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Konrad’s von Würzburg Tod.[1]
(1287.)
In die stille Klosterzelle
Blinkt der Abendsonne Licht
Auf die schlichte Lagerstelle,
Auf ein todtenbleich Gesicht;
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Zu dem Bruder Dom’nikaner,
Der schon Jahre lang hier wohnt,
Trat der strenge letzte Mahner,
Welcher keines Alters schont.
Um den Sterbenden kniet leise
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Seiner Brüder Ordenszahl,
Aber aus dem braunen Kreise
Glänzt auch mancher Ritterstahl:
Freiburgs edler Herren viele,
Wackre Bürger noch dabei,
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Meister in dem Saitenspiele,
Schließen auch sich an die Reih’.
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Alle kamen sie, zu lauschen
Konrads letztem Athemzug;
Konrads, der so hoch einst rauschen
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Ließ des Liedes Adlerflug;
Würzburgs ruhmbekränztem Sohne
Bringen sie den Scheidegruß,
Der ihn zu des Höchsten Throne
Liebend noch begleiten muß.
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Doch der Lebensmüde richtet
Noch einmal das Haupt empor,
Seine Blicke, neugelichtet,
Brechen durch des Todes Flor;
Und er winket, aufzuschließen
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Seiner Zelle Fensterlein,
Daß ihn voller noch umfließen
Mag der Sonne letzter Schein.
Drauß’ im Blau, im wolkenlosen,
Sieht man hehr vom Dome blühn
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Seiner Pyramiden Rosen
In der Purpurstrahlen Glühn;
Und die ehrnen Zungen regen
Sich nun auch zu dem Choral,
Der den heiligen Abendsegen
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Betet über Berg und Thal.
Durstig hangen Konrads Augen
Am verklärten Münsterbild;
Klänge scheint sein Ohr zu saugen
Aus der Engel Luftgefild;
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Seine letzten Kräfte sammeln
Nochmal sich zu neuem Schwung,
Leisen Munds, doch ohne Stammeln
Spricht er mit Begeisterung:
„Brüder, Freunde aus der Runde!
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Seyd voll Dankes mir gegrüßt,
Daß ihr mir die bittre Stunde
Noch durch euren Trost versüßt!
Euerer Gebete Schwingen
Lassen aus dem Erdenband
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Leichter meinen Geist sich ringen
Zu dem ewigen Vaterland.
„Von hieniden scheid’ ich gerne;
Diese kampfestrübe Zeit
Hüllt des Sängers schöne Sterne
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Tiefer stets in Dunkelheit;
Alle Zügel längst erschlaffen
Sie der blinden Leidenschaft,
Nur in Schmach noch übt die Waffen
Fürstenstand und Ritterschaft.
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„Keines Ruhmes Ziele locken
Die verirrte Jugend mehr,
Zucht und Sitte flieht erschrocken
Vor der Lüste wildem Heer;
Rohe Lieder nur noch schallen,
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Wüster Spaß und Becherklang,
Wo sonst in den Ritterhallen
Tönte keuscher Minnesang.
„Wo nur noch die Faust sich Recht schafft,
Da erlahmt des Harfners Hand;
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Wo nur Tyrannei und Knechtschaft
Er noch sieht im Vaterland,
Wo er nirgends mehr noch Pflege
Hoffen darf für seine Kunst,
Sucht er auf dem Himmelswege
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Rettung aus der Erde Dunst.
„Darum hatt’ ich hier ins Kloster
Mich geflüchtet aus der Welt,
In den Port, wo sturmdurchtoß’ter
Seelenhimmel sich erhellt;
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All mein irdisch Minnen streifte
Ab ich vor dem Friedensthor,
Denn in meinem Busen reifte
Heiß mein höchstes Lied empor.
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„Und ich schuf die goldne Schmiede,
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Drin mein Herz mit vollster Glut
Zu Maria’s Ruhmesliede
Hat verschmolzen all sein Gut;
Was nur Köstliches mein Seelen-
Schacht umschloß an Erz und Stein,
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Gold und Silber und Juwelen
Schmiedet’ ich ins Lied hinein.
„Nehmt die Pergamentesrollen
Dort hervor aus jenem Schrank!
So nur, Brüder, Freunde! zollen
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Kann ich euch noch meinen Dank
Für die Liebe, die dem greisen
Mönche stets bewahrt ihr habt;
Wenn an dieses Liedes Weisen
Ihr nach meinem Tod euch labt.
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„Was so kühn ich jetzt gesprochen,
Nehmt es hin als Schwanenlied;
Mein Geräth ist morsch gebrochen,
Selbst zusammen bricht der Schmied.
Vor den andern Sängern neide
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Ich nur einen Einz’gen, dich,
Walter von der Vogelweide,
Du warst glücklicher als ich!
„Denn dein Grab ist Würzburgs Erde,
Meiner theuren Vaterstadt,
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Und auf seinem Futterherde
Ißt sich manches Vöglein satt.
Sey es! Auch in fremden Grunde
Schläft der Sänger sanft und kühl,
Lebt er fort im Freundesmunde
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Und in seines Volks Gefühl!
„Aber euch, ihr jüngern Meister
In dem edlen Sangesspiel,
Mögen reine, gute Geister
Leiten an das hehrste Ziel!
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Strebt zum Lenz der höhern Lebens
Aus dem Wintersturm der Zeit;
Baut auf Gott! und nicht vergebens
Ringt ihr nach Unsterblichkeit!“ –
Konrads Worte still verklingen
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Mit der Glocken letztem Zug,
Mit des letzten Strahles Schwingen
Nimmt sein Geist den Himmelsflug.
Auf den Schatz der goldnen Schmiede
Drücken Alle heiß den Mund:
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„Friede seiner Asche, Friede!“
Tönts aus jedem Herzensgrund.
A. Schzlr.
- ↑ [374] Nach Angabe einiger Literatoren soll Konrad von Würzburg 1287 in Freiburg i. B. gestorben seyn. Auch führt ein Verzeichniß der Mönche des dortigen ehemaligen Dominikanerklosters aus jener Zeit den Namen eines Bruders Konrad aus Würzburg auf.
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