die Stadt der Zuflucht“
und Gott der Herr wird über viele Völker herrschen;
durch dich ja nehmen ihre Zuflucht sie zum höchsten Herrn.
[524]
6 Es sagte auch der Mensch:
Ich geh zu Joseph,
ihm in die Ohren meine Worte über dich zu sagen.
7 Nun weißt du, Herr,
ob jener Mensch zu dir gekommen,
ob er von mir bei dir gesprochen hat.
8 Und Joseph spricht zu Asenath:
Du bist gesegnet, Weib, vom höchsten Gott.
Gepriesen ist dein Name ewiglich.
Denn Gott der Herr hat deine Mauern wohl gegründet.
Die Söhne des lebendigen Gottes
bewohnen deine Zufluchtsstadt,
und Gott der Herr wird über sie in alle Zukunft herrschen.
9 Ja, jener Mensch kam heut zu mir vom Himmel;
er sagte jene Worte über dich zu mir.
So komm denn her zu mir,
du reine Jungfrau!
Was bleibst du in der Ferne stehen?
10 Dann streckte Joseph seine Arme aus,
umarmte Asenath
und Asenath den Joseph,
und beide küssen sich gar lang.
Und beide lebten wiederum in ihrem Geiste auf.
11 Und Joseph küßte Asenath
und er verlieh ihr Lebensgeist.
Dann gab er ihr zum zweiten auch der Weisheit Geist.
Zum dritten küßte er sie zärtlich
und schenkte ihr den Geist der Wahrheit.
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