Prometheus in Fesseln
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8.
Prometheus in Fesseln.
Erste Scene.
Kratos und Bias, (1) Sklaven Jupiters bringen den Prometheus zu einem im europäischen Scythien gelegenen, dem Meere angränzenden Felsen. Vulkan (2) mit Hammer und Ketten. Prometheus verhält sich die ganze Scene durch schweigend und leidend. Kratos. Vulkan. Erneuern wird die jetz’ge Quaal sich immer Kratos. Kratos. Kratos. Kratos. Vulkan. Gerade hier bedarfst du selbst der Schlauheit, Euch, euch ruf’ ich an. Nicht abzuwälzen ist des Schicksals Joch. Führt Neugier sie an diesen Felsenstein Und ohne Socken eil ich her Prometheus. Ihm jene neuen Feinde zu verrathen So wird von ihm ein Bund mit mir gestiftet, Der Zukunft Schleyer mir enthüllt, vorher Und diesem widersezte niemand sich als ich, Prometheus. Chor. An solch ein unwirthbares Felsgerippe [73] Bemerkungen
über die erste Scene des Prometheus.
[74] Bias, die Gewalt, eine personifizirte Idee und nach der Vorstellung des Aeschylus, Jupiters Sklave, spielt in der ersten Scene eine stumme Rolle und ist blos ein mechanischer Arm des strengen Beherrschers. Kratos, die Stärke. Rauhheit, Unempfindlichkeit, Hohnsucht und Unterwerfung sind die Hauptzüge des Charakters dieser dramatischen Person. Vulkan, gleichfalls ein Sklave, aber wider seinen Willen. Zu schwach, sich dem Befehle zu widersetzen, zu gut, um an der Marter seines Freundes Vergnügen zu finden, darf er nichts als ihn bemitleiden und sein ihm vom Jupiter aufgetragenes Geschäft verwünschen. Dem Unempfindlichen ist selbst das theilnehmende Mitgefühl des Vulkan zur Last. Personen von ungleichen Gesinnungen lassen sich eher vereinigen als Charaktere mit contrastirenden Empfindungen. Das Gefühl der Wehmuth und des Mitleids sucht sich anzuschmiegen, die rauhen Empfindungen stoßen von sich. Eteokles [2] [75] kann auf den zärtlichen Ausruf seiner Mutter: „ich Unglückseelige! was werdet ihr thun?“ kalt erwiedern: „das wird sich zeigen.“ Der eigenmächtige Wille des Despoten wird auch der Wille des devoten Sklaven. Prometheus, ein Feind Jupiters ist auch von Kratos gehaßt. An ihm sobald als möglich seine Rache zu üben, sich an seiner Quaal zu weiden, und ihn darob zu verhöhnen, sehnt sich sein gefühlloses Herz. Die Leidenschaft der Rache will bald befriedigt seyn. Mit der kleinen Lust der Schadenfreude ist auch der Hang zum Hohn verbunden. In seiner Einbildung ist es die höchste Wonne, den Leidenden seine Standhaftigkeit verlassen zu sehen, sein Jammergeschrey zu hören, und gerade aus dem Ausdruck des Schmerzes Stoff zum Spott zu ziehen. Die Klagen des Polynices geben seinem ungerechten Bruder nur Gelegenheit, ihn zu verhöhnen [3]. Wie Kratos seine Erwartung getäuscht sieht, wie der große Dulder keinen [76] Laut von sich giebt, was war natürlicher, als wenigstens am Ende ihn persönlich anzureden und auf eine spöttelnde Art durch Mißdeutung seines Nahmens (ein bedeutender Zug einer hohnsüchtigen Gemüthsart!) an ihm die Rache zu kühlen? So spinnt Eteocles aus dem Nahmen seines Bruders den Faden zum Spott: Fürwahr. Vorher schon ahndend deinen Zankgeist Getäuschte Erwartung erwekt Unzufriedenheit. Durch das feste Anziehen der Ketten, durch das Treiben des Keiles mitten durch die Brust hofft der Unempfindliche ihm desto eher ein Stöhnen und Klagen auszupressen; und da dies nicht erfolgt, so wendet sich sein Unwille gegen den Vollzieher der Befehle Jupiters. Verfehlt die