Noch eine Scene aus Dekkers Fortunatus und seine Söhne
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Noch eine Scene aus Dekkers Fortunatus und seine Söhne[1]
von F. W. Val. Schmidt.
Wüste waldige Gegend.
(Die Musik spielt eine Zeitlang, dann treten auf: Laster mit einer goldnen Larve und Hörner auf seinem Kopf. Sein langes Gewand ist vorn mit silbernen halben Monden bemalt, welche allmälig immer mehr und mehr zunehmen, bis sie oben ganz voll sind. In der Mitte derselben ist geschrieben mit großen Buchstaben: Crescit eundo.. - Hinten ist sein Gewand bemalt mit Narrenfratzen und Teufelsköpfen. In der Mitte derselben steht geschrieben: Ha! Ha! Ha! - Laster und noch andre Gestalten mit vergoldeten Larven, und wie Teufel angezogen, bringen einen schönen goldnen Baum mit Aepfeln daran getragen. Hinter Laster tritt auf Tugend, in einem Gewand, das vorn schneeweiß ist. Sie trägt auf ihrem Kopf eine Narrenkappe, und auf ihrer Brust ist die Inschrift: Sibi sapit. - Ihr Gewand ist hinten bemalt mit Kronen und Lorbeergewinden, zwischen denen Sterne schimmern. Diese werden von Händen gehalten, die aus lichten Wolken hervorragen, und in ihrer Mitte ist die Inschrist: Dominabitur astris. - Sie und andre Nymphen in weißen Kleidern mit Narrenkappen bringen einen Baum, dessen Blätter zum Theil grün zum Theil welk sind, und der nur wenig Früchte hat. Dann kömmt Fortuna; einer trägt ihr Rad; ein andrer ihren Erdball. Zuletzt der Priester.) Fortuna. Steckt diese Bäum’ in ihre nackte Brust! 5
Den Strich zu finden, wo die dürren ZweigeGedeihen mögten! doch kein Boden war 10
Zu Göttern, da die Erde mich verbannt.Laster. Tugend, ich bin dein Feind. Wenn du dort pflanzest, 15
So scheuch ich dich aus dieser Welt. Denn wäreDie Tugend weg, hätt ich allein die Ehre. Lied der Priesters.
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Tugend Zweige welken, Tugend wimmert; O weh, o weh! o jämmerliche Zeit! 25
O weh! denn seine Wangen scheinen Gold;Tugend ist aus jedem Staat verbannt, 30
Buntgefiedert schwingt sich’s in die Höhe. Das Gute fällt, das Böse wuchert weit! 35
Tugend Zweige welken, Tugend wimmert.
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Hier diese Eure Schatten sollen auchDie Menschen bin zu ihrer Schönheit locken. 45
Laster. Es tröste dich, daß man dich göttlich nennt!Fortuna. Sieh, arme Tugend, deinen Blicken fehlt 50
Warum zeigt man auf dich, wie auf den Trunknen?(Zeigt auf die Narrenkappe). Warum setzt man dir auf die Schellenkappe? 55
Weil du einhergehst still, gemein und schlicht,Dem Auge wilde Liebesglut gebricht. 60
Reißt Sterbliche zu deiner Liebe hin.Nein, dieses Balls gewaltig kreisend Rad 65
Daß sie schon wieder jung wird, wieder Kind.Kindisch ist ihr Gemüth, und närrisch ganz, 70
Dann glaubt die dumme Welt, wie diese wachsen,Wie hell der Mond im Perlenkranze schwillt, 75
Tugend. Mir gaben Thoren ihn, die mich nicht kannten.Es ist mein Stolz der Thoren Hohn zu tragen. 80
In Eine Brust. Ich finde wohl den Ort,Errichte einen Tempel, weile dort. 85
Erscheine strahlend vor der blöden Welt,Ihr kriecht vor mir, die früher mich gequält[2]. Fortuna. Zürnt Tugend? - Laster nun, auf Wiedersehn. 90
Verliebte Thoren hier zu buhlen reizt,Und meines Zauberbaumes Frucht zu pflücken, 95
Tugend (zu Laster). Höllischer Feind! Ich will dir widerstehn.Ja, wem dein lüstern frecher Blick gefällt, 100
Er werde menschlich wieder, wenn er sucht,Entstellt und reuig, diese meine Frucht. (Sie zeigt auf ihren Baum). |
