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Männchen mancher Species, so z. B. von Raja clavata, den Rücken mit grossen hakenförmigen Dornen dicht besetzt haben.[1]

Die Männchen des Capelin (Mallotus villosus, eines lachsartigen Fisches) haben allein eine aus dicht stehenden, bürstenartigen Schuppen bestehende Leiste, mittelst deren zwei Männchen, eines auf jeder Seite, das Weibchen halten, während dasselbe mit grosser Geschwindigkeit über den sandigen Grund hinfährt und dort seine Eier ablegt.[2] Der hiervon sehr verschiedene Monacanthus scopas bietet eine ziemlich analoge Bildung dar. Wie mir Dr. Günther mittheilt, besitzt das Männchen einen Haufen steifer gerader Stacheln, wie die Zähne eines Kammes, an den Seiten des Schwanzes; dieselben waren in einem Exemplar von sechs Zoll Länge beinahe einen und einen halben Zoll lang; das Weibchen hat an derselben Stelle einen Haufen Borsten, die man mit denen einer Zahnbürste vergleichen kann. Bei einer andern Species, M. peronii, hat das Männchen eine Bürste ähnlich der beim Weibchen der ersten Species, während die Seiten des Schwanzes beim Weibchen glatt sind. Bei einigen andern Arten derselben Gattung lässt sich wahrnehmen, dass der Schwanz beim Männchen etwas rauh, beim Weibchen vollkommen glatt ist; und endlich sind bei andern Arten die Schwanzseiten beider Geschlechter glatt.

Die Männchen vieler Fische kämpfen um den Besitz der Weibchen. So ist der männliche Stichling (Gasterosteus leiurus) beschrieben worden als „närrisch vor Entzücken", wenn das Weibchen aus seinem Verstecke heraus kommt und das Nest in Augenschein nimmt, welches das Männchen für dasselbe gebaut hat. „Das Männchen fliegt um das Weibchen herum in allen Richtungen, dann zurück zu den angehäuften Materialien für den Nestbau, dann im Augenblicke wieder zurück, und wenn das Weibchen nicht entgegenkommt, versucht das Männchen es mit seiner Schnauze zu stossen und es mit dem Schwanze und dem Seitenstachel nach dem Neste zu treiben".[3] Die Männchen sollen Polygamisten sein.[4] Sie sind ausserordentlich kühn und kampflustig, während „die Weibchen vollständig friedfertig sind".


  1. Yarrell, History of British Fishes. Vol. II. 1836, p. 417, 425, 436. Dr. Günther theilt mir mit, dass die Dornen bei Raja clavata den Weibchen eigenthümlich sind.
  2. The American Naturalist, Apr. 1871, p. 119.
  3. s. die interessanten Artikel Mr. Warington's in: Annals and Magaz. of Nat. Hist. 2. Ser. Vol. X. 1852, p. 276 und Vol. XVI. 1855, p. 330.
  4. Noel Humphreys, River Gardens. 1857.
Empfohlene Zitierweise:

Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, II. Band. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1875, Seite 2. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAbstammungMensch2.djvu/16&oldid=1669410 (Version vom 9.10.2011)