Lutherbibel/Philipper (1546)

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Vorrede auff die Epistel S. Pauli: An die Philipper.

In dieser Epistel lobet vnd ermanet S. Paulus die Philipper, das sie bleiben vnd fort faren sollen im rechten Glauben, vnd zunemen, in der Liebe.

Dieweil aber dem Glauben allezeit schaden thun die falschen Apostel vnd Wercklerer, warnet er sie fur den selbigen. Vnd zeiget jnen an mancherley Prediger, etliche gute, etliche boese, auch sich selbs vnd seine juenger Timotheum vnd Epaphroditum. Das thut er im j. ij. Cap. JM iij. verwirfft er die glaublose vnd menschliche gerechtigkeit, so durch die falschen Apostel geleret vnd gehalten wird. Setzt sich selbs zum Exempel, der in solcher Gerechtigkeit herrlich gelebt habe, Vnd doch nu nichts dauon halte, vmb Christus gerechtigkeit willen, Denn jene machet nur den Bauch zum Gott, vnd Feinde des creutzes Christi.

JM iiij. Ermanet er sie zum Friede vnd guten eusserlichen wandel gegenander. Vnd dancket jnen fur jr Geschenck, das sie jm gesand haben.

[Bearbeiten] Die Epistel S. Pauli: an die Philipper.

[Bearbeiten] I.

Timotheus. [1]Paulus vnd Timotheus, knechte Jhesu Christi.

ALlen Heiligen in Christo Jhesu zu Philippen, sampt den Bischouen vnd Dienern.

[2]Gnade sey mit euch vnd Friede, von Gott vnserm Vater, vnd dem HErrn Jhesu Christo.

[3]Jch dancke meinem Gott, so offt ich ewer gedencke [4](welchs ich alle zeit thue, in alle meinem Gebet fur euch alle, vnd thu das gebet mit freuden) [5]vber ewer gemeinschafft am Euangelio), vom ersten tage an bis her, [6]Vnd bin desselbigen in guter zuuersicht, das, der in euch angefangen hat das gute werck, der wirds auch volfueren bis an den tag Jhesu Christi, [7]Wie es denn mir billich ist, das ich dermassen von euch allen halte, darumb das ich euch in meinem hertzen habe, in diesem meinem Gefengnis, darin ich das Euangelium verantworte vnd bekrefftige, als die jr alle mit mir der gnade teilhafftig seid.

[8]DEnn Gott ist mein zeuge, wie mich nach euch allen verlangt von hertzen grund in Jhesu Christo. [9]Vnd daselbs vmb bete ich, das ewre Liebe je mehr vnd mehr reich werde, in allerley Erkentnis vnd Erfarung, [10]das jr pruefen mueget, was das beste sey, Auff das jr seid lauter vnd vnanstoessig bis auff den tag Christi, [11]erfuellet mit Fruechten der gerechtigkeit, die durch Jhesum Christum geschehen (in euch) zu ehre vnd lobe Gottes.

[12]Jch lasse euch aber wissen, lieben Brueder, das, wie es vmb mich stehet, das ist nur mehr zur forderung des Euangelij geraten, [13]also, das meine Band offenbar worden sind in Christo, in dem gantzen Richthaufe, vnd bey den andern allen, [14]vnd viel Brueder in dem HErrn, aus meinen Banden zuersicht

gewonnen, deste duerstiger worden sind, das wort zu reden on schew. [15]Etliche zwar predigen Christum, auch vmb hass vnd haders willen, Etliche aber aus guter meinung. [16]Jene verkuendigen Christum aus zanck vnd nicht lauter, Denn sie meinen, sie wollen ein truebsal zuwenden meinen banden, [17]Diese aber aus liebe, denn sie wissen, das ich zur verantwortung des Euangelij hie liege.

[18]WAs ist jm aber denn? das nur Christus verkuendiget werde allerley weise, es geschehe zufallens, oder rechter weise, so frewe ich mich doch darinne, vnd wil mich auch frewen. [19]Denn ich weis, das mir dasselbige gelinget zur seligkeit, durch ewer gebet, vnd durch handreichung des geistes Jhesu Christi, [20]Wie ich endlich warte vnd hoffe, das ich in keinerley stueck zu schanden werde, sondern das mit aller freidigkeit, gleich wie sonst allezeit, also auch jtzt, Christus hoch gepreiset werde an meinem Leibe, es sey durch leben oder durch tod, [21]Denn Christus ist mein Leben, vnd sterben ist mein gewin.

