Lutherbibel/2. Timotheus (1546)

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Vorrede auff die II. Epistel S. Pauli: An Timotheum.

Djese Epistel ist ein Letze brieff, darin S. Paulus Timotheum ermanet, das es fort fare, wie er angefangen habe, das Euangelium zu treiben. Das auch wol not ist, sintemal viel sind die abfallen, Dazu falsche Geister vnd Lerer sich allenthalben erregen, darumb einem Bischoue zustehet, jmer zu wachen vnd erbeiten an dem Euangelio.

JN sonderheit aber verkuendiget er im iij. vnd iiij. Cap. die ferliche zeit, am ende der Welt, darinne das falsche geistliche Leben alle Welt verfueren sol, mit eusserlichem schein, darunter allerley bosheit vnd vntugent jr wesen habe. Wie wir leider jtzt sehen an vnsern Geistlichen diese Prophecey S. Pauli allzu reichlich erfuellet werden.


[Bearbeiten] Die II. Epistel S. Pauli an Timotheum.

[Bearbeiten] I.

[1]Paulus ein Apostel Jhesu Christi, durch den willen Gottes, nach der Verheissung des lebens, in Christo Jhesu.

[2]Meinem lieben son Timotheo.

Gnade, barmhertzigkeit, friede von Gott dem Vater, vnd Christo Jhesu vnserm HErrn.

[3]Jch dancke Gott, dem ich diene von meinen voreltern her, in reinem Gewissen, das ich on vnterlas dein gedencke in meinem gebet, tag vnd nacht, [4]vnd mich verlanget dich zu sehen (wenn ich dencke an deine threnen) auff das ich mit freuden erfuellet wuerde, [5]Vnd erinnere mich des vngeferbten glaubens in dir, welcher zuuor gewonet hat in deiner grosmutter Loide, vnd in deiner mutter Eunike, Bin aber gewis, das auch in dir.

[6]VMb welcher sache willen ich dich erinnere, Das du erweckest die gabe Gottes, die in dir ist, durch die aufflegung meiner hende. [7]Denn Gott hat vns nicht gegeben den Geist der furcht, sondern der krafft vnd der liebe vnd der zucht. [8]Darumb so scheme dich nicht des zeugnis vnsers HErrn, noch meiner, der ich sein Gebundener bin, Sondern leide dich mit dem Euangelio, wie ich, nach der krafft Gottes, [9]der vns hat selig gemacht, vnd beruffen mit einem heiligen Ruff, Nicht nach vnsern wercken, sondern nach seinem Fursatz vnd gnade, die vns gegeben ist in Christo Jhesu, vor der zeit der welt, [10]Jtzt aber offenbart durch die erscheinung vnsers Heilandes Jhesu Christi, der dem Tod die macht hat genomen, vnd das Leben vnd ein vnuergenglich wesen ans Liecht bracht, durch das Euangelium, [11]zu welchem ich gesetzt bin ein Prediger vnd Apostel vnd Lerer der Heiden, [12]Vmb welcher sache willen ich solches leide, Aber ich scheme michs nicht. Denn ich weis, an welchen ich gleube, vnd bin gewis, das er kan mir meine Beylage bewaren, bis an jenen tag.

[13]Halt an dem Furbilde der heilsamen wort, die du von mir gehort hast, vom glauben vnd von der liebe in Christo Jhesu. [14]Diesen guten Beylag beware durch den heiligen Geist, der in vns wonet.

Phygel Hermo Onesiphorus. [15]Das weissestu, das sich verkert haben von mir alle die in Asia sind, vnter welchen ist Phygellus vnd Hermogenes. [16]Der HErr gebe barmhertzigkeit, dem hause Onesiphori, denn er hat mich offt erquicket, Vnd hat sich meiner Ketten nicht geschemet, [17]sondern da er zu Rom war, suchte er mich auffs vleissigst, vnd fand mich. [18]Der HErr gebe jm das er finde barmhertzigkeit bey dem HErrn, an jenem tage. Vnd wie viel er mir zu Epheso gedienet hat, weissestu am besten.

[Bearbeiten] II.

So sey nu starck, mein Son, durch die gnade in Christo Jhesu, [2]Vnd was du von mir gehoeret hast durch viel Zeugen, das befilh trewen Menschen, die da tuechtig sind auch andere zu leren. [3]Leide dich als ein guter Streiter Jhesu Christi. [4]Kein Kriegsman flicht sich in hendel der narung, Auff das er gefalle dem, der jn angenomen hat. [5]Vnd so jemand auch kempffet, wird er doch nicht gekroenet, er kempffe denn recht. [6]Es sol aber der Ackerman, der den acker bawet, der Fruechte am ersten geniessen. Mercke, was ich sage, [7]Der HErr aber wird dir in allen dingen verstand geben.

