RE:Anonymus Valesianus

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Bd. I,2 (1894), Sp. 23332334
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Pauly-Wissowa I,2, 2333.jpg


Anonymus Valesianus. Unter diesem Namen fasst man zwei kleine Schriften zusammen, welche nichts mit einander gemein haben, als dass sie beide von Heinrich Valois am Schlusse seiner Ausgabe des Ammianus Marcellinus (Paris 1636) zuerst veröffentlicht und durch dieselbe Hs., aber auch hier nicht mit einander zusammenhängend, überliefert sind. Es ist dies der frühere Meermannianus [2334] 794, jetzt Berolinensis Phillippsianus 1885 aus dem 9. Jhdt. Aus diesem scheint der Vatic. Palat. 927 im 12. Jhdt. abgeschrieben zu sein. Kritische Ausgaben: V. Gardthausen Ammianus Marcellinus II 280, Leipzig 1875. Th. Mommsen Chronica minora I (Mon. Germ. hist. auct. ant. IX 1) 259. 314, Berlin 1891. Vgl. C. Frick Commentationes Woelfflinianae 339.

1) Der erste Teil tragt in der Hs. die Überschrift Origo Constantini imperatoris, enthält aber kurze Biographien aller Augusti, welche von 305–337 regierten. Es ist ein nachlässiges und sehr lückenhaftes Excernt, durch einige Interpolationen aus Orosius bereichert (A. 20 = Or. VII 28, 18. A. 29 = Or. VII 28, 20–21. A. 32–35 = Or. VII 28, 1–2. 28–31). Die ausgezogene Quelle geht zum Teil auf eine Sammlung von Kaiserbiographien zurück, welche bald nach dem Tode Constantins abgefasst war und auch dem Victor (Caes. und Epit.), Eutrop und Zosimus vorgelegen hat (A. 1 = Eutr. IX 22, 1 = Caes. 39, 24–25 = epit. 39, 3. A. 11 = epit. 40, 19. A. 4 = Caes. 40, 2 = epit. 41, 2 = Zos. II 8, 3 mittelbar aus Lact. de mort pers. 24). Das Meiste aber ist einem zeitgenössischen Bericht entnommen, welcher mit keinem der sonst erhaltenen Geschichtschreiber Berührungspunkte zeigt und alle an Genauigkeit und Zuverlässigkeit weit übertraf. W. Ohnesorge der A. V. de Constantino, Kiel 1885. C. Wagener Philol. XLV 546. E. Klebs Philol. Ν. F. I 53.


[Seeck.]

2) Der andere A. V. ist in der Berliner Hs. überschrieben: item ex libris chronicorum inter cetera; der Palatinus setzt den folgenden, sicherlich nicht ursprünglichen Titel vor: de adventu Oduachar regis Cyrorum et Erulorum in Italia et quomodo rex Theodericus tum fuerit persecutus. Thatsächlich beginnt die Erzählung mit der Erhebung des Kaisers Nepos (474 n. Ohr.) und schliesst mit Theoderichs Tod (526); die Ereignisse in Italien werden in chronologischer Reihenfolge mitgeteilt und dazwischen eingeschoben, was aus dem Oriente berichtet wird. Dass der schlecht schreibende und ungeschickt wertvolles Material compüierende Autor die sogenannten ravennatischen Fasten benutzt hat, ist sicher; ausserdem benützte er die im J. 511 geschriebene Vita des h. Severinus von Eugippius, die er auch citiert (c. 45), sowie wahrscheinlich für das, was er über Theoderich berichtet, mündliche Nachrichten und für die orientalische Geschichte einen anderen, unbekannten Autor. Der Verfasser der Compilation war Katholik und kann nicht sehr lange nach den von ihm berichteten Ereignissen geschrieben haben, vielleicht aber doch nach dem Sturze des Gotenreiches. Dass Maximianus, der Bischof von Ravenna, der Verfasser sei, ist unwahrscheinlich. Vgl. namentlich Mommsen Chron. min. 1259ff. Waitz Nachr. d. Gött. Ges. d. Wiss. 1865, 88ff. Holder-Egger Neues Archiv I 316ff., woselbst altere Litteratur. Cipolla Bullettino dell’ Istit. stor. Ital. 1891.


[Hartmann.]
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