Seite:AbrahamElektromagnetismus1905.djvu/398

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Erde merklich mit denjenigen identisch sind, die auf der ruhenden Erde beobachtet werden würden.

Auch wenn man sich auf den Standpunkt der allgemeinen Elektronentheorie stellt, so braucht man doch keineswegs jede einzelne der speziellen Hypothesen von H. A. Lorentz zu akzeptieren. Durfte doch das elektromagnetische Weltbild, dem diese Hypothesen angepaßt sind, nur als ein Programm bezeichnet werden. Und gerade die Lorentzsche Annahme über die Form des Elektrons ist keineswegs mit diesem Programm in Einklang zu bringen. Was ferner die „quasielastischen Kräfte“ anbelangt, welche im Verein mit der Trägheit die Eigenschwingungen der Elektronen bestimmen sollen, so ist deren Natur uns gänzlich unbekannt. Erst wenn wir die Linienspektra eines ruhenden Körpers auf Grund der Elektronentheorie befriedigend werden deuten können, wird es möglich sein, die Optik bewegter Körper sicher zu begründen. Bis dahin sind alle theoretischen Ansätze, welche man der Diskussion des Einflusses der Erdbewegung zugrunde legt, nur von provisorischer Bedeutung und der Abänderung sehr wohl fähig.

In Anbetracht der zahlreichen und vielfach bedenklichen Hypothesen, zu welchen die Lorentzsche Elektrodynamik bewegter Körper ihre Zuflucht nimmt, verdient die von E. Cohn[1] aufgestellte Elektrodynamik bewegter Körper Interesse. Diese Theorie sieht von atomistischen Vorstellungen ab. Sie stellt, der rein phänomenologischen Methode getreu, ein System von Feldgleichungen an die Spitze:

(248) \mathrm{curl}\,\mathfrak{H}'=\frac{4\pi}{c}\left\{ \mathfrak{i}+\frac{\partial'\mathfrak{D}}{\partial t}\right\},
(248a) \mathrm{curl}\,\mathfrak{E}'=-\frac{1}{c}\frac{\partial'\mathfrak{B}}{\partial t},
(248b) 4\pi\mathfrak{D}=\epsilon\mathfrak{E}'-\frac{1}{2}[\mathfrak{wH}'],

  1. E. Cohn. Göttinger Nachrichten 1901, Heft 1. Ann. d. Phys. 7, S. 29, 1902. Berliner Sitzungsber. 1904, S. 1294 und 1404.