Peinliche Anklag unnd hitzige Antwort eines zornigen Schneiders und warhafften Hirtens

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
<<< >>>
Autor: unbekannt
Titel: Peinliche Anklag unnd hitzige Antwort eines zornigen Schneiders und warhafften Hirtens
Untertitel:
aus: Vorlage:none
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: um 1650
Verlag: Vorlage:none
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort:
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: im VD17 unter der Nummer 23:244818C HAB Wolfenbüttel
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
VD17 23-244818C.jpg
Bild
{{{EXTERNESBILD}}}
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


Editionsrichtlinien

Editionsrichtlinien:
  • Als Grundlage dienen die Wikisource:Editionsrichtlinien
  • Zwischen Lang- und Rund-s nicht unterschieden.
  • Die Wiedergabe von u, v, w, i, j erfolgt nach dem Lautwert.
  • Abkürzungen werden aufgelöst.
  • Überschriebene e über den Vokalen a, o und u sind als moderne Umlaute transkribiert.


Peinliche Anklag unnd hitzige Antwort eines zor-
nigen Schneiders und warhafften Hirtens.


Ausschnitt VD17 23-244818C.jpg



Hoert Wunder ding und seltzam Mähr
     Die ich jetzund gleich bring daher /
Von einem Geißbock in gemein /
     Der soll allr Geißböck Vatter seyn.
Es hat sich neulich zugetragn.
     Zu end wil ich den Namen sagn:
In eim Dorff wohnt ein Edelman /
     Den focht allzeit sein Schneider an.
Der Edelman stelt sich offt wild /
     Weil sich der Schneider stattlich hielt.
Und in Kleydung sich herauß staffirt /
     Welchs seinem Stand sonst nit gebührt /
Nun het es in dem Dorff diß Jahr /
     Allda der stoltze Schneider war
Gar möchtig viel Geiß oder Ziegn /
     Daran will ich kein Wörtlein liegn.
Unter so viel Geissen / zur stundn /
     Ward doch durchauß kein Bock gefundn.
Das dünckt dem Junckr nit rathsamb seyn /
     Daß in der Herd kein Bock solt sein.
Drumb legt er auff dem Schneider stoltz
     Daß er[1] / als ein sehr prächtigs Holtz /
Zu einer Straff ein Bock solt haltn /
     Welchs ich gehört von vielen Altn.
Das kam dem Schneider Spannisch für /
     Dieweil er so ein grewlich Thier.
Auff seinem Kosten nur allein /
     Halten solt in der gantzen Gmein.
Aber gleichwol in solchen sachn /
     Was wolte der gute Schneider machn.
Solt deß Junckern Gunst uber ihn waltn /
     Sagt er bald zu den Bock zu haltn.
Da er ihn hette ein lange Zeit /
     Kam er in deß Bocks gewonheit.

Und gewan ihn so herlich lieb /
     Auch offt sein Kurtzweil mit ihm trieb /
Wie er dann auch offt nicht gewolt /
     Daß er den Bock nicht haben solt.
Einsmals sichs nun begeben hat /
     Der Schneider saß auff der Werckstat.
Da trieb der Hirt die Geiß zu Hauß /
     Deß Schneiders Bock blieb auch nit auß.
Aber der Bock sah etlich mal
     Gar traurig / war dürr / eng und schmahl
Kam hinckend heim / nicht ohne Schmertz
     Das gieng dem Schneider durch sein Hertz.
Macht sich derhalben auff sein Füß /
     Den weg ihn nicht verdriessen ließ.
Und gieng zum Juncker / gleicher gstalt /
     Verklaget er den Hirten bald.
Und sprach Juncker Großgünstiglich /
     Meine Klag ich euch eröffne ich /
Ihr wist daß ihr vor andern ebn /
     Mir einen Bock zu halten habt gebn.
Dergleichen Gwalt / Freyheit und Gnad /
     Keiner in diesem Flecken hat.
Nun hat der Hirt den Geißbock mein /
     Ein zeitlang unter der Herde sein.
Mit andern Geissn geweydet zwar /
     Nimpt aber nicht zu umb ein Haar.
Wird dürr / mager und ungestalt /
     Kompt hinckend zu Hauß mannigfalt.
Und kan kaum schleppen die Lenden sein /
     Da doch die andern Geißlein fein /
Blecken / meckern und lustig springn /
     Sol mir da nit durchs Hertz hnein dringn.
Den Hirten thu ich drumb anklagn.
     Vielleicht wird er mein Bock so schlagn.

Juncker fragt ihn nur ernstlich drumb /
     Wo doch mein Bock sein dürr herkumb.
Drauff wendet sich der Juncker bald
     Zum Hirten / und sprach folgendr gestalt:
Du hast gehört deß Schneiders klagn /
     Hirt / was thustu darzu nun sagn?
Der Hirt sprach: Junckr ich kan nicht für /
     Der Mangel ist gewiß nicht an mir.
Aber mein lieber Meister Schneidr /
     Der du je länger je verheutr.
Auff deinen Bock nun worden bist /
     Ich will sagn was die Ursach ist.
Wann du / wie dein Bock / solst fortan /
     All Tag neun Geiß zu bletzen han.
So würdestu dann auch wol hinckn /
     Dörfft dir dein Muth wol gar entsinckn.
Das geb ich dir liebr Schneider mein
     Zur Antwort / auff den Geißbock dein.
Was wolt der Juncker weiters machn /
     Er must deß Schneiders selbsten lachn
Und des Geißbocks: mit Spott und Hohn /
     Zog also der gut Schneider darvon.
Mancher Schneider möcht nun wol fragn /
     Wo sich die Gschicht hab zugetragn?
Der sol nun wissen ohne scheu /
     Daß zu Gmünd sie geschehen sey.
Nicht weit von Bockberg und Geißheim /
     Daher gmeinlich die Schneider seyn.
Raudeneck / Grindberg / Blarrenfort /
     Die lign nicht weit von Gmünd sie dort.
Allda ist / wie ihr thut verstehn /
     Deß Schneiders peinlich Klag geschehn.

ENDE.



  1. so entziffert