Mondschwindel, Teil 4

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Textdaten
Autor: Richard Adams Locke
Titel: Sir John Herschel's neue höchst merkwürdige Entdeckungen in der Mondwelt
Untertitel:
aus: Sundine, Literatur- und Intelligenzblatt für Neu-Vorpommern und Rügen, 1835, Seite 18
Herausgeber: Friedrich Joachim Phillip von Suckow
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1835-36
Verlag:
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Erscheinungsort: Stralsund
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Kurzbeschreibung:
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[Bearbeiten] Sir John Herschel's neue höchst merkwürdige Entdeckungen in der Mondwelt

(Fortsetzung.)


Die Nächte des 11ten und 12ten waren wolkig und ferneren Beobachtungen nicht günstig; in den beiden folgenden des 13ten und 14ten Januars, aber, wurden weitere Entdeckungen, namentlich von Thieren gemacht, die für jeden Menschen vom höchsten Interesse seyn müssen. Wir geben selbige in der malerischen Sprache unsers talentvollen Berichterstatters.

Die staunenerregenden herrlichen Entdeckungen, die wir während der Beobachtungen in der ersten Nacht gemacht hatten, und die glänzenden Erwartungen, welchen sie für die Zukunft Raum gaben, machten jede Stunde Mondlicht zu schätzbar, als daß wir uns mit dem Entbehren desselben während zweier wolkiger Abende hätten auslöhnen können, da wir nicht mit streng philosophischer Geduld begabt waren, obgleich unsere Aufmerksamkeit genug durch die Errichtung additioneller Stützen und Bänder zu der Linse von 24 Fuß in Anspruch genommen war, welche durch enen heftigen Wind am 11ten des Morgens etwas vibrirt hatte. - Die Nacht vom 13. Januar war von außerordentlicher Klarheit und Lieblichkeit. Der Mond erhob sich in schimmernder Pracht am Himmel, und die Sterne, ihm nahe stehend, ließen ihm die unbeschränkte Herrschaft über die Hemisphäre. Da dies der vorletzte Abend in diesem Monate war, an welchem wir, der Libration (Schwankung) in der Länge wegen, welche darauf eintrat, Gelegenheit hatten, seine Westseite zu beobachten, so benachrichtigte Dr. Herschel, daß er unsere Observationen auf Nr. 2, 11, 26 u. 20 nach Blunt's Mondkarte lenken würde, welche im neuern Cataloge unter den Namen Endymion, Cleomenes, Longrenus und Petavius beaknnt sind. Der sorgfältigen Untersuchung dieser, wie der Räume zwischen denselben und dem äußersten Rande, nahm er sich vor, diese dazu überaus günstige Nacht zu widmen.

Als wir hierauf die Oberfläche von 25 Meilen in der Breite in Augenschein genommen hatten, und nun mit langsamer Bewegung fortrückten, fanden wir bald den ersten, sehr sonderbar beschaffenen Gegensatnd unserer Untersuchung, einen höchste bergigten District, dessen erhabene höchste Ketten drei kleine Ovale bilden, wovon sich zwei in scharfen Spitzen einander näherten und durch eine Hügelmasse von großer Länge und Höhe verbunden sind, indem sie die Gestalt einer Flechte Garn annehmen, wovon sich die Enden allmählich vom Bindeknoten an geöffnet haben. Auch das dritte Oval gleicht einem solchen Strange und liegt gleichsam wie nachlässig der Hand der Natur entfallen, mir den andern verbunden; der Theil aber, den man als das zweite Ende dieser zweiten Flechte betrachten könnte, erschien alsdann aufgeschnitten in zerstreuten Fäden kleiner Hügel, die eine große Strecke flachen Landes bedecken. - Die Basis dieses Gebirges ist so auffallend, daß sie in fast allen ausführlichern Mondkarten, die je entworfen wurden, genau angegeben ist; in der Blunt'schen, welche die beste ist, correspondirt sie genau mit meiner Beschreibung. - Im Bereich des ebenerwähnten gebrochenen Hügelbodens steht ein ovalförmiger Berg, ein Thal von ungeheurem Umfange einschließend und an der Westseite mit einem Vulcan versehen, der sich in einem Zustande fürchterlichen Ausbruches befindet. Nordöstlich hiervon und den "zerbrochenen," oder wie sie Hr. Holmes nannte, den "Landstreicher-Bergen" gegenüber, sind drei andere, abgelöste längliche Bildungen, von welchen die größte und letzte mit F im Cataloge bezeichnet ist, und gewöhnlich Mare mortuum oder das todte Meer genannt wird. Mehr aus Neugier, als aus philosophischen Beweggründen, die Ursache eines so düsteren Namens zu entdecken, benutzten wir hier zuerst unsere Hydrooxygen-Vergrößerungsgläser bei dem Focus (Brennpunktsobject) der großen Linse. Unser 25 □ Meilen großes Gesichtsfeld faßte den ganzen Umfang dieser großen Bergkette, und mithin auch die beiden kegelförmigen Hügel, welche, ungefähr 5 M. auseinanger, aus derselben hervortreten. Obgleich die Breite dieser Aussicht die Gegenstände im Allgemeinen in einer Entfernung von 2 1/2 Meilen wies, so konnten wir doch diese Centralhügel nicht mit Genauigkeit untersuchen. Es schien nicht solcher Nebel und Rauch sie zu umhüllen, als es bei dem Vulcan der Fall war, den wir im Südwesten gelassen hatten; aber dennoch zeigten sie sich, im Vergleich zu diesem, auf der Leinwand undeutlich. So wie wir zu der Gaslinse kamen, war das Räthsel gleich gelöst: es waren Krater ausgebrannter Vulcane, aus denen noch eine erhitzte, aber durchsichtige Ausdünstung quoll, welche sie scheinbar in schwankender oder zitternder Bewegung erhielt, was der Untersuchung höchst ungünstig war. Die Krater dieser beiden Hügel waren, so gut sich bei diesem Hinderniß schließen ließ, 15 Faden tief, ohne alle Spurvon Feuer und fast durchgängig von gelblich weißer Farbe. Der Diameter eines jeden betrug ungefähr 1/9 Diameter unsers Bildes, oder beinahe 450 Fuß, und die Weite des sie umgebenden Randes ungefähr 1000 Fuß; dennoch hatten diese beiden Feuerfänge der unterirdischen Tiefe, ungeachtet ihrer engen Mündungen, augenscheinlich den ganzen Umfang des Thals, in welchem sie sich befanden, mit der Lava und Asche angefüllt, womit es bedeckt war, und selbst zur Höhe beigetragen, wenn nicht gar die Entstehung der sie umgebenden ovalen Bergkette bewirkt. Diese Berge, wie später nach der Fläche einiger großen, sie umgebenden Seen ausgemessen wurde, sind durchschnittlich 2800 Fuß hoch, und Dr. Herschel schloß hieraus, wie aus der großen Ausdehnung ihrer Basis, welche viele Meilen weit um sie in's Land lief, daß diese Vulcane seit einer Million Jahre in voller Thätigkeit gewesen seyn müssen. Lieut. Drummond dagegen vermuthete, daß der ganze Umfang dieses ovalen Thales eher nur der ausgebrannte Krater eines einzigen ungeheuren Vulcans sey, welcher im Erlöschen diese beiden unbedeutenden Repräsentanten seiner Macht hinterlassen habe.


(Fortsetzung folgt.)
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