Lutherbibel/1. Johannes (1546)

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Vorrede auff die III. Episteln S. Johannis.

Djese erste Epistel S. Johannis ist eine rechtschaffene Apostolische epistel, vnd solt billich bald nach seinem Euangelio folgen. Denn gleich wie er im Euangelio den glauben treibet, Also begegnet er in der Epistel denen, die sich des glaubens rhuemeten on werck. Vnd leret manchfeltig, wie die werck nicht aussen bleiben, wo der glaube ist. Bleiben sie aber aussen, so ist der glaube nicht rechtschaffen, sondern luegen vnd finsternis. Er thut aber dasselbige nicht mit treiben auffs Gesetz, wie Jacobus Epistel thut, sondern mit reitzen, das wir auch lieben sollen, wie Gott vns geliebet hat.

Cerinther. ER schreibet aber auch drinnen hart wider die Cerinther, vnd wider den geist des Widerchrists, der dazumal schon anfieng Christum zuuerleugnen, das er ins Fleisch komen sey, welchs nu allererst recht im schwang gehet, denn ob man wol jtzt nicht leugnet mit dem munde oeffentlich, das Christus ins Fleisch komen sey, So leugnen sie es doch mit dem hertzen, mit der Lere vnd leben. Denn wer durch sein werck vnd thun wil frum vnd selig werden, der thut eben so viel, als der Christum verleugnet, Sintemal Christus darumb ins Fleisch komen ist, das er vns on vnser werck, allein durch sein Blut frum vnd selig machete.

ALso streitet die Epistel wider beide teil, Wider die, so gar on werck sein wollen im glauben, Vnd wider die, so mit wercken wollen from werden. Vnd behelt vns auff rechter mittelstrassen, Das wir durch den glauben frum vnd der suende los werden, vnd darnach auch, wenn wir nu frum sind, gute werck vnd liebe, vmb Gottes willen vben, frey on alles gesuch.

Dje andern zwo Episteln sind nicht Lereepisteln, sondern Exempel der liebe, vnd des glaubens, Vnd haben auch einen rechten Apostolischen geist.


[Bearbeiten] Die I. Epistel S. Johannis.

[Bearbeiten] I.

Das da von anfang war, das wir gehoret haben, das wir gesehen haben mit vnsern augen, das wir beschawet haben, vnd vnser hende betastet haben, vom Wort des lebens, [2]vnd das Leben ist erschienen, vnd wir haben gesehen, vnd zeugen vnd verkuendigen euch das leben, das ewig ist, welches war bey dem Vater, vnd ist vns erschienen. [3]Was wir gesehen vnd gehoeret haben, das verkuendigen wir euch, Auff das auch jr mit vns Gemeinschafft habt, vnd vnser gemeinschafft sey mit dem Vater vnd mit seinem son Jhesu Christo. [4]Vnd solches schreiben wir euch, auff das ewer Freude voellig sey.

[5]VNd das ist die verkuendigung, die wir von jm gehoeret haben, vnd euch verkuendigen, das Gott ein Liecht ist, vnd in jm ist kein Finsternis. [6]So wir sagen, das wir Gemeinschafft mit jm haben, vnd wandeln im finsternis, So liegen wir, vnd thun nicht die warheit. [7]So wir aber im Liecht wandeln, wie er im liecht ist, so haben wir gemeinschafft vnternander, Vnd das blut Jhesu Christi seines sons, machet vns rein von aller suende. [8]So wir sagen, wir haben keine suende, So verfueren wir vns selbs, vnd die warheit ist nicht in vns. [9]So wir aber vnsere suende bekennen, so ist er trew vnd gerecht, das er vns die suende vergibt, vnd reiniget vns von aller vntugent. [10]So wir sagen, wir haben nicht gesuendiget, So machen wir jn zum Luegener, vnd sein wort ist nicht in vns.

[Bearbeiten] II.

Meine Kindlin, solchs schreibe ich euch, auff das jr nicht suendiget. Vnd ob jemand suendiget, So haben wir einen Fursprecher bey dem Vater, Jhesum Christ, der gerecht ist, [2]vnd derselbige ist die versoenung fur vnser suende, Nicht allein aber fur die vnsere, sondern auch fur der gantzen Welt. [3]Vnd an dem mercken wir, das wir jn kennen, so wir seine Gebot

halten. [4]Wer da saget, ich kenne jn, vnd helt seine Gebot nicht, der ist ein Luegener, vnd in solchem ist keine warheit. [5]Wer aber sein wort helt, in solchem ist warlich die liebe Gottes volkomen. Daran erkennen wir, das wir in jm sind. [6]Wer da saget, das er in jm bleibet, der sol auch wandeln, gleich wie er gewandelt hat.