[8]Halt in gedechtnis Jhesum Christum, der aufferstanden ist von den Todten, aus dem samen Dauid, nach meinem Euangelio, [9]vber welchem ich mich leide, bis an die Bande, als ein Vbeltheter, Aber Gottes wort ist nicht gebunden. [10]Darumb dulde ichs alles vmb der Ausserweleten willen, auff das auch sie die seligkeit erlangen in Christo Jhesu, mit ewiger Herrligkeit.

[11]DAs ist je gewislich war, sterben wir mit, so werden wir mit leben, [12]Dulden wir, so werden wir mit herrschen, Verleugnen wir, so wird er vns auch verleugnen, [13]Gleuben wir nicht, so bleibet er trewe, Er kan sich selbs nicht leugnen. [14]Solchs erinnere sie, vnd bezeuge fur dem HErrn, Das sie nicht vmb wort zancken, welches nichts nuetze ist, denn zuuerkeren die da zuhoeren.

[15]Beuleissige dich Gotte zuerzeigen einen rechtschaffen vnd vnstrefflichen Erbeiter, der da recht teile das Wort der warheit. [16]Des vngeistlichen losen geschwetzs entschlahe dich, Denn es hilfft viel zum vngoettlichen wesen,

Hyme. Philet. [17]Vnd jr wort frisset vmb sich wie der Krebs, vnter welchen ist Hymeneus vnd Philetus, [18]Welche der Warheit gefeilet haben vnd sagen, Die aufferstehung sey schon geschehen, Vnd haben etlicher glauben verkeret.

[19]ABer der feste grund Gottes bestehet, vnd hat diesen siegel, Der HErr kennet die seinen, vnd es trette ab von vngerechtigkeit, wer den namen Christi a nennet. [20]Jn einem grossen Hause aber sind nicht allein gueldene vnd silberne gefesse, sondern auch hueltzerne vnd jrdische, Vnd etliche zu ehren, etliche aber zu vnehren. [21]So nu jemand sich reiniget von solchen Leuten, der wird ein geheiliget Fas sein, zu den ehren, dem Hausherrn breuchlich, vnd zu allem guten werck bereitet.

[22]Fleuch die lueste der jugent, Jage aber nach der gerechtigkeit, dem glauben, der liebe, dem friede, mit allen die den HErrn anruffen von reinem hertzen. [23]Aber der toerichten vnd b vnnuetzen Fragen entschlahe dich, Denn du weissest, das sie nur zanck geberen. [24]Ein Knecht aber des HErrn sol nicht zenckisch sein, sondern freundlich gegen jederman, lerhafftig, der die Boesen tragen kan mit sanfftmut, [25]vnd straffe die Widerspenstigen, ob jnen Gott der mal eins busse gebe, die Warheit zu erkennen, [26]vnd wider nuechtern wuerden aus des Teufels strick, von dem sie gefangen sind, zu seinem willen.

[Bearbeiten] III.

[1]Das soltu aber wissen, Das in den letzten tagen werden grewliche zeit komen. [2]Denn es werden Menschen sein, die von sich selbs halten, geitzig, rhumretig, hoffertig, lesterer, den Eltern vngehorsam, vndanckbar, vngeistlich, [3]stoerrig, vnuersoenlich, schender, vnkeusch, wilde, vnguetig, [4]verrheter, freueler, auffgeblasen, die mehr lieben wollust denn Gott, [5]die da haben den schein eines Gottseligen wesens, Aber seine krafft verleugnen sie, Vnd solche meide. [6]Aus denselbigen sind, die hin vnd her in die Heuser schleichen, vnd fueren die Weiblin gefangen, die mit suenden beladen sind, vnd mit mancherley luesten faren, [7]lernen jmerdar, vnd koennen nimer zur erkentnis der warheit komen.

Joannes; Jambres. [8]GLeicher weise aber, wie Jannes vnd Jambres Mosi widerstunden, Also widerstehen auch diese der warheit, Es sind Menschen von zuruetten sinnen,

vntuechtig zum glauben. [9]Aber sie werdens die lenge nicht treiben, Denn jre Torheit wird offenbar werden jderman, gleich wie auch jener war.

