Joseph und Asenath/Kapitel 20-29

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Inhaltsverzeichnis

[524]
20. Kapitel: Das Gastmahl

1 Und wie sie sich so lang umarmt
und ihre Hände fest verschlungen hatten,
sprach Asenath zu Joseph:
Wohlan, Herr, geh in unser Haus!
Ich ließ dir unser Haus mit einem großen Mahle herrichten.
2 Sie faßt ihn an der rechten Hand,
führt ihn ins Haus
und heißt ihn auf dem Throne ihres Vaters Pentephres
sich niedersetzen.
Zum Waschen seiner Füße läßt sie Wasser bringen.
3 Und Joseph sprach:
Es komm doch eine von den Jungfrauen
und wasche mir die Füße!
4 Darauf sprach Asenath zu ihm:
Nein, Herr!
Denn jetzt bist du mein Herr,
ich deine Dienerin.

[525]

Was suchest du zum Waschen deiner Füße eine andere Jungfrau aus?
Denn deine Füße sind ja meine Füße
und deine Hände meine Hände
und deine Seele meine Seele.
Keine andre wasche dir die Füße!
5 So wusch ihm Asenath, ihn nötigend, die Füße;
dann faste Joseph sie bei ihrer rechten Hand
und küßte sie gar minniglich.
Dann küßte Asenath sein Haupt;
er setzte sie darauf zu seiner Rechten.
6 Da kam ihr Vater und die Mutter
und alle die Verwandten von dem Erbgrundstücke heim
und sahen sie bei Joseph sitzen
im Hochzeitskleid.
7 Sie wunderten sich über ihre Schönheit:
sie freuten sich, und priesen Gott,
der Tote wiederum lebendig macht.
8 So aßen sie und tranken
und alle freuten sich.
Da sprach zu Joseph Pentephres:
Ich rufe morgen alle Großen und Satrapen
aus ganz Ägypterland
und richt für euch die Hochzeit her.
Dann nimmst du meine Tochter Asenath zum Weib.
9 Darauf sprach Joseph:
Ich gehe morgen zu dem König Pharao,
weil er mein Vater ist
und mich zum Fürsten über dieses ganze Land bestellt.
Ich sprech mit ihm von Asenath;
er soll sie mir zum Weibe geben.
10 Darauf sprach Pentephres zu ihm:
Zieh hin im Frieden!


21. Kapitel: Josephs und Asenaths Hochzeit

1 Und Joseph blieb an jenem Tag bei Pentephres;
doch ging er nicht zu Asenath;
er sagte sich:
Es schickt sich nicht für einen gottesfürchtigen Mann,
vor seinem Hochzeitstag bei seinem Weib zu sein.
2 Und Joseph stand am anderen Morgen auf
und ging zu Pharao
und sprach zu ihm:
Gib mir die Asenath, die Tochter Pentephres,
des Priesters von Heliopolis, zum Weib!
3 Da freute sich der Pharao
und sprach zu Joseph:
Ist sie dir nicht von Einigkeit zum Weib schon anverlobt?

[526]

