Seite:Beissel – Die Victortracht des Jahres 1464.djvu/22

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mehr als 1 Denar. Angesichts solcher Zahlen ist der rasche Aufschwung der Buchdruckerei nicht zu verwundern.

     Zum Schlusse möge folgende Übersicht zeigen, wie viel das Kapitel den Herren und Ordensleuten schenkte, die beim Feste mitwirkten. Es gab also 1487:

dem Herzog von Cleve und seinem Bruder Philipp 2 Ohm Wein, die 220 Ouart enthielten, von denen jedes zu 2 Stüber berechnet war. Sie kosteten demnach 22 Mark,
dem Bischofe von Münster 1½ Ohm, d. h. 165 Ouart für 16½ "
dem Grafen von Bentheim, dem Grafen von Limburg, dem Herrn Gisbert von Iselstein und dem Herrn Cornelius van den Baghen je 12 Ouart, zu je 2 Stüber, d. h. je 11/3 "
dem Frater Heinrich von Kempen, Minoriten von Mecheln 6 "
dem Guardian von Emmerich 21/3 "
dem Meister Oldanus, Prediger von Kalkar 10 "
dem Minoriten Frater Wilhelm von Cleve 2 "
den Predigerbrüdern von Nymwegen 12 "
zweien Predigerbrüdern von Utrecht 2 "
dem Frater Rütger von Mörs, Karmeliter 2 "
dem Predigerbruder Johann von Bentheim, der mit einem Genossen in Holland und Friesland den Ablaß predigte 20 "

Die zuletzt Genannten brachten aus Holland 354 und aus Friesland 38 Mark.

     Daß bei der Victortracht von 1487 nicht nur für reiche geistliche Hilfe, sondern auch für die Erheiterung des Volkes gesorgt wurde, erhellt schon daraus, daß das Kapitel Musikanten (fistulatores) aus Aachen, Leyden und Soest kommen ließ.

     Glückliche Tage der Vorzeit, in denen noch die Fürsten mit dem Volke einig waren nicht nur im Glauben, sondern auch in der Bethätigung ihres Glaubens! Damals fehlte es dem Volke nicht an Verdienst, nicht an Erholung und freudiger Lebenslust. Aber seine Erholung war durch religiöse Weihe geheiligt und geadelt. Statt der Faschingszüge hatte es Processionen, statt der Wirthshäuser Schützenplätze und Gildesäle. Vom Altare ihrer Gilde holten die Handwerker den Segen Gottes für ihre Arbeiten und deren Gedeihen, und frohen Sinn, um in den Prüfungen dieses Lebens festzustehen und trotz aller Mühen und Sorgen, die gerade dem Handwerkerstande nie fehlen werden, die irdische Pilgerschaft in Zufriedenheit zu vollenden.

Empfohlene Zitierweise:

Stephan Beissel: Die Victortracht des Jahres 1464 In: Die Bauführung des Mittelalters. Studie über die Kirche des hl. Victor zu Xanten. Freiburg im Breisgau: Herder, 1889, Seite 70. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Beissel_%E2%80%93_Die_Victortracht_des_Jahres_1464.djvu/22&oldid=1118960 (Version vom 27.05.2010)