Seite:Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III.djvu/54

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Gallus wurde das neue Gotteshaus eingeweiht. Dieses Gebäude stand bis 1607 wo ein neuer Kirchenbau vorgenommen werden musste, denn schon 1598 hatte ein Blitzstrahl die Kirche sammt dem Thurme fast gänzlich ruinirt. Aber auch das neuerrichtete Kirchengebäude stand nur eine kurze Zeit, denn schon 1749 war es so baufällig und zugleich für die starke Gemeinde so beschränkt, dass ein abermaliger Neubau stattfand. Nach vielen Schwierigkeiten und Störungen kam die Kirche endlich (1769) unter Dach und erhielt einige Jahre später den Thurm. Es ist ein freundliches, geräumiges, stattliches Gotteshaus, durch das seine Erbauer sich ein ehrendes Denkmal geschaffen haben. In der Kirche befinden sich noch einige alte merkwürdige Leichensteine, die einst auf Nostizischen und Gersdorfschen Grüften lagen, sowie verschiedene alterthümliche Holzschnitzereien und Bildnereien. Wie schon erwähnt, hat die Kittlitzer Parochie zwei Geistliche, einen Pfarrer und einen Diakonus, von welchen ersterer Lehnsherr von Breitendorf und sieben Häusern zu Kittlitz ist. – Die Kirchengemeinde besteht theils aus Deutschen, theils aus Wenden; doch nimmt die Zahl der Letzteren allmälig ab.

L.






Grosswelke.


Auf einer Anhöhe, umgeben von reizender Gegend, liegt das Rittergut Grosswelke. In weitem Umkreise schweift das Auge von hier über fruchtbare Thäler und Höhen, durchschnitten von hellen Gewässern und weithin gestreckten Waldungen und Fluren, aus denen die rothen Dächer und spitzen Thürme zahlreicher Ortschaften zwischen Wiesengrün und Obstbaumpflanzungen freundlich hervorschauen. Das schönste Panorama aber bietet sich in der Richtung nach Süden, wo die alte Stadt Budissin mit ihren stolzen Thürmen in felsigem Thale sich an die Spree schmiegt und in weiter Ferne das Auge auf den ehrwürdigen Häuptern des hohen Lausitzer Gebirges haften bleibt. Man überschaut von Grosswelkes Höhen einen grossen Theil der Sächsischen Lausitz, umschlossen von waldigen Höhenzügen, über welche östlich die Landskrone, nach Süden der Thronberg, Worbis, Sorerberg und der einst heilige Czernebog, der Berg des schwarzen Gottes, herüberragen als erfahrungsreiche Zeugen einer vieltausendjährigen Vergangenheit.

Grosswelke, sowie das naheliegende Kleinwelke, sind wendischen Ursprungs und jetzt noch grossentheils von Nachkommen dieses tapferen und gutmüthigen Volkes bewohnt. In grauer Vorzeit hauste hier ein adeliges Geschlecht von Welke oder Vuilka, das in der Lausitz noch verschiedene Güter besass, jedoch bereits seit der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts nicht mehr genannt wird. Von den Welkas scheint das Dorf Grosswelka an das Franziskanerkloster zu Budissin gekommen zu sein, wenigstens gehörte es dem Kloster schon 1380 als ein sogenanntes Küchengut, und daher mag wohl auch die Volkssage rühren, dass in Grosswelke vormals ein Kloster gestanden habe. Die Franziskaner verkauften das Dorf 1513 an den Ritter Hans von Ponickau, der 1536 starb. Nach ihm besass Grosswelke Christoph von Metzrad, der 1567 mit Tod abging und Christoph Heinrich von Metzrad als Erben hinterliess. Dieser bekleidete das Amt eines königlichen Hofrichters und starb 1587, worauf das Gut an Wolf von Metzrad kam. Dessen Sohn, Seyfried von Metzrad auf Milkwitz und Grosswelke war Klostervoigt des Klosters Marienstern und vermählt mit Katharina von Haugwitz, die 1642 zu Bautzen begraben wurde. Der letzte Besitzer aus dem Geschlecht der Metzrade war ein Christoph von Metzrad, der Grosswelke um 1660 an den Landescommissär Wilhelm Heinrich von Leubnitz auf Techritz und Friedersdorf verkaufte, nach welchem es dessen Sohn August Gottlob von Leubnitz und späterhin der Landesälteste des Budissiner Kreises, Gottlob von Leubnitz, besass. Letzterer verkaufte das Gut 1768 an den Gegenhändler (Assistenten des Landeshauptmanns) von Below und dessen Erben 1818 an den Kammerherrn Johann Heinrich Wilhelm Adolph von Hartmann-Knoch auf Elstra, und dieser 1849 an seinen Sohn, Herrn Hermann Heinrich Wilhelm Adolph von Hartmann.

Empfohlene Zitierweise:

Gustav Adolf Poenicke: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1859, Seite 38. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Ritterg%C3%BCter_und_Schl%C3%B6sser_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_III.djvu/54&oldid=1221359 (Version vom 2.09.2010)