Kleiner Briefkasten (Die Gartenlaube 1874/43)

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Autor: D. Red.
Titel: Kleiner Briefkasten
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 43, S. 702
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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[702]
Kleiner Briefkasten.

L. in Frbg. Gewiß hat man versucht, durch ausreichende Unterstützung die Wunden des letzten Krieges in Etwas zu heilen. Und mehr ist in solchem Falle dem Vaterlande nicht möglich zu thun. Daß noch offene Wunden bluten, ohne daß man sich auch nur die Mühe giebt, solche zu heilen oder doch weniger schmerzhaft zu machen, das ist freilich hart und betrübend.

So schreibt man uns aus Ostpreußen: „Nicht weit von Rußlands Grenze liegt das Dorf L. bei P. im Kreise St. Außerhalb des Dorfes liegt eine kleine Kathe, in welcher die über sechszig Jahre alte Wittwe Christine Bartel wohnt. Ihr Gatte ist vor einem Jahre gestorben – er hat den Schmerz über den gefallenen Sohn nicht lange überlebt. Man muß es gesehen haben, wie sich die tiefgebeugte Frau nur mit Mühe fortschleppt, um den ganzen Jammer eines solchen Daseins zu begreifen. Die Hände wollen nicht mehr so fort, wie vor Jahren, um das nöthige Brod zu verdienen; der Leib wird daher schwach, und ein unglücklicher Fall in diesen Tagen hat sie noch elender gemacht; ihre Mittel aber reichen nicht aus, den Arzt zu Hülfe zu ziehen.

Ja, ihr Sohn, Albert Bartel, den sie erzogen, daß er ihr im Alter eine Stütze werde – er fand auch, wie so viele tapfere Söhne Ostpreußens, vor Metz den Heldentod. Die alte Mutter hat gehofft, man werde bei der Vertheilung des Geldes für Invaliden und Hinterbliebene auch an sie denken. Ihr Hoffen war vergebens. Verschiedene Male hat sie um Ueberweisung einer laufenden kleinen Unterstützung gebeten – man hat ihr einmal fünfzehn (!) und ein anderes Mal fünf (!!) Thaler gegeben, und auf ein ferneres Schreiben (im verflossenen Winter abgesandt) hat man sie bis jetzt keiner Antwort gewürdigt. Ihr einziger Trost in ihrer Noth ist die Hoffnung, daß sich der müde Körper bald auflösen werde. – Für eine brave Mutter, die dem Staate einen Helden erzogen hat, ist dieses Loos doch gewiß ein unverdientes.“

Verwalter K. R. in W. Ihre Klage über die Holzvergeudung der Dienstboten beim Anfeuern der Steinkohlen und dergleichen und über die steigenden Holzpreise steht nicht vereinzelt da; sie bildet den Inhalt nicht weniger Zuschriften. Um so mehr freut es uns, Allen die Aussicht auf eine gründliche Beseitigung dieses allgemeinen Uebels eröffnen zu können. Ein erfinderischer Kopf hat eine Zündmasse zusammengesetzt, die zum Anbrennen von Torf, Coaks, Briquettes, Braun- und Steinkohlen, ohne Anwendung eines Stückchens Holz, dienen. Dieser chemische Zunder, dessen Mischung wir natürlich verschweigen, von der wir aber versichern können, daß sowohl deren Bereitung wie Verwendung gänzlich gefahrlos ist, kann für einen Pfennig das Stück geliefert werden, und ein Stück genügt zum einmaligen Anbrennen. Bedenkt man, wie viel Mühe, Zeit, Geld, Holzraum und Aerger durch diese neue Zündmasse erspart wird, so muß man ihr eine möglichst rasche und weite Verbreitung wünschen. Der Erfinder und Geheimnißbesitzer ist ein Herr O. Syllmasschy in Leipzig (Schletterstraße Nr. 2). An außerdeutsche Staaten würde derselbe, wie man uns mittheilt, das Monopol der Verfertigung und des Vertriebs dieses Zunders gegen eine werthentsprechende Summe ablassen.