Seite:Commentariolus 1899 German Translation Adolf Müller.djvu/2

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(De luna) eine empfindliche Lücke entstand. Diese wurde glücklicherweise durch einen zweiten ähnlichen im Jahre 1878 in der Bibliothek der Stockholmer Sternwarte gemachten Fund ausgefüllt.

Der dort befindlichen, aus dem Besitz von Hevel stammenden Baseler Ausgabe des Coppernicanischen Hauptwerkes ist eine ähnliche Abschrift des „Commentariolus“ angebunden. Der Vergleich beider Manuskripte ermöglichte eine hinreichend genau gestellte Herausgabe der genannten Abhandlung, wie wir sie in der Urkundensammlung von L. Prowe vor uns haben.[1] Dieselbe dient uns als Vorlage bei der folgenden Uebersetzung.

Die Schrift ist nicht, wie man vermuten könnte, eine populär gehaltene Darlegung des coppernicanischen Systems[2]. Das Verständnis derselben setzt gewisse fachmännische Kenntnisse voraus, wie sie selbst bei Gebildeten im weiteren Sinne des Wortes, nicht immer anzutreffen sind. Es handelt sich offenbar um eine für astronomisch geschulte Freunde bestimmte Einführung in die Hauptlehren des noch unveröffentlichten Hauptwerks. Demnach glauben wir den Lesern dieser Zeitschrift einen Dienst zu erweisen, wenn wir das wertvolle, einst in Ermland verfaßte und von da weiter verbreitete Schriftchen durch Uebertragung ins Deutsche und durch Beifügung einiger Erklärungen dem Verständnis weiterer Kreise näher zu rücken suchen.

Bei der möglichst treuen Uebersetzung haben wir es uns dennoch gestattet, nicht so sehr die einzelnen Worte und Satzgefüge, als vielmehr den in ihnen enthaltenen coppernicanischen Gedanken klar wiederzugeben.

Coppernicus lag nichts ferner, als sein System als bloße Rechenhypothese zu empfehlen[3]; er vermeidet sogar mit sichtlicher Sorgfalt den Namen Hypothese, woraus wir wohl den Schluß ziehen dürfen, daß die Ueberschrift des Commentariolus, wie wir sie an die Spitze dieses Artikels gesetzt haben, nicht aus seiner


  1. „Nicolaus Coppernicus“ von L. Prowe. – Berlin 1884. II. Band: Urkunden S. 184 ff.
  2. Mathemata mathematicis scribuntur“ war einer der Wahlsprüche des Coppernicus. – Vgl. M. C. 109 u. 150.
  3. vgl. M. C. 109 ff.
Empfohlene Zitierweise:

Nicolaus Copernicus, Adolf Müller (Übersetzer): Nicolai Coppernici de hypothesibus motuum coelestium a se constitutis commentariolus. J. A. Wichert, Braunsberg 1899, Seite 360. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Commentariolus_1899_German_Translation_Adolf_M%C3%BCller.djvu/2&oldid=1384399 (Version vom 22.12.2010)