Mondschwindel, Teil 5
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[Bearbeiten] Sir John Herschel's neue höchst merkwürdige Entdeckungen in der Mondwelt
Ich glaube, daß D. Herschel nachher dieser wahrscheinlichen Theorie ebenfalls beitrat, welche in der That durch die allgmeine Geologie des Planeten bestätigt wird; es giebt kaum 100 Meilen auf seiner Oberfläche, die größten Meere und Seen nicht ausgenommen, in welchen nicht leicht kreisförmige oder ovale Bergrücken zu finden wären, und viele, sehr viele derselben, die zahlreiche Hügel in voller vulcanischer Bewegung einschließen, welche jetzt viel niedriger als die sie umgebenden Kreise liegen, lassen keinen Zweifel übrig, daß jede dieser großen Formationen ein Überbleibsel eines großen Berges bildet, welcher ausgebrannt ist und nur diese weiten Grundlagen seiner äußern Größe zurückgelassen hat. Einen unmittelbaren Beweis hievon gewährt ein in voller Kraft sich befindender enormer Vulcan, dessen ich späterhin erwähnen werde. Was dem eben beschriebenen ringförmigen Bogen den Namen "todter See" gegeben haben mag, ist, wie ich vermuthe, das dunkle Aussehen des Thals, das ihn einschließt, und das bei einer entfernteren Beschauung als der unsrigen, gewiß im allgemeinen Aussehen dem des Wassers dieses Planeten gleicht. Das Land umher ist im höchsten Grade fruchtbar. - Zwischen diesem Kreise und Nr. 2 (Endymion) zählten wir nicht weniger als zwölf herrliche Wälder, durch offene Ebenen von einander getrennt, welche wie ein grüner Ocean wogten, und wahrscheinlich große Steppen (Prairies) gleich den nordamerikanischen sind. In dreien derselben entdeckten wir zahlreiche Heerden vierfüßiger Thiere, unsern Freunden, den Bisonochsen im Einhornthale, ähnlich, aber viel größer; - und kaum zeigte sich in unserm Panorama ein Gehölz, in dem wir nicht auch sogleich Züge weiß und roth gefiederter Vögel erblickt hätten.
Endlich beobachteten wir Endymion genau. Wir fanden jedes der drei Ovale in seinem Innern Raume vulcanisch und unfruchtbar, - den äußerlich sie umgebenden Theil aber sehr reich mit allen erdenklichen Erzeugnissen eines ergiebigen Bodens bedeckt. D. Herschel classificirte nicht weniger als 38 Sorten Waldbäume und fast zweimal so viel Pflanzen, die allein auf dieser Strecke gefunden wurden, und sehr verschieden von denjenigen waren, welche man in Breiten näher dem Äquator findet. Unter den Thieren unterschied D. Herschel neun Gattungen Säugethiere und fünf eierlegende. Unter ersteren sind eine kleine Sorte Rennthiere, das Elenthier, der gehörnte Bär und der zweifüßige Bieber. Letzterer gleicht unserm Bieber in jeder Hinsicht, bis auf den Mangel eines Schwanzes und seiner fortwährenden Gewohnheit, nur auf zwei Füßen zu gehen. Er trägt seine Jungen im Arme, gleich dem Menschen, und bewegt sich mit leicht dahingleitendem Schritte; seine Hütten sind besser und höher gebaut, als diejenigen manchen Stammes menschlicher Wilden, und aus dem fast in allen bemerklichen Rauch läßt sich schließen, daß den Bewohnern der Gebrauch des Feuers bekannt sey. Dessenungeachtet unterscheiden sich nur Kopf und Schwanz (wie angeführt) von dem unsers Biebers und nie wurde ein Thier anders als am Ufer von Seen und Flüssen gesehen, in welche man es sich mehrere Secunden lang tauchen bemerkte.
Dreißig Grade südlicher in Nr. 11 oder Cleomedes liegt ein sehr großer ringförmiger Berg mit drei besondern Kratern, welche schon seit langer Zeit ausgebrannt sind, daß das ganze sie umgebende Thal, welches 11 Meilen im Umfang hat, dicht, fast bis an den Gipfel der Hügel, mit Wald bedeckt ist. Nicht eine Ruthe kahlen Landes, außer dem äußersten Gipfel der Krater, findet sich. Dieser Krater konnte völlig übersehen werden, und kein Geschöpf zeigte sich, außer einem großen weißen Vogel, der einem Storche glich. - Am südlichen Ende des Thals ist ein natürlicher Bogengang oder eine Höhle von 200 Fuß Höhe und 100 Fuß Weite, durch die ein Fluß läuft, der sich in einen 80 Fuß tiefen Abgrund von grauen Felsen stürzt, und dann meilenlang einen armigen Strom durch schöne, feldartige Gegend bildet. - Zwanzig Meilen von diesem Wasserfall befindet sich der größte See oder vielmehr das größte Binnenwasser, welches sich auf der ganzen beleuchteten Oberfläche von 7 1/2 Millionen Quadratmeilen findet, welche diese Seite des Mondes enthält. Die Breite dieses See's ist von Osten nach Westen 198 Meilen, und von Norden nach Süden 266 Meilen; seine Gestalt nach Norden ist dem bengalischen Meerbusen nicht ungleich, und mit kleinen Inseln besetzt, die meist vulcanischer Natur sind. Zwei derselben auf der Ostseite sind jetzt im heftigen Ausbruche; aber selbst unsere am wenigsten vergrößernden Gläser waren, des unsere Blicke umwölkenden Rauches und Aschenregens halber, noch zu groß, um sie zu untersuchen. Nach den Beobachtungen des Lieutenants Drummond durch unser 2000 mal vergrößerndes Spiegel-Teleskop zeigten sie große Pracht. In einer Bai auf der Westseite des Sees ist eine 55 Meilen lange Insel von halbrunder Form, über und über mit den prächtigen Naturschönheiten, aus dem Pflanzen- wie aus dem Thierreiche, bedeckt. Die Hügel sind mit großen Quarzkrystallen, von so reicher gelber und oranger Farbe besäet, das wir sie anfangs für Flammenpunkte hielten und so springen sie aus den glatten Hügelreihen hervor, die wie mit einem Sammtmantel bedeckt sind. Selbst in den bezaubernden kleinen Thälern dieser Insel konnten wir häufig diese prachtvollen natürlichen Spitzen sehen, welche aus der Mitte dunkler grüner Gehölze, gleich Kirchthürmen in den Thälern Westmorelands, hervorstiegen. Hier bemerkten wir den Mondpalmbaum, welcher sich von dem unsrer tropischen Länder nur durch die Eigenthümlichkeit besonders großer, hochrother Blumen unterscheidet, statt des Spadix (Ährenbüschels) der aus dem gewöhnlichen Kelche hervortritt.