[22]SJntemal aber im Fleisch leben, dienet mehr frucht zuschaffen, so weis ich nicht, welchs ich erwelen sol. [23]Denn es ligt mir beides hart an, Jch habe lust abzuscheiden, vnd bey Christo zu sein, welchs auch viel besser were, [24]Aber es ist noetlicher im Fleisch bleiben, vmb ewren willen. [25]Vnd in guter zuuersicht weis ich, das ich bleiben vnd bey euch allen sein werde, euch zur forderung vnd zur freude des glaubens, [26]Auff das jr euch seer rhuemen moeget, in Christo Jhesu, an mir, durch meine zukunfft wider zu euch.

[27]WAndelt nur wirdiglich dem Euangelio Christi, auff das, ob ich kome vnd sehe euch, oder abwesend von euch hoere, das jr stehet in einem Geist vnd einer Seele, vnd sampt vns kempffet fur den glauben des Euangelij. [28]Vnd euch in keinem weg erschrecken lasset von den Widersachern, welchs ist ein anzeigen jnen der Verdamnis, Euch aber der seligkeit, vnd dasselbige von Gott. [29]Denn euch ist gegeben, vmb Christus willen, zu thun, das jr nicht allein an jn gleubet, sondern auch vmb seinen willen leidet, [30]Vnd habet den selbigen Kampff, welchen jr an mir gesehen habt, vnd nu von mir hoeret.

[Bearbeiten] II.

Jst nu bey euch ermanung in Christo, ist trost der liebe, ist gemeinschafft des geistes, ist hertzliche liebe vnd barmhertzigkeit, [2]so erfuellet meine freude, das jr eines sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmuetig vnd einhellig seid, [3]Nichts thut durch zanck oder eitel ehre, sondern durch demut achtet euch vntereinander einer den andern hoeher, denn sich selbs, [4]Vnd ein jglicher sehe nicht auff das seine, sondern auff das des andern ist.

[5]EJn jglicher sey gesinnet, wie Jhesus Christus auch war, [6]welcher, ob er wol in goettlicher gestalt war, hielt ers nicht fur einen raub, Gotte gleich sein, [7]Sondern eussert sich selbs, vnd nam Knechts gestalt an, ward gleich wie ein ander Mensch, vnd an geberden als ein Mensch erfunden, [8]Ernidriget sich selbs, vnd ward gehorsam bis zum tode, ja zum tode am Creutz. [9]Darumb hat jn auch Gott erhoehet, vnd hat jm einen Namen gegeben, der vber alle namen ist, [10]Das in dem namen Jhesu sich beugen sollen, alle der knie, die im Himel vnd auff erden vnd vnter der erden sind, [11]vnd alle Zungen bekennen sollen, das Jhesus Christus der HErr sey, zur ehre Gottes des Vaters.

[12]Also meine Liebesten, wie jr alle zeit seid gehorsam gewesen, nicht allein in meiner gegenwertigkeit, sondern auch nu viel mehr in meinem abwesen, schaffet, das jr selig werdet mit furcht vnd zittern. [13]Denn Gott ists, der in euch wircket, beide das wollen vnd das volbringen, das etwas geschehe, das jm wol gefellig ist.

[14]THut alles on murmelung vnd on zweiuel, [15]Auff das jr seid on taddel, vnd lauter, vnd Gottes kinder, vnstrefflich, mitten vnter dem vnschlachtigem vnd verkereten Geschlecht, Vnter welchem jr scheinet als Liechter in der welt, [16]damit, das jr haltet ob dem wort des Lebens, mir zu einem rhum an dem tage Christi, als der ich nicht vergeblich gelauffen noch vergeblich geerbeitet habe. [17]Vnd ob ich geopffert werde, vber dem opffer vnd Gottes dienst ewers glaubens, so frewe ich mich, vnd frewe mich mit euch allen. [18]Desselbigen solt jr euch auch frewen, vnd solt euch mit mir frewen.

