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Liste.png Johann Georg Knie: Blinden- und Taubstummenanstalt Gmünd. In: Pädagogische Reise durch Deutschland im Sommer 1835, S. 162–172

des Vordergebäudes (Hauptgebäudes) sind: der Schlafsaal der Mädchen, die Wohnung der Oekonomin, die Wohnung eines Unterlehrers, das Arbeitszimmer, eine kleine Speisekammer; im zweiten Stockwerke sind die zwei Schulzimmer der Taubstummen und das der Blinden, die Wohnung des Oberlehrers mit drei Zimmern; im obern Stock ist die Wohnung des Vorstehers mit sechs Zimmern. Im Flügel (Hintergebäude), der unmittelbar an die evangelische Kirche stößt, sind im Parterre: Küche, Speisesaal, Waschhaus und ein kleines Zimmer, das die Kostreicherin bewohnt; im mittleren Stock ist der Schlafsaal der Knaben, die Küche des Oberlehrers; im obern Stock sind zwei Krankenzimmer, eine Kleiderkammer, die Küche und Speisekammer des Vorstehers. Die Lagerstätten sind Heumatratzen nebst Federkissen für den Kopf, und wollene Teppiche, in ein Leintuch eingeschlagen, als Decke. Der Hülfslehrer schläft bei den Knaben, ein Dienstmädchen, zugleich Gehülfin beim Arbeitsunterricht, schläft bei den Mädchen. – Zu Körperübungen sind in dem Hofe für Taubstumme und Blinde: ein Regg, eine Barre, ein Kletterbalken und eine Schaukel angebracht. Die Kleidung besteht bei den Knaben aus grünem Tuche für den Winter, aus Leinwandhosen und Wämsern für den Sommer; bei den Mädchen aus baumwollenen Zeugen, im Winter ebenfalls aus einer Tuchkleidung.

Die Kosten auf Verpflegung und Bekleidung belaufen sich für einen Blinden, wie für einen Taubstummen, jährlich nur auf 115–120 fl., und es wird von hier aus die Bekleidung der Taubstummen, die sich in der mit dem evangelischen Schullehrerseminar zu Eßlingen verbundenen Tochteranstalt befinden, mit besorgt. Der Vorsteher wie der Oberlehrer genießen jeder nur 450 fl. Gehalt, die beiden Unterlehrer circa 250 fl., die Oekonomin und Arbeitslehrerin 200 fl. und der Hülfslehrer 130 fl. Man erkennt hieraus den Geist möglichster Sparsamkeit, der übrigens, so weit ich Kenntniß davon nehmen konnte, in allen Zweigen der würtembergischen Verwaltung vorherrscht, und den ich in ähnlicher Art nur im Weimarschen wieder gefunden habe.

Empfohlene Zitierweise:

Johann Georg Knie: Blinden- und Taubstummenanstalt Gmünd. In: Pädagogische Reise durch Deutschland im Sommer 1835, S. 162–172. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1837, Seite 168. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Blinden-_und_Taubstummenanstalt_Gm%C3%BCnd.djvu/7&oldid=1196679 (Version vom 11.08.2010)