Owê, sumezît
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[256]
- I
- Owê, sumezît
- daz die niemen hifwe g1it!
- was dir hazzes unde nît
- aber ûf dînem rucke lît,
- ê der winder sînen strît
- an dir gar volende, als im sîn wille gegen dir stât!
[258]
- alle sîn gesinde, daz dich roubet offenlîche
- mit gewalticlîcher hant.
II
- Sîne winde kalt
- harte Jâmerlîche gestalt,
- des diu heide sêre enkalt
- an ir bloumen manicfalt.
- sie ist verderbet, daz si sich ze hove wil beklage.
- bloumen und loup
- was des rîfen êrster roup,
- den er in die secke schoup.
- des ist manic herze toup,
- daz an sînen vröuden vol von schulden mouz verzagen.
- îs ind anehanc
- hat der vogelîne sanc
- gar gestillet in den welden, dâ si müeszen swîgen
- alles sisen winter lanc
III
- Bloumen und klê
- manger hande wünne mê
- die verderbet und der snê
- disiu sorge tout mit wê,
- daz uns iht vor im bestê
- sumer, dîne holden von den houben sint gevarn.
- leit ist mir geschehen
- an de liehten sunne brehen,
- die wir dicke trübe sehen,
- des wir alle müezen jehen.
[260]
- beidiu vinger unde zehen
- sol ein ieslîch man vor disen winden wol bewarn.
- ougen unde brâ
- vor der winderraezen schrâ
- sult ir wol behüeten, wan sie verwet einen jungen,
- daz man waenet, er sî grâ.
IV
- Swaz ich tumber klage
- bloumen und die liehten tage
- unde an freuden niht verzage
- bî dem kumber, den ich trage
- mêre, denne ich iemen sage,
- daz ist ir gedienet, der ich vil gedienet hân
- unde ir dienen wil
- unz an mîner jâre zil,
- ir sî lützel oder vol.
- disen roum ich nieman hil.
- habe siz immer für ein spil,
- doch sô wil ich dienen ir ûf einem gouten wân.
- lîhte kumt ein tac,
- daz ich sô gedienen mac,
- daz mir von der gouten wirt gelônet, daz ich von ir
- füere freuden vollen sac.
V
- Aller mîn gerinc
- daz ein ein verloren dinc
- swenne ir alle sprechet: „sinc,
- ungemüete von mir swinc!“,
- sone lât ein getelinc
- sî niht hoeren mînen sanc. daz lât iu wesen leit!
[262]
- derst ir dicke bî
- unde heizet mandelzwî.
- wie der gouch getoufet sî
- der gewizzen bin ich vrî.
- siner nachgebûren drî
- habent ungevraget etewenne alsô geseit.
- daz er Eberzant
- in der toufe sî genant.
- diesen sumer habent si mich verdrungen, er und ener
- sîn geloufet Herebrant.
VI
- Die zwên geugeweten,
- sint von Künehôhesteten.
- als ein lewe an einer keten
- gênt si an dem tanze treten
- bî der lieben ungebeten.
- swaz si dâ ir gerûnent, deist mîn ungewin
- unde ist mir getân.
- owê, welch ein sunderwân!
- waz ich ungemaches hân,
- mêre, danne ein andere man,
- des ich niht erwenden kan!
- sô mit ungenâden loufent mîne tage hin.
- wê, gelückes rat,
- wenne sol ich mîne stat
- ûf dir vinden, oder wenne sol ich mînen vouz
- gestzten in de saelden pfat?
VII
- In der saelden pfat
- ich noch leider nie getartm
- dâ ich ie genâden bat,
[264]
- dâ verstiez mich mîner stat
- ein gebûwer gogelsat
- solher vlüste hâ ich her gespoilt wol drîzec jâr,
- minnehalp verlorn
- beide schaden unde zorn,
- den ich lihter het verborn,
- daz doch nimmer wirt verkorn,
- des ich tiuwer hâ gesworn.
- an der lieben Vriederûnen houp ez Engelmâr,
- der ir spiegel nam,
- des im gouche niht gezam.
- des ist unvergezzen, ich getou ir einem sînes
- herze küneginne alsam.