unzufriedene Gemüthsart ihren Zweck, so muß auch der Schuldlose zum [77] Gegenstande ihrer Laune dienen. Es scheint also, daß der Tragiker, ausserdem, daß sich Kratos als einen getreuen und pünktlichen Diener des Zevs charakterisirt, auch auf noch etwas mehr, auf die sich entschädigende Rache der ihren Zweck verfehlenden Begierde habe hindeuten wollen. Die Bitterkeit der letzten Worte sollte den Leidenden seine Ohnmacht um desto tiefer empfinden lassen, jemehr er sonst auf Schlauheit und List Anspruch machte. Wir bemerken hiebey: daß der Ausdruck des Vulkan kürzer, der des Kratos um eine Strophe länger sey. Die Pünktlichkeit, mit der letzterer die Befehle Jupiters befolgt haben will, erfordert eine umständliche und daher wortreiche Anweisung des individuellen Geschäftes. Der Beschäftigte hingegen und der zugleich tief gerührt ist, ist nicht beredt. Die Antwort, die der Freund des Prometheus giebt, ist ihm mehr von dem rauhen Peiniger abgedrungen. Nur da, wo er dem Sohne der Themis seine künftige Bestimmung [78] zeichnet und ein rührendes Gemählde seines ihm bevorstehenden Unglücks entwirft, spricht er viel [5]. Des Freundes theilnehmende Vorstellung des zu erwartenden Schicksals bringt das Herz eher zur Sprache, vorzüglich denn, wenn der büssende sich seine Leiden selbst zugezogen hat und die Zukunft noch etwas Herberes befürchten läßt. Denn mit der theilnehmenden Empfindung des Vulkan vermischt er einen gelinden Vorwurf des gar zu kühnen Unternehmens. Es mit dem Gotte der Götter aufzunehmen, einem nur jüngst zur Herrschaft gelangten Oberherrn zu trotzen, einem schwachen Geschlechte zu gut soviel aufzuopfern! Alles dieses scheint ihm tollkühn vom Prometheus, ob wohl zugleich hart vom Bestrafer. Er wagt es nicht, sich dem Auftrage zu entziehen und wird durch die Drohung des Kratos zur Vollziehung gezwungen; – der Charakter eines gutherzigen Sklaven. Aeschylus hat hier zwey Charaktere contrastiren [79] lassen, und dieser Contrast wirft ein lehrreiches Licht auf den Helden der Bühne. Von Kratos lernt der Zuschauer durch Erfahrung, daß Prometheus die Götter zu Feinden habe, und von Vulkan, daß es ihm unter seinen Verwandten doch nicht gänzlich an Theilnehmern fehle. Zugleich eine Vorbereitung zum Nachfolgenden. Prometheus, schlau und groß verachtet die Sklaven Jupiters [6], haßt alle Götter [7]. Die Ungerechtigkeit eines Einzelnen ist der Leidende geneigt, dem ganzen Geschlechte zuzuschreiben. Er ist kein stoischer Gigante, er empfindet Schmerzen [8]; aber zu schlau, um sich durch Klaggeschrey dem Hohn auszusetzen, und zu stolz, einem Sklaven etwas zu entgegnen. Wir erblicken an ihm nicht den rohen Helden, der seinen Schmerz verbeißt, [80] weil er sich dessen schämt, sondern der die Leidenschaft veredelt; den zurückgehaltenen Ausdruck des Schmerzes. Die Diener eilen zum Olymp und Jupiter soll erfahren, daß die Strafe ihn nicht niederbeugen könne; der Zuschauer soll einen Vorbegriff von dem Charakter des Gottes erhalten und sein zukünftiges Benehmen voraus ahnden. Man vergleiche die letzte Scene. Schweigen deutet bey einer großen Seele nicht selten auf Verachtung. Der griechische Held erwiedert entweder den Hohn mit gleichem Hohn, oder, wo er diesen unter seiner Würde hält, ist Schweigen und Dulden ein Charakterzug der Größe. Prometheus ist ein großer Mensch mit veredelten Leidenschaften. Und nun denke man sich diese Scene auf öffentlichem Schauplatz, unter freyem Himmel, angeschaut von