Nu ist der küele winder gar zergangen
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[60] I
- „Nu ist der küele winder gar zergangen,
- diu naht ist kurz, der tac beginnet langen,
- sich hebet an ein wünneclîchiu zît,
- diu al der werlde vreude gît.
- baz gesungen nie die vogele ê noch sît.
II
- Komen ist uns ein liehtiu ougenweide.
- man siht der rôsen wunder ûf der heide,
- die bluomen dringent durch das gras.
- schône ein wise getouwet was,
- dâ mir mîn geselle zeinem kranze las.
III
- Der walt hât sîner grîse gar vergezzen,
- der meie ist ûf ein grüenez zwî gesezzen,
- er hât gewunnen loubes vil.
- bint dir balde, trûtgespil!
- dû weist wol, daz ich mit einem ritter wil.“
IV
- Daz gehôrte der mägde muoter tougen;
- sie sprach „behalte hinne vür dîn lougen!
- dîn wankelmuot ist offenbâr.
- wint ein hüetel um dîn hâr!
- dû muost âne dîne wât, wilt an die schar.“
[62]
V
- „Muoter mîn, wer gap iu daz ze lêhen,
- daz ich iuch mîner waete solde vlêhen,
- dern gespunnet ir nie vadem?
- lâzet ruowen solhen kradem!
- wâ nu slüzzel? sliuz ûf balde mir das gadem!“
VI
- Diu wât diu was in einem schrîne versperret.
- daz wart bî einem staffel ûf gezerret.
- diu alte ir leider nie gesach.
- dô daz kint ir kisten brach,
- dô gesweic ir zunge, daz si niht ensprach.
VII
- Dar ûz nam sî daz röckel alsô balde,
- daz was gelegen in maneger kleinen valde.
- ir gürtel was ein rieme smal.
- in des hant von Riuwental.
- warf diu stolze maget ir gickelvêhen bal.
VIII
- Diu alte diu begreif ein rocken grôzen.
- si begunde ir tohter bliuwen unde stôzen.
- „daz habe dir des von Riuwental.
- rûch ist im sîn überval.
- nû var hin, daz hiute der tievel ûz dir kal!“
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Va
- Diu muoter sprach har für ûz grôzem zorne:
- „frou tohter, lât die rede bestên biz morne!
- ez mac tâlâ niht gesîn,
- wan daz urloup daz ist mîn.
- wol gelesen wât beslozzen hât mîn schrîn.“