[7]BRueder, Jch schreibe euch nicht ein new Gebot, sondern das alte gebot, das jr habt von anfang gehabt. Das alte gebot ist das Wort, das jr von anfang gehoeret habt. [8]Widerumb, ein new gebot schreib ich euch, das da warhafftig ist bey jm vnd bey euch, Denn die finsternis ist vergangen, vnd das ware Liecht scheinet jtzt. [9]Wer da saget er sey im liecht, vnd hasset seinen Bruder, der ist noch im finsternis. [10]Wer seinen Bruder liebet, der bleibet im liecht, vnd ist kein ergernis bey jm. [11]Wer aber seinen Bruder hasset, Der ist im finsternis, vnd wandelt im finsternis, vnd weis nicht wo er hin gehet, Denn die finsternis haben seine augen verblendet.

[12]LJeben Kindlin, ich schreibe euch, das euch die suende vergeben werden, durch seinen Namen. [13]Jch schreibe euch Vetern, denn jr kennet den, der von anfang ist. Jch schreibe euch Juenglingen, denn jr habt den Boesewicht vberwunden. [14]Jch schreibe euch Kindern, denn ir kennet den Vater. Jch habe euch Vetern geschrieben, das jr den kennet, der von anfang ist. Jch habe euch Juenglingen geschrieben, das jr starck seid, vnd das wort Gottes bey euch bleibet, vnd den Boesewicht vberwunden habt.

[15]HAbt nicht lieb die Welt, noch was in der welt ist. So jemand die welt lieb hat, in dem ist nicht die liebe des Vaters. [16]Denn alles was in der welt ist (nemlich des Fleisches lust, vnd der Augen lust, vnd hoffertiges leben) ist nicht vom Vater, sondern von der welt. [17]Vnd die welt vergehet mit jrer lust. Wer aber den willen Gottes thut, der bleibt in ewigkeit.

[18]Kjnder es ist die letzte stund, vnd wie jr gehoeret habt, das der a Widerchrist kompt, Vnd nu sind viel Widerchristen worden, daher erkennen wir, das die letzte stunde ist. [19]Sie sind von vns ausgegangen, Aber sie waren nicht von vns, Denn wo sie von vns gewesen weren, so weren sie ja bey vns blieben, Aber auff das sie offenbar wuerden, das sie nicht alle von vns sind.

[20]VND jr habt die salbung von dem der Heilig ist, vnd wisset alles. [21]Jch hab euch nicht geschrieben, als wuestet jr die warheit nicht, Sondern jr wisset sie, vnd wisset, das keine Luegen aus der warheit kompt. [22]Wer ist ein Luegener, on der da leugnet, das Jhesus der Christ sey? Das ist der Widerchrist,

der den Vater vnd den Son leugnet. [23]Wer den Son leugnet, Der hat auch den Vater nicht. [24]Was jr nu gehoeret habt von anfang, das bleibe bey euch. So bey euch bleibet, was jr von anfang gehoeret habt, so werdet jr auch bey dem Son vnd Vater bleiben. [25]Vnd das ist die Verheissung, die er vns verheissen hat, das ewige Leben.

[26]SOlchs hab ich euch geschrieben von denen, die euch verfueren. [27]Vnd die Salbung die jr von jm empfangen habt, bleibet bey euch. Vnd duerffet nicht, das euch jemand lere, sondern wie euch die Salbung allerley leret, so ists war, vnd ist keine luegen. Vnd wie sie euch geleret hat, so bleibet bey demselbigen. [28]Vnd nu Kindlin, bleibet bey jm, auff das wenn er offenbaret wird, das wir Freidigkeit haben, vnd nicht zu schanden werden fur jm, in seiner zukunfft. [29]So jr wisset das er gerecht ist, so erkennet auch, das, wer recht thut, der ist von jm geborn.

[Bearbeiten] III.

Sehet, welche eine liebe hat vns der Vater erzeiget, das wir Gottes kinder sollen heissen. Darumb kennet euch die Welt nicht, Denn sie kennen jn nicht. [2]Meine Lieben, wir sind nu Gottes kinder, vnd ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber wenn es erscheinen wird, das wir jm gleich sein werden, Denn wir werden jn sehen, wie er ist. [3]Vnd ein jglicher der solche hoffnung hat zu jm, der reiniget sich, gleich wie er auch rein ist. [4]Wer sunde thut, Der thut auch vnrecht, vnd die suende ist das vnrecht. [5]Vnd jr wisset, das Er ist erschienen, auff das er vnsere suende wegneme, vnd ist keine sunde in jm. [6]Wer in jm bleibet, der suendiget nicht, Wer da suendiget, Der hat jn nicht gesehen noch erkand.

