Mondschwindel, Correspondenz 2
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WS: Zum Mondschwindel erschienen in der Sundine auch zwei Leserbriefe, die den Wahrheitsgehalt der Erzählungen in Frage stellen.
[Bearbeiten] Correspondenz
Ja, man muß sagen, lieber Vetter, der oder die Verfasser der neuesten Berichte - von denen wir doch wissen, daß sie erlogen sind - haben sich auf ihre Sache recht gut verstanden. Denn sieh, wie z. B. die Relationen des D. Grant auch nicht im Mindesten merken lassen, daß sie aus der Phantasie wären, so klingen sie auch gerade so, als ob sie von der Hand eines Engländers wären. In der That, lies't man jene Phrasen, welche uns den wunderbaren Tempel recommandiren sollen, nämlich: "Es war ein Tempel - sey es nun ein Tempel für Andacht oder Wissenschaft, falls er aber dem Schöpfer geheiligt ist, Andacht der erhabensten Art ausdrückend, denn er zeigt seine Attribute gänzlich frei von dem Maskerandenschmucke und der blasphemirenden Mißbildung streitender Glaubensbekenntnisse, und trägt das Siegel und den Stempel von seiner eignen Hand, um seine (?) Bestrebungen zu heiligen." - Lies't man, sage ich, diese Phrasen, so weiß man kaum, ob man die einzelnen Wörter - unterstreichen soll, weil sie klingen, als ob sie aus de Englischen übersetzt wären, oder das Ganze - weil es so naturkindisch nationell ist, daß man darauf schwören sollte, nur ein Engländer - oder höchstens ein Franzose - könne diesen klar gezapften, erbaulich gepfropften und speculativ etikettirten Unsinn geschrieben haben. Und hätten wir uns einmal in den Glauben gefangen gegeben, die Berichte seyen wirklich übers Meer zu uns gekommen, dann müßten wir nach diesem A am Ende auch B sagen; denn wie einer in England hätte hoffen können, mit einer Lüge Fortüne zu machen, welcher die Mittel einer augenblicklichen Entlarvung im eignen Hause hätte - das, Vetter, könnten wir Beide nicht begreifen. - Ja auch der Kerl, welcher den Einsender in das philosophical magazine spielt, gebärdet sich in seinen Worten gerade so, wie ein Engländer: "der unsterbliche Denker" (Herschel) und "beide Philosophen" (Herschel und Brewster) Sie - rein, als wenn er englisch spräche! Denn die Engländer reden bekanntlich so und sie halten z. B. Spinoza für zwei Philosophen, 1) weil er ein Brillenschleifer und 2) weil er ein Grübler war. - Aber wir lassen uns nichts aufbinden: wir wissen recht gut, was wir von unserem Einsender zu halten haben. Und wenn er auch nicht bloß in seinen Worten, sondern auch in den Gedanken, womit er den Ausdruck seiner durch die erstaunliche Kunde erweckten Empfindungen begleitet, ungefähr ebenso naturkindisch nationell thut, wie in der Person des angeblichen Augenzeugen, des D. Grant, von dem er sich im Laufe der Erzählung bloß wie der Dilettant von dem Gelehrten unterscheidet - so ist das doch Alles nur Augenverblendung. Ja, wir lassen uns auch dadurch nicht fangen, daß wir die Vorstellung, welche wir und gleich beim Eingange seiner Verkündigungen von seiner Person machen mußten, bis in die entlegensten Parthien seiner nachfolgenden frohlockenden Erzählung unverändert beibehalten durften - ja bis in die Stelle hinein, wo sein Entzücken erst recht echt kindisch ist, nämlich dort, wo er in der Unterhaltung zwischen Sir John und zwischen Sir David Brewster, diesen verehrungswürdigen Mann in begeisterter Überzeugung vom Stuhle auffahren und hoch bis fast an die Zimmerdecke springen läßt. Und kann es, wenn wir dem Einsender von Anfang an bis zu dieser Stelle hin aufmerksam zu- und ihm seine Schwachheit abgehört haben, unserer Menschenkenntniß gar nicht in den Sinn kommen, daß er es nicht sehr ernstlich meine - ja, regt sich auch in der ganzen Erzählung der Schalk nirgends als bloß in uns selbst, nämlich über die Figur des Einsenders, weil er ein wenig Witz, aber ein recht kindliches Gemüth zu haben scheint, - so lassen wir uns durch diesen kindlichen Mangel an Witz doch gar nicht übertölpeln, sondern sagen: das ist eben der Witz! Ja - und was wollte der Kerl keinen Witz haben? Hat er nicht auch die Empfindungen, die der vor unseren Augen plötzlich weggezogene Schleier in jeder Menschenbrust erwecken mußte - sehr richtig getroffen? Sind es nicht die nothwendigen? Und ist's nicht, als ob man die Wirklichkeit der Kunde durchklingen hörte? als wenn er jene Empfindungen sich nicht erweckt hätte, sondern als wenn sie in ihm erweckt - wären? Aber der Kerl will uns bloß in Verlegenheit setzen. Wir sollen sagen: sind wir betrogen, nun - so ist der angebliche Einsender wenigstens kein Betrüger, sondern mit betrogen! Und wenn wir dann daran gehen, uns die Entstehung des Büchleins zu erklären, dann soll uns so confus werden, daß wir lieber an Alles glauben, als noch länger die Noth aushalten, sagen zu müssen, wie das Büchlein denn entstanden ist. Ja, Vetter, der Kerl ist ein - Schelm! Und der Studirte von gestern - mag sagen, was er will! Was sagte er doch noch, Vetter? Er sagte: "Alles, was der innern Welt des Menschen und seinen Verhältnissen in der Menschenwelt angehört, mag die Phantasie schaffen ohne eigne Erlebung. Aber für ein Ereigniß außer diesem Kreise ahndet sie nur die Empfindung, und ergreift sie erst zum Aussprechen, wenn sie Erfahrung geworden ist. Solcher Art ist die Empfindung, welche sich am Eingange des Berichtes ausspricht." - Komm Vetter - der Studirte ist nicht klug, und wenn die Sache erst richtig ist, wollen wir ihn tüchtig auslachen!
P. S. In den Froriepschen "Notizen aus der Natur- und Heilkunde" wird vor einem Artikel in der New-Yorker Zeitung The Sun, welcher den Nordamerikanern sehr seltsame Entdeckungen am Monde aufheften wolle, ausdrücklich gewarnt; und soll darin auch stehen, daß sich in dem philosophical magazine Nr. 36. nichts Entsprechendes finde. - Nun Vetter, so freu - Aber, mein Gott, Vetter, wir wollten ja den Studirten recht tüchtig auslachen, und nun - siehst Du ja aus, als ob Du auf dem letzten Loche pfiffest!.