Nun sei sie jetzt dein Weib
von nun an bis in Eiwigkeit!
4 Da sandte Pharao
und ließ den Pentephres herbeirufen.
Und Pentephres erschien mit Asenath,
um Pharao sie vorzustellen
und wie sie Pharao erblickt,
erstaunt er über ihre Schönheit.
Er spricht:
Es segne dich der Herr und Josephs Gott, mein Kind,
und diese deine Schönheit währ für immer!
Der Herr und Josephs Gott hat dich zur Braut ihm auserwählt
Denn Joseph gleichet einem Sohn des Höchsten
und du heißt seine Braut
von nun an bist in Ewigkeit.
5 Hernach nahm Pharao den Joseph und die Asenath
und setzte ihnen goldne Kränze auf ihr Haupt,
die in dem Haus seit altern und seit langem waren.
Und Pharao stellt Asenath zur rechten Seite Josephs.
6 Dann legte Pharao die Hände ihnen auf das Haupt und sprach:
Es segne euch der Herr, der höchste Gott!
Er mehre und erhöhe und verherrliche euch in Ewigkeit!
7 Dann wandte Pharao sie mit dem Angesicht einander zu
und brachte ihren Mund einander näher;
da küßten sie einander.
8 Dann richtete für Joseph Pharao die Hochzeit her,
ein großes Mahl
und viel Getränk für sieben Tage
und lud dazu Ägyptens Fürsten alle ein
und alle Könige der Völker;
er lies in dem Ägypterland verkünden:
„Wer immer an den sieben Tagen
der Hochzeit Josephs und der Asenath arbeitet,
der soll des Todes sterben!“
9 Nach dieser Hochzeitsfeier
und nach Beendigung des Mahles
ging Joseph zu der Asenath,
und Asenath empfing von Joseph
und sie gebar Manasses
und seinen Bruder Ephraim in Josephs Haus.


22. Kapitel: Asenath bei Jakob

1 Ala nun die sieben fetten Jahr zu Ende gingen,
begannen sieben Hungerjahre.
2 Und da erhielt von seinem Sohne Joseph Jakob Kunde.
So zog er mit der ganzen Sippe nach Ägypten
im zweiten Hungerjahr,

[527]

am einundzwanzigsten des zweiten Monats,
und wohnte in dem Lande Gesem.
3 Da sprach zu Joseph Asenath:
Ich möchte deinen Vater sehen,
dieweil dein Vater Israel
mir wie mein Vater ist und Gott.
4 Und Joseph sprach zu ihr:
Du ziehst mit mir,
dann siehst du meinen Vater.
5 Und Joseph kam mit Asenath
zu Jakob in das Land von Gesem.
Und Josephs Brüder gingen ihnen hier entgegen,
vor ihnen auf den Boden niederfallend.
6 Und beide gingen hin zu Jakob,
und Jakob saß auf seinem Lager;
er aber war ein Greis in gutem Alter.
7 Als Asenath ihn sah,
erstaunt sie über seine Schönheit;
denn Jakobs Aussehen war gar schön;
sein Alter glich der Jugend eines reifen Mannes;
sein Haupt jedoch war völlig weiß wie Schnee.
Die Haare seines Hauptes waren alle dicht und stark:
sein Bart war weiß und reichte bis zur Brust;
die Augen waren froh und funkelnd;
die Sehnen und die Schultern,
die Arme glichen denen eines Engels,
die Schenkel und die Beine
und seine Füße glichen denen eines Riesen.
8 Wie Asenath ihn sieht, wird sie erstaunt
und fällt vor ihm auf ihr Gesicht zur Erde nieder.
Und Jakob spricht zu Joseph:
Ist diese meine Tochter, deine Frau?
Gesegnet sei sie von dem höchsten Gott!
9 Dann rief sie Jakob zu sich her,
gab ihr den Segen, küßte sie.
Und Asenath streckt ihre Arme aus,
umfaßt den Nacken Jakobs,
hängt sich an seinen Hals
und küßt ihn zärtlich.
10 Dann aßen sie und tranken;
hernach ging Joseph mit der Asenath nach Haus.
11 Und Simeon und Levi, Lias Söhne,
sie gaben ihnen einzig das Geleite,
die Söhne Ballas und der Zelpha,
der Mägde Lias und der Rachel, aber nicht,
dieweil sie sie beneideten und haßten.
12 Und Levi ging zur Rechten Asenaths
und Simeon zur Linken.

[528]

13 Da faßte Asenath den Levi an der Hand,
weil sie ihn mehr als alle Brüder Josephs liebte,
als einen Seher,
als gottesfürchtig und den Herren fürchtend,
war er ja doch ein kluger Mann
und ein Prophet des Höchsten;
er sah auch selbst am Himmel Schreibezeichen;
er las sie und enthüllte diese insgeheim der Asenath.
Deswegen liebte Levi auch die Asenath gar innig
und schaute ihren Ruheort in Himmelshöhen.


