Seite:Astronomische Beobachtungen an der k. k. Sternwarte zu Prag 4.djvu/10

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befindlichen, umfangreichen Sternwarten-Publication »Definitive Resultate aus den Prager Polhöhen-Messungen von 1889 bis 1892 und von 1895 bis 1899« vor.

Der zweite Theil der vorliegenden Publication enthält die Fortsetzung meiner selenographischen Studien nach focalen Mondaufnahmen der Mt. Hamiltoner (Lick-) und Pariser Sternwarte. Dieselben zerfallen 1. in zeichnerische, 2. in rein photographische Vergrößerungen und 3. in Vergleichungen verschiedener Mondplatten mit Schmidt’s zwei Meter großer Mondkarte. Diese eingehenden Arbeiten dürften den hohen Wert der jetzigen Mondphotographie für die Erkenntnis der Oberflächenbeschaffenheit unseres Trabanten überzeugend bekunden und auch dem, sei es aus Mangel an Gründlichkeit, sei es aus Sorge um die naturgemäße Entwertung des subjectiven, zumeist skizzenhaften und wenig genauen, Zeichnens nach der Natur durch die objective Photographie, propagierten Irrthume, als würden diese Aufnahmen nur gröberes Detail wiedergeben, nachdrücklich steuern. Dass letztere in vielen Fällen auch feines Monddetail darstellen, habe ich bereits in einer besonderen Schrift »Ueber das feinere selenographische Detail der focalen Mond-Photographien der Mt. Hamiltoner und Pariser Sternwarte« (Prag 1897) dargethan. Hier wird diese Anschauung noch weiter begründet und durch mannigfaltige Beispiele der Auffindung unbekannter kleiner Objecte und deren nachträglicher optischer Bestätigung erläutert. Bei diesen Verificierungen unterstützte mich in hervorragendem Maße der hochverdiente französische Selenograph, Herr C. M. Gaudibert in Vaison (Vaucluse), welchem ich für dessen bezügliches unermüdliches Interesse um so mehr Dank schulde, als mir selbst wegen der Kleinheit des hiesigen Aequatoreales, der beengten Verwendbarkeit desselben und der allgemein sehr unruhigen Prager Luft nach dieser Richtung hin die Hände völlig gebunden waren. – Betreff des feineren photographischen Monddetails befinde ich mich in erfreulichem Einklange mit den Erfahrungen der Pariser Sternwarte, denen zufolge für die untere Grenze des photographisch wahrnehmbaren, noch präcise Form zeigenden Monddetails der Betrag von 0″.5 =0.93 km (für mittlere Mondentfernung) anzunehmen ist. Diese Grenze schließt indessen nicht aus, dass auf den gekörnten Emulsions-Platten noch kleineres reales Detail von weniger bestimmtem Charakter vorhanden sei, welches nicht von einem photo-selenographisch und zeichnerisch geübten Auge ausfindig gemacht bezw. richtig gedeutet werden könnte.

Der reiche Tafelschmuck dieser Publication stammt von dem k. u. k. militär-geographischen Institute in Wien, von der k. u. k. Hof-Photogr. Kunst-Anstalt C. Angerer & Göschl in Wien, von dem artistisch-typographischen Institute C. Bellmann in Prag, sowie von der k. u. k. Hoflithographie A. Haase in Prag und weist durchwegs ausgezeichnete Leistungen dieser Institute auf.

Von dem Prager photographischen Mond-Atlas, zu dessen Herstellung meine sehr zahlreichen, rein photographischen Mondvergrößerungen mit adäquater Schärfe zu den focalen Originalen geführt haben, konnte hier leider bloß Tafel XVI und auch diese nur in reduciertem Formate gebracht werden; doch dürfte dieselbe ihrem Zwecke genügen.

Prag, im Februar 1901.

L. Weinek.