Seite:Dahl Abstammung Skorpione und Atmungsorgane.djvu/5

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Wurzel der Extremitäten, da sie durch die mehr oder weniger nach hinten gerichteten Extremitäten gegen Verletzungen geschützt waren, und da durch deren Bewegung das Wasser dauernd erneuert wurde. Gingen diese Gliedmaßen im Laufe der Zeit verloren, so mußte zunächst die Gelenkhaut der Segmente die Funktion der Atmung übernehmen, und das sehen wir bei unserm Urskorpion. – Atmungsfalten konnten natürlich an der Wurzel aller Gliedmaßen entstehen. Doch werden bei Tieren mit gestrecktem Körper die Gliedmaßen des Hinterkörpers besonders geeignet gewesen sein, da die Gliedmaßen des Vorderkörpers als die Hauptbewegungsorgane die kräftigeren waren und deshalb ihre Gelenkhaut weniger zart sein konnte. Aus den Oberflächenerweiterungen[WS 1], mochten es nun einfache Querfalten oder Vorragungen bzw. Vertiefungen sein, konnten sich sowohl Kiemen als Fächertracheen entwickeln, wie es die Ontogenie bei den Arachnoiden und bei Limulus zeigt. Waren es Vertiefungen, so konnten sich aus diesen Röhrentracheen entwickeln, ohne vorhergehende Faltenbildung. Man sieht also, daß alle Verschiedenheiten, die wir heute an den Atmungsorganen der verschiedenen Spinnentierordnungen kennen, sich viel ungezwungener ergeben, als wenn wir annehmen, daß fertig ausgebildete Kiemenblätter sich zunächst in Lungenblätter umwandelten und diese dann durch Röhrentracheen ersetzt wurden. Auch die verschiedene Lage und Verteilung auf die Körpersegmente, die wir bei den verschiedenen Spinnentierordnungen beobachten, ergibt sich viel einfacher, wenn wir annehmen, daß ursprünglich die Gelenkhaut an der Wurzel aller Gliedmaßen in einem gewissen Grade den Gasaustausch vermittelte.

Nach dieser Auffassung, welche sowohl den paläontologischen als den embryologischen Tatsachen vollkommen gerecht wird, wären alle Röhrentracheen, soweit sie innerhalb der Klasse der Spinnentiere vorkommen, einander homolog, wie sie dies anderseits innerhalb der Klasse der Insekten sein dürften. Die Ähnlichkeit der Xiphosurenkiemen mit den Fächertracheen der Arachnoiden würde also eine scheinbare Konvergenz sein, wenn man bei dem gleichen Ursprung aus Falten und der immerhin doch nur geringen Ähnlichkeit der Bildungen überhaupt von einer Konvergenz sprechen darf. Es hieße das dem Begriff Konvergenz etwas Zwang antun. – Konvergenz kommt gewiß im Tierreich vor[1]. Aber sie stellt sich doch stets als ein Sonderfall dar, so daß man sich in zweifelhaften Fällen immer für einen genetischen Zusammenhang gleicher Gebilde entscheiden wird.


  1. So ist z. B. die gestreckte Körperform und die Ameisenform in den verschiedenen Spinnenfamilien sicher eine Konvergenzerscheinung, eine mimetische Wiedergabe der gleichen Objekte (s. Zool. Anz. 1906. Bd. 31. S. 60ff. und F. Dahl, Vgl. Physiol. u. Morphol. d. Spinnentiere. Jena 1913. S. 85ff.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Oberflächenerweiternngen