Seite:Astronomische Beobachtungen an der k. k. Sternwarte zu Prag 4.djvu/133

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Sonne steht, vorkommen können, so beträgt die verticale Contraction 8″.2 d. i. in 24-maliger Vergrößerung 13.6 Millimeter. Nimmt man weiter für den ungünstigsten Fall an, dass die gemessene Schattenlänge l0 in diese verticale Richtung fiele und dass dieselbe im Maximum 1/80des Monddurchmessers beträgt, so wäre jene wegen Refraction nur um 0″.1 d. i. um 0.17 Millimeter in der Vergrößerungsebene zu vermehren, welche Correction indessen wegen der Unsicherheit in der Schattenlängen-Messung, die mindestens auf 0.5 mm veranschlagt werden kann, gleichfalls zu vernachlässigen ist. Diese Nichtberücksichtigung der Refraction erscheint im Allgemeinen noch durch den Umstand begründet, dass zumeist die Mondaufnahmen in der Nähe des Meridianes geschehen und dort die Schattenrichtung der Mondberge einen nur geringen Winkel mit dem horizontalen Monddurchmesser, einen großen jedoch mit dem verticalen bildet.[1]

Ferner ist anzuführen, dass die Crommelin’schen, im obigen Verzeichnisse gegebenen, Werte von ϑ sich auf die Rectascensionen und Declinationen des Mondes im Nautical Almanac gründen, welche bekanntlich die Newcomb’schen Correctionen zu Hansen’s Tafeln enthalten und insofern etwas genauer sind, als meine, in der erwähnten Abhandlung berechneten ϑ, welch’ letztere sich auf die uncorrigierten, den Hansen’schen Tafeln direct entnommenen Längen und Breiten des Nautical Almanac stützen.


6. Ueber einige Unvollkommenheiten der Reproduction.

Dass im Allgemeinen jede Reproduction durch den Druck hinter dem Originale zurücksteht, besonders dort, wo es sich um feine Töne und Uebergänge handelt, ist eine bekannte Thatsache. Auch für den Lichtdruck gilt dieser Uebelstand, da unter Anderem ein nicht völlig gleichartiges Anfeuchten bezw. Schwärzen der Druckplatte leicht geringe Modifikationen in der relativen Helligkeit des Bildes, selbst Flecke und Verschwommenheiten herbeiführen kann, welche dem Originale fremd sind. Wenn auch von mir die oft recht mühsamen und umständlichen Correcturen mit größter Aufmerksamkeit gelesen und vom Bellmann’schen artistisch-typographischen Institute, das anerkannt Ausgezeichnetes auf dem Gebiete des Lichtdruckes leistet, mit peinlichster Sorgfalt berücksichtigt wurden, so blieben doch noch einige kleine Reproductionsfehler übrig, welche, so weit sie mir bei der Durchsicht mehrerer, von mir versendeter Atlas-Exemplare auffielen, hier erwähnt werden mögen.[2]


  1. Bekanntlich ist, wenn die durch Refraction verursachte Verkürzung des verticalen Mondhalbmessers Δσv, diejenige des unter dem Winkel q gegen die Verticale geneigten Halbmessers Δ0q heißt:
    Δ0q = Δσv cos²q.
  2. Trotz der erwähnten Unvollkommenheiten der Reproduction dürfte eine Vergleichung des Prager Atlas mit dem Pariser (»Atlas photographique de la Lune, publié par l’Observatoire de Paris, executé par M. M. Loewy et M. Puiseux«. Premier fascicule, Paris 1896) hinsichtlich Plastik und Treue zu den focalen Originalen nicht zu Ungunsten des ersteren ausfallen. Gehen wir hierauf etwas näher ein. Um das Korn der Pariser Vergrößerungen mit jenem der Prager zu vergleichen, wählen wir irgendeine Mondgegend in beiden Atlanten aus, welche beiderseits auf Pariser Negativen derselben Nacht mit wenig differierender Aufnahmezeit beruhen. Ad ex. Betrachten wir die Ringebene Maurolycus auf Pl. II des ersten Pariser Heftes und auf Taf. 49 des dritten Prager Heftes. Ersteres Bild basiert auf dem Pariser Negative vom 14. März 1894, 6h.9 M. Z. Paris und ist eine 15-malige Vergrößerung, letztere auf dem Pariser Negative vom 14. März 1894, 7h4m.5 M. Z. Paris und ist eine 23-malige Vergrößerung. Schon der unmittelbare Anblick zeigt, dass die Töne des Prager Atlas feiner als jene des Pariser sind. Besieht man aber beide Bilder mit der Lupe, so erkennt man auf das Genaueste, dass das Prager Korn bei Weitem präciser als das Pariser ist – trotz der um etwa die Hälfte stärkeren Vergrößerung in Prag. Auf Taf. 49 erscheint auch die Plastik der hellen Wälle günstiger, die Wiedergabe des feineren Details vollkommener als auf Pl. II. – Ein anderes Beispiel bietet die Ringebene Archimedes auf Pl. V des ersten Pariser Heftes und auf Taf. 5 des ersten Prager Heftes. Ersteres Bild ist eine 14-malige Vergrößerung nach dem Pariser Negative vom 13. Februar 1894, 6h.5 M. Z. Paris, letzteres eine 23-malige Vergrößerrung nach dem Pariser Negative vom 13. Februar 1894, 6h30m.9 M. Z. Paris. Auch hier dürfte derselbe Eindruck, wie im vorigen Falle, gewonnen werden. – Allgemein kann, wie ich glaube, aus jeder aufmerksamen Vergleichung beider Atlanten geschlossen werden, dass der Prager Atlas für die Constatierung feineren Monddetails günstiger als der Pariser ist, obwohl jener viel stärkere Vergrößerungen aufweist. Zudem erscheinen