Seite:Astronomische Beobachtungen an der k. k. Sternwarte zu Prag 4.djvu/125

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mit laufenden ungeraden Zahlen der I. Lunationshälfte (zunehmender Mond), jene mit geraden der II. Lunationshälfte (abnehmender Mond) an. – Das I. Heft (Tafel 1–20) erschien im November 1897, das II. (Tafel 21–40), III. (Tafel 41–60) und IV. Heft (Tafel 61–80) im April, Juli und December 1898, das V. (Tafel 81–100), VI. (Tafel 101–120) und VII. Heft (Tafel 121–140) im März, Juni und November 1899, das VIII. (Tafel 141–160), IX. (Tafel 161–180) und X. Heft (Tafel 181–200) im Februar, Juni und November 1900.


2. Ueber die angewandte Vergrösserungs-Methode.
Die von mir gewählte Methode der photographischen Vergrößerung ist in einer besonderen Abhandlung, welche am 22. Juni 1899 der Wiener Akademie der Wissenschaften unter dem Titel »Ueber die beim Prager photographischen Mond-Atlas angewandte Vergrößerungsmethode« vorgelegt wurde, ausführlich beschrieben und durch eine erläuternde Abbildung des benützten Apparates illustriert worden, weshalb auf dieselbe verwiesen werden möge.[1] In Kürze bestand diese Methode in Folgendem: Das Vergrößerungsobjectiv war ein sog. unsymmetrischer Anastigmat-Doublet der Firma Zeiss in Jena mit dem Oeffnungsverhältnis 1:7.2 und der Brennweite f = 22 mm. Der Vortheil dieser Systeme besteht in einer vollkommenen Aufhebung der astigmatischen Abweichungen schiefer Büschel unbeschadet der Ebnung eines großen Gesichtsfeldes. Eine genauere, von der Firma Zeiss im Herbste 1898 ausgeführte, Brennweiten-Bestimmung ergab f = 21.75 mm und als Distanz der beiden Hauptpunkte den Wert 0.15 mm. Dieses Objectiv wurde vor einem senkrechten Rahmen, in welchen das zu vergrößernde Original-Negativ bei transparenter Beleuchtung mittelst eines Spiegels und diffusen Tageslichtes kam, in eine Hülse geschraubt, welch’ letztere vor dem Negative leicht in horizontalem und verticalem Sinne verschoben werden konnte. Dabei war die Einrichtung ähnlich derjenigen, welche ich bei meinem, in den Prager Astr. Beob. 1888–1891, S. 50, beschriebenen Apparate zum vergrößerten Zeichnen nach transparenten Photographien getroffen habe. Der erwähnte verticale Rahmen, welcher auf einem schweren Tische fest verschraubt worden, bildete mit dem Negative und dem Vergrößerungsobjective ein System für sich. Dasselbe heiße I. Diesem wurde eine geeignete Stativ-Camera, deren Objectivkopf entfernt worden, gegenübergestellt, und an Stelle der gewöhnlichen mattierten Auffangsscheibe eine durchsichtige Scheibe mit einem Strichkreuze in der Aufnahme-Ebene gegeben. Dieses System werde mit II bezeichnet. Hinter dem bemerkten Strichkreuze wurde ein 7.8-mal vergrößerndes Ocular derart angebracht, dass es nach erfolgter Focussierung auf dasselbe in constantem Abstande von der durchsichtigen Visierscheibe verblieb und zugleich beliebig nach rechts oder links bezw. oben oder unten bewegt werden konnte. Das Arrangement ähnelte hiebei demjenigen des Vergrößerungsobjectives in System I. Beide Systeme I und II waren völlig getrennt von einander, so dass die unvermeidlichen Erschütterungen der Camera beim Einstellen, Centrieren und Einfügen der, die empfindliche Platte enthaltenden, Cassette sich nicht auf das Objectiv übertragen und dessen Distanz vom Negative modificieren konnte. Das vergrößerte Bild wurde im Oculare hinter der durchsichtigen Visierscheibe aufgefangen und dabei das Objectiv durch Vermittlung eines an dasselbe geschraubten und mit Speichen versehenen Aluminium-Trichters (welcher die Camera-Oeffnung zu umschließen hatte), sowie eines langen Stabes so lange gedreht, bis nicht das vergrößerte Emulsions-Korn die größte Schärfe zeigte. Diese Einstellung auf das Korn war für den Erfolg ebenso wichtig, als die Trennung beider Systeme I und II von einander. Da allgemein die Original-Negative 24-mal vergrößert wurden, so war die optische Vergrößerung des Kornes im angeführten Oculare 187-fach, wodurch ein sehr hoher Genauigkeitsgrad beim Einstellen erreicht wurde. Erst, nachdem letzteres beendet worden, wurde auch eine matte Visierscheibe in das System II gegeben, um das Bild in seiner Gesammtheit zu überblicken, den gewünschten Krater oder Berg in die Mitte der Platte zu bringen und die Beleuchtung in allen Theilen des Bildes durch entsprechende Drehung des Spiegels möglichst gleichartig zu gestalten. – Als empfindliche Platten wurden durchwegs Bromsilber-Gelatine-Emulsionsplatten
  1. Siehe S. 64–68 dieser Publication.