Seite:Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III.djvu/32

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Tage vor Seinem Tode befand Sich Sr. Majestät der hochselige König Friedrich August in Königswartha auf der Entenjagd, und es ist bekannt, dass der gütige Monarch noch am Tage vor Seinem Tode Sich des hiesigen Aufenthalts mit Vergnügen erinnerte. Der König war in Königswartha äusserst heiter und gesprächig, und unterhielt Sich lebhaft mit verschiedenen Personen. Begleitet von den Segenswünschen der hocherfreuten Landleute, setzte der Monarch Seine Reise fort und – kaum acht Tage später kam die erschütternde Trauerkunde, Friedrich Augusts edles Herz habe zu Brennbüchl im fernen Tyrol den letzten Schlag gethan! – –

Ohne Zweifel war Königswartha in den frühesten Zeiten eine Warte oder Burg, die zur Niederhaltung der bezwungenen Sorben von einem deutschen Reichsoberhaupte, vielleicht Heinrich dem Vogelsteller, erbaut wurde, und deren Entstehung Veranlassung zur Gründung des Ortes gab. Die Wenden nennen denselben Rakezy, zu deutsch Krebsort, ein Name, der wahrscheinlich von dem nahen krebsreichen Schwarzwasser herrührt. Nach Berichten alter Lausitzer Gerichtsschreiber, war Königswartha im Mittelalter eine bedeutende und wohlbefestigte Stadt, als aber das hussitische Gesindel 1425 seinen bestialischen Zug in die Lausitz unternahm, wurde Königswartha wie Hunderte von anderen blühenden Städten und Dörfern mit Mord und Brand heimgesucht, und sank zu einem unbedeutenden Städtchen, und endlich gar zu einem Marktflecken herab. Dass Königswartha eine Stadt gewesen sei, beweist eine Urkunde des Landvoigts der Oberlausitz, Benesch von Chusnick vom Jahre 1346, worin derselbe die drei Edelleute Dietzman, Wolf und Nikolas von Pannewitz mit der halben Stadt Königswartha für den Fall belehnt, dass der gegenwärtige Besitzer Hans von Pannewitz mit Tode abgehen sollte. Die Urkunde ist noch insofern nicht unwichtig, als sie den einzigen bekannten Fall nennt, wo ein Landvoigt das Recht des Landesherrn, die Belehnung, ausübte.

