Lutherbibel/2. Petrus (1546)
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[Bearbeiten] Vorrede auff die II: Epistel S. Peters. [1546]
Djese Epistel ist wider geschrieben, so da meinen, der Christliche glaube moege on werck sein. Darumb ermanet er sie, Das sie durch gute werck sich pruefen, vnd des glaubens gewis werden, Gleich wie man an den fruechten die Bewme erkennet.
Vnd fehet darnach an, wider die Menschenlere das Euangelium zu preisen, das man dasselbige allein solle hoeren, vnd keine Menschenlere, Denn als er spricht, es ist noch nie kein Prophecey von Menschen willen geschehen.
DArumb warnet er am ij. Cap. fur den falschen Lerern zukuenfftig, die mit wercken vmbgehen, vnd dadurch Christum verleugnen, Vnd drewet denselbigen hart, mit dreien grewlichen Exempeln, vnd malet sie so eben abe, mit jrem geitz, hochmut, freuel, hurerey, das mans greiffen mus, das er den heutigen geistlichen Stand meine, der alle welt mit seinem geitz verschlungen, vnd ein frey, fleischlich, weltlich leben freuelich fueret.
JM iij. Zeiget er, das der Juengste tag balde komen werde, vnd obs fur den Menschen tausent jar duencket sein, ists doch fur Gott, als ein tag. Vnd beschreibet wie es zugehen werde, am Juengsten tage, das alles mit fewr verzeret werden sol. Er weissaget aber auch, das zur selbigen zeit, die Leute gantz spoettisch sein, vnd nichts vom glauben halten werden, wie die Epicurer.
Svmma, Das j. Cap. zeiget, wie die Christenheit stehen solt, zur zeit des reinen Euangelij. Das ij. Cap. zeiget, wie sie zur zeit des Babsts vnd Menschenlere stehen wuerde. Das iij. wie hernach die Leute beide Euangelium vnd alle Lere verachten, vnd nichts gleuben werden, Vnd das gehet jtzt im vollen schwang, bis Christus kome.
[Bearbeiten] Die II. Epistel S. Peters.
[Bearbeiten] I.
[1]Sjmon Petrus: ein knecht vnd Apostel Jhesu Christi.
DEnen, die mit vns eben denselbigen tewren Glauben vberkomen haben, Jn der gerechtigkeit, die vnser Gott gibt, vnd der Heiland Jhesus Christ.
[2]GOtt gebe euch viel gnade vnd friede, durch das erkentnis Gottes vnd Jhesu Christi vnsers HERRN.
[3]Nach dem allerly seiner goettlichen Krafft (was zum leben vnd goettlichen Krafft wandel dienet) vns geschenckt ist, durch die Erkentnis des, der vns beruffen hat, durch seine herrligkeit vnd tugent, [4]durch welche vns die thewre vnd aller groessesten Verheissung geschenk sind, nemlich, das jr durch dasselbige teilhafftig werdet der gottlichen natur, ßo yhr fliehet die vergenglichen lust der welt.
[5]So wendet allen ewern vleis daran, vnd reichet dar in ewrem glawben Tugent, vnd in der tugent Bescheidenheit, [6]vnd in bescheidenheit Messigkeit, vnd in der messigkeit Gedult, vnd in der gedult Gottseligkeit, [7]vnd in der gottseligkeit bruederliche Liebe, vnd in der bruederlichen liebe gemeine Liebe. [8]Denn wo solchs reychlich bey euch ist, wirt es euch nicht faull noch vnfruchtbar seyn lassen ynn der erkentnis vnsers herrn Jhesu Christi, [9]Wilchem aber solchs nicht yn bereytschafft ist, der ist blind vnd tappet mit der hand, vnnd vergisset der reynigung seyner vorigen sunden.
[10]Darumb lieben bruder, thut deste mehr vleyß, ewren beruff vnd erwelung fest zumachen, denn wo yhr solchs thut, werdet yhr nicht fallen, [11]vnd also wirt euch reychlich dargereycht werden der eyngang zu dem ewigen reysch vnserr herrn vnd heylands Jhesu Christi.
[12]Darumb wil ichs nicht lassen, euch alle zeit solches zu erinnern, wiewol jrs wisset und gestercket seid, in der gegenwertigen warheit. [13]Denn ich achte es billich sein, so lange ich ynn dieser Huetten bin, euch zu erwecken vnd erynnern. [14]Denn ich weyß, das ich meyne hutten bald ablegen muß, wie myr denn auch der herr Jhesus Christus eroffenet hat, [15]Jch wil
vleis thun das jr allenthalben habt nach meinem abscheid, solches in gedechtnis zu halten.