Timotheus. [19]Jch hoffe aber in dem HERRN Jesu, das ich Timotheum balde werde zu euch senden, das ich auch erquicket werde, wenn ich erfare, wie es vmb euch stehet. [20]Denn ich habe keinen, der so gar meines sinnes sey, der so hertzlich fur euch sorget. [21]Denn sie suchen alle das jre, nicht das Christi Jhesu ist. [22]Jr aber wisset, das er rechtschaffen ist, denn wie ein Kind dem Vater, hat er mit mir gedienet am Euangelio. [23]Denselbigen hoffe ich, werde ich senden von stund an, wenn ich erfaren habe, wie es vmb mich stehet, [24]Jch vertrawe aber in dem HErrn, das auch ich selbs schier komen werde.

Epaphroditus. [25]Jch habs aber fur noetig angesehen, den bruder Epaphroditum zu euch zu senden, der mein gehuelffe vnd mitstreiter, vnd ewer Apostel, vnd meiner notdurfft diener ist. [26]Sintemal er nach euch allen verlangen hatte, vnd war hoch bekuemmert, darumb das jr gehoeret hattet, das er kranck war gewesen. [27]Vnd er war zwar todkranck, aber Gott hat sich vber jn erbarmet, Nicht allein vber jn, sondern auch vber mich, Auff das ich nicht eine trawrigkeit vber die ander hette.

[28]Jch habe jn aber deste eilender gesand, Auff das jr jn sehet, vnd wider froelich werdet, vnd ich auch der trawrigkeit weniger habe. [29]So nemet jn nu auff jn dem HErrn, mit allen freuden. Vnd habt solche in ehren, [30]Denn vmb des wercks Christi willen, ist er dem Tode so nahe komen, da er sein Leben geringe bedachte, auff das er mir dienete an ewer stat.

[Bearbeiten] III.

Weiter, lieben Brueder frewet euch in dem HErrn. Das ich euch jmer einerley schreibe, verdreust mich nicht, vnd macht euch deste gewisser. [2]Sehet auff die Hunde, sehet auff die boesen Erbeiter, sehet auff die Zurschneitung, [3]Denn wir sind die Beschneitung, die wir Gotte im geist dienen, vnd rhuemen vns von Christo Jhesu, vnd verlassen vns nicht auff Fleisch, [4]wiewol ich auch habe, das ich mich Fleisches rhuemen moechte. So ein ander sich duencken lesset, er moege sich Fleisches rhuemen, ich viel mehr, [5]Der ich am achten tag beschnitten bin, einer ans dem volck von Jsrael, des geschlechts Ben Jamin, ein Ebreer aus den Ebreern, vnd nach dem Gesetz ein Phariseer, [6]nach dem eiuer ein Verfolger der Gemeine, nach der gerechtigkeit im Gesetz gewesen vnstrefflich.

[7]ABer was mir gewin war, das hab ich, vmb Christus willen fur Schaden geachtet. [8]Denn ich achte es alles fur Schaden, gegen der vberschwenglichen

erkentnis Christi Jhesu meins HErrn, Vmb welches willen ich alles habe fur Schaden gerechnet vnd acht es fur Dreck, auff das ich Christum gewinne, [9]vnd in jm erfunden werde, das ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz, sondern die durch den glauben an Christo kompt, nemlich, die Gerechtigkeit, die von Gott dem glauben zugerechnet wird, [10]zu erkennen Jn, vnd die krafft seiner Aufferstehung, vnd die gemeinschafft seiner Leiden, das ich seinem. Tode ehnlich werde, [11]da mit ich entgegen kome, zur aufferstehung der Todten.

[12]NJcht das ichs schon ergriffen habe, oder schon volkomen sey, Jch jage jm aber nach, ob ichs auch ergreiffen moechte, nach dem ich von Christo Jhesu ergriffen bin. [13]Meine Brueder, jch schetze mich selbs noch nicht, das ichs ergriffen habe. Eines aber sage ich, jch vergesse was da hinden ist, vnd strecke mich zu dem, das da fornen ist, [14]vnd jage nach dem furgesteckten ziel, nach dem Kleinod, welches furhelt die himlische beruffunge Gottes in Christo Jhesu. [15]Wie viel nu vnser volkomen sind, die lasset vns also gesinnet sein, vnd solt jr sonst etwas halten, das lasset euch Gott offenbaren. [16]Doch so ferne, das wir nach einer Regel, dar ein wir komen sind, wandeln, vnd gleich gesinnet sein.

