Mondschwindel, Teil 7
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[Bearbeiten] Sir John Herschel's neue höchst merkwürdige Entdeckungen in der Mondwelt
Indeß vergingen nur ein paar Minuten, als schon drei Proben eines anderen Thiers erschienen, das uns Allen so wohlbekannt war, daß wir bei seinem Erscheinen in einem so fernen Lande recht tüchtig lachten. Dies waren nämlich nichts mehr oder minder als drei große gute Schaafe, die den Meierhöfen in Leicestershire oder den Fleischbänken von Leadenhallmarket keine Schande gemacht haben würde. Bei der sorglichsten Untersuchung konnten wir kein Zeichen finden, welches diese Schafe von den unsrigen unterschieden hätte: sie hatten nicht einmal den Zubehör über den Augen, den ich als den Mondquadrupeden sonst eigenthümlichen beschrieben habe. Jetzt erschien sie in großer Anzahl, und bei dem Zurückstellen der Linsen fanden wir sie in Heerden über einen großen Theil des Thals verbreitet. Ich brauche wohl kaum zu sagen, wie begierig wir waren, Hirten zu diesen Heerden zu finden, und selbst ein Mensch mit blauem Schurz und aufgekrämpten Ärmeln wäre ein willkommener Anblick für uns, wenn auch gerade nicht für die Schaafe gewesen; diese weideten aber im Frieden, Herren ihrer eigenen Weiden, sowohl ohne Beschützer als Verderber in Menschengestalt.
Endlich näherten wir uns der Gesichtslinie nach dem See hinaus, wo das Thal sich bis zu einer Meile in die Weite verengt, und auf beiden Seiten eine Scenerie darbietet, welche sowohl in pittoresker als romantischer Hinsicht über alle Beschreibung erhaben ist. Nur die Einbildungskrat, auf den Flügeln der Dichtkunst getragen, könnte Gleichnisse aufstellen, um die wilde Erhabenheit dieser Landschaft zu schildern, wo dunkle Behemothklippen, gleich Wällen in der Luft, über den Absturz steiler Abgründe ragten; Waldungen schienen sich mitten in der Luft auszudehnen. - Auf der Ostseite war eine hohe baumgeschmückte Klippe, welche in einer krummen Linie, gleich drei Vierteln eines gothischen Bogens, herüberhing, und da sie von einer reichen hochrothen Farbe war, so war der Eindruck davon höchst fremdartig auf Geister welche nicht an die Verknüpfung solcher Erhabenheit mit solcher Schönheit gewöhnt sind. Aber indem wir sie in einer Perspective von ungefähr einer halben Meile beschauten, waren wir vor Erstaunen außer uns, vier aufeinanderfolgende Heerden großer beflügelter Geschöpfe, welche durchaus keiner Art von Vögeln ähnelten, mit langsamer gleichförmiger Bewegung von den Klippen auf der Westseite herunterkommen und sich auf der Ebene niederlassen zu sehen. Sie wurden zuerst von D. Herschel bemerkt, welcher ausrief: "Nun, meine Herren, meine Theorien gegen Ihre Beweise, was Sie so oft eine ziemlich gleiche Wette genannt haben. Wir haben hier etwas Bemerkenswerthes zu betrachten: ich war überzeugt, daß wenn wir je Wesen in menschlicher Gestalt finden würden, es in diesen Längengraden seyn müßte, und daß sie vom Schöpfer einige außergewöhnliche Kräfte zur Ortsveränderung erhalten haben müßten; nehmen Sie nun zuerst meine Nummer D." Diese Linse, welche bald eingesetzt war, gab uns eine schöne Entfernung von einer halben Meile und wir zählten drei Haufen jener Geschöpfe, von respective 12, 9 und 15, welche aufwärts gegen einen kleinen Wald nahe dem Anfang der östlichen Abgründe gingen. Wirklich waren sie menschlichen Wesen gleich, denn ihre Flügel waren nun verschwunden, und ihre Haltung im Gehen war sowohl aufrecht als würdig. Nachdem wir sie in dieser Entfernung einige Minuten beobachtet hatten, gebrauchten wir die Linse H. z., welche sie zu der anscheinenden Nähe von 80 Yards brachte; die klarste Größe, welche wir bis Ende des März besaßen, wo wir eine Verbesserung in dem Gasbrenner einführten. Ungefähr die Hälfte des ersten Haufens war vor unserer Leinewand passirt; alle Übrigen aber konnten wir vollkommen genau und überlegend betrachten. Sie waren ungefähr 4 Fuß hoch, waren, mit Ausnahme des Gesichts, mit kurzen, glatten, kupferfarbigen Haaren bedeckt, und hatten Flügel, welche aus einer dünnen elastischen Haut ohne Haare bestanden, die hinten zusammengerollt von der Schulterspitze bis zu den Waden lag. Das Gesicht, welches von gelblicher Fleischfarbe war, zeigte eine kleine Veredelung gegen das des großen Orangoutangs, da es offener und klüger aussah und eine weit größere Ausdehnung des Vorkopfes zeigte. Indeß war der Mund sehr hervorstehend, obgleich dies etwas durch einen dicken Bart auf dem untern Kinnbacken und durch Lippen von weit menschlicherer Form, als diejenigen irgend einer Species des Affengeschlechts verdeckt wurde. In allgemeiner Symmetrie des Körpers und der Glieder waren sie dem Orangoutang unendlich überlegen und zwar so, daß Lieutenant Drummond sagte, sie würden bis auf ihre langen Flügel sich eben so gut auf dem Paradeplatze ausnehmen, als einige der Cockney-Milizen! Das Haupthaar war dunkler als das Körperhaar, dicht, gekräuselt, aber augenscheinlich nicht wollig, und lag in zwei sonderbaren Halbzirkeln über den Schläfen des Vorkopfes. Die Füße konnten wir nur sehen, wenn sie nach einander im Gehen emporgehoben wurden; nach dem, was ein so vorübergehender Anblick zu sehen gestattete, schienen sie dünne und sehr hervorragend an der Ferse.
