Mondschwindel, Teil 2
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[Bearbeiten] Sir John Herschel's neue höchst merkwürdige Entdeckungen in der Mondwelt[1]
Herr Holmes erklärte indessen einige weiße Gegenstände von rundlicher Form, die wir in einiger Entfernung im Innern einer Höhle erblickten, bona fide für Sorten von großen Ammonshörnern; mir aber schienen es ediglich große Kieselstücke, welche durch die Fluth dorthin gewälzt seyn mochten. Unsere Jagd auf lebende Wesen sollte für dasmal noch nicht belohnt werden. Nachdem diese genaue Beobachtung fast zwei Stunden gedauert hatte, während welcher Zeit wir über eine weite Fläche von ödem und, dem Anscheine nach, vulcanischem Charakter gekommen waren, auch nur wenige Spuren von Vegetation, mit Ausnahme einer Art von Moos, die aller Orten in großem Überflusse wuchs, bemerkt hatten, machte D. Herschel den Vorschlag, alle unsere Linsengläser herauszunehmen, den Vorübergang des Panorama's zu beschleunigen, und einige der den Astronomen bekannten Hauptthäler zu durchmustern, - welches die wahrscheinlichste und sicherste Methode sey, die Beobachtungen dieser ersten Nacht durch Entdeckung lebender Wesen zu belohnen. Die Linsen wurden weggenommen, und der Glanz unseres über alle Maßen herrlichen Reflektors blieb unvermindert; wir fanden, in Übereinstimmung mit unseren Berechnungen, daß unser Gesichtsfeld jetzt etwa 20 □ Meilen von der Oberfläche des Mondes faßte, und zwar hinsichtlich der Darstellung sowohl der Umrisse, als der Einzelheiten in einer solchen Deutlichkeit, wie sie bei Gegenständen auf der Erde, in einer Entfernung von 2 1/2 englischen Meilen erreicht werden kann. Durch diese Einrichtung erhielten wir so schöne Landschaftsansichten, wie wir sie bisher noch nicht gehabt hatten, und obgleich die beschleunigte Bewegung beinahe zu groß war, so entzückte uns dennoch die Anschauung im höchsten Grade. Eine Anzahl jener bekannten, merkwürdigen Thäler, durch hohe Berge von so vollkommen konischer Form, daß man sie mehr für Werke der Kunst, als für die der Natur halten möchte, begränzt, zogen über die Leinwand, ehe wir Zeit hatten, ihren Flug zu ermäßigen. Gleich darauf aber erschienen so ganz und gar neue Bildungen, daß D. Herschel befahl, die Bewegung so viel als nur irgend möglich zu mindern. Es war eine hohe Kette obeliskförmiger Gruppen standen. Jede von ihnen bestand auf 30 bis 40 vollkommen viereckigen Säulen, welche genau so geformt waren, als die schönsten Waliser Krystallarten, von zarter Lillafarbe und sehr glänzend. Ich glaubte ganz gewiß, daß wir nunmehr auf Gegenstände der Kunst gestoßen wären, aber Herr D. Herschel bemerkte schlau, daß, wenn die Mondbewohner 30 bis 40 Meilen lange Strecken mit Monumenten wie diese bebauen könnten, wir unfehlbar schon früher andere von weniger zweideutigem Charakter entdeckt haben würden. Er nannte diese Gebilde Quarzformationen, von der rothweinfarbigen Amethystgattung, und versprach uns, nach diesen und anderen Beweisen, die wir von der Macht der Krystallisation auf diesem Trabanten erhalten hatten, ein reiches Feld für mineralogische Studien. Wir setzten eine Linse ein und fanden seine Vermuthung vollkommen bestätigt. Es waren ungeheure Amethysten, wie verdünnter Rothwein von Farbe, und glühend im brennendsten Sonnenlichte. Ihre Höhe variirte zwischen 60 und 90 Fuß, doch sahen wir auch einige von viel beträchtlicherer, fast unglaublicher Größe. Sie befanden sich in einer Reihe von Thälern, die der Länge nach von rundlichen, mit Grün bedeckten, schönen, wellenförmigen Hügeln von einander geschieden waren. Aber was am bemerkenswerthesten ist, die Thäler, welche diese erstaunlichen Krystalle enthielten, waren durchgängig unfruchtbar und mit rostfarbenen Steinen, wahrscheinlich eisenartigem Schwefelkiese (iron pyrites) bedeckt. Wir fanden, daß diese Seltenheiten sich in einer, etwa eine halbe Meile oberhalb der unter dem Namen Mare foecunditatis (nach Mayer und Riccioli) bekannten Vertiefung, dernen Rand wir eben im Gesicht gehabt hatten, belegenen Gegend befanden. - Niemals aber wurde wohl ein unpassenderer Name gegeben, als dieser. Von "`Dan bis Bersaba"' war Alles öde, öde! Das Seeufer bestand ganz aus Kalk und Feuerstein, und keine Spur der geringsten Vegetation ließ sich durch unsere schärfsten Gläser entdecken. Nachdem die ganze Strecke des äußern Randes dieses See's, die ungefähr 300 Meilen betragen mochte, über unser Gesichtsfeld gegangen war, gelangten wir an eine wilde gebirgige Gegend mit ausgedehnteren Wäldern und größeren Baumarten, als wir bisher gesehen hatten; von den letzteren vermag ich jedoch nicht gut anzugeben, zu welcher Species sie eigentlich gehören mochten. Im Allgemeinen glich ihr Äußeres dem unserer Waldeiche, ihr Baumschlag war aber schöner: breite, zungenförmige Blätter, wie die des Lorbeerbaumes, mit Büscheln gelber Blumen, die in den Zwischenräumen von den Zweigen bis auf den Boden herabhingen.
- ↑ Bei Mittheilung der Fortsetzung dieser "neuesten Entdeckungen" halten wir es für unsere Schuldigkeit, die geehrten Leser, besonders diejenigen, denen die zur Beurtheilung der Sache erforderlichen Kenntnisse völlig abgehen, darauf aufmerksam zu machen, wie gar kein Zweifel abwaltet, daß jenes Machwerk, woraus wir diesen Auszug entnehmen, eine recht grob angelegte Mystification sey. Nur der Wunsch mehrerer Interessenten unseres Blattes kann und wird den Abdruck dieses Aufsatzes rechtfertigen. Die Redaction.
