Maiengruß an den Redakteur

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Textdaten
Autor: Joachim Ringelnatz
Titel: Maiengruß an den Redakteur
Untertitel:
aus: Allerdings, S. 56-57
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1928
Verlag: Ernst Rowohlt Verlag
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Erscheinungsort: Berlin
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Originalherkunft:
Quelle: Digitale Drucke der Uni Bielefeld
Kurzbeschreibung:
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[56] MAIENGRUSS AN DEN REDAKTEUR

Frühlingszartes Wohlbehagen
Schwellt erfrorne Poesie.
Maiberauscht im Speisewagen
Ballt sich etwas wie Genie.

5
Weil Berlin voraus in Sicht ist,

Und die Sonne mich bestrahlt.
Und je länger ein Gedicht ist,
Desto besser wird's bezahlt.

Darum: Hundertzweiundneunzig

10
Tausend und fünfhundertzwei

Oder noch mehr Leute freun sich.
Denn der Winter ist vorbei.

Elf Millionen zweimal hundert
Tausend siebenhundertzehn

15
Menschen sind etwas verwundert,

Weil kein Maikäfer zu sehn.

Sechs Billionen zwölf Milliarden –
Schätzungsweise – fragen sich:
Wo steckt Maximilian Harden.

20
Nun, verflucht, was kümmert's mich.


[57] Vier Trillionen neun Billionen
Zirka Siebenhundertelf
Milliarden fünf Millionen
Achtzehntausend hundertzwölf – –

25
Und ich könnte das erweitern

Bis in die Unendlichkeit,
Doch ein Dichter tritt den heitern
Frühlingszarten Mai nicht breit.

Sondern trinkt, sich selbst beschränkend,

30
Maienbowle, Maienkraut,

Seines Redakteurs gedenkend,
Dem er voll und ganz vertraut.

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