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Gröditz,


in wendischer Sprache Rodzischczo abgekürzt Rosczo genannt, hat seinen Namen von seiner Lage auf einer Felsen-Anhöhe und seiner Bestimmung erhalten, indem sein wendischer Name eine Burg oder Veste bedeutet und der obere Theil des Ortes in früheren Jahrhunderten ein befestigter Rittersitz gewesen ist.

Eine in der Nähe des jetzigen herrschaftlichen Schlosses befindliche Schanze hat die Merkmale ehemaliger Bollwerke und Wilhelmine von Gersdorf hat in einer in den Erheiterungen von Zschokke enthaltenen Erzählung recht lebhaft an die im 12. Jahrhundert schon bestandene Veste von Graditz erinnert.

Der deutsche Name Gröditz, früher Gräditz, ist dem ursprünglich wendischen nachgebildet. Das jetzige Rittergut, Kirche, Pfarre und Schule und ein grosser Theil des Dorfes liegen auf einer freien Anhöhe, von welcher sich nach allen Seiten hin die weiteste Aussicht öffnet und nicht nur die gegen Mittag von Ost nach Nordwest sich hinziehende Gebirgskette, sondern auch manch einzelne entfernte Bergspitze, als: die Lausche, die Landeskrone bei Görlitz und selbst ein Theil des Riesengebirges gesehen werden kann. Daher Gröditz selbst von mehreren Seiten in weiter Ferne zeigt.

Eine ausgezeichnet schöne Lage hat das in der Abbildung befindliche Schloss, das mit seiner Morgenseite am Abhange hoher Felsenwände steht, die mit Holz bewachsen sind, nach Morgen hin sich ausdehnen und in der Tiefe mit den gegenüber befindlichen, zu dem Rittergute Weicha gehörenden Felsenhöhen ein angenehmes Thal, die Skala, d. i. Felsengrund, genannt, bilden, in welchem die Löbau fliesst.

Das jetzige Schloss in Gröditz verdankt seine Entstehung dem hochadeligen alten Geschlechte von Gersdorf, welches von dem ersten Markgrafen der Lausitz, Gero, seinen Namen ableitet. Alle die Dörfer, die in der Lausitz Gersdorf heissen, wurden früher die Gerensdörfer genannt, denn die Geschichte von der auf dem Gersten-Acker erretteten burgundishen Prinzessin, welche unter dem König Rudolph I. sich ereignet haben soll, ist nicht hinlänglich begründet und mithin auch unerwiesen, dass das altadelige Geschlecht derer von Gersdorf die Urheber dieser That waren. So viel steht fest, dass sie von Anfang an als tapfere Helden ihrer hohen Landes-Herrschaft sich stets bewiesen haben, wofür sie auf jegliche Weise mit dem grössten Vertrauen in Militair- und Civil-Staatsdienst von jeher beehrt wurden.

Es bewährt sich so recht an diesem Geschlechte der Spruch des Herrn: „Eine gute Saat wird fort gute Früchte erzeugen und segensvoll auf Kind- und Kindeskinder wirken“. Oder ist es kein Zeichen von dem grössten Segen, welcher auf dieser Familie ruht, wenn man in den Annalen der Geschichte lesen muss, dass dieselbe von der Entstehung des Schlosses Gröditz bis auf die neuesten Zeiten im Besitze desselben ununterbrochen geblieben ist?

Der vorletzte Besitzer von Gröditz war Herr Ernst Gustav von Gersdorf, Kreisdirektor zu Budissin und Comthur des Civil-Verdienstordens, von welchem es Herr Gustav von Gersdorf überkam, der auch jetzt noch damit beliehen ist.

Zu dem Rittergute Gröditz gehört ein bedeutendes Areal an Feldern, Wiesen und Waldungen um das Dorf und Vorwerk Cortnitz und ein Teil des Dorfes Wuischke. Letzteres kleine Dorf haben die letzten Besitzerinnen desselben, die beiden Fräulein von Maxen, bei ihrem erfolgten Ableben an die Pfarre zu Gröditz vermacht und der dasige Pfarrer ist demnach seit dem Jahre 1663 Grundherr von demjenigen Theile dieses Dorfes, welcher nicht zu dem Rittergute Gröditz gehört.

In die Kirche zu Gröditz sind aber noch mehrere Orte ausser Wuischke und Cortnitz eingepfarrt, wie z. B. Nechern, Wurschen, Belgern, Drehsa, Rackel, Briessnitz, Cannewitz und Weicha.

Die hiesige Kirche ist ursprünglich sehr alt: dieselbe wurde aber im Jahre 1790 auf den alten Grundmauern völlig erneuert und mit einem

Empfohlene Zitierweise:

Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1854–1861, Seite 198. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Ritterg%C3%BCter_und_Schl%C3%B6sser_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_III.djvu/294&oldid=1884112 (Version vom 29.09.2012)