[16]DEnn wir haben nicht den klugen Fabeln gefolget, da wir euch kund gethan haben, die krafft vnd zukunfft vnsers HErrn Jhesu Christi. Sondern wir haben seine Herrligkeit selber gesehen, [17]da er empfieng von Gott dem Vater ehre vnd preis, durch eine stimme, die zu im geschach von der grossen Herrligkeit, der massen, Dis ist mein lieber Son, an dem ich wolgefallen habe. [18]Vnd diese stimme haben wir gehoeret vom Himel bracht, da wir mit jm waren, auff dem heiligen Berge.
[19]WJr haben ein festes Prophetisch wort, vnd jr thut wol, das jr drauff achtet, als auff ein Liecht, das da scheinet in einem tunckeln ort, bis der Tag anbreche, vnd der Morgenstern auffgehe in ewren hertzen. [20]Vnd das solt jr fur das erste wissen, Das keine weissagung in der Schrifft geschicht aus eigener auslegung. [21]Denn es ist noch nie keine Weissagung aus menschlichem willen erfur bracht, Sonder die heiligen menschen Gottes haben geredt, getrieben von dem heiligen Geist.
[Bearbeiten] II.
Es waren aber auch falsche Propheten vnter dem Volck, wie auch vnter euch sein werden falsche Lerer, die neben ein fueren werden verderbliche Secten, vnd verleugnen den HERRN der sie erkaufft hat, Vnd werden vber sich selbs fueren ein schnel verdamnis, [2]Vnd viel werden nachfolgen jrem verderben, Durch welche wird der weg der Warheit verlestert werden, [3]vnd durch Geitz mit ertichten worten, werden sie an euch hantieren, von welchen das vrteil von langes her nicht seumig ist, vnd jr verdamnis schlefft nicht.
Denn so Gott der Engel, die gesuendiget haben, nicht verschonet hat, Sondern hat sie mit ketten der finsternis zur Helle verstossen, vnd vbergeben, das sie zum gericht behalten werden. [5]Vnd hat nicht verschonet der vorigen Welt, sondern bewarte Noe den Prediger der gerechtickeit selb achte, vnd fuerete die Sindflut vber die wellt der gottloßen. [6]Vnd hatt die stedte Sodoma vnd Gomorra zu asschen gemacht, vmbkeret, vnd verdampt, Damit ein exempel gesetzt den Gottlosen, die hernach komen wuerden. [7]Vnd hat erloeset den gerechten Lot, welchem die schendlichen Leute alles leid theten, mit jrem vnzuechtigen wandel, [8]Denn dieweil er recht war, vnd vnter jnen wonet, das ers
sehen vnd hoeren muste, queleten sie die gerechte Seele von tag zu tage, mit jren vnrechten wercken. [9]Der HERR weis die Gottseligen aus der versuchung zu erloesen, Die ungerechten aber behalten zum tage des Gerichtes zu peinigen.
[10]Allermeist aber die, so da wandeln nach dem Fleisch, in der vnreinen Lust, vnd die Herrschafften verachten, thuerstig, eigensinnig, nicht erzittern die Maiesteten zu lestern. [11]So doch die Engel, die groesser stercke vnd macht haben, nicht ertragen das lesterliche Gericht wider sich vom HERRN. [12]Aber sie sind wie die vnuernuenfftigen Thier, die von natur dazu geborn sind, das sie gefangen vnd geschlacht werden, Lestern da sie nichts von wissen, vnd werden in jrem verderblichen wesen vmbkomen, [13]vnd den Lohn der vngerechtigkeit dauon bringen.
SJe achtens fur wollust, das zeitliche wolleben, Sie sind schande vnd laster, Prangen von ewrena almosen, Brassen mit dem ewern, [14]Haben augen vol Ehebruchs, Lassen jnen die suende nicht weren, Locken an sich die leichtfertigen seelen, Haben ein hertz durchtrieben mit geitz, verfluchte Leute, Balaam[15]verlassen den richtigen weg, vnd gehen jrre, vnd folgen nach dem wege Balaam des sons Bosor, welchem geliebete der Lohn der vngerechtigkeit, [16]Hatte aber eine straffe seiner vbertrettung, nemlich, das stumme lastbar Thier redet mit Menschen stimme, vnd weret des Propheten torheit.