23. Kapitel: Asenaths Bedrohung

1 Als Joseph mit der Asenath vorüberzog,
wie sie zu Jakob reisten,
sah sie der erstgeborene Sohn des Pharao von der Mauer aus
und wie er Asenath erblickte,
ward er durch ihre wundersame Schönheit ihretwegen toll.
2 Es schickte Boten Pharaos Sohn
und ließ den Simeon und Levi zu sich rufen,
und als sie kamen und vor ihn sich stellten,
spricht so der erstgeborene Sohn des Pharao zu ihnen:
Ich weiß
Ihr seid noch heute starke Männer,
mehr als die Menschen dieses Landes all.
Durch diese eure rechte Hand
ward einst der Sichemiten Stadt zerstört;
durch eure beiden Schwerter wurden
an 30 000 Krieger hingemetzelt.
3 Auch ich möcht euch mir heute zu Genossen nehmen;
ich würd euch Gold und vieles Silber geben
und Knechte, Mägde, Häuser
und großen Grundbesitz,
wollt ihr auf meine Seite treten
und mir Gefälligkeit erweisen.
Von eurem Bruder Joseph ward ich schnöd behandelt,
da er die Asenath zum Weib sich nahm,
die mir doch längst versprochen war.
4 Nun kommt mit mir!
Ich will mit Joseph kämpfen,
ihn mit dem Schwerte töten
und Asenath zum Weibe nehmen.
Ihr sollt mir dann zu Brüdern und zu treuen Freunden sein.
5 Doch stimmt ihr mir nicht zu,
dann töt ich euch mit meinem Schwert.
6 Kaum hat er dies gesagt,
entblößt er schon sein Schwert
und zeigt es ihnen.

[529]

7 Doch Simeon war ein kühner und verwegener Mann;
er dachte schon daran,
die Rechte an den Griff des Schwerts zu legen
und aus der Scheide es zu ziehen
und dann den Sohn des Pharaos zu erschlagen,
dieweil er Unerträgliches zu ihnen sprach.
8 Doch seines Herzens Sinnen merkte Levi,
war er doch ein Prophet.
So stieß er denn mit seinem Fuß den rechten Simeons
und drängte ihn,
ihm zu verstehen gebend,
er soll von seinem Zorne lassen.
9 Und Levi sprach zu Simeon in Ruhe:
Was zürnst du diesem Mann?
Wir sind doch gottesfürchtige Männer;
uns ziemt es nicht, mit Bösem Böses zu vergelten.
10 Darauf sprach Levi zu dem Sohn des Pharao
mit Freimut, doch mit Herzensmilde:
Was redet unser Herr nur solche Sachen?
Wir sind doch gottesfürchtige Männer,
und unser Vater ist ein Freund des höchsten Gottes
und unser Bruder gleichet einem Gottessohn.
11 Wie könnten wir da solche Schlechtigkeit begehen,
zu sündigen vor unserm Gott
und unserm Vater Israel
und unserm Bruder Joseph?
12 Hör meine Worte:
Nicht ziemt es einem gottesfürchtigen Mann,
auf irgendeine Weise einem Menschen wehzutun.
Will aber jemand einem gottesfürchtigen Manne wehe tun,
so schützt sich jener Gottesfürchtige doch nicht vor ihm,
dieweil kein Schwert in seinen Händen ist.
13 Nimm dich in acht,
von unserm Bruder Joseph dies zu reden!
Bleibst du jedoch bei deinem schlimmen Plan,
dann werden unsere Schwerter gegen dich gezogen.
14 Und Simeon und Levi zogen ihre Schwerter
aus ihren Scheiden mit den Worten:
Siehst du hier diese Schwerter?
Mit diesen beiden Schwertern hat der Herr
den Übermut der Sichemiten schwer gerächt.
Denn Sichern, Emmors Sohn, befleckte unsre Schwester Dina
und damit hatten sie die Söhne Israels beleidigt.
15 Als nun der Sohn des Pharao die gezogenen Schwerter sah,
erschrak er sehr
und zitterte am ganzen Leib,
weil sie wie Feuerflammen blitzten,
und seine Augen wurden dunkel;