Griechen! Das hohe Pathos des Dulders, seine, Schmerz und Erhabenheit ausdruckende Miene mußte, wenn der Schauspieler sich bis zur schönen Natur zu erheben vermochte, die [81] reitzbare Seele des Griechen mit den größten Vorstellungen erfüllen; Mitleid und Bewunderung mußten abwechselnd Thränen erpressen und den Geist der eigenen Größe und Unabhängigkeit erwecken. Der Grundsatz: Grieche! trage lieber Ketten und dulde Quaalen, ehe du einem eigenmächtigen Herrscher den Nacken beugst und vor dem Mächtigern kriechest! mußte bey der Vorstellung lebhaft in ihnen werden. Und der Uebergang zur zweyten Scene, wo der Halbgott gleichsam Athem holt und durch Klagen und Seufzer seinem beklemmten Herzen Erleichterung verschafft, mußte eben so die Empfindungen der Zuschauer verändern und das hohe aber kalte Gefühl der Bewunderung zu dem sanftern und wärmern des Mitleids herabstimmen. [82] Ueber
die zweyte Scene. Ουκ αν γενοιτο χωρις ἐσθλα και κακα Αλλ` εςω τις συγκρασις. Seine Peiniger haben den großen Leidenden verlassen. Jetzt hängt er einsam. Rings um ihn die freye Natur. Sein Herz ist in Arbeit, die Phantasie wird geschäftig, dringt in die Zukunft, und wird nichts als Elend gewahr. Keine Gränze der Quaal. Er vergißt auf einen Augenblick seiner Kräfte, doch bald ruft er seine Größe zurück, ordnet die sich aufdringenden Gefühle seinem höhern Charakter unter, dem nichts unerwartet kommen kann. Prometheus ist ein Gott, er kennt die Zukunft; aber er ist auch ein leidender Mensch. Die Natur fordert den ihr gebührenden Tribut. Das Uebermaaß der Schmerzen, der verlassene Zustand, in dem er sich befindet, das Gefühl [83] des Unrechts dringen ihm Klagen und Seufzer ab. Wir sehen ihn mit sich selbst im Kampf, den höhern Theil mit dem niedern, den wechselseitigen Sieg beyder; denn er ist eine tragische Person, und soll unser Mitleid erwecken. Wir gewinnen ihn lieb, denn er ist unser Wohlthäter, leidet für uns. Wir bemitleiden ihn; er leidet schuldlos und einsam. Der einsame Zustand hat etwas Schreckliches. Philoctet leidet Nur von Winden umgeben, Das Herz muß sich ergießen. Dem Leidenden ist es Bedürfniß, sich bey dem [84] gänzlichen Mangel der Gesellschaft an leblose Gegenstände zu wenden. Wald und Flur, Himmel und Erde müssen Zeugen des Jammers seyn. In solcher Lage trägt der Kampf der Empfindungen und des Verstandes das Siegel der Natur. Die Unvermeidlichkeit des Schicksals fordert Geduld, die Größe der Schmerzen preßt Seufzer aus. Der Gott entwirft sich Grundsätze, der Mensch aus Schmerz gedrungen opfert sie auf; aber keine abgesonderte Zeichnung des Gottes oder des Menschen, sondern immer eine unzutrennende Verbindung der Kräfte beyder, nach griechischer Vorstellung von einem Halbgotte und dem tragischen Zweck gemäß. Prometheus erwähnt der Art seines Vergehens und seiner Verdienste um die Menschen. Das tragische Interesse des Stücks gewinnt, daß Aeschylus den Bestraften blos als den Beglücker des Menschengeschlechts, und nur von dieser Seite als Verbrecher vorstellt. In der Hesiodischen Fabel [10] erscheint [85] Prometheus weniger schuldlos, mehr als Betrüger, Jupiter zu sehr als Betrogener. Er soll Mitleid und Theilnahme erwecken, und muß sich nicht, der dramatischen Absicht zuwider, von einer verächtlichen Seite zeigen. Ueber