[7]Kjndlin, lasset euch niemand verfueren. Wer recht thut, der ist gerecht gleich wie er Gerecht ist. [8]Wer suende thut, der ist vom Teufel, denn der Teufel suendiget von anfang. Dazu ist erschienen der son Gottes, das er die werck des Teufels zurstoere. [9]Wer aus Gott geborn ist, der thut nicht suende, denn sein Same bleibet bey jm, vnd kan nicht suendigen, denn er ist von Gott geborn. [10]Daran wirds offenbar, welche die kinder Gottes, vnd die kinder des Teufels sind. Wer nicht recht thut, Der ist nicht von Gott, vnd wer nicht seinen Bruder lieb hat.

[11]DEnn das ist die botschafft, die jr gehoeret habt von anfang, Das wir vns vnternander lieben sollen, [12]nicht wie Cain, der von dem Argen war vnd

erwuerget seinen Bruder. Vnd warumb erwuerget er jn? Das seine werck boese waren, vnd seines Bruders gerecht. [13]Verwundert euch nicht, meine Brueder, ob euch die welt hasset. [14]Wir wissen, das wir aus dem Tode in das Leben komen sind, denn wir lieben die Brueder. Wer den Bruder nicht liebet, der bleibet im Tode. [15]Wer seinen Bruder hasset, der ist ein Todschleger. Vnd jr wisset, das ein Todschleger hat nicht das ewige Leben bey jm bleibend.

[16]DAran haben wir erkand die Liebe, das er sein Leben fur vns gelassen hat, Vnd wir sollen auch das leben fur die Brueder lassen. [17]Wenn aber jemand dieser welt Gueter hat, vnd sihet seinen Bruder darben, vnd schleusset sein hertz fur jm zu, Wie bleibet die liebe Gottes bey jm? [18]Meine Kindlin, lasset vns nicht lieben mit worten, noch mit der zungen, sondern mit der that vnd mit der warheit.

[19]Daran erkennen wir, das wir aus der warheit sind, vnd koennen vnser hertz fur jm stillen, [20]das, so vns vnser hertz verdampt, das Gott groesser ist, denn vnser hertz, vnd erkennet alle ding. [21]Jr lieben, so vns vnser hertz nicht verdampt, So haben wir eine freidigkeit zu Gott, [22]vnd was wir bitten, werden wir von jm nemen, Denn wir halten seine Gebot, vnd thun was fur jm gefellig ist.

[23]VNd das ist sein Gebot, das wir gleuben an den namen seines Sons Jhesu Christi, vnd lieben vns vnternander, wie er vns ein Gebot gegeben hat. [24]Vnd wer seine Gebot helt, der bleibet in jm, vnd er in jm. Vnd dar an erkennen wir, das er in vns bleibet, an dem Geist, den er vns gegeben hat.

[Bearbeiten] IIII.

Jr lieben, gleubet nicht einem jglichen Geist, sondern pruefet die Geister, ob sie von Gott sind, Denn es sind viel falscher Propheteu ausgegangen in die welt. [2]Daran solt jr den geist Gottes erkennen. Ein jglicher Geist, der da bekennet, das Jhesus Christus ist in das Fleisch komen, der ist von Gott. [3]Vnd ein jglicher Geist, der da nicht bekennet, das Jhesus Christus ist in das Fleisch komen, der ist nicht von Gott. Vnd das ist der geist des Widerchrists, von welchem jr habt gehoert, das er komen werde, Vnd ist jtzt schon in der Welt.

[4]KJndlin, jr seid von Gott, vnd habt jene vberwunden, Denn der in euch ist, ist groesser, denn der in der Welt ist. [5]Sie sind von der welt, darumb reden sie von der welt, vnd die welt hoeret sie. [6]Wir sind von Gott, vnd wer Gott erkennet, der hoeret vns. Welcher nicht von Gott ist, Der hoeret

vns nicht. Daran erkennen wir den Geist der warheit, vnd den Geist des jrthumbs.

[7]Jr lieben, Lasset vns vntereinander lieb haben, Denn die Liebe ist von Gott, vnd wer lieb hat, der ist von Gott geboren, vnd kennet Gott. [8]Wer nicht lieb hat, der kennet Gott nicht, denn Gott ist die liebe. [9]Daran ist erschienen die liebe Gottes gegen vns, das Gott seinen eingeboren Son gesand hat in die Welt, das wir durch jn leben sollen. [10]Darinne stehet die liebe, nicht das wir Gott geliebet haben, sondern das er vns geliebet hat, vnd gesand seinen Son zur versoenung fur vnser suende.