[530]

dann fiel er aufs Gesicht zur Erde nieder
vor ihre Füße.
16 Da streckte Levi seine Rechte aus
und faßt ihn mit den Worten:
Steh aus, sei ohne Furcht!
Nur hüte dich,
von unserm Bruder Joseph noch ein schlimmes Wort zu reden!
17 Und also gingen Simeon und Levi von ihm weg.


24. Kapitel: Verschwörung gegen das junge Paar

1 Da blieb nun Pharaos Sohn voll Furcht und Trauer,
weil er die Brüder Josephs fürchtete;
doch wieder war er toll,
weil Asenath so schön;
so härmt er sich darum noch mehr.
2 Da flüstern seine Knechte ihm ins Ohr:
„Die Söhne Ballas und die Söhne Zelphas,
der Mägde Linas und der Rachel,
der Weiber Jakobs,
sie haßen Joseph und die Asenath
und sie verabscheuen sie;
die werden dir in allem wohl zu Willen sein.“
3 Auf dieshin sandte Pharaos Sohn
gar eilig Boten an sie ab
und ließ sie rufen.
Und in der ersten Stunde in der Nacht erschienen sie vor ihn:
und traten vor ihn hin;
er sprach zu ihnen:
Von vielen halte ich erfahren, daß ihr tapfre Männer seid.
4 Darauf erwiderten ihm Dan und Gad, die ältern Brüder:
Es rede unser Herr mit seinen Knechten, was er wünscht,
damit es deine Knechte hören
und wir nach deinem Wunsche tun!
5 Da freute sich des Pharao Sohn
und sprach zu seinen Dienern:
Entfernet euch auf kurze Zeit von mir!
Ich möcht mit diesen Männern ein geheimes Wörtlein reden.
6 Darauf entfernen sie sich alle.
7 Dann lügt der Sohn des Pharao
und spricht zu ihnen:
Seht, Segen oder Fluch liegt hier vor eurem Angesicht!
Wählt lieber Segen als den Tod!
Ihr seid ja tapfre Männer
und wollt nicht wie die Weiber sterben.
Seid vielmehr tapfer!
Rächt euch an euren Feinden!

[531]

8 Ich hab auch selbst gehört,
wie Joseph, euer Bruder, einst zu meinem Vater Pharao sprach:
Dan, Gad und Nephthalim
und Aser sind nicht meine Brüder;
sie sind vielmehr die Mägdekinder meines Vaters;
Ich warte nur den Hingang meines Vaters ab,
dann tilg ich von der Erde sie und ihre ganze Sippe.
Sie sollen nimmer mit uns erben,
dieweil sie Mägdekinder sind!
9 Auch haben sie mich an die Ismaeliten einst verkauft,
und so vergelt ich ihnen ihren Übermut,
womit sie gegen mich gefrevelt.
Nur soll mein Vater vorher sterben.
10 Da lobte ihn mein Vater Pharao darob
und sprach zu ihm:
Gar gut gesprochen, Kind!
Nun nimm von mir doch starke Männer!
Alsdann belange sie
nach dem, was sie dir angetan!
Ich will dabei dein Helfer sein.
11 Als dieses Dan und Gad vom Sohne Pharaos vernahmen,
da wurden sie betrübt und ängstlich;
sie sagten ihm:
Wir bitten, Herr, dich: Leist uns Hilfe!
Von jetzt an sind wir deine Diener, deine Sklaven,
und wollen mit dir sterben.
12 Da sprach der Sohn des Pharao:
Ich werde euer Helfer sein,
wenn ihr auf meine Worte hört.
13 Da sprachen sie zu ihm:
Befiehl uns, was du willst!
Wir tun nach deinem Willen.
14 Da sprach der Sohn des Pharao zu ihnen:
Ich werde meinen Vater Pharao in dieser Nacht noch töten,
weil Pharao zu Joseph wie ein Vater ist
und weil er ihm versprochen, gegen euch zu helfen.
Ihr aber tötet Joseph;
dann nehme ich mir Asenath zum Weib.
Ihr werdet meine Brüder sein,
Miterben all des Meinen.
Nur tuet so!
15 Da sprachen Dan und Geld zu ihm:
Wir sind heute deine Knechte
und wir tun alles, was du uns befiehlst.
Wir hörten aber Joseph so zu Asenath sprechen:
Geh morgen doch in unser Erbgut;
es ist ja Erntezeit!