die dritte Scene. Die herrschende Vorstellung, die sich durch das ganze Stück verwebt, ist: Prometheus leidet schuldlos. Dies hören wir in seinen letzten Worten am Ende der Handlung, dies ist der Hauptinhalt der gegenwärtigen Scene. Um seine Unschuld noch in ein helleres Licht zu stellen, zeigt er sich auch als einen Wohlthäter Jupiters, und den Vater als einen Undankbaren. Er will die rebellischen Titanen zu friedlichern Gesinnungen bringen, tritt auf die Seite des neuen Herrschers, räth ihm, seine Feinde in den Tartarus hinab zu stürzen; und doch nimmt dieser bey seinem nachmaligen [86] Erkühnen hierauf gar keine Rücksicht, vergißt die vorherigen Freundschaftsdienste. Hieraus und aus der angethanen Schmach, die er dulden muß, erklärt sich der Haß des Prometheus gegen jenen, die Rache, die er an ihm nehmen will, und die in seiner Gewalt steht. Ueberhaupt ist es Charakter des griechischen Helden, einem Feinde nicht zu verzeihen und ihm Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Nach der Vorstellungsart der Alten ist Zevs dem nothwendigen Schicksal (αναγκη) eben so unterworfen wie der Mensch und jeder andere Gott. Prometheus hat vor dem Vater die Vorhersehungskraft jenes ihm noch bevorstehenden Schicksals voraus. Daher sein Trotz. Er kennt seine Gewalt über den Sohn des Kronos, wirft eine dunkle Erklärung hin und reitzt dadurch nur noch mehr die Neugierde der Oceaniden. Man sollte jetzt erwarten, der Chor werde wissen wollen, wodurch bewogen Jupiter ihm seine Freundschaft anbieten werde. Allein, statt dessen verlangt er von dem Vorgange der Strafe und der Ursache seines Leidens belehrt [87] zu seyn. Mir scheint es: dies ist kein bloßer Dichterbehelf, um den Leidenden desto bequemer seine Geschichte erzählen zu lassen. Furcht und Schrecken hatte den Chor übernommen, da sie den Kühnen in solchem Elende noch trotzen sahen. Diese Empfindung erfüllte noch ihre Seele, während Prometheus bey seiner Behauptung standhaft beharrt. Sie sind schüchterne Mädchen, die sich nicht erkühnen, dem mächtigen Oberherrn Trotz zu bieten, sondern lieber ihr Daseyn froh genießen, und seine Freundschaft durch Opfer und Weihe erhalten wollen [11]. Die Behauptung des Gottes, selbst Jupiters Eigensinn zu beugen, mußte ihnen viel zu gewagt scheinen. Während daß sie also die Auflösung dieser räthselhaften Aussage zu erfahren neugierig sind, und schon das παντ` εκκαλυψον über die Zunge lispeln, so übermannt sie wieder ein Schauer. Sie denken an den strengen Jupiter, den sie durch ihre gar zu große Neugierde zu beleidigen fürchten, sie kennen die Unbiegsamkeit des Prometheus, [88] befahren von ihm einen härtern Verstoß gegen Kronion, und finden es überhaupt unausführbar, dem Vater seine Herrschaft zu entreissen, lenken also lieber ihre Neugierde auf die vorigen Begebenheiten. Ist diese Vermuthung ohne Grund, so hat Aeschylus den Faden abgerissen, um ihn später bey der Erscheinung der Jo wieder anzuknüpfen [12]. – In den beyden ersten Auftritten erschien Prometheus duldend und einsam, jetzt kann sich sein Herz ausschütten und er darf Theilnahme hoffen. Aber es ist dem Leidenden eigen, an Theilnahme zu zweifeln. Bey dem Halbgotte ist dieses um so natürlicher, da er von Göttern gehaßt, von Menschen unbemerkt, der Luft und den Elementen ausgesetzt schmachtet. Daher sein Erstaunen beym Anblick der Oceaniden, sein flehend Rufen um Mitgefühl. Dem Chore dünkt dieses Mißtrauen hart. Sie wollen nicht nur Zuschauerinnen seines Elends seyn, sondern kommen, um mit ihm gemeinschaftlich zu klagen; [89] ihre Thränen sollen bürgen für ihr gefühlvolles Herz. Die Vorstellung von der