Lutherbibel/1. Korinther (1530)
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[Bearbeiten] Vorrede auff die Erste Epistel An die Corinther.
In dieser Epistel vermanet S. Paulus die Corinther, das sie sollen eintrechtig sein jm glauben vnd jnn der lere. Vnd drauff sehen, das sie das hewbtstueck, nemlich (das Christus vnser Heil ist) wol lernen, an welchem sich alle vernunfft vnd weisheit stoesset, Denn gleich wie itzt zu vnser zeit, so das Euangelion an tag komen ist, finden sich der tollen heiligen viel (welche man Rottengeister, schwermer vnd Ketzer heisst) die allzu frue klug vnd gelert worden sind, vnd koennen fur grosser kunst vnd weisheit, sich mit niemand gleich odder eintrechtig halten, einer wil hienaus der ander dort naus, als were es grosse schande, wo nicht ein iglicher ein sonderlichs furneme, vnd seine eigen weisheit auff würffe, Welche niemand widderumb kan zu narren machen, so sie doch jm grunde gar nichts, von den rechten heubtsachen wissen noch verstehen, ob sie gleich mit dem maul viel dauon plaudern.
Also giengs S. Paulo auch, Da er seine Corinther hatte den Christlichen glauben vnd die freiheit vom gesetze gelert, funden sich auch die tollen heiligen vnd vnzeitige klueglinge, zutrenneten die eintrechtige lere, vnd machten spaltung vnter den gleubigen, Einer wolt Paulisch, der ander Apollisch, einer Petrisch, der ander Christisch sein, Einer wolt die beschneitung haben, der ander nicht, Einer wolt die ehe, der ander nicht, Einer wolt goetzen opffer essen, der ander
nicht, Etliche wolten leiblich frey sein, etliche weiber wolten jnn haren gehen, vnd der gleichen, bis sie dahin gerieten, das einer der freiheit misbrauchet, vnd nam seine stiffmutter zur ehe, Vnd etliche nichts von der todten aufferstehung hielten, Etliche nicht viel vom Sacrament. Vnd gieng wust vnd gantz vnordig zu, das iglicher wolt meister sein vnd leren, vnd mit dem Euangelio, Sacrament, glauben machen was in gut daucht, Vnd liessen dieweil, das heubtstueck fein faren vnd ligen, Das Christus vnser Heil, gerechtigkeit, erloesung ist, als hetten sie es lengest an den schuhen zurissen, Wie denn solch stuck nicht kan auff der ban bleiben, wo man beginnet zu klügeln vnd weise zu sein, Aller dinge wie es itzt auch vns gehet, nach dem wir den Deudschen das Euangelion eroeffenet haben von Gottes gnaden, da wil auch ein iglicher der beste meister sein, vnd den heiligen geist allein haben, gerade als were das Euangelion darumb gepredigt, das wir vnser klugheit vnd vernunfft drinnen erzeigen vnd rhum suchen solten, das diese Corinther wol mugen sein ein exempel oder beyspiel vnsern leuten zu dieser zeit welche auch wol ein solche Epistel bedurfften, Es mus aber also sein, vnd sol dem Euangelio so gehen, das tolle heiligen vnd vnzeitige klueglinge, rotten vnd ergernis anrichten auff das die bewerten (wie hie S. Paulus auch sagt) offenbar werden.
Darumb strafft vnd verdampt S. Paulus solche schedliche weisheit, gar ernstlich, Vnd macht solche naseweisen heiligen widderumb zu narren, spricht schlecht, das sie nichts wissen von Christo noch von dem geist vnd gaben Gottes vns jnn Christo gegeben, vnd sollen noch anheben zu lernen, Es müssen geistliche leute sein, die es verstehen sollen, weise sein wollen vnd klugheit furgeben jm Euangelio sey eben das rechte ergernis vnd hindernis, Christum vnd Gott zu erkennen. Rotten vnd zwitracht anzurichten, da mag die kluge vernunfft vnd weisheit wol zu dienen, das eitel tolle heiligen vnd wilde Christen werden, Aber vnsern Herrn Christum muegen sie nimer mehr erkennen, sie werden denn widderumb zu narren, vnd lassen sich demuetiglich durchs einfeltige wort Gottes leren vnd furen, Solchs treibt er durch die ersten vier Capitel.
Jm fuenfften strafft er die grosse vnzucht des der seine stieffmutter genomen hatte, Vnd wil jn jnn ban thun vnd dem teuffel geben, zeugt damit an ein rechte weise des bannes zu brauchen, das er mit bewilligung der gleubigen gemeine gefellet sol werden vber die oeffentliche laster, wie auch Christus Matth. xv iij. leret.
Jm sechsten strafft er, das haddern vnd zancken fur gerichte, sonderlich fur den Heiden vnd vngleubigen, vnd leret, das sie vnternander selbs sollen die sachen schlichten, odder vnrecht leiden.
Jm siebenden gibt er vnterricht von der keuscheit vnd ehlichem stande, Lobet die keuscheit vnd jungfrawschafft, das sie nuetze seien, des Euangelij deste bas zu warten, wie Christus auch leret Matth. xix. von den keuschen die vmbs Euangelion oder himelreich willen keusch sind, Aber Paulus wil sie vngenoetiget vnd vngezwungen vnd on fahr groesser sunde gehalten haben, sonst, sey besser freien, denn keuscheit die jnn stettiger brunst stickt.
Am achten bis auffs zwelffte handelt er mancherley weise, wie man die schwachen gewissen furen vnd halten sol, in eusserlichen sachen, als da sind, essen, trincken, kleider, sacrament haben, vnd weret allenthalben, das die starcken nicht verachten sollen die schwachen, sintemal er selbs, ob er wol ein Apostel sey, dennoch viel sich enthalten habe, da er wol recht hette, Dazu sich die starcken wol furchten moegen, die weil vorzeiten jnn Jsrael so viel vnter gangen sind, die doch alle sampt durch wunderwerck aus Egypten gefuret sind, vnd machet daneben etliche auslaufft heilsamer lere.
Am zwelfften bis auffs vierzehend, handelt er wie mancherley gaben Gottes sind, vnter welchen doch die liebe das beste sey, das sie nicht sich erheben, sondern dienen sollen vnternander einmuetig, die weil es ist ein Gott, ein Herr, ein geist, vnd alles ein, wie mancherley es auch sey.
Am vierzehenden, leret er die prediger, Propheten vnd senger, das sie ordentlich jrer gabe brauchen, vnd nur zur besserung, nicht zu eigener ehre, jre predigen kunst vnd verstand furgeben.
Am funffzehenden, straffet er die von der aufferstehung des fleisches vnrecht geleret vnd gegleubet hatten.
Am letzten vermanet er sie zu bruederlicher huelffe jnn zeitlicher narung den duerfftigen.