Mondschwindel, Teil 8
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[Bearbeiten] Sir John Herschel's neue höchst merkwürdige Entdeckungen in der Mondwelt
Indem sie auf der Leinwand vorübergingen und wann wir sie später sahen, waren diese Geschöpfe augenscheinlich in Unterredung begriffen; ihre Gesticulation, besonders die veränderlichen Bewegungen ihrer Hände und Füße, erschienen leidenschaftlich und empathisch. Wir nahmen daraus ab, daß sie vernünftige Wesen seyen, und wenngleich vielleicht auf keiner so hohen Stufe stehend, als andere, welche wir im nächsten Monat an den Ufern der Regenbogenbai fanden, doch fähig, Werke der Kunst und der Erfindung hervorzubringen. Die nächste Ansicht von ihnen stellte sie noch günstiger dar. Sie fand am Rande eines kleinen See's oder größeren Stromes statt, welchen wir zum ersten Male das Thal hinab zu dem großen See fließen sahen; am östlichen Ufer erhob sich ein kleiner Wald. Einige jener Geschöpfe waren über das Wasser geflogen, und lagen, gleich ausgebreiteten Adlern, am Saume des Waldes. Wir konnten nun bemerken, daß ihre Flügel in der Striktur Fledermausflügeln glichen, da sie aus einer halb durchsichtigen elastischen Haut bestanden, welche in krummlinigten Abtheilungen vermittelst gerader Halbmesser ausgespannt war, die durch die Rückenhaut verbunden wurden. Was uns aber am meisten in Erstaunen setzte, war der Umstand, daß die Membrane von der Schulter bis zu den Beinen hinunter zusammenhängend, obgleich in der Weite abnehmend, war. Die Flügel schienen völlig der Willenskraft unterworfen zu seyn, denn diejenigen Geschöpfe, welche wir badend sahen, spreizten sie sogleich in ihrer völligen Weite aus, schwangen sie, wie die Enten, um das Wasser abzuschütteln, und falteten sie sodann eben so schnell wieder in eine compacte Form zusammen. Unsere ferneren Beobachtungen hinsichtlich der Gewohnheiten dieser Geschöpfe (welche von beiden Geschlechtern waren) führten zu so beachtungswerthen Resultaten, daß ich es vorziehe, sie de Publikum in Dr. Herschel's eigenem Werke vorlegen zu lassen, wo ich Ursache habe, zu glauben, daß letztere vollständig und getreu niedergelegt sind, so ungläubig sie auch aufgenommen werden mögen. - Die drei Familien spannten darauf fast gleichzeitig ihre Flügel aus, und verloren sich in den dunklen Ecken der Leinwand, ehe wir Zeit hatten, von unserm lähmenden Erstaunen zu uns zu kommen. Wir benannten die Classe dieser Geschöpfe mit dem wissenschaftlichen Namen "Vespertilio-homo" oder "Fledermaus-Mensch," und es find ohne Zweifel unschuldige glückliche Creaturen, obgleich einige ihrer Vergnügungen sich nur schlecht mit unsern irdischen Ansichten vom Decorum vertragen würden. Das Thal selbst nannten wir das Rubinen-Colosseum, mit Anspielung auf seine bewundernswürdige südliche Grenze, die sechs Meilen lange Strecke rother, 2000 Fuß hoher Abstürze. Da nun die Nacht, oder besser der Morgen weit vorgerückt war, so schoben wir unsern Abstecher nach Petavius (Nr. 20) bis zu einer andern Gelegenheit auf. - -
Wir sind bei Erzählungen des Vorstehenden getreulich Dr. Grant's Privatwunsche gefolgt, diejenigen höchst seltsamen Stellen in seiner Correspondenz auszulassen, welcher er uns zu unterdrücken ersuchte, obgleich wir nicht ganz die Macht der Gründe wahrnehmen können, welche derselbe dafür angab. Wahr ist es, daß die ausgelassenen Stellen Facta enthalten, die völlig unglaublich für diejenigen Leser seyn würden, die nicht sorgfältig die Grundzüge und die Fähigkeit des Instruments untersuchen, womit diese merkwürdigen Entdeckungen gemacht worden sind; indeß wird dies schon der Fall mit allen den Facta seyn, welche Dr. Grant uns zu veröffentlichen erlaubte; und hielten wir deshalb die erklärende Beschreibung des Teleskops vorauszuschicken wichtig. Übrigens sind wir überzeugt, daß vermöge der erwähnten und andrer unterdrückter Stellen, welche darin veröffentlicht werden sollen, und zwar mit hinzugefügter Beglaubigung der Civil- und Militair-Behörden der Colonie und verschiedener bischöflichen, wesleyanischen und anderer Geistlichen, welchen im verflossenen Märzmonat unter der Bedingung vorläufiger Geheimhaltung der Besuch des Observatoriums gestattet wurde, und die solchergestalt Augenzeugen der Wunder wurden, welche man sie zu bescheinigen ersuchte, die bevorstehenden Werke des Dr. Herschel zugleich das Höchste in wissenschaftlicher Hinsicht und das Anziehendste in Betracht des allgemeinen Interesses seyn werden, was je die Presse verließ.
Die Nacht des 14ten zeigte den Mond in geringer Libration oder voll; aber da der etwas dunkle Zustand der Atmosphäre für einige Stunden einer genauen Untersuchung weniger günstig war, als einer allgemeinen Übersicht seiner Oberfläche,so war man hauptsächlich mit der letztern beschäftigt. Kurz nach Mitternacht erhob sich der letzte Nebelschleier, und da die Luft so klar wie an den vorhergehenden Abenden war, so ward die Aufmerksamkeit der Astronomen auf die merkwürdige Außenseite des Gipfels, welcher in Blunt's Mondkarte Tycho Nr. 18 bezeichnet ist, gelenkt, und in dieser Region fügten sie Schätze zum menschlichen Wissen hinzu, welche Engel ihnen beneiden möchten. Vieles von nachfolgenden Auszügen wird für immer in den Annalen der Zeit denkwürdig dastehn.