[17]DAs sind Brunnen on wasser, vnd Wolcken vom windwirbel vmbgetrieben, welchen behalten ist ein tunckel finsternis in ewigkeit. [18]Denn sie reden stoltze wort, da nichts hinder ist, Vnd reitzen durch b vnzucht zur fleischlichen Lust, die jenigen, die recht entrunnen waren, vnd nu im jrthumb wandeln, [19]vnd verheissen jnen Freiheit, So sie selbs Knechte des verderbens sind. [20]Denn von welchem jemand vberwunden ist, des Knecht ist er worden. Denn so sie entflohen sind dem vnflat der Welt, durch die erkentnis des HErrn vnd Heilandes Jhesu Christi, werden aber widerumb in dieselbigen geflochten vnd vberwunden, Jst mit jnen das letzte erger worden denn das erste. [21]Denn es were jnen besser, das sie den weg der Gerechtigkeit nicht erkennet hetten, Denn das sie jn erkennen, vnd sich keren von dem heiligen Gebot, das jnen gegeben ist. [22]Es ist jnen widerfaren das ware Sprichwort, Der Hund frisset wider was er gespeiet hat. Vnd, die Saw waltzet sich nach der schwemme wider im Kott.
[Bearbeiten] III.
Djs ist die ander Epistel, die ich euch schreibe, jr Lieben, in welcher ich erwecke vnd erinnere ewern lautern sinn, [2]das jr gedencket an die wort, die euch zuuor gesagt sind von den heiligen Propheten, vnd an vnser Gebot, die wir sind Apostel des HErrn vnd Heilands.
[3]Vnd wisset das auffs erst, Das in den letzten tagen komen werden Spoetter, die nach jren eigen Luesten wandeln, [4]vnd sagen, wo ist die verheissung seiner zukunfft? Denn nach dem die Veter entschlaffen sind, bleibet es alles, wie es von anfang der Creaturen gewesen ist. [5]Aber mutwillens wollen sie nicht wissen, das der Himel vorzeiten auch war, da zu die Erde aus wasser vnd im wasser bestanden, durch Gottes wort, [6]Dennoch ward zu der zeit, die Welt d durch dieselbigen mit der Sindflut verderbet. [7]Also auch der Himel jtzund vnd die Erde, werden durch sein Wort gesparet, das sie zum fewr behalten werden, am tage des gerichts vnd verdamnis der gottlosen Menschen.
[8]EJnes aber sey euch vnuerhalten, jr Lieben, das ein tag fur dem HErrn ist wie tausent jar, vnd tausent jar wie ein tag. [9]Der HErr verzeuhet nicht die verheissung, wie es etliche fur einen verzug achten, Sondern er hat gedult mit vns, Vnd wil nicht, das jemand verloren werde, sondern das sich jederman zur Busse kere. [10]Es wird aber des HErrn tag komen, als ein Dieb in der nacht, in welchem die Himel zergehen werden, mit grossem krachen, die Element aber werden fur hitze schmeltzen, vnd die Erde vnd die werck die drinnen sind, werden verbrennen.
[11]SO nu das alles sol zergehen, wie solt jr denn geschickt sein, mit heiligem wandel vnd gottseligem wesen? [12]das jr wartet vnd eilet zu der zukunfft des tages des HErrn, in welchem die Himel vom fewr zurgehen vnd die Element fur hitze zerschmeltzen werden. [13]Wir warten aber eines newen Himels, vnd einer newen Erden, nach seiner Verheissung, in welchen Gerechtigkeit wonet.
[14]Darumb, meine lieben, die weil jr darauff warten sollet, so thut vleis das jr fur jm vnbefleckt vnd vnstrefflich im Friede erfunden werdet.
[15]Vnd die gedult vnsers HErrn, achtet fur ewer seligkeit. Paulus. Als auch vnser lieber bruder Paulus, nach der weisheit, die jm gegeben ist, euch geschrieben hat, [16]wie er auch in allen Brieuen dauon redet. Jn welchen sind etliche ding schweer zuuerstehen, welche verwirren die Vngelerigen vnd Leichtfertigen, wie auch die andern Schrifften, zu jrem eigen verdamnis.
[17]JR aber, meine Lieben, weil jr das zuuor wisset, so verwaret euch, das jr nicht durch jrthum der ruchlosen Leute, sampt jnen verfueret werdet, vnd entfallet aus ewer eigen Festung, [18]wachset aber in der gnade vnd erkentnis vnsers HErrn vnd Heilands Jhesu Christi. Demselbigen sey Ehre, nu vnd zu ewigen zeiten, Amen.
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Lesen Sie denselben Text (2. Petrus) in der Lutherbibel von 1522.

