Owê, sumezît

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Textdaten
Autor: Neidhart von Reuental
Titel: Owê, sumezît
Untertitel:
aus: Die Lieder Neidharts. Der Textbestand der Pergament-Handschriften und die Melodien. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1975, S. 256-264. ISBN 3-534-03592-5. Dort unter dem Kürzel „L 47“ verzeichnet.
Herausgeber: Siegfried Beyschlag
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1975
Verlag:
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Erscheinungsort: Darmstadt
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Quelle: Scans auf Commons
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[256]
I

Owê, sumerzît
     daz die niemen hilfe gît!
     was dir hazzes unde nît
     aber ûf dînem rucke lît,
     ê der winder sînen strît
          an dir gar volende, als im sîn wille gegen dir stât!

er ist dir gehaz,
     ich enweiz niht, umbe waz.
     sît er dînen stoul besaz,
     selten er des ie vergaz,
     erne twunge ie vürebaz.
          sîn gewalt wol tûsent ellen vür den dînen gât.

er hât in diu lant
     dir ze schaden her gesant

[258]
     alle sîn gesinde, daz dich roubet offenlîche

               mit gewalticlîcher hant.

II

     Sîne winde kalt
     habent dînrn grüenen walt
     harte jâmerlîche gestalt,
     des diu heide sêre enkalt
     :an ir bloumen manicvalt.
          sie ist verderbet, daz si sich ze hove wil beklage.

bloumen und loup
     was des rîfen êrster roup,
     den er in die secke schoup.
     des ist manic herze toup,
          daz an sînen vröuden vol von schulden mouz verzagen.

îs und anehanc
     hat der vogelîne sanc
     gar gestillet in den welden, dâ si müezen swîgen
               alles disen winter lanc

III

Bloumen unde klê,
     manger hande wünne mê,
     die verderbet uns der snê
     disiu sorge tout mit wê,
     az uns iht vor im bestê
          sumer, dîne holden von den houben sint gevarn.

leit ist mir geschehen
     an de liehten sunne brehen,
     die wir dicke trüebe sehen,
     des wir alle müezen jehen.

[260]
     beidiu vinger unde zehen

          sol ein ieslîch man vor disen winden wol bewarn.

ougen unde brâ
     vor der winderraezen schrâ
sult ir wol behüeten, wan sie verwet einen jungen,
               daz man waenet, er sî grâ.

IV

Swaz ich tumber klage
     bloumen und die liehten tage
     unde an freuden niht verzage
     bî dem kumber, den ich trage
     mêre, denne ich iemen sage,
          daz ist ir gedienet, der ich vil gedienet hân

unde ir dienen wil
     unz an mîner jâre zil,
     ir sî lützel oder vil.
     disen roum ich nieman hil.
     habe siz immer für ein spil,
          doch sô wil ich dienen ir ûf einem gouten wân.

lîhte kumt ein tac,
     daz ich sô gedienen mac,
     daz mir von der gouten wirt gelônet, daz ich von ir
               füere freuden vollen sac.

V

Aller mîn gerinc
     daz ein ein verloren dinc
     swenne ir alle sprechet: „sinc,
     ungemüete von mir swinc!“,
     sone lât ein getelinc
          sî niht hoeren mînen sanc. daz lât iu wesen leit!

[262]
derst ir dicke bî

     unde heizet mandelzwî.
     wie der gouch getoufet sî
     der gewizzen bin ich vrî.
     siner nachgebûren drî
          habent ungevraget etewenne alsô geseit,

     daz er Eberzant
     in der toufe sî genant.
     diesen sumer habent si mich verdrungen, er und ener
               sîn geloufet Herebrant.

VI

Die zwên geugeweten,
     sint von Künehôhesteten.
     als ein lewe an einer keten
     gênt si an dem tanze treten
     bî der lieben ungebeten.
          swaz si dâ ir gerûnent, deist mîn ungewin

unde ist mir getân.
     owê, welch ein sunderwân!
     waz ich ungemaches hân,
     mêre, danne ein andere man,
     des ich niht erwenden kan!
          sô mit ungenâden loufent mîne tage hin.

wê, gelückes rat,
     wenne sol ich mîne stat
     ûf dir vinden, oder wenne sol ich mînen vouz
          gestzten in de saelden pfat?

VII

In der saelden pfat
     ich noch leider nie getart.
     dâ ich ie genâden bat,

[264]
     dâ verstiez mich mîner stat

     ein gebûwer gogelsat
          solher vlüste hâ ich her gespilt wol drîzec jâr,

minnehalp verlorn
     beide schaden unde zorn,
     den ich lihter het verborn,
     daz doch nimmer wirt verkorn,
     des ich tiuwer hâ gesworn.
          an der lieben Vriederûnen houp ez Engelmâr,

     der ir spiegel nam,
     des im gouche niht gezam.
     des ist unvergezzen, ich getou ir einem sînes
               herze küneginne alsam.