[532]

Er sandte auch sechshundert Krieger mit ihr aus
und fünfzig leicht Bewaffnete.
16 Nun hör uns an!
Wir möchten jetzt mit unserm Herren reden!
17 Da redeten mit ihm sie alles insgeheim.
18 Und den vier Brüdern gab der Sohn des Pharao
fünfhundert Mann
und machte sie zu ihren Obersten und Führern.
19 Da sprachen Dan und Gad zu ihm:
Wir sind heut deine Knechte
und wir tun alles, was du uns befiehlst;
wir ziehen in der Nacht noch fort
und legen in der Schlucht uns in den Hinterhalt
und bergen uns im Röhrendickicht.
Nun nimm auch du mit dir berittene Bogenschützen,
so fünfzig an der Zahl!
Zieh lange vor uns her!
Und kommt dann Asenath,
fällt sie in unsere Hände.
Wir hauen dann die Männer bei ihr all zusammen.
Flieht sie nach vorn auf ihrem Wagen,
so fällt sie dir in deine Hände.
Dann kannst du mit ihr tun,
was nur dein Herz begehrt.
Nach diesem töten wir auch Joseph,
der Asenath betrauern wird.
Auf gleiche Weise töten wir vor seinen Augen seine Kinder.
Als dies der erstgeborne Sohn des Pharao vernahm,
ward er mit großer Freud erfüllt
und er entließ sie mit 2000 Kriegern.
20 Sie kamen zu der Schlucht
und bargen sich im Röhrendickicht;
sie teilten sich auch in vier Teile
und lagerten sich vorne an der Schlucht,
auf jeder Seit des Weges je fünfhundert Mann.
Die andern blieben ebenso hier an der Schlucht
und lagerten sich in dem Röhrenwald;
auf jeder Seit des Weges je fünfhundert Mann;
doch zwischen ihnen blieb ein breiter und bequemer Weg.


25. Kapitel: Attentat auf Pharao

1 Alsdann erhob sich in der gleichen Nacht der Sohn des Pharao
und ging zu seines Vaters Schlafgemach;
er wollte diesen mit dem Schwerte töten.
Doch seines Vaters Wächter ließen ihn nicht zu dem Vater gehen;
sie fragten ihn:
Was ist, Herr, dein Befehl?

[533]