[10]Dv aber hast erfaren meine lere, meine weise, meine meinung, meinen glauben, meine langmut, meine liebe, meine gedult, [11]meine verfolgung, meine leiden, welche mir widerfaren sind zu Antiochia, zu Jconio, zu Lystran, welche verfolgung ich da ertrug, Vnd aus allen hat mich der HErr erloeset. [12]Vnd alle, die Gottselig leben wollen in Christo Jhesu, muessen verfolgung leiden. [13]Mit den boesen Menschen aber vnd verfuerischen, wirds je lenger je erger, verfueren vnd werden verfueret.

[14]DV aber, bleibe in dem das du gelernet hast, vnd dir vertrawet ist, Sintemal du weissest, von wem du gelernet habst. [15]Vnd weil du von kind auff die heilige Schrifft weissest, kan dich dieselbige vnterweisen zur seligkeit, durch den glauben an Christo Jhesu. [16]Denn alle Schrifft von Gott eingegeben, ist nuetz zur lere, zur straffe, zur besserung, zur zuechtigung in der gerechtigkeit, [17]das ein Mensch Gottes, sey volkomen, zu allem guten werck geschickt.

[Bearbeiten] IIII.

So bezeuge ich nu fur Gott vnd dem HErrn Jhesu Christo, der da zukuenfftig ist zu richten die Lebendigen vnd die Todten, mit seiner Erscheinung scheinung vnd mit seinem Reich, [2]Predige das wort, halt an, es sey zu rechter zeit, oder zur vnzeit, straffe, drawe, ermane, mit aller gedult vnd lere. [3]Denn es wird eine zeit sein, da sie die heilsame Lere nicht leiden werden, Sondern nach jren eigen Luesten werden sie jnen selbs Lerer auffladen, nach dem jnen die ohren juecken, [4]Vnd werden die ohren von der Warheit wenden, vnd sich zu den Fabeln keren. [5]Du aber sey nuechtern allenthalben, Leide dich, thu das werck eines Euangelischen Predigers, richte dein Ampt redlich aus.

[6]Denn ich werde schon geopffert, vnd die zeit meines abscheidens ist furhanden. [7]Jch hab einen guten Kampff gekempffet, ich hab den Lauff volendet, ich hab glauben gehalten. [8]Hinfurt ist mir beygelegt die Kron der gerechtigkeit, welche mir der HErr an jenem tage, der gerechte Richter, geben wird, Nicht mir aber allein, sondern auch allen die seine Erscheinung lieb haben.

Demas. Crescen. Titus. Lucas. Marcus. Tychi. [9]Vleissige dich, das du bald zu mir komest. [10]Denn Demas hat mich verlassen, vnd diese welt lieb gewonnen, vnd ist gen Thessalonich gezogen, Crescens in Galatian, Titus in Dalmatian, [11]Lucas ist allein bey mir. Marcum nim zu dir, vnd bringe jn mit dir, denn er ist mir nuetzlich zum Dienst. [12]Tychicum habe ich gen Ephesum gesand. [13]Den Mantel, den ich zu Troada lies bey Carpo, bringe mit, wenn du komest, vnd die Buecher, sonderlich aber das Pergamen. [14]Alexander der Schmid hat mir viel boeses beweiset, der HErr bezale jm nach seinen wercken, [15]Fur welchem huete dich auch, Denn er hat vnsern worten seer widerstanden.

[16]Jn meiner ersten Verantwortung stund niemand bey mir, Sondern sie verliessen mich alle, Es sey jnen nicht zugerechnet. [17]Der HErr aber stund mir bey, vnd stercket mich, Auff das durch mich die Predigt bestetigt wuerde, vnd alle Heiden hoereten, Vnd ich bin erloeset von des Lewens rachen. [18]Der HErr aber wird mich erloesen von allem Vbel, vnd aushelffen zu seinem himlischen Reich, welchem sey Ehre von ewigkeit zu ewigkeit, Amen.

Prisca. Aquila. Onesi. Erastus. Trophi. Eubul. Pudens. Linus. Claudia. [19]Gruesse Priscan vnd Aquilan, vnd das haus Onesiphori. [20]Erastus blieb zu Corintho. Trophimum aber lies ich zu Mileto kranck. [21]Thue vleis, das du vor dem winter komest. Es gruesset dich Eubulus vnd Pudens, vnd Linus vnd Claudia, vnd alle Brueder. [22]Der HErr Jhesus Christus sey mit deinem geiste. Die gnade sey mit euch, AMEN.

Geschrieben von Rom die ander Epistel an Timotheum, Da Paulus zum andern mal fur den Keiser Nero ward dargestellet.


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