Seite:DarwinAbstammungMensch1.djvu/53

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uns von solcher Bedeutung, dass sie mit ziemlicher Ausführlichkeit behandelt werden müssen.

Die directe und bestimmte Wirkung veränderter Bedingungen. — Dies ist ein äusserst verwickelter Gegenstand. Es lässt sich nicht läugnen, dass veränderte Bedingungen irgendwelchen Einfluss und gelegentlich sogar eine beträchtliche Wirkung auf die Organismen aller Arten äussern; auch scheint es auf den ersten Blick wahrscheinlich, dass, wenn man hinreichend Zeit gestattete, ein solches Resultat unabänderlich eintreten würde. Doch ist mir's nicht gelungen, deutliche Beweise zu Gunsten dieser Folgerung zu erhalten; es lassen sich auch auf der andern Seite gültige Gründe für das Gegentheil anführen, mindestens soweit die zahllosen Bildungs-Eigenthümlichkeiten in Betracht kommen, welche speciellen Zwecken angepasst sind. Es kann indessen kein Zweifel sein, dass veränderte Bedingungen fluctuirende Variabilität in fast endloser Ausdehnung veranlassen, wodurch die ganze Organisation in gewissem Grade plastisch gemacht wird.

In den Vereinigten Staaten wurde über eine Million Soldaten, welche während des letzten Kriegs dienten, gemessen und die Staaten, in denen sie geboren und erzogen waren, notirt.[1] Aus dieser staunenswerthen Zahl von Beobachtungen ergibt sich der Beweis, dass locale Einflüsse irgendwelcher Art direct auf die Grösse wirken; und wir lernen ferner, „dass der Staat, in dem das Wachsthum zum grossen Theil stattgehabt hat, und der Staat der Geburt, welcher die Abstammung ergibt, gleichfalls einen ausgesprochenen Einfluss auf die Grösse auszuüben scheinen“. So ist z. B. als feststehend ermittelt, dass „ein Aufenthalt in den westlichen Staaten während der Jahre des Wachsthums eine Zunahme der Grösse hervorzubringen neigt“. Andrerseits ist es sicher, dass bei Matrosen die Lebensweise das Wachsthum hemmt, wie sich „aus der bedeutenden Verschiedenheit der Grösse von Soldaten und Matrosen im Alter von 17 und 18 Jahren ergibt"“ Mr. B. A. Gould versuchte die Ursachen dieser Einflüsse festzustellen, welche hiernach auf die Grösse einwirken; er gelangte indess nur zu negativen


  1. Investigations in Military and Anthropological Statistics by B. A. Gould. 1869. p. 93, 107, 126, 131. 134.
Empfohlene Zitierweise:

Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, I. Band. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1878, Seite 39. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAbstammungMensch1.djvu/53&oldid=1456853 (Version vom 10.02.2011)