[11]Jr lieben, hat vns Gott also geliebet, so sollen wir vns auch vnternander lieben. [12]Niemand hat Gott jemals gesehen. So wir vns vnternander lieben, so bleibet Gott in vns, vnd seine liebe ist voellig in vns. [13]Daran erkennen wir das wir in jm bleiben, vnd er in vns, Das er vns von seinem Geist gegeben hat. [14]Vnd wir haben gesehen vnd zeugen, das der Vater den Son gesand hat zum Heiland der welt. [15]Welcher nu bekennet, das Jhesus Gottes son ist, in dem bleibet Gott, vnd er in Gott. [16]Vnd wir haben erkand vnd gegleubet die liebe, die Gott zu vns hat.

GOtt ist die Liebe, vnd wer in der liebe bleibet, der bleibet in Gott, vnd Gott in jm. [17]Daran ist die liebe voellig bey uns, auff das wir eine freidigkeit haben am tage des gerichts, Denn gleich wie er ist, so sind auch wir in dieser welt. [18]Furcht ist nicht in der liebe, sondern die voellige liebe treibet die furcht aus. Denn die furcht hat pein. Wer sich aber fuerchtet der ist nicht voellig in der liebe.

[19]LAsset vns jn lieben, denn er hat vns erst geliebet. [20]So jemand spricht, ich liebe Gott, vnd hasset seinen Bruder, der ist ein Luegener. Denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er sihet, wie kan er Gott lieben, den er nicht sihet? [21]Vnd dis Gebot haben wir von jm, das, wer Gott liebet, das der auch seinen Bruder liebe.

[Bearbeiten] V.

Wer da gleubet, das Jhesus sey der Christ, der ist von Gott geboren. Vnd wer da liebet den, der jn geborn hat, der liebet auch den, der von jm geborn ist. [2]Daran erkennen wir, das wir Gottes kinder lieben, wenn wir Gott lieben, vnd seine Gebot halten. [3]Denn das ist die liebe zu Gott, das wir seine gebot halten, vnd seine gebot sind nicht schwer. [4]Denn alles was von Gott geborn ist, vberwindet die Welt, vnd vnser glaube

ist der Sieg, der die welt vberwunden hat. [5]Wer ist aber der die welt vberwindet, on der da gleubet, das Jhesus Gottes son ist?

[6]DJeser ists, der da kompt mit wasser vnd blut, Jhesus Christus, Nicht mit wasser alleine, sondern mit wasser vnd blut. Vnd der Geist ists, der da zeuget, das a geist warheit ist. [7]Denn drey sind die da zeugen auff erden, Der Geist vnd das Wasser, vnd das Blut, [8]vnd b die drey sind beysamen. [9]So wir der Menschen zeugnis annemen, so ist Gottes zeugnis groesser, Denn Gottes zeugnis ist das, das er gezeuget hat von seinem Son. [10]Wer da gleubet an den son Gottes, der hat solchs zeugnis bey jm. Wer Gotte nicht gleubet, der macht jn zum Luegener, denn er gleubet nicht dem zeugnis, das Gott zeuget von seinem Son. [11]Vnd das ist das zeugnis, das vns Gott das ewige Leben hat gegeben, vnd solchs leben ist in seinem Son. [12]Wer den son Gottes hat, der hat das Leben, wer den son Gottes nicht hat, der hat das leben nicht.

[13]SOlchs hab ich euch geschrieben, die jr gleubet an den namen des sons Gottes, auff das jr wisset, das jr das ewige Leben habt, vnd das jr gleubet an den namen des sons Gottes. [14]Vnd das ist die Freidigkeit, die wir haben zu jm, das, so wir etwas bitten, nach seinem willen, so hoeret er vns. [15]Vnd so wir wissen, das er vns hoeret, was wir bitten, so wissen wir, das wir die bitte haben, die wir von jm gebeten haben.

[16]So jemand sihet seinen Bruder suendigen eine suende, nicht zum tode, der mag bitten, so wird er geben das Leben, denen die da sundigen, nicht zum tode. Es ist eine a Suende zum tode, da fur sage ich nicht, das jemand bitte. [17]Alle vntugent ist suende, es ist aber nicht Suende zum tode.

[18]WJr wissen, das, wer von Gott geboren ist, der sundiget nicht, sondern, wer von Gott geboren ist, der bewaret sich, vnd der Arge wird jn nicht antasten. [19]Wir wissen, das wir von Gott sind, Vnd die gantze Welt ligt im argen. [20]Wir wissen aber, das der son Gottes komen ist, vnd hat vns einen sinn gegeben, das wir erkennen den Warhafftigen, vnd sind in dem Warhafftigen, in seinem son Jhesu Christo. Dieser ist der warhafftige Gott, vnd das ewige Leben. [21]Kindlin, huetet euch fur den Abgoettern, AMEN.


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