Seite:Beissel – Die Victortracht des Jahres 1464.djvu/14

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Edelsteinen verziert waren und bunte Fahnen hielten. Ein lautes Te Deum schloß die Eröffnungsfeier und bezeugte die Freude, welche alle Herzen bewegte.

     Um der ganzen Gegend weit hinaus zu verkünden, daß die Festzeit begonnen habe, wurden auf den vier Ecken des südwestlichen Thurmes purpurne Fahnen aufgesteckt, die das Wappenkreuz des hl. Victor zeigten und deren Säume mit Stöcklein besetzt waren, so daß sie, vom Winde bewegt, nicht aufhörten zu läuten[1].

     Jeden Abend stieg die Anzahl von Musikern und Posaunen und auf die Thurmgallerie, um in fröhlicher und feierlicher Weise des hl. Victors Lob erschallen zu lassen[2].

     In der Nacht wachten in der Kirche 3 Priester neben dem Schreine, während der Bürgermeister mit 2 Beigeordneten und mit 25 Bewaffneten durch die Stadt, an deren Straßenecken hellleuchtende Fackeln brannten, die Runde machte.

     Schon vor Beginn der Festfeier hatte der Magistrat verkünden lassen, bei hoher Strafe sei es verboten, zu leichtes Brot zu backen, zu leichtes Bier zu brauen, zu leichtes Maß oder Gewicht zu benutzen oder irgend etwas über den gewöhnlichen Preis hinaus zu verkaufen. Zugleich wurden Alle aufgefordert, reichere Vorräthe zu beschaffen, damit die herbeiströmende Menge nach Bedarf mit Allem versehen werden könne, was sie verlangen werde.

     Auf den 18. August fiel das Fest der hl. Helena, der Stifterin und zweiten Patronin der Kirche. Zu ihrer Ehre zeigte man an diesem Tage alle Reliquien in der feierlichen Weise. Schon am Morgen waren

  1. * Heimeric. fol. 82. Vexilla coccinea armis patroni potentissima, quorum fastiia tintinnulis intersuta … angelicum certe ventilantia tonum. Diese Einrichtung der Fahnen ließe sich wohl auch heute noch mit Glück nachahmen.
  2. Der Dechant Heimerich, der die Victortracht von 1464 leitete, muß bei der folgenden im Jahre 1487 nicht genug berücksichtigt worden sein. Es ist wahrhaft komisch, wie er immer und immer wieder auf den zeitigen Fabrikmeister zu sprechen kommt, der, wie es scheint, nicht zu allen Ausgaben bereit war, die der gealterte Dechant machen wollte. Heimerich schrieb z. B. fol. 170 seq.: Nescibat quam recipere niehil exponere. Item tubicines tibicinesque ducantur (1487), qui ab eo die per totum festum apud menia dictao tarris singularum dierum erepuseulis et auroris sus instrumenta exerceant, quo haberi poterunt canoriores et arte magis ydonei, ne videantur canere „van lole“, „van lole“. Dann setzt er hinzu: Revera nihil quam „van lore“, „van lore“ suis instrumentis cecinerunt neque id quidem omnibus diebus praedictis nam hujus fabricae magistri inexplienbili pareliate et tristitia obmissum est.

Empfohlene Zitierweise:

Stephan Beissel: Die Victortracht des Jahres 1464 In: Die Bauführung des Mittelalters. Studie über die Kirche des hl. Victor zu Xanten. Freiburg im Breisgau: Herder, 1889. Seite 62. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Beissel_%E2%80%93_Die_Victortracht_des_Jahres_1464.djvu/14&oldid=822038 (Version vom 7.8.2009)

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