Freude, welche seine Feinde bey dem Anblick des Leidens empfinden dürften, haftet noch lange in ihm. Und wie nun sich der Chor als einen Tadler Jupiters zeigt, ihm Gefühllosigkeit und unbiegsamen Sinn zuschreibt, sich zu der Parthey der Titanen schlägt, so wird der Held wieder sichtbar. Hier ist der Uebergang des schmerzlichen Gefühls und der bangen Besorgniß zu dem Gefühle eigener Kraft redend gemahlt, hier Trotz gegen Härte, Bestand gegen Bedrückung. Noch auf eine andere Art wird das Herz des Zuschauers für den Helden eingenommen, und zwar durch den Gesichtspunkt, aus welchem wir, nach der Darstellung des Dichters, den Jupiter erblicken. Er ist entschlossen, das ganze Menschengeschlecht zu vertilgen, ohne daß irgend ein Grund angegeben wird, der ihn hiezu bewegen kann; er erscheint also als der eigenmächtige Despot. Die Gefahr, in die wir unser eigenes Ich durch diesen Entschluß gesetzt [90] sehen und die Betrachtung, daß der bloße Wille das Gesetz ist, welches ihn bestimmt, erhöht unser Interesse für den Bestraften. Er vereitelt den Plan eines Despoten, macht unser Interesse zu dem seinigen, unterwirft sich den traurigsten Folgen, und des Anblicks der Menschen beraubt, darf er nicht einmal auf Dankbarkeit und Mitleid eines Geschlechts rechnen, welches er glücklich gemacht hat. Jupiter ist also nicht nur der Undankbare, er ist auch der Ungerechte. So weiß Aeschylus den Helden der Bühne zum Gegenstand unsers Mitleids zu machen und die Regeln des Stagiriten erhalten auch durch dieses Stück das Gepräge der Wahrheit und Gültigkeit. Indessen kann Zevs als der Oberherr des Olymps auf die Nichtkränkung seiner Rechte, die ihm doch selbst von den neuen Göttern verliehen sind, Anspruch machen. Seinen Thron zu sichern ertheilt er den Göttern Geschenke, und muß das Unternehmen eines Halbgottes um desto eher bestrafen, je mehr gleich Anfangs seine Herrschaft in Gefahr geräth. Dazu kommt noch, daß die Entwendung [91] des Sonnenfeuers als eine allgemeine Beleidigung aller Götter anzusehen ist. Dieser Vorwurf, der auf Prometheus fällt, wird ihm auch vom Chor und Vulkan gemacht, und hat, ohnerachtet er den Oceaniden unabsichtlich zu entfahren scheint, auf ihn den Einfluß, daß er ihm ein Geständniß seines Vergehens erpreßt, und seinen Starrsinn beugt. Aber nur auf einen Augenblick. Der Ocean kömmt zum Felsen und der Kühne wird wieder sichtbar. So viel zur Probe über den Charakter. – Was die Schürzung und Auflösung des Knotens, die Episode der Jo, den Fortgang der Handlung betrift, so verräth das Stück die Kindheit der dramatischen Poesie, ob es gleich mehr Plan enthält, als einige andere Trauerspiele des Aeschylus. Das Epische leuchtet vorzüglich aus der Erzählung der Götterfaktion, der den Menschen ertheilten Geschenke, und dem olympisch Feyerlichen des Beschlusses hervor. Wir würden hievon um so viel eher urtheilen [92] können, wenn die beyden andern Stücke Π. πυρφορος und λυομενος auf uns gekommen wären. Jetzt noch eine Darstellung des Ganzen. Ein Gott, gequält von Göttern, hängt er da Und er enthüllt ihr größeres Elend. Achtsnicht. |
- ↑ Ocean erzeugte mit der Thetys die Meernymphen, deren gegen dreytausend sind. Sie bewohnen die Flüsse und Seen.
- ↑ Eurip. Phoeniss. v. 626. ed. Beck.
- ↑ Phoeniss. Act. 2.
- ↑ Ph. v. 640.
- ↑ Prom. v. 18. etc.
- ↑ v. 976–78.
- ↑ v. 983.
- ↑ Sc. 2. und v. 988.
- ↑ Sophocl. Philoct. v. 691–95. ed. Brunk.
- ↑ Theog. v. [521].
- ↑ Pr. v. 526 etc.
- ↑ v. 770 etc.
