Seite:Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III.djvu/14

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jedesmaligen Kirchenväter des Orts übergegangen ist. – Georg Rudolph von Ponickau’s Plan, Neschwitz zu einem Marktflecken zu erheben, weshalb er auch schon einen freien Platz vor dem jetzigen Kaufmannshause anlegen liess, misslang, indem er die landesherrliche Genehmigung nicht erhalten konnte. – Später erkaufte Neschwitz Conrad von Theler; 1674 gehörte es Frau Annen von Theler, gebornen von Güntherode, die zu Gunsten des Pfarrherrn, der Armen und der Schule ein Legat stiftete; 1676 George Bernhardt und 1689 Conrad Heinrich von Theler, von welchem Letztern es durch Kauf in Besitz des churfürstlich sächsischen Obersten von Schan-Rumohr überging. Dieser besass Neschwitz bis zum Jahre 1722, wo es der Herzog Friedrich Ludwig von Würtemberg, Graf von Mömpelgard, Herr zu Heidenheimb und kaiserlicher Generalfeldmarschall-Lieutenant erstand.

Zu dieser Zeit, wo nach dem Vorbilde des üppigen französischen Hofes die Fürsten und der hohe Adel fast aller europäischen Staaten einer ungemeinen Prunksucht fröhnten, entstanden durch den neuen Herrn in Neschwitz die prachtvollsten und kostspieligsten Anlagen. Das alte, mit Wallgräben umgebene Schloss, welches ein Ritter von Schreibersdorf in der Mitte des funfzehnten Jahrhunderts auf der Stelle der abgebrochenen ältesten Burg Neschwitz, einem engen Gebäude, errichtete, und in dem sich eine Kapelle befand, welcher vom Jahre 1454 bis zur Reformation besondere Schlosskapläne vorstanden, reichte mit seinen wenigen Räumlichkeiten für den prachtliebenden Herzog und seine zahlreichen Umgebungen nicht aus; deshalb liess er das alte Gebäu abbrechen und baute mit Ueberwindung unsäglicher Schwierigkeiten auf einem Hügel, der wegen des sumpfigen Grundes von Kies und Erde aufgeworfen werden musste, das jetzt sogenannte


Alte Palais,


welches er mit Kanälen und einem Wallgraben umgab, jedoch weniger als Wohnhaus, sondern vielmehr als Jagdschloss für sich und seinen Hofstaat während der Dauer der Jagdzeit benutzen wollte. Zugleich mit dem Palais entstanden die vier noch jetzt im Garten befindlichen symetrischen und massiven Pavillons; die herrlichsten neuen Anlagen zierten den Garten – der natürlich nach französischem Geschmacke angelegt wurde – und werthvolle Statuen, nebst einer auserlesenen Orangerie, trugen nicht wenig zur Verschönerung des ländlichen Fürstensitzes bei. Die Vergrösserung des Gartens machte es nothwendig, die alten Wirthschaftsgebäude abzubrechen und weiter westlich einen neuen Oeconomiehof zu erbauen, in dem sich zugleich ein schöner Marstall befindet. Von zwei, jetzt längst verschwundenen, für Roth- und Damwild eingerichteten Thiergärten ist blos ein Jagdhäuschen übrig geblieben, das in der Mitte des einen stand, und sehr vortheilhaft in die Augen fällt.

Der prachtliebende Herzog Friedrich Ludwig von Würtemberg starb um das Jahr 1733, und seine Wittwe, Ursula Katharine, geborne Fürstin von Teschen und Khotiborsch, behielt die Güter ihres Gemahls noch bis 1737, wo Neschwitz durch Kauf Eigenthum des Grafen Alexander Joseph von Sulkowsky, königlich Polnischen und churfürstlich Sächsischen Kabinetsministers und Generals der Infanterie wurde, der als eifriger Katholik seine Glaubensgenossen ausserordentlich begünstigte, so dass sie unter seinem Schutze sich zahlreich in der Umgegend ansiedelten. Während der Sulkowsky’schen Herrschaft trafen Neschwitz schwere Drangsale durch die Stürme des siebenjährigen Krieges: Misshandlungen der Einwohner, Brandschatzungen und Requisitionen, sowie die mehrmalige nahe Aufstellung preussischer und österreichischer Lager brachten die Bevölkerung von Neschwitz fast an den Bettelstab.

Im Jahre 1764 gelangte Neschwitz, nebst Zubehör, durch Kauf an den kaiserlich Oesterreichischen Rath und nachmaligen Sächsischen Geheimrath Freiherrn Wolfgang von Riesch, der es zu seinem Sommeraufenthalte wählte und die bereits ungemein schönen Gartenanlagen noch vielfach vergrösserte und verbesserte. Ein Herr von grossem Reichthum, Prachtliebe und Geschmack, schuf Freiherr Wolfgang von Riesch neue Fernsichten, liess Sümpfe entwässern, den Boden erhöhen, fruchtbare Erde herbeiführen und Kanäle ziehen. Durch ihn entstand das


Neue Palais,

nebst dem Orangeriehause, und dieser herrliche Bau, ein Werk des Architekten Krubsacius, Erbauers des Dresdner Landhauses, war nicht nur eine neue Zierde des Ortes, sondern er wurde auch für die Bewohner von Neschwitz und den umliegenden Ortschaften dadurch höchst wohlthätig, dass seine Herstellung ihnen bei der damals herrschenden schrecklichen Theuerung und Armuth eine reiche Erwerbsquelle eröffnete. Das neue Schloss enthält im Erdgeschoss das wunderschöne Orangeriehaus von 170 Ellen Länge, 19 Ellen Tiefe und 16 Ellen Höhe, in der Mitte über dem Orangeriehause aber befindet sich das Corps de Logis des Schlosses mit einem prachtvollen Balkon. Die Orangerie besteht aus den verschiedenartigsten Sorten und enthält 400 Stämme, darunter Exemplare von seltener Stärke und Schönheit, namentlich zeichnen sich vier Prachtstämme aus, welche als ein Geschenk des Fürsten Esterhazy aus Ungarn nach Neschwitz gelangten. Da die früher im Garten befindlichen drei Gewächshäuser eingegangen sind, so werden in der kälteren Jahreszeit mit der Orangerie auch die übrigen perennirenden und exotischen Gewächse im Orangeriehause aufbewahrt.

Dem Freiherrn Wolfgang von Riesch folgte im Jahre 1776 sein ältester Sohn Isaak Wolfgang, Freiherr, und seit 1792 Graf von Riesch, churfürstlich Sächsischer Geheimrath und königlich Polnischer Kammerherr, der während eines Zeitraums von beinahe vierzig Jahren die väterlichen Güter mit Liebe und Sachkenntniss pflegte, von seinen Reisen in Italien, Frankreich und England mannigfaltige Kunstschätze zurückbrachte und in Neschwitz eine Gallerie von mehreren hundert zum Theil sehr werthvollen Gemälden, eine bedeutende Bibliothek, eine Antiken-, Münz- und Mineraliensammlung, sowie ein Conchylienkabinet gründete. Um zugleich den Grundbesitz seines Hauses für die Dauer zu consolidiren, erhob er denselben mittelst Stiftungsurkunde vom 5. März 1800, confirmirt unter dem 31. März 1801, zum Majorat und Familien-Fideicommiss. Sein wohlwollender und menschenfreundlicher Sinn verband mit dieser Fundation die Begründung einer Cassa pia, welcher jährlich aus den Revenuen der Majoratsgüter eine Summe von ungefähr 450 Thalern zufliesst, die zum Besten der Armen und Nothleidenden, z. B. auch zur