[17]Folget mir, lieben Brueder, vnd sehet auff die, die also wandeln, wie jr vns habt zum Furbilde. [18]Denn viel wandeln, von welchen ich euch offt gesagt habe, nu aber sage ich auch mit weinen, die Feinde des creutzes Christi, [19]welcher Ende ist das verdamnis, welchen der Bauch jr Gott ist, vnd jre Ehre zu schanden wird, Dere, die jrdisch gesinnet sind. [20]Vnser wandel aber ist im Himel, von dannen wir auch warten des Heilands Jhesu Christi des HErrn, [21]welcher vnsern nichtigen Leib verkleren wird, das er ehnlich werde seinem verklereten Leibe, Nach der wirckunge, da er mit kan auch alle ding jm vnterthenig machen.

[Bearbeiten] IIII.

Also, meine lieben vnd gewuendschte Brueder, meine Freude vnd meine Krone, bestehet also in dem HErrn, jr lieben. [2]Die Euodian ermane ich, vnd die Syntichen ermane ich, das sie eines sinnes seien in dem HErrn. [3]Ja ich bitte auch dich, mein trewer Geselle, stehe jnen bey, die sampt mir vber dem Euangelio gekempffet haben, mit Clemen vnd den andern meinen Gehuelffen, welcher namen sind in dem Buch des lebens.

[4]Frewet euch in dem HERRn alwege, vnd abermal, sage ich, frewet euch. [5]Ewer lindigkeit lasset kund sein allen Menschen. Der HErr ist nahe. [6]Sorget nichts, sondern in allen dingen lasset ewer Bitte im Gebet vnd Flehen, mit Dancksagung fur Gott kund werden. [7]Vnd der friede Gottes, welcher hoeher ist, denn alle vernunfft, beware ewre hertzen vnd sinne in Christo Jhesu.

[8]Weiter, lieben Brueder, was warhafftig ist, was erbar, was gerecht, was keusch, was lieblich, was wol lautet, Jst etwa eine tugent, ist etwa ein lob, dem dencket nach, [9]welchs jr auch gelernet vnd empfangen vnd gehoeret vnd gesehen habt an mir, das thut, So wird der HErr des Friedes mit euch sein.

[10]Jch bin aber hoechlich erfrewet, in dem HErrn, das jr wider wacker worden seid, fur mich zu sorgen, wiewol jr allweg gesorget habt, Aber die zeit hats nicht wollen leiden. [11]Nicht sage ich das des mangels halben, Denn ich habe gelernet, bey welchen ich bin, mir genuegen lassen. [12]Jch kan nidrig sein, vnd kan hoch sein, Jch bin in allen dingen vnd bey allen geschickt, beide sat sein vnd hungern, beide vberig haben vnd mangel leiden. [13]Jch vermag alles, durch den, der mich mechtig macht, Christus. [14]Doch jr habt wolgethan, das jr euch meines truebsals angenomen habt.

[15]JR aber von Philippen wisset, das von anfang des Euangelij, da ich auszoch aus Macedonia, keine Gemeine mit mir geteilet hat, nach der rechnung der ausgab vnd einnam, denn jr alleine. [16]Denn gen Thessalonich sandtet jr zu meiner Notdurfft, ein mal, vnd darnach aber einmal. [17]Nicht das ich das Geschenck suche, sondern ich suche die Frucht, das sie vberfluessig in ewer rechnung sey, [18]Denn ich habe alles vnd habe vberfluessig. Jch bin erfuellet, da ich empfieng durch Epaphroditum, das von euch kam ein suesser geruch, ein angenem opffer, Gotte gefellig. [19]Mein Gott aber erfuelle alle ewre Notdurfft, nach seinem Reichtumb, in der herrligkeit in Christo Jhesu.

[20]Dem Gott aber vnd vnserm Vater, sey Ehre von ewigkeit zu ewigkeit, Amen. [21]Grüsset alle Heiligen in Christo Jhesu. Es gruessen euch die Brueder, die bey mir sind. [22]Es gruessen euch alle Heiligen, sonderlich aber die von des Keisers hause. [23]Die gnade vnsers HERRN Jhesu Christi sey mit euch allen. Amen.

Geschrieben von Rom, durch Epaphroditum.



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