2 Es sprach der Sohn des Pharao zu ihnen:
Ich will nur meinen Vater sehen,
dieweil ich gehe,
um meinen neugepflanzten Weinberg abzuernten.
3 Die Wächter aber sagten ihm:
Dein Vater leidet Schmerzen;
der Schlaf floh ihn die ganze Nacht.
Nun kann er ruhen;
drum sagte er zu uns,
wir sollten niemand bei ihm einlaßen,
selbst nicht den erstgebornen Sohn.
4 Als er dies hörte, ging er zornig fort
und nahm geschwind berittne Bogenschützen mit,
so fünfzig an der Zahl
und zog vor ihnen her,
wie Dan und Gad es ihn geheißen.
5 Die jüngern Brüder Nephthalim und Aser sprachen
zu ihren ältern, Dan und Gad:
Warum nur handelt ihr an eurem Vater Israel,
sowie an eurem Bruder Joseph abermals so schlecht?
Und diesen hütet Gott doch wie des Auges Apfel.
Habt ihr nicht Joseph schon einmal verkauft,
und heute ist er König über ganz Ägypterland,
ein Heiland und ein Nahrungsspender?
6 Wollt ihr an ihm jetzt wieder schnöde handeln,
wird er zum Höchsten rufen,
und dieser sendet Feuer aus dem Himmel,
das euch verzehren wird,
und Gottes Engel werden mit euch kämpfen.
7 Da wurden ihre ältern Brüder auf sie zornig;
sie sprachen:
Wir sollen wohl wie Weiber sterben? Das sei ferne!
8 Sie zogen also fort,
den Joseph und die Asenath zu treffen.


26. Kapitel: Asenaths Rettung

1 Und Asenath stand in der Frühe auf
und sprach zu Joseph:
Ich will auf unser Erbgut gehen, wie du gesagt;
doch meine Seel ist voller Angst,
weil du nicht bei mir bist.
2 Und Joseph sprach zu ihr:
Sei guten Muts, hab keine Angst!
Geh vielmehr freudig hin!
Hab doch vor niemand Angst!
Der Herr ist ja mit dir
und er behütet dich
wie einen Augapfel vor allem Ungemach.

[534]

3 Auch ich geh jetzt zu meiner Kornverteiluug
und geb dort allen Leuten in der Stadt Getreide,
das niemand im Ägypterlande Hungers sterben muß.
4 Alsdann begab sich Asenath auf ihren Weg,
und Joseph ging zu seiner Kornverteilung.
5 Und Asenath kam an die Schlucht mit den 600 Männern;
da sprangen plötzlich die beim Sohne Pharaos aus ihrem Hinterhalt
und kämpften mit den Männern bei der Asenath
und hielten sie mit ihren Schwertern all zusammen
und töteten all ihre Leichtbewaffneten
und Asenath ergriff die Flucht auf ihrem Wagen.
6 Doch da erkannte Levi, Lias Sohn,
all das im Geist, wie ein Prophet,
und meldet seinen Brüdern die Gefahr der Asenath.
Schnell nimmt ein jeglicher sein Schwert an seine Hüfte
und ihre Schilde an die Arme
und Lanzen in die rechte Hand
und laufen hinter Asenath in schnellem Laufe her.
7 Und wie nun Asenath nach vornen floh,
zog ihr der Sohn des Pharao
mit seinen fünfzig Reitern schon entgegen.
8 Als Asenath ihn sah,
ward sie von Furcht erfüllt
und zitternd rief sie ihres Gottes und Herren Namen an.


27. Kapitel: Der Kampf

1 Und Benjamin saß ihr zur Rechten auf dem Wagen
und Benjamin war ein gar kräftiger Bursch von neunzehn Jahren;
er war von einer wunderbaren Schönheit
und einer Stärke, wie ein Löwenjunges;
er war sehr gottesfürchtig.
2 Da sprang vom Wagen Benjamin herab,
nahm aus dem Buche einen runden Stein,
legt ihn in seine Hand
und schleudert ihn gen Pharaos Sohn
und trifft ihn an die linke Schläfe
und schlägt ihm eine schwere Wunde.
3 Halbtot fällt er vom Pferd zu Boden.
4 Und gleich darauf läuft Benjamin auf einen Felsen
und ruft dem Wagenlenker Asenaths zu:
Hol aus dem Bach mir Steine!
5 Er gab ihm fünfzig Steine;
so tötete nun Benjamin mit Steinwürfen
die fünfzig Männer bei dem Sohn des Pharao.
die Steine drangen all durch ihre Schläfen.
6 Alsdann verfolgten Lias Söhne, Ruben, Simeon
und Levi, Juda,

