Seite:Dahl Trichobothrien und Systematik.djvu/6

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den Palpen und den Beinen, bei den Pedipalpen nur auf den Beinen und bei den Milben nur auf dem Vorderteil des Rumpfes vor. Bei den Solifugen, Phalangiden und den kleineren Milben fehlen sie ganz. Eine tiefergehende Differenz innerhalb einer Ordnung kommt also nur bei den Acariden vor. Doch handelt es sich auch hier nur um ein Vorhandensein oder Fehlen, um einen Unterschied also, der sich leicht aus der Lebensweise der Tiere ergeben kann.

Unter den verschiedenen Organsystemen haben bisher besonders die Atmungsorgane bei Aufstellung eines Systems weitgehende Beachtung gefunden und wahrscheinlich mit vollem Rechte. Freilich haben sich gerade auf diesem Gebiete der Forschung große Schwierigkeiten in den Weg gestellt.

Schon bei Beantwortung der Frage nach der Verwandtschaft der Spinnentiere als Tierklasse spielten seit langem die Atmungsorgane eine Hauptrolle. Man glaubt nämlich die Fächertracheen oder Lungen der Spinnentiere direkt von der Kieme Limulus-artiger Wassertiere herleiten zu sollen, weil man sie sich bei manchen Spinnentieren sehr ähnlich wie die Kiemen von Limulus entwickeln sah. Wie bei der Limulus-Kieme sah man die Fächertrachee zuerst als äußere Faltung entstehen und sich dann erst einsenken. Stände diese Tatsache bei allen Spinnentieren fest, so würde dadurch allerdings die Limulus-Theorie recht fest begründet sein. Die Autoren weichen aber gerade in dem wichtigsten Punkte in ihren Angaben weit voneinander ab. So entstehen nach Brauer bei Euscorpius und nach Schimkewitsch bei Thelyphonus die Falten erst nach der Einsenkung[1], während Sophie Pereyaslawzewa bei Androctonus eine äußere, sich später einsenkende Faltenbildung beobachtete. Ebenso hält Montgomery bei Theridium die äußere Faltenbildung für unabhängig von der Bildung der Lunge, während Purcell und Kautzsch bei andern Spinnenarten einen genetischen Zusammenhang beobachteten[2].

Wer hier aus der Literatur ein unparteiisches Urteil gewinnen will, muß notwendig zu dem Schluß gelangen, daß in der Bildung der Lungen bei den verschiedenen Arachniden bedeutende Differenzen vorkommen. Damit sinkt aber die Beweiskraft der embryologischen Tatsachen auf ein Minimum herab. Es kommt hinzu, daß nach der Beobachtung auch der neueren Autoren die Tracheen der echten Spinnen sich in völlig andrer Weise entwickeln als die Lungen, obgleich die Homologie der 4 Atmungsorgane bei den Tetrapneumones, Dysdera und


  1. Man vgl. die Figuren in: Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. 59. 1895. S. 413.
  2. Weiteres über die betreffende Literatur findet man in einer Arbeit von E. Reuter in: Acta Soc. Sci. Fennicae T. 36 No. 4. Helsingfors 1909 und von G. Kautzsch in: Zool. Jahrbücher, Abt. Anat. Bd. 30. 1910. S. 535ff.
Empfohlene Zitierweise:

Friedrich Dahl: Die Hörhaare (Trichobothrien) und das System der Spinnentiere. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1911, Seite 527. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dahl_Trichobothrien_und_Systematik.djvu/6&oldid=1637842 (Version vom 28.08.2011)