Die Herren von Pannewitz besassen Königswartha bis zum Jahre 1550, wo es an Valentin von Hennigke gelangte, der das Gut 1558, Friedrichen von Peschen überliess. Von diesem kam Königswartha an den eifrig protestantischen Hans Christoph von Ponickau, Herrn auf Pulsnitz. Im Jahre 1626 entstand neben dem Hauptgute noch ein Beigut, welches den Herren von Schreibersdorf und zuletzt einem Herrn von Gödaw gehörte, nach dessen Tode Haubold von Schleinitz die beiden Güter wieder vereinigte. Katharine Margarethe, Haubolds von Schleinitz Wittwe, eine geborene Schönberg, schenkte der damals gänzlich mittelossen Kirche ein Legat von 1000 Thalern. Bis zum Jahre 1661 gehörte Königswartha dem Churfürsten von Sachsen und ging dann an den Kriegsrath und Landeshauptmann Johann Adolf von Haugwitz und später an dessen Sohn, Adolf Günther von Haugwitz über, welcher Letztere indessen schon in seinem dreissigsten Jahre mit Tode abging. Seine Wittwe, aus dem adligen Geschlecht von Hocke, vermählte sich hierauf mit einem Herrn von Luttitz auf Räckelwitz, worauf Königswartha Anna Katharina, Adolf Günthers von Haugwitz Tochter, Gemahlin Gottlob Christians von Vitzthum-Eckstädt auf Klitten und Jahmen erhielt. Im Jahre 1738 vermählte sich deren Tochter, Auguste Wilhelmine, mit dem Reichsgrafen von Dallwitz und Schafgotsch und wurde Eigenthümerin von Königswartha. In der von ihr erbauten Familiengruft ruht sie nebst ihrem Gemahl in gewaltigen Särgen, die aus Granit gemeiselt sind. Ihr Sohn und Erbe, der Geheimrath und Domdechant des Stiftes Meissen, Johann Friedrich Graf von Dallwitz, liess das alte Schloss abbrechen, und das noch jetzt stehende erbauen; auch that er viel zur Verschönerung der Gärten und Anlagen. Als der Graf einen vor dem Schlosse befindlichen holzbewachsenen Platz, der Winz genannt, zu Parkanlagen umwandeln wollte, ein Plan der wegen des gänzlich unfruchtbaren Bodens wieder aufgegeben werden musste, fanden die Arbeiter beim Hinwegräumen der Erdoberfläche einen wendischen, uralten Begräbnissplatz mit zahlreichen Urnen und mancherlei metallenen und irdenen Geräthschaften, nebst einem aus Steinen zusammengesetzten Opferheerde. Der Graf, ein Kenner und Freund der Kunst und Kunstalterthümer, liess die gefundenen Gegenstände von einem Dresdner Künstler genau abzeichnen, coloriren, in einen Folioband von fast 200 Blättern zusammenbinden, und mit dem Titel „Königswartha subterranea“ versehen. Diese literarische Seltenheit befindet sich jetzt, nebst den aufgefundenen Alterthümern im Besitz der Oberlausitzer Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz; ein zweites prachtvolles Exemplar dieses Werkes in Quart besass der Staatsminister von Nostitz und Jänkendorf, der es dem, um die Alterthumskunde so hochverdienten Rentamtmanne Preussker in Grossenhain als Geschenk verehrte. Graf Johann Friedrich von Dallwitz starb 1796, und Königswartha kam an seinen jüngeren Bruder den Grafen Johann Maximilian, der es bis zum Jahre 1809 behauptete, wo das Gut der königlich Preussiche Oberamtmann Steinkopf, durch Meistgebot an sich brachte, und bis zu seinem Tode, der 1828 erfolgte, bewirthschaftete. Von dem Oberamtmann Steinkopf, erbte Königswartha dessen älterer Sohn, Johann Carl Friedrich Christoph, und verkaufte es 1836 an seinen Schwiegersohn, Herrn Ferdinand Bruno Erdmann von Rabenau, aus dem Hause Brestau und Schöneich, Herrn auf Kasslau, Eutrich, Truppen, Kamenau, Johnsdorf, Neudorf und Koblenz, der es noch jetzt besitzt.

Wie die Mehrzahl der christlichen Gotteshäuser der Lausitz, entstand auch die hiesige Kirche im zwölften Jahrhunderte. Sie wird urkundlich zuerst im Jahre 1213 erwähnt, wo Bischof Bruno II. von Meissen, nachdem er das Domkapitel zu Meissen gestiftet, dessen Archidiakonate auch die Kirche zu Königswartha unterordnete. Die ältesten noch vorhandenen kirchlichen Nachrichten, gehen nicht unter das Jahr 1440 zurück, wodurch es fast zur Gewissheit wird, dass die Wuth der Hussitenhorden, mit der Stadt auch die Kirche und ihr Archiv vernichtete. Zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts erfuhr die Kirche bedeutende Reparaturen, auch wurde sie damals durch einen Anbau vergrössert.

Die Parochie besteht aus einer wendischen und einer deutchen Gemeinde, für welche jeden Sonntag doppelter Gottesdienst stattfindet. Beide Gemeinden zählen etwa 2070 Personen, von denen die Mehrzahl Wenden sind. Eingepfarrt nach Königswartha sind: Truppen, Kamenau, Johnsdorf, Neudorf und die Preussischen Ortschaften Wartha, Steinitz mit Neusteinitz und Kolbitz, Weissig, Hermsdorf und die Balackmühle.

Otto Moser, Redact.