Melpomene/Band 1/006 Bei dem Grabe des hochwürdigen gnädigen Herrn Nikolaus Betscher, des letzten würdigen Prälaten des ehmaligen Klosters Münchroth

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Autor: Michael von Jung
Titel: Melpomene oder Grablieder
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Erscheinungsdatum: 1839
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Erscheinungsort: Ottobeuren
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Quelle: Erstausgabe, Ottobeuren 1839, Band 1, S. 29–31
Kurzbeschreibung: Sammlung von Grabliedern
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6. Bei dem Grabe des hochwürdigen gnädigen Herrn Nikolaus Betscher, des letzten würdigen Prälaten des ehmaligen Klosters Münchroth.

Melod. III. XVIII.

1. Ach endlich ist es ihm gelungen,
Des Menschenlebens größtem Feind,
Und endlich hat er ausgerungen,
Im Todeskampf, der beßte Freund!
Schon hat sein letzter Puls geschlagen,
O Brüder! weint ein Thränenmeer,
Und stimmet ein in unsre Klagen:
Ach unser Freund! er ist nicht mehr.

2. Wie trug er nicht der Krankheit Schmerzen
Mit gänzlicher Ergebenheit!
Wie war er nicht mit Ruh im Herzen
Zum Sterben willig und bereit!
Doch ach! für uns ist er verloren,
Denn wer ersetzt ihn, saget, wer?
Daher ertönt in Aller Ohren:
Ach unser Freund! er ist nicht mehr.

3. Mit welcher Seligkeit erfüllte
Sein Instrument oft unser Herz!
[30] Mit süssen Harmonien stillte
Er aller Leiden bittern Schmerz;
Nun aber schweigen seine Saiten
Vor unserm lauschenden Gehör,
Nur sanfte Schwingungen begleiten
Den Klageton: er ist nicht mehr.

4. Er war ein Vater wahrer Armen,
Des Blinden Aug, des Tauben Ohr,
Und stand voll Mitleid und Erbarmen
Den Wittwen und den Waisen vor;
Und nun, wer wird sie künftig nähren?
Wer geben ihrem Fleh’n Gehör?
Vergebens fliessen ihre Zähren,
Denn ach! ihr Vater ist nicht mehr.

5. Er stillte fremde Seelenschmerzen,
Bemühte sich, ihr Trost zu seyn,
Und flößte kummervollen Herzen
Vertrauen auf die Vorsicht ein;
Nun werden sie sein Grab umschlingen,
Und suchen seine weise Lehr,
Verzweiflungvoll die Hände ringen,
Denn ach ihr Trost! er ist nicht mehr.

6. Er both sein treues Herz dem Bunde
Der Freundschaft in der Liebe dar,
Und Weisheit floß von seinem Munde,
Wenn er in unsrer Mitte war;
Er würde freundlich uns noch sagen:
Vergesset nicht die weise Lehr;
Bald wird auch eure Stunde schlagen,
Bald Freunde! seydt auch ihr nicht mehr.
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7. O laßt uns also seine Lehren,
Und seine Tugend heilig seyn,
Wie er, des Höchsten Ruhm vermehren,
Und uns der Menschenliebe weih’n;
Dann werden wir zu ihm erhoben
Mit ihm besingen Gottes Ehr,
Und ewig seine Güte loben,
Und selig seyn im Geisterheer.

Kommentar

Mit dem „Kloster Münchroth“ ist die Prämonstratenser-Reichsabtei Rot an der Rot gemeint. Nikolaus Betscher (1745–1811) war bis zur Säkularisation 1803 der letzte Abt dieses Klosters, danach lebte er bis zu seinem Tod als Pensionär in Rot an der Rot. Er machte sich auch als Komponist von Chor- und Instrumentalmusik einen Namen.