[535]

und Issachar mit Zabulon
die Männer, die der Asenath aufgelauert,
und überfielen sie ganz unversehens;
sie hieben allesamt sie nieder,
und die sechs Männer töteten 2706.
7 Die Söhne Ballas und der Zelpha flohen
vor ihnen mit den Worten:
„Zugrunde gehen wir durch unsere Brüder,
und Pharaos Sohn starb durch die Hand des jungen Benjamin,
und all die Seinen fielen durch die Hand des Knaben Benjamin.
8 Nun also kommt!
Wir wollen Asenath und Benjamin erschlagen
und dann in diesen Rohrwald fliehen!“
9 Sie gingen mit gezückten Schwertern voller Blut zu Asenath.
10 Als Asenath sie sah,
ward sie von Furcht erfüllt und rief:
Herr, Gott! Du hast das Leben mir geschenkt
und mich befreit von Götzenbildern,
von tödlichem Verderben,
hast mir verheißen,
es werde meine Seele ewig leben.
Befrei mich setzt von diesen bösen Männern!
11 Und Gott der Herr erhört die Stimme Asenaths,
und augenblicklich fielen ihrer Feinde Schwerter
aus ihrer Hand zu Boden
und wurden Staub.


28. Kapitel: Asenaths Großmut

1 Als Ballas und der Zelpha Söhne dieses seltsam Wunder sahen,
da sprachen sie voll Furcht:
„Es kämpft der Herr zugunsten Asenaths jetzt gegen uns.“
2 Da fielen sie auf ihr Gesicht zur Erde
und warfen sich der Asenath zu Füßen mit den Worten:
„Erbarm dich unser, deiner Sklaven,
dieweil du unsere Herrin bist und unsere Königin!
3 Wir handelten an dir gar schlimm,
sowie an unserem Bruder Joseph;
der Herr jedoch vergalt uns schon nach unseren Werken.
4 Deswegen flehen wir dich an, wir deine Sklaven:
Hab Mitleid mit uns Armen, Elenden!
Schütz uns vor unserer Brüder Hand! .
Sie mögen nicht als Rächer auftreten,
daß wir dich unterdrücken wollten!
Nicht mögen ihre Schwerter gegen uns sich wenden!
5 Wir wissen ja,
daß unsre Brüder gottesfürchtige Männer sind
und keinem Menschen Böses tun für Böses.

[536]

6 Schütz deine Sklaven
vor jenen, ach du unsre Herrin!“
7 Da sprach zu ihnen Asenath:
„Seid guten Muts;
habt keine Furcht vor euren Brüdern!
Sie sind ja gottesfürchtige Männer
und voller Furcht des Herrn.
Geht aber in den Rohrwald dort,
bis ich zu euren Gunsten sie hab umgestimmt
und ihren Zorn beschwichtigt
für das, was ihr so schrecklich gegen sie gewagt!
Indessen sieht’s der Herr
und richtet zwischen mir und euch.“
8 Da flohen in den Rohrwald Dan und Gad;
doch ihre Brüder, Lias Söhne, eilten, wie die Hirsche,
gar eifrig gegen sie heran.
9 Da stieg von ihrem überdachten Wagen Asenath herab
und reichte unter Tränen ihnen ihre Rechte;
sie aber warfen huldigend vor ihr sich hin
und brachen in ein lautes Weinen aus
und fragten nach den Brüdern, nach den Mägdesöhnen,
um sie zu töten.
10 Da sprach zu ihnen Asenath:
„Ich bitt euch: Schoner eure Brüder!
Vergeltet ihnen nimmer für das Böse Böses!
Der Herr hat mich vor ihnen ja gerettet.
Denn er zerbrach in ihren Händen ihre Degen, ihre Schwerter;
sie schmolzen hin und wurden Asche,
wie Wachs vorm Feuer,
und dies ist uns genug
daß selbst der Herr mit ihnen kämpft zu unsern Gunsten.
11 Nun schonet eure Brüder!
Sie sind ja eure Brüder,
von eures Vaters Israel Blut.“
12 Darauf erwiderte ihr Simeon:
„Warum spricht unsere Herrin gute Worte
zugunsten ihrer Feinde?
13 Nein! Lieber wollen wir sie Glied um Glied
mit unsern Schwertern jetzt zusammenhauen.
Sie planten Schlimmes gegen unsern Bruder Joseph
und unsern Vater Israel
und gegen dich heut, unsere Herrin.“
14 Da streckte Asenath die Rechte aus,
berührte Simeons Bart
und küßte ihn und sprach:
„In keiner Weise, Bruder, darfst du deinem Nächsten
für Böses Böses auch vergelten.
Der Herr würd eine solche Überhebung rächen.

