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Mit diesen Worten faßte er den habgierigen Nachbarn an der Kehle, riß ihm die Bullenhaut ab und flog mit ihm zur Hölle. Dem Tagelöhner aber ging es sein ganzes Leben lang gut.


Der Soldat und der Jude.

Es war einmal ein polnischer Soldat, der vier Jahre im Heere gedient hatte. Als er ausgedient hatte, wurde er entlassen und bekam drei Groschen. So ging er in die Welt. Seine Kleider waren zerrissen, die Schuhe hatten große Löcher, und die Mütze auf dem Kopfe sah aus, als ob die Vögel unter dem Himmel darin ihr Nest gebaut hätten.

Unterwegs begegnete er einem Juden, der einen gut gefüllten Geldgurt umgebunden hatte. Er blieb stehen und sagte zu dem Juden: „Sieh nur, Jude, wie abgerissen ich bin! Und ich bin doch ein polnischer Soldat und habe vier Jahre dem Vaterlande gedient. Gib mir ein paar Groschen, damit ich mir ein Wams und heile Schuhe verschaffen kann!“ Aber der Jude begann zu jammern: „Ai, wai! Ich bin noch ärmer als du. Ich habe nicht einmal einen zerbrochenen Pfennig in der Tasche.“

Der Soldat sah wohl, daß der Gurt des Juden mit Geld vollgestopft war, aber er tat, als ob er nichts bemerkt hätte, und sagte zu dem Juden: „Wenn du nichts hast, dann sind wir beide Bettler. Komm dort unter das Wegkreuz, wir wollen beten, daß der Herr Jesus sich erbarmen und uns aus der Not helfen wolle. Vielleicht erbitten wir uns einen Gurt voll Geld.“

Der Jude wollte nicht unter das Wegkreuz gehen, um zu beten, aber als der Soldat anfing, zornig zu werden, ging er hin und kniete nieder. Und der Soldat kniete hinter ihm.

Der Soldat bekreuzigte sich, der Jude nahm seine Riemen heraus und band sie sich um die Hände, dann band er sich einen Knoten auf die Stirn und

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Friedrich Lorentz: Aus dem Märchenschatz der Kaschubei. Fuchs & Cie., Danzig 1930, Seite 12. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_dem_M%C3%A4rchenschatz_der_Kaschubei.djvu/13&oldid=1735703 (Version vom 12.12.2011)