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Schindeldach versehen. Das Innere ist ganz einfach und der Raum beschränkt. Alterthümer und Denkmäler von historischem Werthe sind weder in der Kirche noch auf dem Kirchhofe zu finden.

In der Parochie selbst erinnern zwei alte Schanzen, bei Belgern und Rackel, an Kriege von früheren Jahrhunderten und eingemauerte Kanonenkugeln an dem herrschaftlichen Schlosse zu Wurschen an das Jahr 1813.

Das Pfarrhaus zu Gröditz hat blos im untern Stocke Mauer und ist bei dem Ueberfalle von Hochkirch, wo der obere Theil des Ortes und auch die zur Pfarrei gehörigen Wirtschaftsgebäude abbranten, vom Feuer verschont geblieben.

In die Kirchenschule zu Kotitz sind die drei Orte Cortnitz, Wuischke und Weicha gewiesen. Die Zahl der Schulkinder beläuft sich auf 140.

Die Collatur von Kirche, Pfarre und Kirchenschule ruht auf den beiden Rittergütern Nechern und Gröditz.

Die Nebenschulen von Gröditz sind in Wurschen und Rackel, worüber das Collaturrecht dem Grafen und Edlen zu Lippe Biesterfeld-Weissenfeld zusteht.

Die Parochianen von Gröditz bestehen aus Wenden und Deutschen, weshalb der Gottesdienst an jedem Sonntag zuerst in wendischer und dann in deutscher Sprache stattfindet.

Die ganze Kirchfahrt hat aber nur einen gemeinschaftlichen Begräbnissplatz, welcher die Kirche rings umgiebt und den Ruhestätten darauf durchgängig eine feste Grundlage gewährt.

In der Nähe von Gröditz ist der berühmte Berg, der Czorneboch – welcher auch Porschiza, Braschiwa Hora genannt wird – und seinen Namen von dem einstigen dasigen Aufenthalte der wendischen Priester und Priesterinnen, die den Cultus der Götter und Göttinnen des Frageaberges besorgten, erhalten hat. Hier auf diesem Czorneboh fanden die schauerlichen Mysterien der gefürchteten Nacht- und Todesgöttin, Czorneboh Pya, statt, und von dieser, wie von der Lebens- und Liebesgöttin Ziwa, wurden die Orakelsprüche ertheilt.

Gröditz liegt eine Stunde von Weissenberg und ist diesem Gerichtsamte mit den übrigen Dörfern der Parochie einverleibt.

Gröditz hat in seinen 50 Gebäuden an 300 Bewohner.

(M. G.)     





Niederottenhain,

eine Stunde von Löbau entfernt, liegt an der Westseite der Chaussee von Zittau nach Löbau und besteht der Ort aus Nieder- und Oberottenhain.

Ungefähr 1000 Schritte von Niederottenhain liegt Sonnenberg am Sonnenberge. Die auf diesem Hügel befindliche Felsengruppe bietet eine angenehme Aussicht nach allen Richtungen in die Umgegend und führt den Namen Jüdden oder Jürdenhaus, was von den grottenartigen Vertiefungen auf der Ostseite herrührt.

Nach alten Sagen ist auf demselben ein Tempel oder Opferaltar des Wodan, Wodin oder Odyn, d. i. des Weltenschöpfer, gewesen und davon stammt der Name des Dorfes, welcher aus Odynhain in Ottenhain verwandelt worden ist.

Die Urbesitzer des Ortes sollen auch zuerst am Sonnenberge gewohnt haben.

Von Ottenhain gegen Morgen liegt der nicht zu hohe Berg, der Jäckel genannt, von dem man nördlich bis in Nieskyer, östlich in die Görlitzer und nordwestlich in die Bautzner Gegend eine der vortrefflichsten Aussichten geniesst.

Das Schloss von Niederottenhain, welches zwei Etagen hoch und zwölf Fenster in der Fronte hat, ist ein stattliches Gebäude und die Wirthschaftsräume sind vortrefflich zu nennen; ein daranstossender Garten ist nicht der grösste, aber derselbe gewährt lieblichen Aufenthalt.

Das zum Gute gehörige Areal ist nicht unbedeutend. Die Felder und Wiesen gehören der mittleren Bodenklasse an und die Holzungen, die weniger in Schwarzholz, wie in lebendigem bestehen, sind gut bestanden. Die dazu gehörige Branntweinbrennerei ist in gutem Zustande und die Ziegelbrennerei von grossem Umfange.

Im 16. Jahrhundert war Ottenhain nur ein Ort und gehörte einem Herrn von Miltitz. Im Jahre 1571 wurde es unter Anderm an einen Herrn Christoph von Gersdorf auf Baruth für 7400 Thaler verkauft, von welchem

Empfohlene Zitierweise:

Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1854–1861, Seite 199. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Ritterg%C3%BCter_und_Schl%C3%B6sser_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_III.djvu/297&oldid=1884113 (Version vom 29.09.2012)