[537]

Sie sind nun einmal eure Brüder
und eures Vaters Israel Geschlecht;
sie flohen ja auch weit von euch hinweg.
Verzeihet ihnen doch!“
15 Da trat nun Levi auf sie zu
und küßte ihr die rechte Hand;
er sah, daß sie vor ihrer Brüder Zorn die Männer retten wollte,
daß diese sie nicht töteten.
16 Und diese selber waren in der Nähe in dem Röhrendickicht:
17 Obgleich ihr Bruder Levi dieses wußte,
verriet er es den Brüdern nicht;
er fürchtete,
in ihrem Zorne würden sie die Brüder niederschlagen.


29. Kapitel: Ende

1 Der Sohn des Pharao erhebt sich von dem Boden
und setzt sich hin
und speit das Blut aus seinem Mund;
denn von der Schläfe lief ihm in den Mund das Blut.
2 Und Benjamin lief zu ihm hin,
ergriff sein Schwert
und zog’s dem Pharaosohne aus der Scheide;
denn Benjamin trug keine Wehr an seiner Seite.
Er wollte Pharaos Sohn die Brust durchbohren.
3 Auf ihn lief Levi zu,
ergriff ihn bei der Hand und sprach:
„In keiner Weise, Bruder, darfst du dieses tun;
wir sind ja gottesfürchtige Männer,
und einem gottesfürchtigen Manne ziemt es nicht,
für Böses Böses zu vergelten,
noch einen Hingestürzten vollends zu zertreten,
noch seinen Feind zum Tode zu zermalmen.
4 Bring wiederum dein Schwert an seinen Platz!
Komm mir zu helfen!
Wir wollen ihn von dieser Wunde heilen,
und bleibt er leben, wird er unser Freund
und Pharao, sein Vater, unser Vater.“
5 Alsdann hob Levi Pharaos Sohn vom Boden auf
und wusch das Blut ihm vom Gesicht,
verband die Wunde, setzt ihn auf sein Pferd
und brachte ihn zu seinem Vater Pharao,
und er erzählte alles das Geschehene und Vorgefallene.
6 Darauf stand Pharao von seinem Throne auf
und fiel vor Levi auf den Boden, ihn lobpreisend.
7 Am dritten Tage starb der Sohn des Pharao
am Steinwurf Benjamins.

[538]

8 Und Pharao betrauerte den erstgeborenen Sohn so sehr,
daß durch die Trauer Pharao in eine Krankheit fiel
und 109 Jahr alt verstarb.
Er hinterließ sein Diadem dem wunderschönen Joseph.
9 So war denn Joseph in Ägypten
alleinig Herrscher 48 Jahre lang.
Hernach gab Joseph Pharaos jüngstem Sprößlinge das Diadem;
er war beim Tod des alten Pharao ein Säugling noch gewesen.
Und Joseph war von da an wie ein Vater zu dem jüngsten Sohn
des Pharao im Ägypterland.
Er lobte Gott und pries ihn bis zum seinem Ende.

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