Seite:Beissel Das Martyrthum des hl. Victor und seiner Genossen.djvu/14

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der Reliquien ein monumentaler Beweis für das Martyrium des hl. Victor in Xanten beigebracht, dessen Fäden noch über das neunte Jahrhundert hinaufreichen. Nun berichtet Gregor von Tours von einem noch ältern Fund, der uns bis in die Zeiten des Martyriums führt.

Der Vater der fränkischen Geschichtsschreibung erzählt zuerst, wie der Bischof Eberegisilus von Köln dadurch geheilt wurde, daß er auf sein krankes Haupt Staub legte, der aus der Kirche und vom Grabe des hl. Gereon kam, die vor der Stadt Köln stand. Er bemerkt ausdrücklich, daß der hl. Gereon mit seinen Genossen zur bekannten thebäischen Legion gehörte, und beginnt dann seinen Bericht über die Auffindung der Gebeine des hl. Mallosus, der einer der vornehmsten Genossen des hl. Victor war. Der Inhalt seiner Worte läßt sich kurz so zusammenfassen:

Der hl. Martyrer Mallosus hatte in der Stadt Birten eine Kapelle, aber sein Grab war unbekannt. Eberegisilus baute nun neben die Kapelle eine Basilika. Kaum war sie vollendet, da fand man durch göttliche Offenbarung die Reliquien des hl. Mallosus mitten in der Absis seiner alten Kapelle sieben Fuß tief unter der Erde. Sie wurden feierlich erhoben und in der neuen Basilika beigesetzt. Die ganze Erzählung schließt dann mit den Worten: „Man erzählt, auch der Martyrer Victor sei dort begraben, aber wir hörten noch nicht, ob seine Gebeine gefunden seien.“[1]

Aus diesen Worten folgt offenbar, daß zur Zeit des Gregor Victor und Mallosus bekannt waren, und daß alle seine Leser wußten, daß sie zusammen gehörten. Nun hatte der hl. Mallosus, der doch nur ein Genosse des hl. Victor war, schon im sechsten Jahrhundert eine Kapelle, die der Bischof von Köln erweiterte, und in dieser alten Kapelle ruhten seine Reliquien schon so lange, daß man den Ort derselben vergessen hatte. Sie waren also lange Zeit vor dem sechsten Jahrhundert dort beigesetzt, und zwar in der Absis, wo nie andere Leiber als die der Heiligen hingelegt wurden. Mallosus ward also lange vor dem sechsten Jahrhundert als Martyrer in Birten verehrt, und zwar deßhalb, weil er, wie Gregor von Tours sagt, bei Birten für den Glauben starb. Sein Martyrthum ist also klar bewiesen, und damit ist ein wichtiges Zeugniß für das Martyrium des hl. Victor gewonnen.

Es darf nun freilich hier nicht verschwiegen werden, daß die sonst so zuverlässigen Verfasser der Acta Sanctorum die Geschichte des hl. Victor


  1. Gregor. Tur. miraculor. lib. I. c. 63.
Empfohlene Zitierweise:

Stephan Beissel: Das Martyrthum des hl. Victor und seiner Genossen. Freiburg im Breisgau: Herder, 1889, Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Beissel_Das_Martyrthum_des_hl._Victor_und_seiner_Genossen.djvu/14&oldid=1055347 (Version vom 28.03.2010)